„Diese Region braucht einen Fernsehsender“

Ab Oktober geht mit Mosel TV ein neuer privater Fernsehsender für die Region Trier, Bitburg, Saarburg, Konz und Schweich an den Start, der 45.000 Haushalte mit regionalen Nachrichten aus Politik, Kultur und Sport versorgen möchte. Finanziert werden soll der Sender durch Werbung und Sponsoren. Das haben jedoch schon andere vergeblich versucht: Von Fernsehen in Trier über Trier plus bis Antenne West – lange konnte sich in der Region bisher kein werbefinanzierter Sender über Wasser halten. Ein Unternehmen, das die Fernsehlizenz schon hatte, ging gar nicht erst auf Sendung. Bahman Dashtizadeh, Geschäftsführer von Mosel TV, ist nichtsdestoweniger optimistisch. Erfahrung hat er bereits mit dem Betrieb eines eigenen Senders.

WASSERLIESCH. Das geräumige und schick eingerichtete Aufnahmestudio im Industriegebiet in Wasserliesch ist gut ausgestattet. Es verfügt über modernes Equipment und Sendetechnik. Ein Team von acht, zumeist jungen Mitarbeitern sammelt hier seit Wochen Filmmaterial für den geplanten Sendestart am 1. Oktober. Im Schnittraum arbeitet man gerade an der Nachbearbeitung einer Reportage über den Greifvogelpark in Saarburg. Von hier aus soll schon bald ausgestrahlt werden, was auf voraussichtlich 45.000 Bildschirmen der Region empfangen werden kann. Von Trier bis Bitburg und von Saarburg bis Schweich will Mosel TV die Menschen künftig mit regionalem Kabelfernsehen versorgen.

Bahman Dashtizadeh ist Geschäftsführer des Senders. Er leitet bereits den persisch-deutschen Fernsehsender PDF Channel, der seit 2007 ebenfalls aus dem Studio in Wasserliesch sendet. „Unser Vorteil ist, dass wir nicht von Null beginnen müssen“, erklärt Dashtizadeh. “Wir müssen die Technik nicht erst anschaffen und verfügen schon jetzt über das Wissen und die notwendige Erfahrung, wie man Fernsehen macht.“ Inhaltlich will man sich als klassischer Regionalsender präsentieren: Der Fokus liegt auf Nachrichten und Reportagen aus der Region. Dazu sollen Musiksendungen, Konzert- oder Veranstaltungsmitschnitte und Sportsendungen eine wichtige Rolle spielen. Als regelmäßiger Bestandteil ist zudem eine Interview-Reihe geplant, in der Bürgermeister der Region ihre Städte vorstellen.

Zunächst soll nur ein bis zwei Stunden, zuvor aufgenommenes Programm pro Tag ausgestrahlt werden. Die restliche Sendezeit wird mit Wiederholungen oder einer Bildschirmzeitung (Text- und Bildtafeln werden in einer Programmschleife gezeigt) gefüllt. Für alle, die nicht über Kabel verfügen, werden die Beiträge zudem auf die Internetseite des Senders gestellt. „Wir möchten das natürlich ausbauen“, so der Geschäftsleiter. “Irgendwann würden wir auch gerne über Satellit senden, um mehr Zuschauer zu erreichen.“ Um die Programmplanung an die Wünsche des Zuschauers anzupassen, habe man im Vorfeld Interviews geführt und die Menschen gefragt, was sie sich von einem Lokalsender erhoffen. „Von jung bis alt: Die Leute wollen wissen, was in ihrer Region läuft, sie wünschen sich tagesaktuelle Informationen aus ihrer Region“, fasst Dashtizadeh das wenig überraschende Ergebnis der Befragungen zusammen.

Doch Triers Vorgeschichte bezüglich lokaler Privatsender lässt wenig Grund zur Euphorie. Denn an dem Versuch, werbefinanziertes Fernsehen in Trier zu etablieren, hat sich schon so mancher Unternehmer die Zähne ausgebissen. Der Lokalsender Trier plus musste nach wenigen Monaten Insolvenz anmelden und nach etwas über einem Jahr komplett dicht machen. Auch Antenne West steht auf der Liste der gescheiterten TV-Programme. 2009 ging dem Betreiber des Trierer Radio- und Fernsehsenders das Geld aus. Erst Anfang des Jahres ist die Funkhaus Saar GmbH noch vor Sendestart mit einem ähnlichen Vorhaben gescheitert. Damals sagte Dr. Joachim Kind, Sprecher der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK), gegenüber dem Trierischen Volksfreund, dass die Fernsehlizenz für die Region Trier nicht mehr neu ausgeschrieben werde.

Bahman Dashtizadeh hat sie trotzdem bekommen, weil die LMK zwischen analogen und digitalen Frequenzen unterscheidet. “Mosel TV sendet im digitalen Bereich. Dort sind die Anforderungen für eine Sendeberechtigung niedriger”, erklärt Kind auf Anfrage von 16vor. Im Digitalbereich gibt es noch viele freie Frequenzen und wenige Bewerber, im Analogbereich ist es umgekehrt. Nachdem das Programm, das Konzept und die Wirtschaftlichkeit überprüft worden seien, habe Mosel TV die Berechtigung erhalten. “Wir hatten einen sehr professionellen Umgang”, sagt Kind, der auch gute Erfahrungen mit PDF Channel gemacht habe.

Dashtizadeh weiß um die problematische Vorgeschichte der Trierer Lokalsender und bleibt dennoch zuversichtlich. Er habe Kontakt zu anderen Regio-Fernsehsendern und wisse wie es funktioniert: „Das Wichtigste bei einem kleinen Privatsender ist es, nah am Menschen zu sein. Man muss eine Beziehung zu seinen Zuschauern aufbauen und ein Zugehörigkeitsgefühl herstellen.“ Dashtizadeh hofft auf viel Beteiligung und gute Ideen seiner Zuschauer und sucht weiter nach Verstärkung für sein Team: „Wir wollen hier etwas Gutes aufbauen, das kann ich nicht alleine“, sagt er. “Diese Region braucht einfach einen Fernsehsender.“

Weitere Infos zum Sender finden Sie hier.

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