Ambitioniertes Konzept für Großprojekt am Moselufer

Perspektiven für das östliche Moselufer: Die Mainzer Immobiliengesellschaft Rheinland-Pfalz (IRP) plant auf dem Gelände der früheren Kaserne “Castel Feuvrier” unweit der Talstation der alten Kabinenbahn eine Wohnanlage mit neun Häusern und einem sechsgeschossigen Hotel. Ein neuer Moselsteg, ein Restaurant sowie drei Gebäude für Praxen und Büros sind ebenfalls vorgesehen. Das städtebauliche Konzept des Trierer Architekten Manfred Müller, mit dem sich auch der Architektur- und Städtebaubeirat befasste, wurde nun präsentiert. Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) spricht von einem Schlüsselprojekt für das Konzept “Stadt am Fluss”. Tatsächlich dürfte das mehr als drei Hektar große Areal zwischen Zurmaienerstraße und Moselufer eine deutliche städtebauliche Aufwertung erfahren.

TRIER. Wohnen am Fluss, noch dazu mit Blick auf den Weisshauswald und die roten Sandsteinfelsen von Pallien – die Lage könnte kaum besser sein, verliefe nicht östlich des Areals die viel befahrene Zurmaiener Straße. Tausende Fahrzeuge passieren täglich diese Trasse, entsprechend viel Lärm herrscht in diesem Teil des Trierer Nordens. Manfred Müller weiß um diese Problematik, die er in den Planungen seines Büros für die Neubebauung des ehemaligen Kasernengeländes “Castel Feuvrier” berücksichtigen musste. Sein Vorschlag: Zurückgesetzt vom Straßenraum soll eine geschwungene, weitgehend geschlossene Wand entstehen. Diese nehme Bezug auf das “in Trier seit Jahrhunderten aktuelle Thema ‘Umgebungsmauer'”, erläutert er. Durch die Wand und darüber angeordnete Dienstleistungs- und Bürogebäude werde der Grundstücksbereich zur Mosel hin vom Verkehrslärm abgeschottet und könne somit für eine Wohnnutzung erschlossen werden.

Müller spricht von einer “Schallschutzwand mit Dienstleistungsangeboten”. Geschossweise geschichtete Gebäudeelemente sollen auf der Mauer aufgesetzt werden und ein Stück weit in Richtung Straße heraus ragen. Damit wolle man erreichen, dass die Straßenfront nicht hermetisch und monolithisch erscheine, sondern ein “abwechslungsreiches Formenspiel” geboten werde. In den Gebäuden könnten Arztpraxen und Büros unterkommen. Weitere Schwerpunkte des städtebaulichen Konzepts, das der Trierer Architekt jetzt gemeinsam mit dem Projektentwickler, der Mainzer Immobiliengesellschaft Rheinland-Pfalz (IRP) präsentierte, sind ein Hotelneubau sowie ein Restaurant mit Außenterrasse und die Errichtung von insgesamt neun freistehenden Wohngebäuden. Letztere sollen jeweils drei Geschosse sowie ein Staffelgeschoss haben und je sieben Wohnungen Platz bieten.


Es ist ein ambitioniertes Vorhaben, das die IRP angehen möchte. Die IRP gründete eigens eine Tochtergesellschaft, die “Porta Nova”. Zwischenzeitlich erwarben die Mainzer das 3,4 Hektar große Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Dem Verkauf vorangegangen war ein Bewerberverfahren, wobei die Planungsentwürfe im Architektur- und Städtebaubeirat der Stadt Trier diskutiert wurden. “Uns ging es darum, den Verkauf des Grundstücks nicht nur über den Preis zu regeln”, so Simone Kaes-Torchiani (CDU). “Die Bebauung des Areals soll auch städtebaulich eine Bereicherung darstellen und sich in die Umgebung einfügen”, erklärte die Baudezernentin bei der Präsentation des Konzepts.

Hotel soll neues Eingangstor zur Stadt bilden

Doch mit der Umgebung ist das so eine Sache, denn vor allem in Richtung Norden ragen einige Bausünden empor. Etwa ein elfstöckiges Wohngebäude hinter dem Exzellenzhaus. In Nachbarschaft zu diesem Hochhaus schlägt Architekt Müller nun ein sechsgeschossiges Hotel vor. In den Untergeschossen soll dieser Bau “deutlich vom Straßenraum zurücktreten”, heißt es in den Erläuterungen des Konzepts. In den oberen Stockwerken jedoch würde sich das Hotel der Straße wieder annähern. Weber spricht von einem “neuen Stadteingang”, der aber auch beim Verlassen Triers in Richtung Autobahn einen städtebaulichen Akzent setzen könnte – bevor man dann wieder die architektonische Tristesse zwischen Stadion und Ratio an sich vorbeiziehen lassen muss. Das Hotel soll bis zu 140 Betten haben, angeblich gibt es bereits mehrere Interessenten. Auch für das geplante Restaurant mit Außenterrasse, das im Nordwesten des Areals entstehen würde, dürfte es Betreiber geben.

Was die Erschließung des Moselufers anbelangt, so könnten gerade diese Terrasse und ihr Umfeld neue Impulse für das Projekt “Stadt am Fluss” setzen. Die Terrasse soll, auf Stützen gegründet, mit einem gestuften Moselsteg verbunden werden. Unmittelbar am Steg sind ebenerdig Spiel- und Aufenthaltsflächen vorgesehen, die für alle Besucher des Ufers offen stehen sollen. Auch Grillplätze seien denkbar, heißt es in dem Konzept. Wann dieses umgesetzt wird, ist indes noch unklar. Läuft alles nach Plan, dann könnten die Arbeiten im übernächsten Jahr beginnen. Allerdings muss die Verwaltung noch die rechtlichen Voraussetzungen hierfür schaffen. Es sei noch nicht entschieden, ob ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt oder ein städtebaulicher Ausführungsvertrag geschlossen werde, heißt es dazu aus dem Rathaus.

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Raimund Scholzen schreibt:

    Sehr schön, der Mariensteg als Ersatz für die frühere Fähre St-Marien, zu der man im Weißhauswald noch steinerne Wegweiser des Eifelvereins finden kann. Dann kommt man auch wieder zu Fuß aus dem total eingemauerten Stadtteil Trier-Nord in die Natur, und eine weitsichtige Regionalbahnkonzeption nimmt die Chance wahr, hier an der Weststrecke einen Bahnhaltepunkt einzurichten, der vom linken Moselufer her das Moselstadion, das Nordbad und das Ex-Haus erschließt.

  2. Norbert Damm schreibt:

    @ Raimund Scholzen: Meinst du mit Mariensteg eine Fußgängerbrücke über die Mosel? Gute Idee. Ein Bahnhaltepunkt würde auch die Jugendherberge und Zalawen erschließen.

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