Auszeichnung wieder für zwei Künstlerinnen

Laura Eckert (oben) und Chikako Kato haben den Ramboux-Preis 2014 gewonnen. Fotos: Christian JörickeWie schon 2010 geht auch der Ramboux-Preis der Stadt Trier 2014 an zwei Künstlerinnen. Weil die Jury sich nicht auf einen Preisträger einigen konnte, erhalten die Bildhauerin Laura Eckert und die Malerin Chikako Kato die Auszeichnung gemeinsam. Für jeweils 3000 Euro wird das Stadtmuseum Simeonstift nun Arbeiten der Künstlerinnen ankaufen. Deren Werke sind dort ab sofort bis zum 6. April in einer Ausstellung zu sehen. Erstmals parallel dazu – und nicht wie bisher im Vorfeld – werden auch die übrigen Wettbewerbsarbeiten gezeigt.

TRIER. 16 Bewerbungen gingen im vergangenen Jahr für den Ramboux-Preis ein, acht kamen in die engere Wahl. Die Jury schien bei der Auswahl Wert darauf gelegt zu haben, ein möglichst breites Spektrum künstlerischer Ausdrucksformen abzudecken.

Christian Hoffmann, erst seit vergangenem Jahr freischaffend künstlerisch tätig, tut dies auch in seinen Werken. Durch verschiedene Techniken wie Malerei und Zeichnerei und einem Stilmix unterschiedlichster Epochen lässt der 31-jährige Trierer vielschichtige Collagen entstehen.

Alexander König (*1976), der in Berlin und Leipzig lebt und arbeitet, spannt den Bogen von der Romantik über den Symbolismus bis zum Expressionismus und Surrealismus. In seinen düsteren Arbeiten setzt er sich mit über 100 Jahren europäischer Malereigeschichte und mit den Traditionen des Okkulten und Spirituellen in der Kunst auseinander.

Das Spiel mit Wörtern sowie mit Zeichen und ihrer Bedeutung zeichnet das Werk von Laas Koehler aus. Der 40-jährige Aktionskünstler beschäftigt sich in seinen aus vielen roten Klebepunkten gefertigten Bildern und Installationen auf verschiedenen Humor- und Bedeutungsebenen mit der Rolle der Kunst in der Gesellschaft und des Kunstmarktes. Mit solchen Punkten werden in Galerien verkaufte Werke markiert.

Daniel Schieben (*1979) deckt den Bereich Fotografie ab – obwohl seine Bilder wie Gemälde wirken. Mit stark reduzierten Kontrasten, Unschärfen und Mehrfachbelichtungen lösen sich die Fotos von den abgelichteten Gegenständen. Von den Objekten ist kaum noch etwas zu erkennen, aber unter einem Schleier sind sie noch da, mit der Fläche mehr oder weniger eins geworden.

Mit Sehgewohnheiten brechen auch die Skulpturen und Möbel von Martin Kleppe, denn der 40-Jährige, der in der Vulkaneifel lebt, bricht mit dem Image von Beton. Durch die Verwendung von Textilbeton sind ihm bei der Gestaltung keine Formgrenzen gesetzt. Zudem suggeriert das Material, dass die Objekte extrem schwer seien. Dabei lässt sich eine tischgroße massiv wirkende Halbkugel bereits mit einem Finger bewegen.

Bei den Zeichnungen von Nisrek Varhonja (*1979) fasziniert das Zusammenspiel zwischen Abstraktion und realistisch gezeichneten Formen, das sie durch eine originelle Arbeitsweise erzielt. Zuerst ritzt sie Motive mit einer Nadel in weißes Papier, dann gießt sie Tusche darüber und zeichnet Linien und abstrakte Formen in den nun schwarzen Untergrund. Erst wenn die Tusche abgeflossen ist, wird die Zeichnung im Ganzen und das Verhältnis zu den fließenden Tuscheverläufen sichtbar.

Chikako Kato: "gathering and distribution". Foto: Chikako KatoWie Kleppe und Varhonja gehörte auch Chikako Kato (*1973) schon 2010 zu den Kandidaten für den Ramboux-Preis. Diesmal ist sie eine der beiden Preisträgerinnen. Vielleicht hätte sie die Auszeichnung schon vor vier Jahren bekommen, wenn nicht ihr Partner der Jury angehört und eine Entscheidung zu ihrem Gunsten dadurch einen Beigeschmack bekommen hätte. Schon 2010 überzeugte die Japanerin, die seit Anfang der Nuller Jahre in Trier lebt, mit ihren Arbeiten. Als sie nach Deutschland kam, beherrschte sie die Sprache nicht. Deshalb habe sie sich manchmal gefühlt wie ein elektronisches Teilchen in einer Maschine, das nicht richtig funktioniert. Seitdem bilden elektrische Widerstände in unterschiedlichen, organisch anmutenden Anordnungen das Hauptmotiv ihrer Werke. Mit welcher Präzision und Perfektion die Künstlerin arbeitet, wird erst deutlich, wenn man die Bilder aus wenigen Zentimetern Entfernung besieht. Damit “zwingt” sie den Betrachter, sich mit den Details ihrer Arbeiten auseinanderzusetzen.

Den Menschen in unterschiedlicher körperlicher und seelischer Verfassung zeigt die zweite Preisträgerin Laura Eckert (*1983) in ihren lebensgroßen Figuren. Der Frage nach dem Einfluss von Fremdeinwirkungen und äußeren Zwängen geht sie besonders anschaulich mit der Skulptur “Die Nacht” nach, die aus sechs, drehbaren Segmenten besteht, die in keiner Position einen optimalen Zustand ergeben. Das Befinden der Figuren vermittelt die Bildhauerin nicht nur durch die entsprechende Bearbeitung des Steins oder des Holzes, sondern auch durch die Kombination von beiden Materialien.

Laura Eckert: Signs of Sleep. Foto: Tom DachsBilder und Objekte aller acht Künstler sind in einer Ausstellung im ersten Obergeschoss vereint. Eine Etage darüber werden weitere Arbeiten der Preisträgerinnen gezeigt. Zu der Auszeichnung gehört außerdem der Ankauf von Werken in Höhe von insgesamt 6000 Euro.

“Willst du was gelten, mach dich selten”, versucht Thomas Egger dem Umstand, dass der Ramboux-Preis zum ersten Mal nicht mehr im Abstand von zwei, sondern von vier Jahren vergeben wurde, etwas Positives abzugewinnen. Gewiss steigert es die Bedeutung einer Auszeichnung, wenn sie seltener verliehen wird. Da der Preis jedoch sowohl als Würdigung eines Lebenswerkes als auch für die Aus- und Weiterbildung junger Künstler gedacht ist, können Letztere schnell die Altersgrenze von 40 Jahren überschritten haben, wenn zwischendurch ein renommierter Kunstschaffender geehrt wird und der Nachwuchs erst wieder acht oder gar zwölf Jahre später gefördert werden kann. Grund für die Umstellung auf einen olympischen Zeitraum sind die Kosten. 25.000 Euro, die vom Etat des Stadtmuseums abgehen, verschlingt die Ausstellung. Der Kulturdezernent hofft, mit Sponsoren die Spanne wieder verkürzen zu können.

Hier finden Sie den Artikel zum Ramboux-Preis 2010: “Das Spiel mit Raum und Zeit“.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Rainer Breuer schreibt:

    lieber christian jöricke,
    es stimmt keineswegs, dass sich die Jury nicht einigen konnte. allerdings gab es die Begründung erst bei der Preisverleihung durch den Sprecher der Jury, ich zitiere aus der Rede: ” Entsprechend der Förderintention des Preises entschied sich die Jury, den Preis an zwei Künstler zu vergeben. Das Für und Wider wurde diskutiert, und obwohl zu Beginn der Diskussion, soviel sei an Jury-Geheimnissen verraten, nur eine Minderheit direkt für diese Variante eintrat, da nach Möglichkeit nur ein Preisträger ausgewählt werden sollte, fiel letztlich auch diese Entscheidung einstimmig. Denn die beiden Künstlerinnen, die zuletzt noch in der Diskussion standen, sind in ihren künstlerischen Positionen diametral entgegengesetzt, eine Bildhauerin, eine Malerin, ihre Werke könnten kaum unterschiedlicher sein. Aber: Sie sind “gleich gut, gleich wichtig”, wie es mein Jurykollege Prof. Jo Enzweiler griffig formulierte.”

    Es war also eine dezidierte Entscheidung,
    schöne Grüße
    Rainer Breuer, Sprecher der Jury
    Tuchfabrik e. V./ éditions trèves e. V.

    PS: das Museum mailt der Presse noch die Rede, vielleicht enthält sie noch mehr Erkenntnisse …

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