“Bekennen Sie sich zu diesem Theater!”

Intendant Gerhard Weber überreicht Kulturdezernent Thomas Egger über 42.000 Unterschriften für den Erhalt des Ensemble-Theaters. Foto: Christian JörickeDas Philharmonische Orchester der Stadt Trier spielte heute Morgen vor dem Rathaus. Es war kein Festkonzert, sondern die Ouvertüre zu einer weiteren Protestaktion des Trierer Theaters gegen mögliche Spartenstreichungen. Intendant Gerhard Weber übergab dem Kulturdezernenten Thomas Egger vier Pakete mit Unterschriftenlisten für den Erhalt des Ensemble-Theaters. Über 42.000 Menschen beteiligten sich in den vergangenen acht Wochen an der Aktion. “Ein klares Votum für den Fortbestand des Drei-Sparten-Hauses”, befand der Theaterchef. Egger versicherte, dies in die weiteren Diskussionen miteinzubringen.

TRIER. “So oft hat das Orchester noch nie kostenlos Konzerte gegeben”, sagte Thomas Egger über die gerade gehörten Auszüge aus “Nabucco”, die schon vor der letzten Kulturausschuss-Sitzung im Juni vor dem Rathaus gespielt worden waren. “So gut war die Straßenmusik noch nie.” Vielleicht etwas unglückliche Scherze angesichts der Diskussion über die Zukunft des Theaters, die auch die Option der Auflösung des Orchesters beinhalten könnte. Der Kulturdezernent ergänzte dann auch umgehend, dass er wisse, dass es bei dieser Veranstaltung heute Morgen um ein ernstes Anliegen gehe.

60 Tage lang hatte das Theater dazu aufgerufen, eine Petition für den Erhalt des Ensemble-Theaters zu unterschreiben. Über 42.000 Menschen kamen dem nach. “Ich bin besonders stolz darauf, dass über 14.000 aus Trier kommen”, sagte Gerhard Weber bei der Übergabe der Unterschriften, die in vier Pakete verpackt waren. Insgesamt knapp 27.000 Unterschriften stammen von Bewohnern aus Trier und Umgebung. “Das ist ein klares, unmissverständliches Votum für den Fortbestand des Ensemble-Theaters und eine Aufforderung an die Stadt, sich für dessen Erhalt einzusetzen”, so der Intendant. Er appellierte jedoch auch an die Bürger, noch mehr zu tun: “Kommen Sie in unser Theater und werden Sie Mitglied im Förderverein!”

GMD Victor Puhl und Intendant Gerhard Weber sorgten persönlich dafür, dass die Unterschriftenlisten im Büro des Kulturdezernenten ankamen. Foto: Christian JörickeDiesem Aufruf schloss sich Egger an. “Es wäre schade, wenn es nur bei der Unterschrift bleibt.” Die Listen, die Weber und Generalmusikdirektor Victor Puhl nach dem Ende der Veranstaltung eigenhändig ins Büro des Dezernenten brachten, sollen laut diesem in die Diskussion miteinfließen. “Sie müssen uns abnehmen, dass bei unserer Entscheidung viele Dinge berücksichtig werden. Auch diese Stimmen”, sagte Egger zu den Dutzenden Theatermitgliedern und -freunden. “Wir machen es uns nicht leicht. Wir versuchen, einen für alle erträglichen Weg zu gehen.”

Ein entscheidender Weg könnte der Ende August nach Mainz sein. Dann nämlich reist der Beigeordnete mit Oberbürgermeister Klaus Jensen zur Ministerpräsidentin, um erneut über die Theater-Unterstützung des Landes in den nächsten fünf Jahren zu sprechen. Der Zuschuss aus Mainz ist derzeit gedeckelt. Bei einer Erhöhung könnte das Thema “Spartenstreichungen” schnell vom Tisch sein.

“Machen Sie es sich leicht”, ermunterte Hartmut Karmeier, Betriebsratsvorsitzender des Theaters, zum Abschluss den Kulturdezernenten. “Bekennen Sie sich klar zu diesem Theater!”

Weiterer Artikel zum Thema: “Wir machen das für die Trierer

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7 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. V.Clemens schreibt:

    Hätte jetzt jeder der Zeichner mit einem mit einem weiteren mausklick 10 Euro via PayPal gespendet, wäre das Problem doch aus der Welt.
    Wenn man sieht , welche Spardiktate die anderen Bereich der Stadt Trier unterworfen sind, dann sind 400 Tsd Eu doch wenig.

  2. Werner Simon schreibt:

    Also mindestens ein Drittel der Unterzeichner kommt weder aus Trier noch aus der “Umgebung”. Und von den übrigen scheinen die wenigsten regelmäßig ins Theater zu gehen, denn dann hätte es die finanziellen Probleme nicht. Wer das Theater retten will, soll Theaterkarten kaufen, keine Unterschriften leisten.

  3. Maik Schuster schreibt:

    Sich zum Thema bekennen heißt aber noch lange nicht, alles genau so weiterlaufen zu lassen…

  4. Peter Friedrich schreibt:

    Es verwundert schon, daß eine Berliner Unternehmensberatung zur Begutachtung angeheuert wurde, die wiederum mal viel Geld verschlang. Mit welchem Erfolg? Theatersparten sollen geschloßen, Arbeitnehmer entlassen werden! Das hätte auch der einfachste Bankbeamte sagen können. Aber welche Konzepte gibt es zum Erhalt dieser Sparten oder des Theaters?? Hiervon ist nirgends die Rede. Das hätten Trierer Unternehmensberater besser gemacht, die Uni oder die FH Trier hätten sogar kostengünstig über Diplomarbeiten Gutachten und Lösungen in Zusammenarbeit mit den Unternehmensberatern erarbeiten können. Aber wie sooft in der Trierer Politik: man schmeißt Geld, was man nicht hat, lieber anderswo raus! Wichtig: man hat jemand mit Titel beauftragt, um ein Gutachten zu erstellen. Sinnvoll oder nicht, daß ist hier die Frage!

  5. S. Wiltschek schreibt:

    @Peter Friedrich

    Sie sprechen mir aus der Seele. Es ist mir nicht zu erklären, warum immer wieder die Hochschule und /oder die Universität NICHT mit in’s Boot genommen wird.

    Ist es wirklich der “Titel-/Kadaver-gehorsam” oder einfach nur Ignoranz ?

    Nachvollziehbar ist es jedenfalls nicht.

    Vielleicht hat es aber auch verwaltungstechnische Gründe. Dann wäre es extrem vorteilhaft, wenn eine involvierte Person diesen Sachstand, wenn er denn zuträfe, erläutert.

    Dies hätte zu Folge, dass ein gewisser UNmut garnicht erst aufkommen kann, weil alle Personen begreifen würden, dass die Stadtverwaltung keine andere Möglichkeit hat.

    schönen Tag noch

  6. Laas Koehler schreibt:

    …und selbst wenn verwaltungstechnische Gründe vorliegen sollten, dann kann man diese auch ändern und beseitigen, wenn sie im Interesse der städtischen Entwicklung sind. Trier sollte mal langsam aufwachen und Probleme offener und kreativer lösen. Ich habe übrigens nicht unterschrieben und mich stattdessen entschieden mal wieder ins Theater zu gehen. Einfach mal nachmachen…

  7. S. Wiltschek schreibt:

    @Laas Koehler

    genau suuuuuuuu siet et aussssss.

    tschuess denn

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