“Das ist furchtbar!”

TRIER. Anlässlich des ersten rheinland-pfälzischen Hospiztag an diesem Samstag hat sich die Trierer Bundestagsabgeordnete Corinna Rüffer gegen “jede Form organisierter und kommerzieller Sterbehilfe” ausgesprochen.

Rüffer, die behindertenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist, erklärte: “In der Diskussion um Sterbehilfe stellt selten jemand die Frage, wie wir ein würdevolles Sterben überhaupt ermöglichen wollen. Das Ziel sollte ja sein, dass alle Menschen möglichst lange am Leben teilhaben können und Sterben wieder als Teil des Lebensweges betrachtet wird.” Allerdings seien die Voraussetzungen zum würdevollen Sterben aktuell kaum gegeben. “Vor allem im ländlichen Raum fehlt es an ambulanter Palliativversorgung, sodass viele Menschen ihre letzten Wochen unnötig im Krankenhaus verbringen müssen”, beklagt Rüffer.

Ein Lichtblick sei hingegen die Arbeit der Hospize, die sich an den Wünschen und Bedürfnissen des sterbenden Menschen und seiner Angehörigen orientierten. Davon habe sie sich kürzlich bei einem Besuch im Hospiz in der Ostallee in Trier ein Bild machen können, so Rüffer. “Noch sind viele Hospize stationär organisiert. Doch dies sind letztlich Sonderinstitutionen, denn die meisten Menschen wünschen sich, bis zu ihrem Lebensende zu Hause zu bleiben. Deshalb brauchen wir dringend eine flächendeckende Versorgung mit ambulanten Hospizdiensten. Nur so kann gewährleistet werden, dass alle Menschen in Würde Abschied nehmen können.”

Außerdem sei es für die Arbeit der Hospize “enorm wichtig, dass die aktuell sehr strenge Gesetzeslage geändert wird”. Derzeit sei es beispielsweise so, dass die Auflagen zur Raumbelegung bestimmten, wie lange Angehörige Zeit haben, sich vom Verstorben zum letzten Mal zu verabschieden. “Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hospizen ist es deshalb bisweilen unmöglich, den Wünschen der Angehörigen nachzukommen”, so Rüffer.

Mit Blicka uf die Debatte über aktive Sterbehilfe sagte die Bundestagsabgeordnete: “Die bestehende Unterversorgung darf keinesfalls dazu führen, nach einfachen Lösungen zu streben. Den Wunsch, aus dem Leben zu scheiden, begründen viele Betroffene mit der Befürchtung, ihren Angehörigen zur Last zu fallen. Das ist furchtbar!” Eine Auseinandersetzung mit dem Thema Sterbehilfe könne erst dann unter den richtigen Vorzeichen geführt werden, wenn palliativmedizinsche Versorgung und Angebote der Hospizbewegung überall zur Verfügung stünden. “Davon sind wir sehr weit entfernt. Auf die Behebung dieses Mangels muss die volle Energie gerichtet werden.”

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Markus Didden schreibt:

    So ganz will es mir nicht in den Kopf. Warum darf ein Mensch nicht für sich entscheiden, dass er ab einem gewissen Grad, den er sich selbst setzt, sterben will? Da sind doch die Gründe jedem selbst überlassen. Ich finde es überhaupt nicht furchtbar, wenn jemand seiner Familie nicht zur Last fallen will. Wenn ich mich in den St. Irminen aufhalte, sehe ich viele Beispiele, wie ICH nicht werden möchte. Das ist meine persönliche Entscheidung und gilt deswegen für keinen anderen. Ich will es nicht! Gleiches sagt meine Mutter, also wäre es im Wunsche unserer Familie, da entsprechende Möglichkeiten zu bekommen. Weitere zahlreiche Gründe für die Sterbehilfe führe ich nicht weiter auf.
    Wir reden immer über die Freiheiten unseres Lebens. Aber die Freiheit zu sterben haben wir nicht.

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