Das konnte sich sehen lassen!

20130914illuminale2103004Journalisten sind von Natur aus skeptische Menschen, Missstände aufdecken ist ihr Metier. Deshalb neigen viele von ihnen auch zum Dramatisieren, finden sich in ihren Reihen nicht wenige Berufszyniker. In Trier läuft manches nicht rund und einiges schief, weshalb es auch 2013 wieder einiges zu kritisieren gab. Dabei gerät aber schon mal in den Hintergrund, dass in den zurückliegenden Monaten einiges nicht schlecht und manches richtig gut gelang. Selten zuvor erlebte der Radverkehr einen vergleichbaren Rückenwind; in Feyen und Trier-West entstehen neue Stadtquartiere, gemeinschaftliche Wohnanlagen nehmen Gestalt an; die “Illuminale” machte Trier zumindest für einen Abend zur “Stadt am Fluss”, Hörls Marx-Männchen-Installation und die “Elephant Parade” sorgten bundesweit für Aufsehen.

TRIER. Allüberall, auf Karten und in Ansprachen, wird sie nun wieder gewünscht – eine möglichst “besinnliche Weihnachtszeit”. Das Jahr ist so gut wie gelaufen, für 2013 kann Bilanz gezogen werden. Wir besinnen uns in diesem Artikel bewusst auf das, was auf der Haben-Seite steht, wo Trier in den vergangenen zwölf Monaten überzeugte und es einigen Grund gab und gibt, mit der Leistung der Verantwortlichen zufrieden zu sein. Es ist nur eine Auswahl, und was wir einen Erfolg nennen, werden andere vielleicht nur als einen Teilerfolg oder gar als das komplette Gegenteil dessen sehen.

Verkehrsführung1Das zeigt schon das Beispiel Radverkehr, wo es manchem Automobilisten bereits zu viel des Guten für die nicht-motorisierten Zweiradfahrer wird. Jahrzehntelange kam Trier auf diesem Gebiet nicht in die Gänge, war der Nachholbedarf im Vergleich zu vielen anderen Städten enorm. Das ist er nach wie vor! Doch nie zuvor wurden derart viele Maßnahmen für Radfahrer umgesetzt, wie 2013. So wurde im Zuge der Sanierung mehrerer Alleen in Heiligkreuz die Verkehrsführung komplett geändert – zugunsten des Rad- und Busverkehrs. Mag es im Detail auch Kritik geben – dass man als Radfahrer auf der Fahrbahn ein Dauergrün vom Mariahof bis zum FWG eingeräumt bekommt, welches lediglich von Fußgängern unterbrochen werden kann, wäre vor wenigen Jahren in dieser Stadt noch undenkbar gewesen; und auch die seit Jahren geforderten Änderungen im Bereich von Treviris-Passage und Margaretengässchen wurden umgesetzt. Und die nächsten Maßnahmen sind schon beschlossene Sache und sollen 2014 umgesetzt werden. Darunter eine völlig neue Verkehrsführung im Bereich der Mustorstraße sowie Umweltspuren in der Walramsneustraße. Unverkennbar ist, dass Triers Verkehrsplaner endlich Abschied genommen haben von aufwändigen und sündhaft teuren Bordsteinradwegen, wie sie zuletzt in der Herzogenbuscher Straße angelegt wurden, und zunehmend Markierungen auf der Fahrbahn den Vorzug geben.

Apropos Herzogenbuscher Straße: Dort wurde der dritte und letzte Bauabschnitt zwischen Thyrsus- und Hochwaldstraße zwar schon im Spätherbst 2012 abgeschlossen, doch im vergangenen Frühjahr erfolgte die offizielle Fertigstellung. Eine der wichtigsten Einfallstraßen Triers präsentiert sich nun vom Verteilerkreis Nord bis zur Paulinstraße in einem guten Zustand. Gleiches gilt für die bereits erwähnten Alleen in Heiligkreuz, deren Asphaltdecken zuletzt derart marode waren, dass man bei einer Abfahrt vom Mariahof zumindest als Radfahrer froh sein konnte, heil im Tal anzukommen. Kein Spaß war lange auch das Passieren der Bustrasse im Bereich der Trevirispassage. Wie schon im Jahr zuvor bei der “Bitburger” wurden die Arbeiten schneller abgeschlossen, als zunächst erwartet.

Kunst im Vorbeigehen auf der "Bühne" für Städtebau, Architektur und Design. Foto: Christian JörickeNoch nicht abgeschlossen sind die Arbeiten in und an Triers neuen Stadtquartieren. Doch auf dem ehemaligen Exerzierplatz in Feyen wurde bereits das erste Eigenheim bezogen, und auch sonst geht es dort in großen Schritten voran. Vor wenigen Wochen präsentierte die EGP Urbane Entwicklung GmbH den Investor für das neue Nahversorgungszentrum “Forum Castelnau”, das in den nächsten Monaten im Schatten des gigantischen Gebäuderiegels “Castelnau Nr. 1″ realisiert wird. Auch ein anderes Vorhaben der einstigen Petrisberg-Macher nimmt Gestalt an, das Bobinet-Quartier im Westen der Stadt. Zugleich bewies die EGP 2013 aber auch, dass sie sich nicht nur auf Großprojekte versteht: nach etlichen Jahren des Leerstands verwandelte das Unternehmen den ehemaligen Kiosk in der Südallee in die neue “Bühne”, die seither als ein Forum für Architektur, Städtebau und Design dient, mit regelmäßig wechselnden Ausstellungen.

Eine Ausstellung begleitete in diesem Jahr auch die “Trierer Zukunftskonferenz” der Lokalen Agenda in der Volkshochschule. Das Thema Wohnen stand im Fokus, hier erreichten im vergangenen Jahr zwei für Trier neuartige Projekte den “Point of no Return”: So entsteht im neuen Wohngebiet BU 13 in den kommenden Monaten für mehr als vier Millionen Euro die behindertengerechte Wohnanlage ZAK (zusammen aktiv und kreativ). Nach mehrjähriger Vorlaufzeit wurde zwischenzeitlich eine Genossenschaft gegründet, und auch der architektonische Entwurf für den Komplex steht. Auch im Norden der Stadt tut sich was in Sachen gemeinschaftliches Wohnen: “Neues Wohnen Thyrsusstraße” nennt sich das Projekt, für das die Wohnungsgenossenschaft Am Beutelweg (WOGEBE) Regie führt. Über Jahrzehnte standen “Thyrsusstraße” und “Beutelweg” quasi als Synonym für einen sozialen Brennpunkt, hatten es Jugendliche, die hier wohnten und sich um eine Ausbildungsstelle bewarben, schon aufgrund ihres Absenders ungleich schwerer, als Bewerber aus “besseren” Gegenden Triers. Das Projekt könnte nun zu einem gewissen Imagewandel beitragen.

So dicht wie hier kurz nach der Eröffnung der Ausstellung standen die Marx-Figuren nach drei Wochen nicht mehr. Archiv-Foto: Frank P. MeyerFörderlich für Triers Image als Kulturstadt war zweifellos auch die große Sonderausstellung anlässlich des 130. Todestags von Karl Marx. Um Kulturbilder und Bilderkult des berühmtesten und nicht unumstrittenen Sohns der Stadt ging es, mehr als 200 Werke wurden im Stadtmuseum Simeonstift gezeigt. Wie viele Bilder außerhalb der Museumsmauern gemacht wurden, wird sich niemals ermitteln lassen. Fest steht: Die 500 verhältnismäßig kleinen Kunststoff-Figuren des großen Denkers, die anlässlich seines 195. Geburtstags von dem Künstler Ottmar Hörl entworfen worden waren, bescherten Touristen und auch professionellen Fotografen einzigartige Motive. Mochte der Spiegel auch über die “Vergartenzwergung des Karl Marx” kalauern – die Installation sorgte bundesweit für Aufsehen.

Das lässt sich auch von der “Elephant Parade” behaupten. Von Juli bis Oktober bevölkerten 40 Dickhäuter die Fußgängerzone; auch sie aus Kunststoff, doch ungleich origineller und farbenfroher als Hörls rote Marx-Männchen. Mehr als 200.000 Euro erbrachte die Versteigerung der Elefanten, und weil wenige Tage zuvor auch die zeitgleich in Luxemburg ausgestellten Rüsseltiere unter den Hammer gekommen waren, kam sogar ein Erlös von mehr als einer halben Million Euro zusammen, von dem nun echte asiatische Elefanten profitieren sollen. Wobei zunächst einmal vor allem der Trierer Handel von der Freiluft-Veranstaltung profitierte, lockten die originellen Exponate doch mutmaßlich Tausende zusätzliche Menschen in die Moselstadt.

Dass Trier tatsächlich an der Mosel liegt, davon konnten sich die Besucher der diesjährigen “Illuminale” überzeugen. Erstmals fand das Lichterspektakel statt auf der Höhe im Tal, genauer entlang der beiden Ufer zwischen Kaiser-Wilhelm- und Römerbrücke statt; letztere wurde ebenfalls illuminiert, ebenso die alten Kranen und Teile der Europäischen Kunstakademie. Manche beklagten, an der Mosel sei deutlich weniger geboten worden als in den Vorjahren auf dem Petrisberg. Das mag sein, doch zumindest für einen Abend präsentierte sich Trier als eine Stadt am Fluss.

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3 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Norbert Damm schreibt:

    .”.doch zumindest für einen Abend präsentierte sich Trier als eine Stadt am Fluß.”
    wie doch eine “Illuminale” blenden kann.Die “Agenda 191″ macht weit mehr, seit Monaten. Zuletzt gerade “Zimt und Stern”. Alles selbst organisiert und ohne öffentliche Zuschüsse. Warum Marcus Stölb sowas schreibt, ist mir ein Rätsel.

  2. Stephan Jäger schreibt:

    „So wurde im Zuge der Sanierung mehrerer Alleen in Heiligkreuz die Verkehrsführung komplett geändert – zugunsten des Rad- und Busverkehrs.“

    Ja, der Kram da nach Mariahof hin ist tatsächlich nicht so schlecht, wie er auf den ersten Blick aussah…

    …muss ich ja selbst als Hobbyzyniker zugeben. :oD

    Schöne Feiertage!

  3. Monika Berger schreibt:

    Schöner Artikel. Ich finde es gut und wichtig, ab und an den Blick auch auf positive Entwicklungen zu richten! Danke Marcus

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