“Der Standort ist perfekt”

Wolfgang Becker hat Großes vor. In wenigen Monaten eröffnet er im ehemaligen Postgebäude am Kornmarkt auf knapp 700 Quadratmetern ein Restaurant mit Bar und angrenzendem Feinkostgeschäft. “Becker’s XO” heißt die neue Feinschmecker-Einrichtung in der Innenstadt. “Schnitzeltage” und Flieten wird es dort nicht geben, auch wenn die Küche klar und einfach sein soll. Das Angebot dürfte sich an jene richten, die sich an einem modernen Ambiente erfreuen können, gerne gut essen und bereit sind, dafür auch einen angemessenen Preis zu zahlen. Konkurrenz zu seinem Zwei-Sterne-Restaurant “Becker’s” in Olewig soll es nicht werden.

TRIER. Wer als Auswärtiger bei Sterne-Koch Wolfgang Becker essen möchte, benötigt gute Kenntnisse im Stadtplanlesen, ein scharfes Auge für Beschilderungen oder ein Navigationsgerät. Um von der Innenstadt aus zu seinem Restaurant in Olewig zu gelangen, muss man erst am “Grinzing von Trier” – wie es einmal auf einer längst entfernten Werbetafel am Anfang der Olewiger Straße hieß – auf der Umgehungsstraße vorbeifahren, dann bei Beginn der beidseitigen Bebauung scharf rechts abbiegen und der Einbahnstraße schließlich noch etwa 100 Meter folgen. Das “Becker’s” im Ort zu finden, ist angesichts des markanten, dazugehörigen Hotels nicht mehr allzu schwierig.

“Der Standort in Olewig stand nie zur Diskussion”, sagt Wolfgang Becker. “Schließlich ist dort mein Elternhaus.” Trotz des Lagenachteils hatte sich der Gourmetkoch 2007 dazu entschieden, neben das traditionelle Weinhaus, mit dem er 2001 seinen ersten Michelin-Stern erhielt, ein neues Restaurant mit Hotel und Weinbar zu bauen. “Aber ich wollte auch schon immer mal in der Stadt präsent sein”, erklärt der 44-Jährige den Grund für sein neustes, bisher größtes Projekt: das “Becker’s XO” am Kornmarkt.

In dem schlossartigen, ehemaligen Postgebäude entsteht gerade der größte Gastronomiebetrieb der Innenstadt. Auf 675 Quadratmetern baut Becker ein Restaurant, eine Bar und ein “Deli” – im Hof ist zusätzlich Platz für 100 Personen. “Es ist ein bisschen größer als geplant, aber vom Standort her perfekt. Der Kornmarkt ist der Hammer!” Angst mache ihm die riesige Fläche keine. “Das Angebot in Trier ist so, dass für mein Konzept noch Platz ist.”

“Schnörkellose Küche” soll es im Restaurant geben, “klar und einfach, aber vom Produkt perfekt”, kündigt Becker an. Dass es keine regionale Festlegung gibt, spiegelt sich auch im Namen wider. Denn “XO” steht für “Crossover”, also für Verschmelzung und Überschneidung. Das Sagen in der Küche wird ein Mitarbeiter seines bisherigen Teams haben. Also einer, der weiß, was sein Chef erwartet. Dass sich Becker architektonisch immer etwas Besonderes einfallen lässt, wird schon im Restaurant sichtbar: In drei unterschiedlich großen Separees können zwei bis 20 Personen ganz privat speisen.

Speisen kann man auch im benachbarten “Deli”, einem “Crossover” – da haben wir es wieder – aus Delikatessengeschäft und Imbiss. Neben Frühstück und Snacks sowie ausgewählten, hochwertigen Produkten möchte der Zwei-Sterne-Koch auch Zutaten aus der eigenen Küche anbieten wie frisch gekochte Fonds, Soßen oder andere von ihm zubereitete Bestandteile zum Fertigkochen am eigenen Herd. Dazu soll es auch noch Accessoires und Küchenutensilien geben.

Während man das “Deli” schon morgens besuchen und man ab Mittag im Restaurant essen können wird, wird die große Bar erst am Abend öffnen. “Jeder ist willkommen”, antwortet Becker auf die Frage nach der Zielgruppe. Auch wenn sich die Preise im Restaurant nicht an denen im “Becker’s” orientieren werden, sondern pro Gericht “im niedrigen zweistelligen Bereich” liegen sollen, dürfte sich das “XO” nicht zu einem Studentenlokal entwickeln. Nicht selten wird man dort wohl Gäste mit luxemburgischem Zungenschlag vernehmen.

Eine Million Euro investiert Becker in seinen zweiten Standort. Um das zu stemmen, hat er eine Aktiengesellschaft gegründet: die Genuss AG. Diese Wertpapiere, die wegen eines laufenden Genehmigungsverfahrens noch nicht erhältlich sind, aber nach Beckers Angaben bereits Zeichnungswillige in dreistelliger Höhe haben, richten sich weniger an Zocker mit hohen Renditeerwartungen als an Genussmenschen, die sein Projekt für unterstützenswert halten. Aktienpakete gibt es ab 1000 Euro. Mit dem Erwerb geht eine Mitgliedschaft im “XO Club” einher, die kulinarische Privilegien mit sich bringt. “Die Leute bekommen etwas über die Rendite hinaus geboten”, verspricht der Vorstand.

Noch sucht Becker Stühle und Fliesen aus, beaufsichtigt den Einbau von Lüftungsanlagen und führt Gespräche mit Händlern. Dabei hat er ab sofort Unterstützung. Katja Nel de Boer wird Geschäftsführerin des “XO”. Zuletzt war sie stellvertretende Direktorin “Kundenservice” bei Progros, einer der führenden Einkaufsgesellschaften der Hotellerie, über die auch Becker Waren bezieht. “Es muss permanent jemand vor Ort sein”, begründet der Spitzenkoch die Einstellung einer Geschäftsführerin. “Ich mache ohnehin schon viel zu viel.” Trotz der personellen Hilfe wird Becker noch einige besonders stressige Wochen vor sich haben. Die Eröffnung ist für April geplant.

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5 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. J. Biesdorf schreibt:

    Viel Erfolg! Es wurde Zeit, dass die Burger-Billig-Gastronomie in der Trierer Innenstadt endlich mal durch ein wirklich qualitatives Unternehmen, wo die Soße nicht aus der Tube kommt, aufgewertet wird.
    Man kann nur hoffen, dass der Herr Becker gleichsam ebenso Wert auf einen qualitativ hochwertigen und exzellenten Service legt, denn daran mangelt es bei den meist mit unwilligen Studenten bestückten Gaststätten in Trier vor allem.

  2. Dirk Schwänzl schreibt:

    Leider bleiben einem in der Innenstadt selten andere Möglichkeiten, als in die erwähnten Burger-Billig-Gastronomien zu gehen, wenn man mit mehr als 2 Personen unterwegs ist.
    Meine Meinung ist, dass hier eine großartige Chance vertan wurde, für einen großen Teil der Trierer Bevölkerung ein ansprechendes Angebot bereit zu stellen. Denn was haben wir nun dort in der alten Post? Einen 2. Buttlers und ein Herrenausstatter, der mit dem Angebot des wehrten Herrn Beckers wieder nur ein mal die gut Betuchten (Luxembourger) ziehen soll.

    Schade.

  3. Erik Thees schreibt:

    Gerade weil die “alte Post” ansonsten nicht der große Wurf ist, wünsche ich dem Beckers XO Erfolg und zwar für die “Trierer Bevölkerung”. Mir graust es, wenn man in Kommentaren immer von den “gut Betuchten Luxemburgern” lesen muss, jeweils mit dem erhobenen Zeigefinger. Wo wären wir denn ohne diesen in Trier durchaus gelungen Mix? Und gleichzeitig wundert es ich mich immer sehr, wenn man an den Kassen von sub.dings, Mc.Dings und Burger.dings Menschen mit den 15 EUR-Tüten voller Schrott abziehen sieht. Dafür scheint ja Geld vorhanden zu sein.
    Wie, Herr Schwänzl, hätte denn die “großartige Chance” für die Stadt Trier aussehen sollen? Noch ein Wirtshaus? Noch ein Pizzaladen? Und wer bitte soll es “für die Trierer Bevölkerung” zur Verfügung stellen? Sie? Die Stadt? Der Staat? Der liebe oder auch nicht liebe Gott? Wollen Sie Herrn Becker zu einer Kostenobergrenze verpflichten? Oder zu einer „bedingungslosen Qualitätsessensausgabe“? Wie schön wäre es, einmal Diskussionen ohne Neiddebatten führen zu können?
    Warum mieten Sie sich nicht ein und bieten für die Trierer Bevölkerung einen 5 EUR Mittagstisch mit bester Qualität in angenehmen Ambiente? Ich bin dann gerne Ihr Gast.
    Solange das aber nicht passiert, ist gerade das Beckers XO eine „großartige Chance“ für Trier und die Trierer Bevölkerung.

  4. Dirk Schwänzl schreibt:

    Es geht doch nicht darum, von einem Extrem ins andere abzugleiten und weiß Gott will ich nicht eine weitere Auflage vom Wirtshaus/Cojote/Louisanna haben, wo es immer nur Ähnliches auf der Speisekarte gibt.
    Aber wieso muss alles, was sich von Bier und Junkfood abhebt, dann immer gleich in die oberen Preisebenen abheben?
    Lokale Spezialitäten, vor allem auch Wein aus der Region (sprich Weinlokal) … das hätte ich als Chance gesehen.

  5. J. Biesdorf schreibt:

    “Aber wieso muss alles, was sich von Bier und Junkfood abhebt, dann immer gleich in die oberen Preisebenen abheben?”

    Das kann ich aus dem Artikel nicht ablesen. Qualität hat ihren Preis und wenn dann auch noch die Qualität im Service stimmt -für mich das A und O, weil man sich damit gegenüber den meisten “Lokalitäten” in Trier abheben würde (Stichwort “studentische Null-Bock-Bediener”- muss auch das angemessen bezahlt werden. Das ist mir aber allemal lieber, als wenn ich von einem unwilligen Jurastudenten bedient werden, wo ich 10mal nachfragen und reklamieren muss. Und außerdem weiß ich schon zu dem Zeitpunkt, dass sich der betreffende “Gastronom” mit den Billigkräften nur die Taschen voll macht, weil ihm seine Gäste eigentlich nämlich shitegal sind.

    Im Übrigen kann man Erik Thees nur beipflichten. Eine typisch deutsche Neiddebatte. Der einen gönnt dem anderen das Schwarze unter dem Fingernagel nicht. Und mit lokalem Wein und Spezialitäten lockt man echt keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor.

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