Design auf allen Kanälen

Ganz schön bunt ging es am Wochenende bei der Design- und Kreativmesse “Designers inc.” zu. 29 Aussteller aus dem gesamten Bundesgebiet lockten 1000 Besucher mit Mode, Schmuck, Möbeln und Accessoires in die Tufa. So rosig und süß, wie es viele der Ausstellungsstücke vermuten ließen, geht es im Designgewerbe leider nicht immer zu. Auch wenn die Anzahl der Vertriebsmöglichkeiten durch Onlineplattformen gestiegen ist, kann nicht jeder Kreativschaffende seinen Lebensunterhalt einzig und allein durch den Verkauf eigener Produkte finanzieren. Die Konkurrenz wächst stetig, weitere Hindernisse – auch von amtlicher Seite her – erschweren die Arbeit zusätzlich.

TRIER. “DIY – Do It Yourself” lautet die derzeitige Formel für den großen Erfolg. Selbstgemachtes liegt im Trend. Egal ob Kinderbekleidung aus Retrostoffen, Schmuck aus altem Spielzeug oder T-Shirts mit witzigen Prints – deutschlandweit wird gehäkelt, geschnibbelt und gedruckt, was das Zeug hält. Das einzige Kriterium, das zählt, ist Einzigartigkeit. Um die Unikate oder Stücke in kleinen Serien an den Mann oder noch häufiger an die Frau zu bringen, schlagen Designer und Selfmade-Künstler in den letzten Jahren neue Wege ein. Neben Flohmärkten und Messen können auf Onlineplattformen eigene Kreationen einem großen Publikum mit möglichst geringem Aufwand zugänglich gemacht werden.

Deutscher Marktführer in diesem Bereich ist “DaWanda“, ein Portal, das Kreativen die Möglichkeit bietet, Produkte gegen eine Einstellgebühr und eine Verkaufsprovision in eigenen virtuellen Einkaufsräumen anzubieten. Das 2006 gegründete Unternehmen hat derzeit mehr als zwei Millionen Kunden, die in über 150.000 Shops der Seite nach DIY-Produkten, Unikaten und kreativen Designlösungen stöbern können. Das Berliner Unternehmen mit einem für 2012 geschätzten Jahresumsatz von sieben Millionen Euro hat bereits Ableger in Frankreich, Großbritannien und weiteren europäischen Ländern gelauncht. Obwohl mit dem US-Portal “Etsy” nun ein großer Konkurrent auf den deutschsprachigen Markt vordringt, bescheinigen Branchenkenner allen Plattformen aufgrund des boomenden Internethandels großes Wachstumspotential.

Ähnlich vielfältig wie das Angebot in der digitalen Welt war die Auswahl bei “Designers inc.”, der Designmesse in der Trierer Tufa. T-Shirts aus Berlin, Retroschick aus Trier, Schmuck aus Mainz und Holzdesign aus Saarbrücken – die Messe bot zwei Tage lang einen Querschnitt dessen, was derzeit im Handel gefragt ist. Bereits im vierten Jahr in Folge lockten Julia Schwab und Kathrin Greve vom Trierer Modelabel “Fräulein Prusselise” Kreative aus dem ganzen Land an die Mosel. “‘Designers inc.’ ist eine Plattform zum Austausch von Waren und Ideen”, erklärt Schwab. Die Auswahl war groß, die Gestaltungsformen vielfältig. Trends ließen sich vereinzelt ausmachen. “Skizzenhafte Designs sind stark präsent”, so Greve. “Dies ermöglicht es, dass viele Motive ganz einfach auf T-Shirts gedruckt werden können.”

Zu den bekanntesten Ausstellern zählte das Label “Yack Fou” aus Berlin, das zwei eigene Shops in den Bezirken Friedrichshain und Prenzlauer Berg betreibt. Auch einige Kreative aus der Region waren vertreten, wie etwa Beate Lambrecht aus Mehren mit ihrer Eifeltaschen-Kollektion oder Annette Schwaller aus Schweich, die Möbelstücke und Umhängetaschen aus Holz fertigt.

Nicht alle der Kreativen können oder wollen ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Designprodukten bestreiten. Dazu zählt beispielsweise Manuela Ochs aus Saarbrücken, die unter dem Namen “Frau Sinnig” in ihrer Freizeit Wanduhren und Stoffbörsen vertreibt, im Alltag jedoch als Therapeutin tätig ist. Sie erreicht ihre Kunden via Internet, in verschiedenen kleinen Shops in Saarbrücken, bei “Einzigart” in Trier sowie auf Messen. Der Absatz über “DaWanda” verläuft laut Manuela Ochs eher schleppend: “Die Plattform ist sehr groß geworden. Es ist mittlerweile schwieriger, gefunden zu werden, weil das Angebot einfach riesig ist.”

Ähnlich die Situation bei Claudia Diehl aus Mainz. Die Diplom-Designerin, die zum zweiten Mal bei “Designers inc.” dabei war, arbeitet als freiberufliche Grafikerin für verschiedene Agenturen und sieht ihr Label “Designzauber“, unter dem sie Schmuck und Accessoires vertreibt, als reinen Nebenerwerb. Onlineplattformen sind für sie zwar eine Möglichkeit, auch ohne großen Aufwand ihre Stücke anzubieten, die Verkaufszahlen sind aber eher ernüchternd: “Ich habe bei ‘DaWanda’ ein bis maximal drei Verkäufe im Monat.”

Das Team von “Fräulein Prusselise” freut sich über den großen Zuspruch für das Projekt „Designers inc.“ und über die Möglichkeit, auch in Trier, einem Hochschulstandort mit vielen Studenten in kreativen Studiengängen, Design öffentlich zu präsentieren. “Viele Sachen werden im kleinen Kämmerchen produziert und wenig publik gemacht”, kritisert Kathrin Greve das zaghafte Vorgehen vieler Kollegen. Der Erfolg von Kreativschaffenden hängt ihrer Meinung nach nicht nur von der Marktlage und der Kundennachfrage ab: “Es ist generell ein schwieriges Geschäft. Wenn man nicht dazu bereit ist, alles zu machen und sein Privatleben im Zweifelsfall auf Links zu krempeln, dann kann man es gleich sein lassen.” In ihren Augen stellen auch komplizierte Anträge und andere behördliche Reglementierungen erschwerende Faktoren dar. “Wir durften beispielsweise im letzten Jahr nicht plakatieren. Das ist für solch eine Veranstaltung natürlich tödlich.”

Produkte via Onlinehandel zu vertreiben, bringt natürlich Vorteile, vor allem für Anbieter fernab großer Metropolen. Mit allen Sinnen zu konsumieren, ist dadurch jedoch nicht möglich. Messen wie “Designers inc.” bieten die Chance, unterschiedliche Vertriebswege zu verbinden und dabei den Wünschen der Kunden nach einem physischen Einkaufserlebnis gerecht zu werden. Vielleicht ist dies auch ein Grund, warum Branchenriese “DaWanda” ab und an als Pop-up-Store in Erscheinung tritt – wie zu erwarten war natürlich bisher nur in Berlin.

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