DGB beklagt Jugendarmut

TRIER. In der Region Trier sind mehr als 2.400 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 25 Jahren auf Hartz IV angewiesen. Diese Zahlen nennt nun der Deutsche Gewerkschaftsbund.

“Jugendarmut ist in der Region Trier keine gesellschaftliche Randerscheinung”, kommentiert der DGB-Geschäftsführer Christian Z. Schmitz das Phänomen und verweist auf Daten vom Herbst vergangenen Jahres. “Entgegen der gängigen Vorurteile sind nur knapp 20 Prozent der auf Hartz IV angewiesenen Jugendlichen, in absoluten Zahlen 515, arbeitslos gemeldet. Die weit überwiegende Mehrzahl der hilfebedürftigen Jugendlichen besucht noch die Schule, ist in Ausbildung, erwerbstätig oder betreut selbst Kinder unter 3 Jahren”, berichtet Schmitz.

Hilfebedürftigkeit bei jungen Menschen habe hierbei viele Ursachen. Besonders auffallend sei, dass dabei meist nicht die eigene Arbeitslosigkeit zur Bedürftigkeit führe, sondern die Gründe vielmehr in den begleitenden familiären Lebensumständen lägen, so der DGB. Die Armut von Jugendlichen sei weitgehend auf das Fehlen von existenzsichernden Arbeitsplätzen der Eltern zurückzuführen.

Die Hartz IV-Regelsätze seien in den letzten Jahren deutlich hinter der Preissteigerungsrate zurückgeblieben und könnten auch für Jugendliche das gesellschaftliche Existenzminimum nicht sicherstellen, beklagt der Gewerkschaftsbund. “Neben materieller Entbehrung erleben diese Jugendlichen Arbeitslosigkeit und niedriges Erwerbseinkommen im Familienkontext sowie oft schlechte Wohnverhältnisse und schlechte Chancen im Ausbildungssystem und in der Arbeitswelt. Hinzu kommt, dass sich Einkommensarmut negativ auf die Gesundheit und auf die Beschäftigungsfähigkeit auswirkt”, gibt Marcus Heintel, für Jugend zuständiger Gewerkschaftssekretär beim DGB Region Trier, zu bedenken. Um diesen Jugendlichen einen dauerhaften Ausstieg aus den prekären Lebensverhältnissen zu ermöglichen, helfe “ein schlichtes Parken in beruflichen Warteschleifen nicht”, warnt Heintel und fordert: “Wir brauchen konkrete Maßnahmen, der Politik, aber auch der Unternehmen.”

In Kommunen mit hohem Anteil hilfebedürftiger Jugendlicher sollten nach Vorstellung des DGB mit Unterstützung des Landes die Investitionen in die soziale und bildungspolitische Infrastruktur ausgebaut werden. Zugleich benötigten leistungsschwächere Schüler eine frühere und intensivere Unterstützung, beispielsweise durch zusätzliche Förderangebote. Der Gewerkschaftsbund kritisiert zudem, dass bei der Förderlandschaft für benachteiligte Jugendliche ein “intransparenter Maßnahme-Dschungel entstanden” sei, der für viele Jugendliche und ihre Eltern kaum durchdrungen werden könne. “Um Armut und Ausbildungslosigkeit möglichst überwinden zu können, sollten die Beratungs- und Betreuungsangebote unter einem Dach gebündelt werden. So sollten die Abstimmungsprozesse zwischen Jugendamt und Jobcenter verbessert werden. Im Falle eines Ausbildungsabbruchs sollten dringend die Verständigung beider Behörden verbessert und den Jugendlichen geeignete Alternativen und Anschlüsse eröffnet werden”, so der DGB, der in diesem Zusammenhang die Initiative “2. Chance” der Agentur für Arbeit begrüßt.

 

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