Die dunklen Kapitel der Romika-Geschichte

Vor einem Jahr veröffentlichte Heinz Ganz-Ohlig auf 16vor einen zweiteiligen Aufsatz über die weitgehend in Vergessenheit geratenen Anfangsjahre der Romika. Über Jahrzehnte hatten die späteren Eigentümer nicht nur die Ursprünge und wahren Gründer des Unternehmens verschwiegen, sondern auch mehrere dunkle Kapitel der Firmengeschichte ausgeklammert; unter anderem die perfide Strategie, die Romika in den Konkurs zu treiben, um sie dann zu “arisieren”. Nun hat Ganz-Ohlig seine Recherchen als Buch vorgelegt. Das Werk liefert nicht nur einen außerordentlich interessanten Beitrag zur regionalen Wirtschaftsgeschichte, sondern rückt auch den langjährigen Eigentümer Hellmuth Lemm, der in und um Gusterath-Tal zu Lebzeiten eine Legende war, in ein anderes Licht.

TRIER. “Die Marke Romika hat eine äußerst interessante Geschichte, die bereits in den 1920er Jahren ihren Ursprung hat”, heißt es auf der firmeneigenen Homepage jenes Unternehmens, das einmal eine Institution war – und einer der ganz wenigen industriellen Betriebe im über Jahrhunderte strukturschwachen Raum Trier. In den 50ern und 60ern, den Spitzenzeiten, beschäftigte der Schuhhersteller bisweilen mehr als 2.800 Mitarbeiter und galt damit als einer der größten privaten Arbeitgeber in der Region. Man entwickelte neue Sportschuhe, erzielte Absatzerfolge und produzierte an immer mehr Standorten – die Zeichen standen auf Expansion. Bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts die Insolvenz folgte und die Josef Seibel Gruppe aus der Konkursmasse die Romika Shoes GmbH formte. Die kommt heute mit einem Bruchteil des einstigen Mitarbeiterstamms aus.

Seine Ursprünge hat das Unternehmen in Gusterath-Tal, und eine Formulierung wie die oben genannte suchte man lange vergebens in der Firmenhistorie. Der langjährige geschäftsführende Inhaber Hellmuth Lemm hatte die Gründung der Schuhfabrik auf 1936 datiert – dem Jahr, ab dem er die Geschicke des Unternehmens leitete. Lemm hatte so einen wesentlichen Abschnitt der Firmengeschichte unterschlagen, die “Vorgeschichte” der Romika wurde von ihm bis zu seinem Tod 1988 weitgehend ausgeklammert. Kein Wort davon, woher der Name “Romika” stammt und wie es den Gründern erging – damals, während der Zeit des Nationalsozialismus. Der Theologe und ehemalige Buchhändler Heinz Ganz-Ohlig, der heute als Religionslehrer arbeitet, hat nun Licht in dieses dunkle Kapitel Unternehmensgeschichte gebracht. In seinem im Rahmen der Schriften des Emil-Frank-Instituts erschienenen und bei Paulinus verlegten Buch “Romika – ‘Eine jüdische Fabrik'” schildert er die Hintergründe, die Lemm und seine Mitstreiter verschwiegen.

Seinen Namen hat die Romika von den drei Firmengründern Hans Rollmann, Carl Michael und Karl Kaufmann. Rollmann absolvierte in der Schuhfabrik seines Vaters, bei Rollmann & Mayer in Köln, seine Lehre und arbeitete anschließend im Ausland, bevor er in den väterlichen Betrieb einstieg. Auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten wurde er in Gusterath-Tal fündig, hier gründete er gemeinsam mit einem langjährigen Angestellten von Rollmann & Mayer, Carl Michael, und dem um einige Ecken mit ihm verwandten Kaufmann die Romika und wurde deren Mehrheitsgesellschafter. Die Firmengründung sollte sich zunächst als Erfolgsgeschichte entwickeln. Anfang der 30er zählte man in Gusterath-Tal bereits mehr als 1.000 Mitarbeiter. Doch nur kurze Zeit später dann der Anfang vom Ende: Adolf Hitler und das NS-Regime kommen an die Macht, Rollmann und Kaufmann bekommen Probleme. Beide sind Juden, und wegen seiner engen Partnerschaft mit Kaufmann und Rollmann gilt der Dritte im Bunde, Carl Michael, als “jüdisch verseucht”, wie es im Nazi-Jargon heißt.

Heinz Ganz-Ohlig zeichnet en detail die weitere Entwicklung nach und erläutert, mit welch perfider Strategie die Nationalsozialisten die “erste” Romika in den wirtschaftlichen Ruin trieben, um so die Weichen für eine “Arisierung” stellen zu können. Im Werk kam es fortan zu “gesteuerten Unruhen”, schreibt der Autor, insbesondere gegen Kaufmann schürten die Nationalsozialisten den Hass. Kaufmann habe sich zulasten des Unternehmens bereichert, deshalb müssten nun Mitarbeiter entlassen werden. Dank seiner umfassenden Recherchen gelingt es Ganz-Ohlig, überzeugend darzulegen, wie die Romika systematisch in den Konkurs getrieben wurde. Damit wiederlegt er auch Lemms Legende, die “alte” Romika sei allein aus wirtschaftlichen Gründen gescheitert. Dass Rollmann wie auch Kaufmann schon früh auf Seiten der politischen Gegner der Nationalsozialisten standen, verschärfte ihre ohnehin wenig aussichtsreiche Lage. Beide verließen schließlich mit ihren Familien das Deutsche Reich. Die Kaufmanns flüchteten nach Haifa, doch wirtschaftlich wird Karl nie wieder Boden unter die Füße bekommen. Er stirbt 1952 in New York, wohin er zwischenzeitlich übergesiedelt war. Hans und Marie Rollmann gelingt die Flucht nach Belgien, doch als Wehrmacht und SS 1940 auch dort einfallen, nimmt sich das Ehepaar im nordfranzösischen Calais das Leben.

In Gusterath-Tal war derweil der Weg frei für eine Neugründung der Romika, und es trat nun ein Mann auf den Plan, der es später in und um Trier zu einigem Ansehen schaffen soll, obschon er tief im nationalsozialistischen Sumpf verstrickt scheint: Hellmuth Lemm. Anfangs noch als einer der beiden angestellten Geschäftsführer tätig, wird er 1938 größter Anteilseigner der Romika. “Jüdisches Verbrechen an deutschen Arbeitern wiedergutgemacht”, titelt das Trierer Nationalblatt schon im März 1936. Das Unternehmen erlebt einen lang anhaltenden Aufschwung, in Vergessenheit geraten derweil die Ursprünge der Firma. Über Lemm heißt es in einem “Beurteilungsbogen für den Leistungskampf der deutschen Betriebe 1938/39″ wörtlich: “Er besitzt unbedingt die Betriebsführereigenschaft und kameradschaftliche Einstellung gegenüber der Gefolgschaft”. War Lemm ein glühender Nationalsozialist? Mitglied der NSDAP war er, aber das waren viele seinerzeit.

Doch der Romika-Chef schwang auch Reden, ganz im Geiste des “Führers”. So beklagt er bei einer Ansprache im Trierer  Treviris-Saalbau: “Nur aus chaotischen Zuständen, nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt, konnte sich das Weltjudentum zur Herrschaft durchringen”. Lemm weiter: “Es ist das unvergängliche, geschichtliche Verdienst der nationalsozialistischen Bewegung, die sich auf den Gedanken unseres Führers aufbaut, durch eine klare Kampfansage, durch einen Kampf bis zur Vernichtung, bis das Grundübel gekennzeichnet und beseitigt war und damit Deutschland und Europa die Wege geebnet zu haben zu einem ruhigen wirtschaftlichen Aufbau, Wohlstand und vor allem zu sozialer Gerechtigkeit”. Spricht so ein Mitläufer? Fakt ist: War Lemm Anfang 1948 im Entnazifizierungsverfahren noch als “Nutznießer des nationalsozialistischen Systems” eingestuft und das Betreten der Romika verboten worden, so hatte sein Widerspruch hiergegen Erfolg – nun wurde er lediglich als “Mitläufer” gesehen und musste eine Buße von 10.000 Reichsmark zahlen.

Lemm wird fortan weiter schalten und walten in Gusterath-Tal, und es wird ihm gelingen, dass auch viele Jahre nach seinem Tod wenig Licht in die dunklen Kapitel der Firmengeschichte gebracht sein wird. Nicht nur, dass die tatsächlichen Gründer und Hintergründe der Romika unerwähnt bleiben – das Unternehmen stellt sich über Jahrhunderte auch nicht seiner Verantwortung für die Beschäftigung Hunderter Zwangsarbeiter; im SS-Sonderlager Hinzertz unterhielt die Romika gar eine eigene Baracke. Erst nach öffentlichem Druck der Trierer Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF) trat man im Jahr 2000 dem Entschädigungsfonds bei. Da ist Lemm schon lange tot. Der Mann, dem laut Ganz-Ohlig “großes unternehmerisches Geschick und ein großer Arbeitseinsatz nachgesagt” wurden, war im Ruwertal und im Hochwald eine lebende Legende, vor allem in Gusterath und Pluwig profitieren die Familien vom Erfolg des Unternehmens. 1993, fünf Jahre nach Lemms Tod, verlegte die Firma ihren Stammsitz nach Trier, wo heute weniger als 100 Menschen arbeiten. Ganz-Ohlig beantwortet in seinem Buch nicht alle Fragen, manches bleibt offen und liefert weiterhin Stoff für umfangreiche Recherchen. So schlägt der Autor vor, die Romika Shoes GmbH solle durch die Vergabe eines Forschungsstipendiums eine weitere Erforschung des Kapitels Zwangsarbeit unterstützen.

Mit seiner etwas anderen “Firmenchronik” liefert der Ganz-Ohlig einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wirtschaftsgeschichte. Detailliert, sehr gut lesbar und ansprechend gestaltet, zeichnet sein Buch die Historie eines der ehemals bedeutendsten Unternehmen der Region nach. Sehr hilfreich für den Leser sind die kurzen und gut verständlichen Exkurse, eingestreut in und abgesetzt vom Fließtext, in denen wichtige Begriffe und Akteure erklärt werden. Am Ende seines Buchs zitiert Ganz-Ohlig einen ehemaligen Ortsbürgermeister aus dem Ruwertal: “Manche Mitbürger meinen vielleicht, man würde Dreck auf die glanzvollen Jahre der Romika werfen. Ich finde diese Erinnerungsarbeit aber sehr wichtig, denn sie beseitigt den Dreck, den andere hinterlassen haben”. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Heinz Ganz-Ohlig, Romika – “Eine jüdische Fabrik”, 224 Seiten, Festeinband mit zahlreichen Abbildungen, Trier 2012, Verlag Paulinus; ISBN 978-3-7902-1902-9. Hinweis: Bis zum 31. Januar 2013 ist das Buch noch zum Subskriptionspreis von 24,90 Euro erhältlich, danach 29,90 Euro.

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11 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Peter Moog schreibt:

    “…Konkursmasse die Romika Shoes GmbH formte. Die kommt heute mit einem Bruchteil des einstigen Mitarbeiterstamms aus.”

    Allein dieser Satz zeigt, wie wissenschaftlich unqualifiziert und manipulierend diese Aussagen sind.

    “… konnte sich das Weltjudentum zur Herrschaft durchringen”. Lemm weiter”. Wissen wir heute (bei den verhältnismäßig geringen Informationsgemengen), wie das Individuum seinerzeit dachte – von einfachem Arbeiter bis zum Bildungsbürgertum wusste doch offensichtlich jeder mindestens mal von der Existenz von Konzentrationslagern.

    Beide Dassler’s (Puma Adidas) wurden nach dem Krieg von den Amerikanern festgenommen und haben dies nie verschwiegen /sicherlich nicht weil sie erbitterte Kämpfer gegen das Nazitum waren). Viele Mittelständler unterstützten bis zu einem gewissen Zeitpunkt die Entwicklung während der national-sozialistischen Zeit – sicherlich sehnte man sich nach der Weimarer Republik nach der wilhelminischen Ordnung -ich weiß es nicht!

    Ist es denn nicht auch so (mit Bezug auf das Zitat oben), dass viele westliche Staaten und Völker mit Enthusiasmus (in Deutschland die linksorientierten Bevölkerungsschichten) immer wieder die Argumente der USA bejubelten, weil diese aus jeweilig aktuellen Sicht plausibel erschienen, Und ist es nicht so, dass kein Mensch sich zum Thema “Guantanamo” meldet? Irgendwann werden diejenigen, die am lautesten jubeln auch wieder eines Besseren belehrt…

  2. Peter Moog schreibt:

    Hier wird von einem Mitglied unserer Gesellschaft gesprochen, von dem es durchaus Nachkommen gibt – man sollte sich unbedingt bewusst sein, dass man diesen Menschen auf mentaler Ebene nicht unerheblich Schaden zufügt. Also sollte dieser Diskurs unbedingt auf einer wissenschaftlichen Ebene geführt werden und nicht als mal irgendwie “da gehört” oder so veröffentlicht werden.

    Wenn hier nur ein Mensch verletzt wird, dann kann das nicht mehr in Ordnung sein.

    Das Leben eines Menschen ist viel zu komplex als dass man einzelne Sequenzen in dieser Weise aus dem Zusammenhang reißen darf. Auch unter Bezug auf diese Rede in der Treveris wird ein Sachverhalt völlig aus dem Zusammenhang gerissen und vorgetragen. Es manipuliert den Leser dahin gehend, dass man glauben könne Helmuth Lemm sei ein Anhänger – das ist in keiner Weise in Ordnung.

    Sehr geehrter Herr Ganz-Ohlig, als Buddhist erlaube ich mir hier mal “christlich” zu zitieren: “Wer keine Sünde hat, soll den ersten Stein werfen…” oder so! Hoffentlich wird nicht irgendwann mal über meine Sünden diskutiert :-)

    Gerade das Thema Nazitum ist immer noch ein sehr empfindliches Thema und so sollte es auch bleiben. Bitte gehen Sie vorsichtig um mit den Informationen – sie sollten auf absolut gesundem Boden stehen und nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist wirklich so, dass lebende Menschen erhebliche Verletzungen erfahren könnten.

  3. Peter Moog schreibt:

    Wie dem auch sei – ich habe einst bei Romika Industriekaufmann gelernt und kann mit ganz großem Stolz behaupten, dass ich eine erstklassige, super tolle Ausbildung genossen habe.

    Das Ausbildungskonzept war getragen von einer äußerst großen Verantwortung durch die Geschäftsleitung. Ich habe in dem gesamten Unternehmen nicht an einer einzigen Stelle das Gefühl gehabt, dass Prozesse nicht absolut durchdacht und bewusst ausgeführt wurden. Diese wurden getragen von einem sehr hohen Maß an Pflichtbewusstsein gegenüber den Mitarbeitern. Meine späteren Kollegen bei Puma beneideten mich um diese großartige Ausbildung.

    Soweit ich das beurteilen kann, legte die Folgegeneration ein ähnliches Pflichtbewusstsein an Tag. Vielleicht sollte an dieser Stelle auch die Zeit von Jäggi betrachtet werden, der schon in den 1980er Jahren das Erbe von Horst Dassler bei adidas antrat und dieses Unternehmen in Herzogenaurach in “schwierigen” Zeiten steuerte. dies geschah wohl auch bei Romika.

    Helmuth Lemm war ein klasse Typ – so habe ich ihn kennen gelernt!

  4. Ryan SMiTH schreibt:

    Genau, Herr Moog: Zu MIR war der Führer immer total nett, ich weiß gar nicht, was alle gegen den haben!

    Die in Ihrer Glaubensrichtung auffällig verbreitete Nachsicht gegenüber dem “Nazitum” lässt mich umso entschlossener Nichtbuddhist bleiben.

  5. Markus Pflüger schreibt:

    Ein lesenswertes wissenschaftlich fundiertes Buch, denn es zeigt beispielhaft und belegt wie die National­sozialisten jüdische Mitbürger_innen um ihren Besitz brachten und wie sich andere Deutsche daran bereicherten. Kann sein dass Helmuth Lemm auch ein “klasse Typ” war, auch Dr. Hackethal der KZ-Hinzert-Arzt der falsche Totesbescheinigungen ausstellte um das dortige Morden zu vertuschen war ein beliebter Hausarzt – leider ging und geht beides – und das gilt es aufzudecken um damit unvollständige und somit falsche Geschichte aufzuarbeiten. Interessant wie Herr Moog dies kaum differenziert und sich scheinbar stellvertretend persönlich angegriffen fühlt. Warum stand Herr Lemm nicht zur Firmengeschichte? Die Vergangenheit wirkt eben in der Zukunft weiter, Erinnerungsarbeit wie sie das Buch leistet bleibt notwendig und auch Täter-Angehörige und Angestellte könnten daran mitwirken.
    Wer sich auch für andere Firmengeschichten jüdischer TriererInnen interessiert und wie alle relevanten Stellen in Trier bei der “Arisierung”mitwirkten, findet noch mehr in einer 32-Seitigen-Broschüre der AG Frieden von vorletzter Woche: “ARISIERUNG” JÜDISCHER GEWERBEBETRIEBE IN TRIER UND REGION”, ein Beitrag von Jutta Albrecht zeigt wie es Allgemein ablief und listet jüdische Geschäfte in Trier auf, ein Artikel von Heinz Ganz-Ohlig, der hier auf 16vor erschienen ist, wurde aktualisiert und zeigt die wahre Geschichte der ROMIKA – erhältlich im AGF-Weltladen, Pfützenstr.1 und Buchandlungen für 2,-€.

  6. rüdiger Rauls schreibt:

    “Allein dieser Satz zeigt, wie wissenschaftlich unqualifiziert und manipulierend diese Aussagen sind.” Kann ich so nicht sehen, Herr Moog. Aber Ihren Anspruch an eine sachliche Auseinandersetzung unterstütze ich. Denn die empörten Aufschreie der Moralisierer über die “Ewiggestrigen” haben das faschistische Gedankengut in unserer Gesellschaft nicht zurückdrängen können. Nur, wenn Sie selbst diesen Anspruch erheben, dann sollten Sie selbst aber auch danach handeln. Ihrem Beitrag ist ja nicht einmal der Versuch sachlichen Argumentierens zu entnehmen. Sie gehen dieses Thema einzig auf der Ebene der persönlichen Erlebnisse, des persönlichen Wertens, des Hörensagens und der Äußerungen Dritter an. Das wird dann garniert mit solchen modern klingenden und Anteilnahme hauchenden Gemeinplätzen wie: “Es ist wirklich so, dass lebende Menschen erhebliche Verletzungen erfahren könnten.”
    Ich gebe Ihnen REcht, dass das möglichst vermieden werden soll. Das sollte aber nicht verwechselt werden mit dem ERsticken von kritischer Auseinandersetzung unter der Käseglocke von Zwangsharmonie. Es gab Täter und es gab Opfer in der Nazizeit, das ist nicht durch noch so buddhistisches Lächeln und Säuseln zu vernebeln. Ich möchte mich nicht als Richter aufschwingen über Menschen, die in einer Zeit gelebt haben, in der ich das Glück hatte, nicht gelebt haben zu müssen. Aber mit Lobhudelei über irgendwelche “klasse Typen” kommt man der Wahrheit auch nicht näher. Aber um Wahrheit geht es ja meistens gar nicht.

  7. Carina Lemm-Gussner schreibt:

    Es war und ist jedem bekannt, wer die Firma Romika gegründet hat und dass mein Vater sie 1936 übernommen hat und somit auch erst “seine” Romika ihren Anfang nahm. Mit dem wie sie zu Grunde ging hatte er rein gar nichts zu tun. Das kommt leider zu wenig zum Ausdruck. Ich vermisse auch die Erwähnung des Restitutionsprosesses nach dem Krieg.

  8. Willi Körtels schreibt:

    Dem Autor des Buches über die Romika, Heinz Ganz-Ohlig, gebührt großer Dank für seine Leistung. Während bisher nur Bruchstücke der Wahrheit über die Romika bekannt waren, hat er eine wissenschaftlich fundierte Arbeit vorgelegt, die beispiellos ist, weil sie umfassend informiert und Zusammenhänge darstellt. Diese Arbeit ist das Ergebnis seines uneigennützigen Engagements und deshalb aufs Höchste zu würdigen. Sein Buch trägt wesentlich dazu bei, dass ein nicht unbedeutendes Stück Heimatgeschichte aufgearbeitet wird. Vor allem aber bringt es Licht in ein mit vielen Mythen verdunkeltes Kapitel der Geschichte des Trierer Landes. An der Mythenbildung waren offenbar viele beteiligt, vor allem solche Personen, die davon wirtschaftlich profitierten. Aber es gab auch solche, die profunde Kenntnisse von der Wahrheit hatten, aber aus unterschiedlichen Gründen schwiegen, über Jahrzehnte. Dieses Werk stellt einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung regionaler Wirtschaftschaftsgeschichte dar und ermöglicht erstmals die öffentliche Diskussion der inhärenten moralischen Fragen und öffnet einen Bewusstseinsprozess aus dem Nebel des schönen Scheins zur Klarheit der Tatsächlichkeit.

  9. Nora Naatz schreibt:

    1. Teil:
    “Romika, eine Firme dessen Anfangsjahre weitgehend in Vergessenheit geraten ist.”
    Der vorliegende Text ist die subjektive Sicht einer einzelnen Person, die diesen verfasst hat. Denn bei uns sind die Anfangsjahre nie in Vergessenheit geraten. Das weiß bei uns jeder. Ich kann mich sogar erinnern, dass in der Grundschule in Gusterath die Entstehungsgeschichte von der Romika gelehrt wurde. Ro-Mi-Ka. Die 3 Gründer und dass die Firma bankrott gegangen ist bevor Helmuth Lemm jemals den Namen gehört hat ist ein Fakt, der in diesem Text, der die Geschichte aufzuarbeiten versucht gar nicht erwähnt wird.
    Wie es zu dem Bankrott kam, kann ich nicht sagen, aber das die politische Wendung in Deutschland zu diesem Zeitpunkt mit daran Schuld ist ist ohne Frage. Es ist falsch jedoch Herrn Lemm mit der “arisierung” der Romika in einem Satz zu erwähnen. Als die Romika geschlossen wurde, lebte er noch in Hamburg und arbeitete für eine Gummi Fabrik. Es wurde ihm das Objekt Romika von der Bank angetragen und er hat die Firma daraufhin das erste mal besucht. Als er vor der Fabrik stand, war sie nicht mehr in Betrieb und ein Banner hing über dem Eingand mit er Aufschrift “ Wir stehen geschlossen hinter der Front! ”.Zu dem Thema der „Vertuschung von den dunklen Kapiteln der Firmengeschichte“ der „späteren Eigentümer“ kann ich nur für den Teil von H.Lemm sprechen, da ich nicht vertraut bin mit der Firmenpolitik der derzeitigen Besitzer. Wenn H. Lemm nur im geringsten daran interess

  10. Nora Naatz schreibt:

    2. Teil:
    Wenn H. Lemm nur im geringsten daran interessiert gewesen wäre die Entstehungsgeschichte er Romika zu vertuschen, hätte er da nicht gleich auch den Namen „arisiert“? Wäre doch viel einfacher gewesen. Ist ja nicht so, dass ein Namenwechsel zu diesem Zeitpunk dem Unternehmen finanziell geschadet hätte. Ganz im Gegenteil, damals war die Firmengeschichte noch frisch und ziemlich jeder wusste wofür Romika stand.
    Ich finde es zwar lobenswert, dass sich ein Religionslehrer in seiner Freizeit mir der Geschichte Triers zu Kriegszeiten beschäftigt, aber wenn man ein Buch schreibt darüber, sollte dieses auf fundierten Recherchen basieren. Dazu gehören auch Information aus erster Hand. Es ist schade, dass keiner der Menschen, die H. Lemm nahestanden zu diesem Thema befragt wurden. Wenn wirklich so ein reges Interesse an der Geschichte der Romika besteht, dann wäre doch am einfachsten gewesen, die Nachkommen zu kontaktieren nach Material zu fragen. Aber es scheint mir, als wäre das Hauptinteresse mit Dreck zu werfen. Auch wenn betont wird, das dies nicht der Fall ist. Es ist nun mal erwiesen, dass sich so etwas viel besser vermarkten lässt. Ich habe das Buch nicht gelesen, da ich dies nicht mit 25€ unterstützen will. Durch den obigen Text scheint es mir eine Anreihung von aus dem Kontext gerissenen Ereignissen und Halbwahrheiten zu sein. Ich finde es schade, dass sich jemand die Mühe gemacht hat um eine wirklich großartige Person Jahre nach seinem Tod zu verunglimpflichen

  11. Nora Naatz schreibt:

    3. Teil
    Ich sage nicht, dass H.Lemm perfekt war aber ihn mit dem KZ Arzt zu vergleichen ist eine Frechheit. Unglaublich. Da frage ich mich nur, wo waren denn Eure Grosseltern / Eltern während des Krieges? Was haben sie gemacht? Nichts? Aha, und das soll besser sein als zumindest ein paar Leben zu retten? Ein Halbjude hat den ganzen Krieg hindurch bei Romika gearbeitet und überlegt. H.Lemms Frau war nicht einmal Deutsche! Seine Schwester Charlotte war mit einem Juden verheiratet (Franz Mehmelsdorf, dessen Geschichte vor kurzem in einem Buch veröffentlicht wurde). Das sind alles Fakten, die ich bei der Beschreibung meiner Großvaters und seiner Firma vermisse. Das Schluss-Zitat des Buches zeigt deutlich die Intention sowie die Quellen des Autor. Gerade Politiker sollte mal ganz ruhig sein wenn es um Dreck hinterlassen geht. Da sind drittklassige Kaff-Oberbürgermeister nicht ausgeschlossen von!

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