Eine Fernbuslinie weniger (update)

Das Wittlicher Unternehmen "Likaliner" hat seine Fernbuslinie nach Köln eingestellt. Foto: Christian JörickeImmer neue Fernbuslinien drängen auf den Markt – für Trier mit dem traurigen Ruf als am schlechtesten angebundene Stadt Deutschlands eigentlich ein Segen. Dass es bei einem solchen Boom schnell zu Sättigungserscheinungen kommen beziehungsweise dennoch Probleme bei der Nachfrage geben kann, dürfte jedem spätestens seit den Gerüchten um den Rückzug des ADAC aus dem Geschäft bekannt sein. Nach nicht einmal einem Jahr stellt jetzt das Wittlicher Unternehmen “Likaliner” seine Busverbindung von Trier nach Köln ein. Schon seit Wochen gab es Schwierigkeiten bei der Ticketbestellung. Zuletzt wurden häufig nur noch Kleinbusse eingesetzt.

TRIER. Am heutigen Dienstag verkündete “Likaliner” in einer Rundmail an Kunden, die direkte Busverbindung nach Köln “bis auf Weiteres” einzustellen. Die Auslastung der Expressverbindung in die Domstadt sei “weit hinter unseren Erwartungen geblieben”, heißt es in dem Schreiben. Jedoch versichert das Unternehmen, dass es “nur ein Abschied auf Zeit” sei und man bald mit einem “dichteren Netz und einer höheren Frequenz” zurückkommen werde.

Noch am Montag – also nur einen Tag vor Bekanntgabe der Einstellung der Linie – erklärte dessen Geschäftsführer, Professor Orhan Kocagöz, gegenüber 16vor, dass “Likaliner” zur Zeit lediglich “sehr kurzfristig” plane – und rechtfertigte dadurch entstandene Buchungsprobleme. Von Problemen oder gar einem Ende der Linie war in der gestrigen Stellungnahme noch keine Rede, stattdessen schob Kocagöz den schwarzen Peter auf die Behörden: “Wir warten seit Monaten auf eine Entscheidung der Genehmigungsbehörden bezüglich der Haltestellen, die wir in Bitburg, Prüm, Mayen und Wittlich einrichten möchten.”

Kunden machten 16vor auf Schwierigkeiten mit dem Unternehmen aufmerksam. Auch auf der Facebookseite von “Likaliner” fallen die öffentlich gestellten Anfragen unmittelbar ins Auge: Monatelang wartete die Kundschaft auf die Möglichkeit, Tickets für eine bestimmte Fahrt zu buchen. Das Unternehmen – mit Twitter und Facebook durchaus in den sozialen Netzwerken präsent – reagierte zwar meist umgehend darauf, aber mit Vertröstungen: Man habe die Fahrten noch nicht ins System eingepflegt oder die Buchung sei “aus technischen Gründen nicht möglich”. Auch am Telefon erhielten Kunden identische oder ähnlich lautende Aussagen. Zudem fiel auf, dass die Fahrten bei “Likaliner” generell kaum buchbar waren. So wurden die ersten zehn Tage des Mais auf der Seite am 30. April zur Buchung freigegeben, einen Tag vorher. Auch der Verfasser dieses Beitrags blieb glücklos bei dem Versuch, eine Fahrt zu buchen. Und selbst über die auf der Webseite angegebene Telefonummer meldete sich niemand.

Schon seit Wochen klagten Kunden auf der Facebook-Seite von "Likaliner" über Probleme bei der Buchung. Foto: ScreenshotDie mangelnde telefonische Erreichbarkeit erklärte Kocagöz indes bereits am Montag mit dem Kostendruck der Branche, so habe man sich lieber auf die neuen Medien spezialisiert. Über E-Mail, Facebook und Twitter könnte man das Unternehmen schnell erreichen. Wichtig sei doch, “dass die Fahrgäste bequem, günstig und schnell nach Köln kommen. Das konnten wir in der Vergangenheit ganz gut leisten”.

Dass das Unternehmen von Auslastungsproblemen geplagt wurde, konnten auch einige Fahrgäste bestätigen. Oft seien die Fahrzeuge kaum belegt gewesen, hieß es; meistens kamen daher gar keine Reisebusse, sondern nur noch Kleinbusse zum Einsatz. Zuletzt konnte ein Kunde zwar noch erfolgreich eine Fahrt für seine Mutter buchen. Diese staunte jedoch nicht schlecht darüber, dass sie der einzige Fahrgast war.

Zwar fahren mehrere Fernbuslinien Trier an und verbinden die Stadt unter anderem mit Luxemburg, Frankfurt, Straßburg und Freiburg, Konkurrenz erfuhr “Likaliner” auf der Strecke nach Köln jedoch lediglich durch teurere Regionalzüge und zwei Intercitys der Deutschen Bahn. Das Angebot der Wittlicher Firma war offensichtlich dennoch für zu wenige Kunden attraktiv.

UPDATE:

Am Mittwoch erklärte der für die Zulassung von Haltestellen zuständige Landesbetrieb Mobilität (LBM), dass “die alleinige Verantwortung an der langen Bearbeitungszeit bei Likaliner selbst” liege. Denn der Busanbieter wollte zuvor eine Haltestelle am Flughafen Köln/Bonn einrichten, schloss jedoch nicht die dafür notwendige Nutzungsvereinbarung mit dem Flughafenbetreiber ab. Stattdessen teilte das Unternehmen dem LBM am 12. Mai mit, dass es auf diese Haltestelle verzichte und nun nur die anderen Haltestellen zur Genehmigung beantrage. Deren Zulassung durch den LBM erfolgte ebenfalls noch am 12. Mai.

Weiterer Artikel zum Thema: “Neue Buslinie nach Köln“.

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7 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Raimund Scholzen schreibt:

    Trotz größter Anstrengung: Die Bahn (DB) hat Mehdorns Vermächtnis noch immer nicht ganz erfüllt, das Schienennetz voll zuschanden zu fahren, damit endlich nur noch flexible Fernbuslinien mit dünnem, sprich “nachfragegerechtem” Fahrplan, die wenigen verbliebenen Verkehrsbeziehungen des Öffentlichen Personenverkehrübers über die Autobahn mit notwendigen Stichfahrten in die Städte hinein (und hinaus) realisieren, die nicht mit dem PKW stattfinden. Für diese Restfahrten kann es dann ein Tarifsystem wie bei Air Berlin geben: Völlig undurchschaubar und wechselnd von Tag zu Tag, ach was, von Stunde zu Stunde. “Früher”, wann auch immer (oder vielleicht vor der Privatisierung) das war, gab es auf dem kleinsten Bahnhof einen Fahrkartenschalter, an dem konntest du eine Fahrkarte lösen zu jedem Ziel und zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit, egal ob Hin- oder Rückfahrt und egal, ob im roten, weißen oder (wie lang ist das her?) grünen Zug.

  2. J. Scneider schreibt:

    Diesem Artikel nach zu urteilen war Herrn Kocagöz ja zumindest bereits bewusst, dass es nicht einfach werden würde: http://www.marktspiegel.de/nuernberg-nord/lokales/umfrage-zum-fernbusangebot-d1443.html

  3. Sönke Greimann schreibt:

    Tja, Herr Scholzen, dann können Sie ab Dezember ja fromm drauf warten, dass der IC-Verkehr nach Trier wieder aufgenommen wird. Führe nicht der Fernbus über Kaiserslautern, wäre dann die Anbindung von “uns schöner Trier” nur noch über Saarbrücken und Koblenz, mit anschließender Bimmelbahnfahrt möglich.

    Wenn Sie die Fahrkartenschalter an jenem Popelbahnhof wieder einführen wollen (natürlich mit 24h-Besetzung und selbstredend mit Mindestlohn, Nachtzuschlag und Verbeamtung für die Spitzenkraft hinter dem Tresen) bin ich gespannt, wie sie es hinbekommen, dass sich dann auch künftig Geringverdiener überhaupt mit der Bahn bewegen können.

    Denn – Überraschung – das kostet alles Geld! Und wenn Sie jetzt noch lustige Geschichten von früher aus dem Nähkästchen ziehen, dass man damals noch für schlappe 13 Mark über 100km mit der Bahn fahren konnte – in der Welt der “früher-war-alles-besser”-Fraktion gibt es ja weder Inflation noch sonstige Marktfaktoren – wird das Bild vom Tschuff-tschuff-Staatskonzern-Nostalgiker erst so richtig komplett.

    Bestimmt sind diese modernen Telefone, die die Menschen so alle mit sich rumtragen, auch von einigem Übel… Mit dem grauen Einheitstelefon mit Wählscheibe von der Bundespost waren die Menschen doch auch zufrieden…

    Das einzige, was nicht dem Nostalgie-Rückverstaatlichungswahn unterliegt, ist der Tante-Emma-Laden… Wenigstens der durfte auch anno Tobak schon privat sein… Gottlob…

  4. Michael Merten schreibt:

    “Wenn Sie die Fahrkartenschalter an jenem Popelbahnhof wieder einführen wollen (natürlich mit 24h-Besetzung und selbstredend mit Mindestlohn, Nachtzuschlag und Verbeamtung für die Spitzenkraft hinter dem Tresen) bin ich gespannt, wie sie es hinbekommen, dass sich dann auch künftig Geringverdiener überhaupt mit der Bahn bewegen können. – See more at: http://www.16vor.de/eine-fernbuslinie-weniger/#sthash.vXeEiek9.dpuf

    Lieber Herr Greimann,
    Es geht jetzt nicht um die Frage, ob an jedem “Popelbahnhof” ein Schalterhäuschen stehen soll. Und früher war gewiss nicht alles besser. Aber die Frage stellt sich doch: In welcher Gesellschaft möchten wir leben? Ich möchte in einer Gesellschaft leben, in der es in der Tat selbstverständlich ist, Menschen für ihre Tätigkeit gut und anständig zu bezahlen. Eine Gesellschaft, in der man nicht verächtlich über die “Spitzenkraft” lacht, die hinter einem Bahnschalter steht, sondern in der man diesen Menschen dankbar für ihre Hilfe ist. Ihre Arbeit wertschätzt, denn für eine gelingende Gesellschaft ist die Arbeit der Putzfrau nicht weniger wichtig als jene des Managers. Ohne den Einsatz der Putzfrau ist nämlich ziemlich vieles beschissen, im wahren Wortsinn.

  5. Stephan Jäger schreibt:

    @Sönke Greimann

    „Bestimmt sind diese modernen Telefone, die die Menschen so alle mit sich rumtragen, auch von einigem Übel…“

    Nein, Herr Greimann! Sind sie ganz sicher nicht! Wo sollten die „modernen“ Leute des Egomanen- und Beinaheautisten-Zeitalters denn sonst, egal, wo sie gerade sind und, was da gerade passiert, in der verzweifelten Angst, woanders was zu verpassen, die ganze Zeit drauf starren?

    Sorry für off-topic. Aber ich musste mich einfach auch (wiedermal) als weltfremder Nostalgiker outen.

  6. Sönke Greimann schreibt:

    Ach, worum ging es Herrn Scholzen denn dann, als er schrieb:

    ““Früher”, wann auch immer (oder vielleicht vor der Privatisierung) das war, gab es auf dem kleinsten Bahnhof einen Fahrkartenschalter, an dem konntest du eine Fahrkarte lösen zu jedem Ziel und zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit, egal ob Hin- oder Rückfahrt und egal, ob im roten, weißen oder (wie lang ist das her?) grünen Zug.”

    Gut, den “kleinsten” Bahnhof habe ich in künstlerischer Freiheit jetzt zum “Popelbahnhof” umgewidmet… Ich lache nicht über den, der da sitzt, sondern über die Weltfremdheit, die erwartet, dass da jemand zu sitzen habe. Und dabei völlig ausblendet, dass das auch was kostet.

    Denn warum, glauben Sie, sitzt dort eben keiner mehr, hm? Weil Mindestlöhne keine Arbeitsplätze kosten? Was nun Putzfrauen damit zu tun haben, erschließt sich dann auch wieder nicht. Es ging um Bahnservice.

    Und Herr Jäger, ich begleite Sie gern mal einen Tag lang durch die Fußgängerzone. Wenn ich den Typen erspähe, der hinter den herläuft und die Leute mit vorgehaltener Knarre zwingt, auf ihr Smartphone zu starren, nehme ich alles zurück. Und Sie sind hoffentlich so gut und lassen mich wissen, wenn Sie diesen bösen Mann sehen…

    Und deshalb müssen wir zurück in die Steinzeit?! Weil es Menschen gibt, die mit Technologie schlecht umgehen können? Wow! Welch titanenhafte Erkenntnis(!)

    Entschuldigen Sie mich. Ich muss jetzt meine Löffel beschimpfen, sie haben mich dick gemacht!

  7. Stephan Jäger schreibt:

    @Sönke Greimann

    „Und Herr Jäger, ich begleite Sie gern mal einen Tag lang durch die Fußgängerzone. Wenn ich den Typen erspähe, der hinter den herläuft und die Leute mit vorgehaltener Knarre zwingt, auf ihr Smartphone zu starren,…“

    Der Ort, Herr Greimann, an dem Menschen nur dann nervtötenden Schwachsinn machen würden, würde man sie mit „mit vorgehaltener Knarre“ dazu zwingen, wahrlich, müsste das Paradies sein.

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