“Er hätte die Wahl”

TRIER. Weil er vor seinem Geschäft einen firmeneigenen Fahrradständer entfernen musste, macht der Trierer Unternehmer Brommenschenkel jetzt Stimmung gegen die Stadtverwaltung. Die kontert mit einem Verweis auf die Satzung für Sondernutzungen.

“Wie passt das zusammen?”, fragt sich Peter Brommenschenkel auf großflächigen Plakaten, die er am Eingang zu seinem “Biogate” in der Palaststraße aufgehangen hat. Hintergrund der eher rhetorischen Frage: Brommenschenkel musste seine mobile Fahrradabstellanlage entfernen, die seinen Kunden während der Öffnungszeiten zum Abstellen ihrer Velos zur Verfügung stand. Seit mindestens fünf Jahren habe sich daran niemand gestört, erklärte er am Montag gegenüber 16vor, so lange habe es das Angebot schon gegeben; 2012 habe ihn dann erstmals jemand vonseiten der Stadt darauf aufmerksam gemacht, dass er den Ständer entfernen müsse, berichtet Brommenschenkel. Wie das denn mit den ständigen Beteuerungen der Stadtspitze zusammenpasse, dass Trier fahrradfreundlicher werden solle, fragt der Unternehmer, der sich entschloss, “richtig Wallung zu machen” (O-Ton Brommenschenkel). Schließlich sei es eigentlich Aufgabe der Stadt, Fahrradabstellmöglichkeiten zu schaffen.

Nach Darstellung der Verwaltung gibt es in der Innenstadt rund 2.000 öffentlich nutzbare Abstellplätze für Fahrräder, wobei in dieser Zahl auch private Anlagen, beispielsweise vor den Krankenhäusern mitgezählt sind, wie ein Sprecher des Rathauses auf Anfrage erklärte. Davon seien über 900 Anlehnbügel, die jeweils zwei Abstellmöglichkeiten bieten. Rund 300 davon wurden zwischen Herbst 2011 und Frühjahr 2012 neu geschaffen.  In der Neustraße, im Bereich Einmündung Germanstraße, wurden im Juni/Juli 2012 zusätzlich 14 neue Fahrradbügel gesetzt. 

Brommenschenkels Fahrradständer musste indes weichen, und aus Sicht der Stadt ist das nur folgerichtig: “Zur Vermeidung der Überladung des öffentlichen Straßenraumes der Stadt Trier mit Werbeanlagen aller Art”, zu denen auch firmeneigene Fahrradständer zählten,  seien auch mit Werbung versehene Fahrradständer genehmigungspflichtig, betont man im Rathaus. Und die entsprechende Satzung für Sondernutzungen regele eben auch, dass  für “einen zweiten und weitere Werbeständer sowie Werbeständer in Verbindung mit anderen Sondernutzungen” keine Genehmigung erteilt werde. Im konkreten Fall bedeute dies, dass das “Biogate” im Besitz einer Sondernutzungserlaubnis zur Aufstellung eines Werbeschildes sei. “Bei Anwendung der Sondernutzungssatzung ist die zweite Sondernutzung, die Aufstellung des Fahrradständers, nicht erlaubnisfähig”, erläutert das Presseamt und ergänzt: “Herr Brommenschenkel hätte aber die Wahl, welche Art der Sondernutzung – Werbeschild oder Fahrradständer – er ausüben will”. Voraussetzung sei ein entsprechender Antrag, Fahrradständer seien jedenfalls “erlaubnisfähig”.

Der Unternehmer kontert, ihm gegenüber habe vonseiten der Verwaltung niemand den Vorschlag gemacht, die Werbung auf dem Fahrradständer zu entfernen. “Die Idee kam nicht”, echauffiert er sich und ergänzt: “Darüber hätte man doch reden können”. Auch wenn es Brommenschenkel, wie er auf Nachfrage einräumt, natürlich am liebsten wäre, sein Fahrradständer fungiere auch künftig als Werbeträger. “Ich stelle diese Dienstleistung schließlich auch zur Verfügung”. Folgt man der Darstellung der Stadt, dann wäre aber ohnehin nur ein entweder oder möglich, selbst ohne Werbung bekäme Brommenschenkel den Fahrradständer dann nicht genehmigt.

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14 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. D.Walter schreibt:

    Überladung des öffentlichen Straßenraumes, das muß man sich einmal auf der Zunge zerrgehen lassen, das eine Aussage der Stadt,Überladung verstehe ich u.a. die allmorgentlich am Begin der Fußgängerzone aus einer Nobelkarosse mit franz.Autoschild abgeladenen Bettler (Wegelagerer), welche sich dann mit allerlei Utensilien auf den Weg in die Fußgängerzone machen,um dann dort teils agresiv zu “arbeiten”
    Sollte es sich allerdings um getarnte Mitarbeiter der Stadt handeln, die auf diese zugegebenermaßen, ungewöhnliche Art und Weise, sich um die klamme Kasse der Stadt verdient machen, bitte ich um Nachsicht!!!

  2. Stephan Jäger schreibt:

    Hat eigentlich in Trier schonmal jemand sein Glück mit einer Extrawurstbude versucht? Da müsste doch normalerweise „richtig Wallung“ sein.

  3. Olli Petersen schreibt:

    Wenn jeder Ladeninhaber einen Radständer vor sein Geschäft stellen würde, dann bräuchte die Stadt keine mehr aufzustellen.
    Nur möchte ich mein Rad nicht in diese Ständer stellen. Danach sind oft die Felgen verbogen. Ich erkenne hier den sicherlich gut gemeinte Servicegedanken nicht und stelle mein Rad lieber an einen der reichlich vorhandenen anderweitig angebotenen Abstellmöglichkeiten.

  4. Peter Moog schreibt:

    Ja, aber das verschandelt doch das Stadtbild bis zur Unkenntlichkeit.

    All die Aluminium gestalteten, unglaublich kreativ gestaltete Schaufenster werden durch diese Fahrradständer in die ästhetische Tiefe gezogen. Das hätte Ausstrahlung auf das Karl Marx Geburtshaus, in dem sich ein 1 Euro Laden befindet und die Porta Nigra, die da liegt wie ein Schluck Wasser in der Kurve.

    Nein, nein, nein, ich finde das Ordnungsamt sollte ganz hart durchgreifen!

  5. phillip trellert schreibt:

    “Zur Vermeidung der Überladung des öffentlichen Straßenraumes der Stadt Trier mit Werbeanlagen aller Art” ist es doch eh viel zu spät.
    Triers Zentrum sieht aus , und ist deshalb so austauschbar, wie alle anderen Innenstädte auch : überall die gleichen ketten, die mit ihren filialen die city beherrschen.
    der fahrradständer des bioladens stört mich, genau wie wohl die allermeisten anderen, marginal bis gar nicht.
    die omnipräsenten mc doof, talia, kaufhof, etc etc…dafür umso mehr.

  6. Friedhelm Busche schreibt:

    Nicht immer nur reden! Wir treffen uns um 18:00 am Fahrradständer und ketten uns an.

  7. Stephan Jäger schreibt:

    @Friedhelm Busche

    Ich wär’ gern dabei. Aber ich kann die Mahnwache hier auf dem Parkplatz an der Löbstraße nicht aufgeben.

  8. rüdiger Rauls schreibt:

    D.Walter, den Luxusschlitten mit der franz. Nummer habe ich noch nicht gesehen. Das soll aber nicht heißen, dass Sie nicht Recht haben. Aber die “Wegelagerer” sehe ich jeden Tag in der Stadt. Die sitzen still und halten die Hand auf. Sie betteln. Was daran aggressiv ist, weiß ich nicht. Mir ist noch keiner aggressiv gekommen, was aber auch nicht bedeuten soll, dass das nicht vorkommt.
    Aber Aggressivität ist doch allgegenwärtig. Amokläufer, Stalker, Geisterfahrer auf Kollisionskurs, Eltern, die ihre Kinder nicht mehr ertragen und sie umbringen, Familienväter, die Ihre Familie auslöschen, weil sie nicht mehr klarkommen miteinander. Das sind die auffälligen ERscheinungen neben all den alltäglichen Gereiztheiten, Anfeindungen, Angiften, den hasserfüllten Diskussionen, dem Anschreien in den Meinungsverschiedenheiten, den Beispielen lautstarker Konfliktbewältigung in den Nachmittagssendungen des Assi-TVs auf RTL und ähnlichen.
    Dagegen ist doch so ein bescheidener Bettler schon fast etwas Wohltuendes für die Seele. Und wer da Stunden sitzt bei jedem Sauwetter, dem sei es doch gegönnt, dass er einpaar Euros bekommt. Ich möchte diesen Job nicht machen. Sie etwa? Wenn ja, dann denke ich, gibt es sicherlich noch genügend freie Plätze. Zudem, eines sollten wir nicht vergessen: die hohe disziplinierde Wirkung, die von solchen Bettlern ausgeht. Niemand geht an denen vorbei, ohne dabei in den eigenen Eingeweiden die mahnende Stimme zu hören: “Hoffentlich geht es mir nicht auch einmal so!”

  9. Peter Moog schreibt:

    @Philip Trellert – dem ist nichts hinzuzufügen

    @Friedhelm Busche – das gefällt mir besonders gut ;-)

  10. V.Clemens schreibt:

    @Herr Trellert: Mich stören die Fahrradständer auch nicht.
    Ich stelle mir jedoch die Grundsätzliche Frage, wieso es überhaupt Fahrradständer vor Geschäften in der Fußgängerzone geben muß.
    In dieser ist das Fahrradfahren während der Geschäftszeiten ( zu recht) eh verboten.
    Also kann man sein Velo ja auch am Rand der Zone stehen lassen.
    Für das besagte Geschäft im besonderen bietet sich hier der Hof der Palais Kesselstadt an. Ist auch der kürzeste Weg.
    Mich wundert nur, warum die City-Initiative Trier ihrem Vorzeige-Mitglied hier nicht zur Seite springt, der sich ja hier über das Übliche maß hinaus engagiert.

  11. Peter Moog schreibt:

    Jawohl Herr Trellert, ich sehe das genau wie Herr Clemens. Stellen Sie sich mal vor in Deutschland wäre nicht alles exakt geregelt und durch unseren Staat kontrolliert!

    Es käme Lebensfreude auf, die Menschen könnten entspannter ihre Freizeit genießen – neben dem Job, wo alles REFA standardisiert ist. Das Leben wäre unerträglich und langweilig und ohne jegliche Anfeindungen wie oben beschrieben! Neee, das wollte ich nicht.

    Dann hätten wir Zustände wie in Istanbul, Gelassenheit und ein absolut tolles Lebensgefühl. Neee, das wollte ich nicht!

  12. Stephan Jäger schreibt:

    @V.Clemens

    „Ich stelle mir jedoch die Grundsätzliche Frage, wieso es überhaupt Fahrradständer vor Geschäften in der Fußgängerzone geben muß.
    In dieser ist das Fahrradfahren während der Geschäftszeiten ( zu recht) eh verboten.“

    So sieht’s aus!

    Aber man muss es wahrscheinlich einfach mal selbst probiert haben, um zu wissen, dass ein Mangel an Abstellmöglichkeiten innerhalb der Fußgängerzone ganz sicher das kleinste Problem beim Radfahren in Trier ist. Ein paar Werbetafeln, in die man auch ein Fahrrad stellen kann, dort, wo man sowieso nicht fahren darf, ändern jedenfalls ganz sicher nichts daran, dass wir hier in einer der Radverkehrs-feindlichsten Städte Deutschlands wohnen.

  13. Friedhelm Busche schreibt:

    @V.Clemens: Natürlich ist Fahrradfahren in der Fußgängerzone verboten, trotzdem ist das Fahrrad – auch geschoben – ein toller Lastesel. Wenn der Einkauf also etwas größer ausfällt, z.B. ein Sack Kartoffeln aus dem BioGate, ist das Bike halt sehr praktisch.

  14. C. Schneider schreibt:

    Hier geht es doch vielmehr um die Frage, ob es sich bei dem Fahrradständer des Herrn Brommenschenkel um Fahrradsständer im tatsächlichen Sinn (nämlich ohne großen Werbehinweis) oder vielmher um weiteren sogenannte “Kundenstopper” handelt.
    Mit diesen und weiteren unschönen Werbungen plaktatieren die Brommenschenkel-Unternehmen die Innenstadt und insbesondere die enge Palaststraße und das wunderschöne Palais Kesselstatt bis hin zur Liebfrauenstraße, daß man meint, man sei im Urlaub. Wer mag, kann sich gern einen persönlichen Eindruck verschaffen.
    Irgendwo muß diesem Treiben Einhalt geboten werden – wenn alle Mitbewerber und ansässigen Geschäftsleute ebenfalls so werben würden, wärde in der Palaststraße kein Platz mehr für Passanten, geschweige denn fürFahrräder oder Kinderwagen.

    @ V. Clemens: Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist Herr Brommenschenkel mit keinem seiner Betriebe Mitglied in der City Initiative. Schlüsse aus dieser Information mag jeder selbst ziehen.

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