“Es lebe die Freiheit!”

TRIER. 1996 erklärte der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Der Tag erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. In Trier nutzen die beiden Hochschulgemeinden, die AGF und die VHS dieses Datum für Gedenkveranstaltungen.

ESG_Plakat_2014 (2) (1)“Wir wollen ein Beitrag zur Erinnerungskultur an den Hochschulen und in der Stadt leisten”, begründet Jörg Zisterer das Engagement der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG). Gemeinsam mit der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) präsentiert die ESG seit 1996 jedes Jahr eine Ausstellung mit Rahmenprogramm. Seit vier Jahren haben sich die Arbeitsgemeinschaft Frieden e.V. (AGF) und die Volkshochschule der Stadt Trier diesem Projekt angeschlossen. Unterstützt werden sie dabei von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz und der Stadt Trier.

2014 stehen junge Menschen und ihr Widerstand gegen die Nazi-Diktatur im Mittelpunkt. Anders als in vielen verklärten Schilderungen von Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, gab es nicht nur die staatlich gelenkte “Hitlerjugend” und den “Bund deutscher Mädel”, sondern auch Protest und Widerstand junger Menschen. Es waren nicht wenige, die sich von der Regierung nicht vorschreiben lassen wollten, was sie zu denken hatten, welche Radiosender sie hören oder auf welche Musik sie tanzen durften.

Freilich mit hohem Risiko. “Es ist heute kaum bekannt”, sagt Thomas Zuche von der Arbeitsgemeinschaft Frieden (AGF), dass die Nazis ab 1940 im Deutschen Reich spezielle Konzentrationslager für Jugendliche einrichteten – in Moringen nahe Göttingen für Jungen und das KZ-Uckermark an der Havel für Mädchen und junge Frauen.

“Es lebe die Freiheit!” – das waren die letzten Worte von Hans Scholl vor seiner Hinrichtung. Scholl war 24 Jahre jung als er von den Henkern des NS-Regimes wegen seiner Beteiligung an der Widerstandsgruppe “Weiße Rose” ermordet wurde. “Es lebe die Freiheit!” ist auch der Titel der Ausstellung, die an zwei Standorten in Trier zu sehen sein wird: Noch bis 1. Februar im Foyer der Volkshochschule im Palais Walderdorff, Domfreihof 1b, vom 03. bis 07. Februar im Foyer des Gebäudes A/B in der Universität Trier.

Auf 32 Tafeln werden 19 junge Menschen vorgestellt, die mit verschiedensten Aktionen gegen die Herrschaft der Nationalsozialisten vorgegangen sind. Erarbeitet hat die Ausstellung der Studienkreis Deutscher Widerstand 1933-1945 mit Sitz in Frankfurt/Main. Die Trierer Organisationen wollen damit zeigen, wie vielfältig oppositionelle Einstellungen und widerständige Haltungen von jungen Menschen in der Nazi-Zeit gewesen sind. “Wir wollen aber junge Menschen auch dazu ermutigen, sich heute gegen rechtsradikales Denken und Handeln einzusetzen”, betont Kirsten Denker-Burr von der Katholischen Hochschulgemeinde. Auch deshalb lädt die Arbeitsgemeinschaft Frieden parallel zur Ausstellung zu einem Zivilcourage-Training ein, bei dem geübt wird, wie Menschen heute bei Gewaltsituationen eingreifen können. Dieses Training ist eine von 12 Veranstaltungen des Rahmenprogramms rund um die Ausstellung.

Dabei kommt auch der lokale Aspekt nicht zu kurz: Bei einem Rundgang der AGF zu ausgewählten “Stolpersteinen” werden Geschichten von jungen Triererinnen und Trierern erzählt, die Opfer der Nazis wurden oder sich mutig gegen die Herrschenden aufgelehnt hatten. Der Koblenzer Jurist und “Gedenkarbeiter” Joachim Hennig wirft in seinem Vortrag einen Blick auf die Hitlerjugend und den Widerstand von Jugendlichen im nördlichen Teil von Rheinland-Pfalz. Weitere Bestandteile des Rahmenprogramms sind Filme, eine Führung in der Gedenkstätte KZ Hinzert, ein Gespräch über Christen im Widerstand, ein Gottesdienst und ein dreiteiliges Philosophisches Café.

Rudolf Hahn, der Leiter des Bildungs- und Medienzentrums der Stadt Trier ist optimistisch: “Mit dieser Ausstellung und den vielfältigen Veranstaltungen werden wir auch in diesem Jahr ein breites Spektrum von Menschen erreichen. Dabei hoffe ich besonders auf die Beteiligung von Schulen.” Die wurden im Vorfeld extra eingeladen.

 

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