Feels like a dream, please let me sleep

Jawknee Music. My Turn. Homebound Records, Kidnap Music und Dingleberry Records. 2014Hinter Jawknee Music verbirgt sich der Trierer Musiker Johannes Steffen, den man auch als Sänger und Gitarrist von „A Hurricane’s Revenge“ und als Drummer von „Model For Monument“ kennt. Nach einigen Konzerten in Deutschland und einer England-Tour erscheint in Kürze das erste Solo-Album des vielseitigen Musikers, „My Turn“, das erfreulicherweise nicht nur als CD, sondern auch als Vinyl-Platte vertrieben wird. Aufgenommen wurde in den Trierer „Bobo Club Studios“ von Boris Thome. Die Musik ist von Punkrock, Folk und Blues inspiriert; alle Instrumente wurden von Johannes Steffen selbst eingespielt.

Zwischen NOFX- und Bruce Springsteen-Mixtapes die Finger blutig gespielt und die Stimmbänder wund gesungen – „My Turn“ ist eine Akustik-Punkrock-Platte von ganzem Herzen und mit großen Gefühlen. Auf eine wunderbare Schreihals-Art-und-Weise schön und enthusiastisch singt Johannes Steffen aka Jawknee Music seine besten Grüße an nichts und alle und jeden in die Welt. Dreizehn Songs sind auf dem Album, und fast alle zum Sehrgutfinden. Zu Beginn aber erst mal Irritation.

Eigentlich hatte ich ein klassisches Singer-Songwriter-Album mit Akustik-Gitarre und Bob-Dylan-Mundharmonika erwartet, aber dann kommen unverhofft Drums und E-Gitarren aus den Kopfhörern. Das ist ungefähr so wie Limo trinken, wenn man ein Bier bestellt hat.

„Didn’t i tell you“ heißt der erste Song der Platte und das hat natürlich schon Charme. Nö, hast du nicht, aber trotzdem alles gut. Super Stimme, klasse Song, kann man wahrscheinlich auch beim Autofahren hören, mit offenem Fenster und dem Fahrtwind in den Haaren.

Das ist vielleicht auch das Gefühl, von dem alle Songs getragen werden: Autobahn, raus hier, weg, egal wohin, es wird schon richtiger werden. Zwischendurch ausruhen, aber nicht zu lange, dafür ist die Zeit zu kurz.

Ein bisschen Punkrock muss natürlich auch dabei sein, schließlich sind wir in Trier – Chuck Ragan grüßt manchmal verstohlen von der Rückbank, aber an den Tränen ist der Fahrtwind schuld.

Spätestens der dritte Song, „You don’t know me at all“, wird dann auch all jene vereinen, die mit dem ganzen Rotz und Jammer in dieser ungerechten Welt nichts mehr zu tun haben wollen. Herzschmerz und Düsterness, ein einwandfreies Gitarrenpicking, dazu wunderbare Vocals – der Song ist ein echter Kracher!

In „New Life“ machen die Drums, die mir bei der ein oder anderen Nummer überflüssig erscheinen, richtig Sinn und geben dem Song den endgültigen Schuss Pathos, den er sich mit Moll-Akkorden, Downstroke-Gitarren und wütendem Gesang verdient hat.

Apropos Pathos, Songs wie “All I need” mit einer kleinen Xylofon-Melodie, “Complete”, das von einem mit Cello untermalte Titelstück “My Turn” und vor allen Dingen “Started” sind richtig schöne Songs, die ich gerne auch mal auf einem großen Festival an einem heißen Sommernachmittag mit einem eiskalten Bier in der Hand hören würde.

Genauso wie “Feels like a dream”: wieder eine tolle Nummer, diesmal mit Gitarre und Piano, bei der ich leider nur Hälfte vom Text mitkriege, aber die Zeile “Feels like a dream, please let me sleep” lässt vermuten, dass der Rest nicht so übel sein kann.

Ingesamt überzeugt das Album mit klasse Vocals, sehr guter Gitarrenarbeit und dem Mut, auch mal einen Hit schreiben zu wollen, ohne peinlich zu klingen. Ausgezeichnet.

Jawknee Music. My Turn. Homebound Records.

Konzerttermine: 03.05. OTZENHAUSEN – Benefiz-Konzert SOS KINDERDORF, 29.05. DARMSTADT – SCHLOSSGRABENFEST, 06.06. TRIER – RELEASEKONZERT @ Exhaus, 28.06. FRANKFURT – OSTHAFEN FESTIVAL, 16.08. LANGENAU – @ Kaffee Kanne, 04.09. BARCELONA – Alfa Bar, 06.09. TRIER – 25 Jahre Lucky’s Luke Exhaus

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