Feen und Glitzer für Mädchen

“Catharina und der Ruf des Waldes” heißt das erste Buch von Jennifer Heil, die in Trier geboren und aufgewachsen ist und inzwischen an der Mittelmosel lebt. Das Märchen erzählt die Geschichte der Jahreszeiten und eines nicht enden wollenden Winters und ist für Kinder bis 12 Jahre geschrieben. Trotz Happy End bleibt zumindest für ältere Leser nach der Lektüre eine gewisse Leere.

Es ist Ende Januar und es schneit seit knapp zwei Monaten fast täglich in dem Dorf, in dem die beiden Mädchen Catharina und Jolina leben. Das Streusalz ist ausgegangen, die Schule kann nicht mehr erreicht werden und die beiden erfreuen sich am Schnee und Schlittenfahren, während die Eltern schon beginnen, Vorräte zu horten, weil die Straßen nicht mehr befahrbar sind. Der Winter scheint nicht zu enden und Catharina ist die erste, die erfährt, woran das liegt. Sie und ihre Freundin sind nämlich von den vier Jahreszeitenfeen ausgewählt worden, deren Ruf in den Wald – und nicht des Waldes – zu folgen und ihnen dabei zu helfen, dass der Frühling beginnen kann.

Die vier kleinen Feen hängen jeweils zu Beginn der neuen Jahreszeit eine Lampe in einen Baumwipfel, welches Wetterumschwung, anderes Klima und den Wandel der Natur mit sich bringt. Doch in diesem Winter haben die Kobolde die Lampe der Winterfee Wyke gestohlen. Die Aufgabe der Kinder ist es, in der Menschenwelt nach Hinweisen Ausschau zu halten, ob das Licht irgendwo auftaucht, was erst einmal nicht passiert. Derweil erfahren die Feen, dass die Kobolde sie erpressen – nur gegen hundert Goldstücke rücken diese das Winterlicht wieder heraus. Andernfalls würde das Licht die gesamte Nord- und Ostsee einfrieren und die Insel Föhr zerstören. Hier agieren die stinkenden Kobolde in der Heimat der Winterfee, deren Namen von dem Dorf Wyk der Nordseeinsel abgeleitet ist.

Um die hundert Goldstücke herstellen zu können, müssen die vier Jahreszeitenfeen Wyke, Philomena, Eilika und Diandra in das Feendorf fliegen, wo alle Feen gemeinsam zu “Mutter Natur” beten. Diese schickt den Feen eine glitzernde Zauberessenz, aus der sie Gold herstellen können. Bei dieser Zauberei dürfen die Kinder Catharina und Jolina dabei sein und sehen im Dorf auch den Jahreszeitenbaum mit dem fehlenden Licht des Winters. Wieder zurück zu Hause, erfährt Catharina durch die Fernsehnachrichten, dass das Wasser rund um die Insel Föhr mit leuchtendem blauem Eis zugefroren ist und auf der Insel ein absonderlicher Gestank herrscht. Die vier Feen fliegen mir den beiden Mädchen, die den schweren Rucksack voller Gold heben können, auf die Insel und übergeben den Kobolden die kostbaren Münzen. Da sie das Winterlicht aber nicht hergeben und trotzdem versuchen, die Insel zu zerstören, packt die Winterfee die Bösewichter in ewigem Eis ein, die Sommerfee schafft es, das Eis zum Schmelzen zu bringen, unter dem das Licht verborgen ist und Catharina, die um einiges größer ist als die Feen, kann mit ihren langen Armen das Licht greifen. Zurück im Feendorf wird das Licht wieder im Baum befestigt und der Frühling kann beginnen.

Auch wenn die Grundidee des Märchens taugt und die Mädchen durch ihre Informationen aus der Menschenwelt sowie ihre Stärke und Größe es vermögen, die Jahreszeiten wieder in die richtige Reihe zu bringen und die Welt vor einer tödlich endenden Eiszeit retten können, bleibt nach der Lektüre eine gewisse Leere. Sprachlich ist das Märchen wenig ansprechend, die Feen fliegen immer in einer Wolke aus Glitzer umher und bergen nichts Geheimnisvolles oder Feenhaftes, was die Kinder zur Fantasie anregen könnte. Eher kontraproduktiv sind hierbei auch die Farbzeichnungen der grünen Frühlings-, der gelben Sommer-, der roten Herbst und der blauen Winterfee, die jeweils am Ende eines der vier Kapitel zu sehen sind. Diese passen weder zum in einer Bilderdatenbank eingekauften Titelbild, noch spielt der dort so prägnante bildfüllende Mond eine Rolle in dem Märchen.

Mehr als ein öfter wiederholtes “cool” kommt aus den Mündern der Mädchen während ihrer Erlebnisse mit der Feenwelt nicht und auch die Charakteristika der Märchenwesen beschränken sich rein auf deren Farben und Äußerlichkeiten. In dem Buch wird entweder gesprochen oder geschrieen, nur ganz selten mal geflüstert, sprachlich findet sich hier wenig Abwechslungsreiches. Für Erwachsene mag dies abschreckend sein, für die lesenden Kinder ist dies sicher nicht von elementarer Bedeutung, denn der klassische Spannungsbogen ist vorhanden: Ein Kind wird zur Heldin, die bösen Kobolde sterben und das Gute siegt, indem sich die Jahreszeiten wie gehabt wieder abwechseln und Normalität bringen. Ende gut, alles gut.

Das Buch ist 2011 im Papierfresserchens MTM-Verlag erschienen, hat 51 Seiten und kostet 8,90 €.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Linde Andersen schreibt:

    Es gibt auf den nordfriesischen Inseln (Sylt, Föhr und Amrum) Kobolde, die aber
    keineswegs stinken und nicht zwingend böse sind
    Wer sich mit diesen “Geschichten” befaßt, wird mit den Kobolden mitfühlen und diese unangemessee Beschreibung nicht akzeptieren können.
    Mythologische Bestandteile einer- selbstverständlich- freien künstlerischen Darstellung – solllten aber genau betrachtet werden, wenn sie Verwendung finden.

    Im Auftrage der Kobolde von Sylt Föhr und Amrum

    gud dai

    Nes Pük

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