Fremdenfeindlicher Übergriff

TRIER. In der Nacht vom 8. auf den 9. Dezember hat es in der Karl-Marx-Straße einen brutalen fremdenfeindlichen Übergriff gegeben. Entsprechende Informationen der Zeitschrift Grenzwertig bestätigte die Polizei erst auf Nachfrage.

In der besagten Nacht wurde die Polizei um 4.19 Uhr per Notruf in die Karl-Marx-Straße gerufen, weil Personen in einem Lokal tätlich angegriffen wurden. Drei Streifenwagenbesatzungen und ein Diensthundeführer fuhren zum Ort des Geschehens. Dort wurde zunächst ein 27-jähriger kamerunischer Staatsangehöriger angetroffen, der berichtete, dass er nach Betreten eines Lokals von zwei Männern grundlos geschlagen worden sei. Zwei ihn begleitende Landsleute hätten in die Auseinandersetzung eingegriffen, worauf alle drei nach draußen flohen beziehungsweise gedrängt wurden und vor der Tür dann weiter attackiert wurden, zum Teil am Boden liegend. Dabei wurde der 27-Jährige verletzt und auch dessen Brille zerstört.

Die Beamten der Polizeiinspektion Trier nahmen den Sachverhalt auf, betont die Behörde, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Auch zwei tatverdächtige Männer – beide 46 Jahre alte deutsche Staatsangehörige aus Konz – habe man ermitteln können. Von den sichtbaren Verletzungen und der Beschädigung an der Brille wurden Lichtbilder gefertigt.  Wie die Trierer Polizeidirektion weiter bestätigte, setzten die Täter ihre fremdenfeindlichen Äußerungen selbst im Beisein der eingetroffenen Polizeibeamten fort. “Während der Sachverhaltsaufnahme wurden die kamerunischen Geschädigten von den beiden Beschuldigten in fremdenfeindlicher Art und Weise beleidigt, was polizeilicherseits nicht sofort unterbunden werden konnte. Die Beleidigungen wurde von den Beamten dokumentiert und ebenfalls zur Anzeige gebracht”. Das deckt sich vollkommen mit der Darstellung der Zeitschrift Grenzwertig.

Wegen des Verdachts einer fremdenfeindlichen Motivation der Straftaten wurden die Ermittlungen dem Kommissariat 12 der Kriminaldirektion übergeben. “Die Ermittlungen des K 12 sind in vollem Gange”, heißt es am Donnerstag in einer Pressemitteilung, die auf eine Anfrage von 16vor folgte. Die Vernehmungen der Opfer und der Beschuldigten seien noch nicht abgeschlossen. Nach den bisherigen Ermittlungen habe sich aber bestätigt, “dass von einer fremdenfeindlichen Motivation der Tatverdächtigen ausgegangen werden muss. Bei den Tatverdächtigen liegen uns Erkenntnisse vor, dass sie einer Rockergruppe angehören sollen. Auch diesbezüglich finden derzeit weitergehende Überprüfungen statt”, so die Polizei weiter.

Multikulti empört

Die Frage, weshalb man nicht unmittelbar nach dem brutalen Übergriff an die Öffentlichkeit ging, wollte die Polizei nicht direkt beantworten. “Aufgrund verschiedener Medienanfragen bestätigt die Polizei in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Trier bereits vor Abschluss der Vernehmungen den Verdacht, dass bei den Straftaten von einer fremdenfeindliche Motivation ausgegangen werden muss”, teilt die Behörde lediglich mit. Vor dem Hintergrund, dass die Tatverdächtigen offenbar noch am Ort des Geschehens dingfest gemacht werden konnten, ist es bemerkenswert, dass erst eine Mitteilung des Magazins Grenzwertig und die entsprechenden Anfragen lokaler Medien Polizei und Staatsanwaltschaft veranlassten, eine Presseinformation herauszugeben; dass Straftaten erst dann publik gemacht werden, wenn die Ermittlungen abgeschlossen sind, ist zumindest eher unüblich, schließlich kann eine Berichterstattung auch dazu dienen, weitere Zeugen der Straftat ausfindig zu machen.

Der Vorfall ruft jedenfalls das Multikulturelle Zentrum auf den Plan. Dort erinnert man daran, dass es 2012 bereits zu einem ähnlichen Übergriff in und vor einer Kneipe in der Karl-Marx-Straße gekommen war. “Dass hier, unmittelbar nachdem die Betroffenen zur Tür rein sind, die Beleidigungen und Attacken losgingen, macht uns große Sorge”, erklärte ein Sprecher des Multikulturellen Zentrums. Auch die Teilnahmslosigkeit der anderen Kneipengäste und des Wirtes mache sprachlos. Dem Verein zufolge wurde den Opfern im Nachgang der Tat sogar ein Hausverbot durch den Wirt ausgesprochen. “Leider kann man dort wo Alkohol im Spiel ist gewaltsame Auseinandersetzungen nie ganz ausschließen. Aber wenn Gäste nur aufgrund ihrer Hautfarbe attackiert werden, sind auch die Wirte in der Pflicht. Ein solches Verhalten sollte man selbst dem treuesten Stammkunden nicht durchgehen lassen”, appelliert der Verein und schlägt eine Initiative vor: “Aus anderen Städten kennt man Plakataktionen der Kneipenwirte, die klar machen, hier ist für Rassismus keinen Platz. Solche Aktionen sind ohne großen finanziellen Aufwand umsetzbar und vermitteln allen Gästen Sicherheit.” Sollten sich derartige Vorfälle wiederholen, sieht der Verein auch die Politik in der Pflicht: “Dann muss die Stadt ernste Worte mit Pächter und Besitzer wechseln und auf eine Verhaltensänderung hinwirken”, fordert ein Sprecher.

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. Stephan Jäger schreibt:

    „In der besagten Nacht wurde die Polizei um 4.19 Uhr per Notruf in die Karl-Marx-Straße gerufen, weil Personen in einem Lokal tätlich angegriffen wurden.“

    …und nun die Preisfrage: Um welches „Lokal“ in der Karl-Marx-Straße handelt es sich?

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