“Ich stehe hinter diesem Theater, aber…”

"Mir geht es nicht um die Abschaffung des Ensemble-Theaters", sagt Thomas Egger, "aber da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Es gibt etwas, das ich gerne hätte, und etwas, das ich mir möglicherweise in Zukunft nicht mehr erlauben kann." Foto: Christian JörickeMitte Juni wurden im Kulturausschuss von einem Gutachter verschiedene Szenarien vorgestellt – von der Beibehaltung des Drei-Sparten-Hauses bis zur Umwandlung in ein reines Bespiel-Theater. In den vergangenen Tagen haben die ersten Stadtratsfraktionen ihre Einstellung dazu publik gemacht. Bis Ende des Jahres soll eine Entscheidung gefallen sein, wie es im Theater weitergeht. Thomas Egger hat sich bisher mit seiner eigenen Haltung zur Zukunft des Hauses zurückgehalten. Warum dies so ist, wen er bei der Finanzierung des Theaters in der Pflicht sieht, was er unabhängig vom Ergebnis der Diskussion umsetzen möchte und welche Option er bevorzugen würde, erzählt der Kultur- und Wirtschaftsdezernent im Gespräch mit 16vor.

16vor: Sie trafen sich in der vorvergangenen Woche mit der Kultusministerin Doris Ahnen. Worum ging es in dem Gespräch?

Thomas Egger: Wir haben uns über die bisherigen Ergebnisse der Strukturuntersuchung und die Vorschläge des Gutachtens sowie die damit eventuell verbundenen Folgen für die Zuschüsse des Landes unterhalten und haben vereinbart, hierzu weitere Gespräche zu führen.

16vor: Zur Eröffnung von „Maximierung Mensch“ im Juni sagten Vertreter von vier Theatern im Umkreis von 150 Kilometern, dass auch bei ihnen immer wieder Spartenschließungen zur Debatte stünden, die Bevölkerung aber voll hinter den Häusern stehe. Glauben Sie, dass das in Trier auch der Fall ist?

Egger: Das glaube ich schon. Man muss aber auch aufpassen: Manchmal wird in der Diskussion das Thema dahingehend zugespitzt, dass es entweder darum ginge, das Theater ganz zu schließen oder ein Ensemble-Theater zu haben. Dazwischen gibt es viele Facetten. Ich glaube, dass andere Formen von Theater in Trier auch die Akzeptanz in der Bevölkerung fänden.

16vor: Aber zeichnet es nicht das Trierer Theater beispielsweise im Vergleich zum Grand Théâtre in Luxemburg aus, dass es eigene Ensembles hat?

Egger: Natürlich ist das ein Markenzeichen des Trierer Theaters. Mir geht es auch nicht um die Abschaffung des Ensemble-Theaters, aber da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Es gibt etwas, das ich gerne hätte, und etwas, das ich mir möglicherweise in Zukunft nicht mehr erlauben kann. Da kommt die finanzpolitische Verantwortung in meiner Rolle als Dezernent hinzu. Ich fürchte, wenn wir uns langfristig einer Strukturveränderung verweigern, wird irgendwann tatsächlich nur noch die Frage bestehen: Kann es überhaupt noch ein Theater in Trier geben? Das möchte ich verhindern.

16vor: Bei der letzten Kulturausschuss-Sitzung, bei denen über Spartenschließungen gesprochen wurde, hatte man den Eindruck, dass sich manche Fraktion schon mit dieser Entwicklung abgefunden hat. Über Optionen wie die Änderung der Betriebsform des Theaters oder andere Finanzierungsmöglichkeiten wurde kaum gesprochen.

Egger: Das Thema “Neue Betriebsform” wurde ja bereits im ersten Teil des Gutachtens dargestellt. Eine neue Betriebsform brächte dem Theater ungeheuer viel – nur nicht direkt einen wirtschaftlichen Vorteil. Der Gutachter sollte schließlich über eine reine Organisationsüberprüfung hinausgehen. Das Ziel war, einen Konsolidierungsbeitrag zu leisten. Sei es durch Festschreiben des städtischen Zuschusses für die nächsten Jahre oder über Einsparungen.

Das gleiche gilt für eine Personalstelle im Marketing und eine Probebühne. Bei all dem hat der Gutachter festgestellt, dass das viel Sinn ergebe, aber im Großen und Ganzen keinen echten Konsolidierungsbeitrag bringe. Mit einer veränderten Rechtsform käme man zumindest aus dem Haushaltsjahr-Zwang heraus. Das Theater könnte seinen Haushalt entsprechend der eigenen Spielzeit planen.

Natürlich ist auch anderes denkbar. Da kommt es jetzt auch ein bisschen auf das politische Zusammenspiel an. Wie verlaufen die Gespräche mit dem Land? Ministerpräsidentin Dreyer und Ministerin Ahnen haben beide betont, wie wichtig ihnen die kommunale Theaterförderung ist. Bleiben die Zuschüsse aber auf dem bisherigen Stand, müssen künftige Kostensteigerungen alleine im städtischen Budget aufgefangen werden. Wenn wir hier eine Anpassung erreichen, gehe ich davon aus, dass wir manches Szenario nochmal anders darstellen können.

16vor: Welche Optionen gäbe es noch?

Egger: Wenn der Kulturausschuss beschließt, auf weitere Einsparung zu verzichten, aber den Zuschuss einzufrieren, verändert dies natürlich die Zeitachse der Szenarien. Letztendlich kann sich auch der Kulturausschuss und der Stadtrat positionieren und erklären: “Wir nehmen es hin, dass wir Kostensteigerungen haben, und müssen das Geld dann woanders einsparen, damit die Gesamtkonsolidierung erreicht wird.” Auch diese Entscheidung ist denkbar.

Näherliegender dürfte – gerade auch unter Berücksichtigung der jüngsten Positionierungen einiger Fraktionen – eine Mischlösung sein, indem man sagt: “Wir schaffen es jetzt über die und die Maßnahme, die nächsten fünf Jahre zu überstehen, und müssen dann im sechsten Jahr entsprechend der Vorschläge des Gutachters an eine Sparte ran. Der Gutachter ist auch aufgefordert, Vorschläge aus der weiteren Diskussion auf ihren Effekt hin zu prüfen.

“Man hat sich zu lange einer solchen Diskussion verweigert.”

16vor: Warum beziehen Sie keine Position für den Erhalt des Ensemble-Theaters? Das wäre doch auch ein Signal an die Bevölkerung.

Egger: Es ist die ureigene Entscheidung des Rates. Deswegen nehme ich persönlich tatsächlich eher eine Moderatorenrolle ein. Mein vorrangiges Ziel ist eine verlässliche Planungsgrundlage, denn mit “weiter so wie bisher” geht es nicht. Es sei denn, wir würden Gelder im Haushalt massiv verschieben. Aber wir reden hier über Millionenbeträge, die zugunsten des Theaters verschoben werden müssten.

Ich kann mich bei aller Liebe zum Ensemble-Theater nicht so einfach positionieren. Angesichts unserer finanziellen Lage hielte ich das für unredlich. Ich stehe hinter diesem Theater, aber ich weiß eben auch, dass wir über kurz oder lang erhebliche Finanzierungsprobleme bekommen werden. Man hat sich zu lange einer solchen Diskussion verweigert.

Wir müssen auch noch viel Geld ins Gebäude stecken. Das lässt sich nur rechtfertigen, wenn wir uns auch noch in 15 Jahren und später das Theater leisten können.

16vor: Finanziell auffangen könnte den Betrieb eines Ensemble-Theaters eine Beteiligung des Landkreises oder ein höherer Zuschuss des Landes. 

Egger: Man muss berücksichtigen, dass sich das Land eine Schuldenbremse auferlegt hat. In vielen Bereichen erfolgen gerade massive Einsparungen. Ich weiß auch nicht, ob es alleine ausreichen würde, wenn das Land mehr gibt.

Die Frage, wie sich die Kreise beteiligen, ist in der Tat noch einmal neu zu diskutieren. In dem Zusammenhang war ich über die Aussage von Hendrik Hering, dem Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, sehr froh, dass man mehr auf Kooperationen und Zweckverbände im Stadt-Umland-Verhältnis setzen müsse. Das stelle ich mir auch für die Theaterstruktur vor. Wir hatten mit dem Landkreis vereinbart, bei der Kulturförderung stärker ins Gespräch kommen zu wollen. Bislang noch ohne konkreten Erfolg.

16vor: Dem Theater wurde im vergangenen Jahr auferlegt, eine Million Euro zu sparen – am Ende stand eine Ersparnis von einer halben Million und die Erkenntnis, dass nicht mehr möglich ist. War diese Vorgabe nicht von Anfang an so, als sagte man zu einem Menschen auf Krücken, er solle zwei Meter hoch springen?

Egger: Das ist kein schlechter Vergleich. Man muss sich aber nochmal die Genese vergegenwärtigen. Diese Vorgabe kam seinerzeit im Haushaltsaufstellungsprozess 2012. Als wir im Herbst 2011 über den nächsten Haushalt verhandelt haben, hatten wir die Situation, dass das Theater einen Mehrbedarf von 1,1 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr angemeldet hatte. In den Vorberatungen über den Haushalt wurde deutlich, dass wir uns das nicht leisten können. Deswegen kam von mir die Vorgabe, dass wir diese Million “einsparen” müssen.

Es war eine harte Vorgabe. Deshalb habe ich auch in den Haushaltsverhandlungen zu 2013/14 die Position vertreten, hier nicht noch einmal pauschal eine Einsparung zu erbringen, weil wir sie in der bestehenden Struktur gar nicht erbringen können. Auch ohne weitere Konsolidierungsauflage in Richtung Theater werden wir Steigerungen haben – 2014 ungefähr 260.000 Euro mehr als 2013. Das wird sich dann so fortsetzen und irgendwann zu Haushaltsgenehmigungsproblemen führen.

Intendant Gerhard Weber überreichte Kulturdezernent Thomas Egger im Juli über 42.000 Unterschriften für den Erhalt des Ensemble-Theaters. Archiv-Foto: Christian Jöricke16vor: Welchen Einfluss haben die Proteste vor den Kulturausschuss-Sitzungen, die Unterschriftenlisten und die Medienberichterstattung auf die Diskussion um das Theater?

Egger: Der Einfluss von außen ist nicht unbeachtlich. Die Stadträte, die Stadtverwaltung und ich sehen, dass es viele Menschen gibt, die das Theater unterstützen. Man muss nur genau hingucken. Wer hat bei der Petition unterschrieben? Wie ist das Verhältnis von regional und überregional?

Ein schönes Ergebnis der Aktion wäre gewesen: 40.000 Unterschriften und jeder Unterzeichner hätte gesagt: “Ich gebe 100 Euro im Jahr auf jeden Fall dazu.” Da wäre eine hübsche Summe herausgekommen. Die Privatfinanzierung oder die Teilfinanzierung über eine Stiftung oder den Freundeskreis wäre immer eine Möglichkeit. Zurzeit bewegt sich an dieser Stelle aber zu wenig.

Die Gesellschaft muss generell eine andere Verantwortung für die Kultur übernehmen. Sie ist gefordert, sich nicht nur Bilder in Ausstellungen anzuschauen, sondern sie auch zu kaufen. Der Bürger muss bereit sein, künstlerische Leistungen entsprechend zu honorieren. Das gleiche gilt für die Wirtschaft. Dort ist man gewohnt, sich überwiegend im Sozialen oder im Sport zu engagieren und viel weniger in der Kultur. Da würde ich mir mehr Engagement wünschen. So etwa indem werbewirksam eine ganze Vorstellung an das Unternehmen verkauft wird.

Wir Kommunen werden vom Bund und von den Ländern mit zahlreichen Aufgaben belastet, ohne adäquate Finanzausstattung. Die Gelder, die wir als Kommunen erwirtschaften, müssen wir für Aufgaben einsetzen, mit denen wir Bundes- oder Landesausgaben erledigen. Damit sind wir nicht mehr in der Lage, unsere kommunale Selbstverwaltung zu organisieren.

Die haushalterische Unterscheidung von freiwilligen Aufgaben und Pflichtaufgaben ist gerade vor diesem Hintergrund besonders unglücklich. Einsparbemühungen im Pflichtaufgabenbereich führen nicht dazu, dass Ausgabenausweitungen im freiwilligen Bereich damit aufgefangen werden können. Es muss sich daher dringend etwas im Gemeindehaushaltsrecht ändern. Bund und Länder müssen die Finanzausstattung der Kommunen anders regeln.

16vor: Hat sich die Stadt schon mal über die Konsequenzen von Spartenschließungen Gedanken gemacht? Die Folgen davon wären nicht mehr rückgängig zu machen.

Egger: Da gebe ich Ihnen recht. Das Auseinandersetzen mit solchen Entwicklungen kann aber auf unterschiedlichste Art erfolgen. Ich selbst komme aus einer Stadt, die kein Ensemble-Theater hat. Ich habe nicht den Eindruck, dass dort deswegen die Kultur am Ende wäre. Jetzt ist zwar nebenan Mannheim, und das Nationaltheater verfügt über ein eigenes Ensemble, aber die Menschen lieben Aufführungen in Ludwigshafen genauso wie in Mannheim. Die Identifikation mit dem Ensemble ist sicherlich da. Bei uns wäre das, glaube ich, auch möglich, wenn hier beispielsweise regelmäßig die Kollegen aus Koblenz aufträten. Es gibt ja diese Idee einer dauerhaften Kooperation mit Koblenz und Kaiserslautern, die aus meiner Sicht nur mit einem Theaterverbund und einer Leitungsebene für alle drei Theater funktionieren kann. Es wäre natürlich ein anderes Theater, als wir es bislang haben. Aber möglicherweise eines, das zukunftsfähiger ist. Ich finde diese Lösung von all denen, die in der Diskussion sind, am charmantesten. Wenngleich ich mir auch durchaus bewusst bin, wie schwierig so etwas zu organisieren ist. Die Lust daran mitzuwirken, ist bei den anderen Theatern jedoch nicht vorhanden. Ich kann das verstehen, befürchte aber, dass man auch dort irgendwann merkt, dass man nicht weitermachen kann wie bisher. Und es dann zu spät ist.

“Das Publikum ist viel flexibler, als wir uns das vorstellen.”

16vor: Trier hat mit seinem Ensemble-Theater im Umkreis von 100 Kilometern ein Alleinstellungsmerkmal. Dafür kann die Luxemburger Philharmonie Weltstars verpflichten und sich das Grand Théâtre topbesetzte Gastspiele leisten. Warum sollte ich mir also in Trier ein Gastspiel aus Koblenz anschauen, wenn ich es in Luxemburg drei Nummern größer bekomme?

Egger: Das ist sicherlich ein Argument gegen ein reines Bespieltheater. Ich glaube aber nicht, dass sich jemand davon abhalten lässt, nach Luxemburg ins Grand Théâtre zu gehen, nur weil wir hier ein eigenes Ensemble haben. Es gibt genug Leute, die sagen: “Jetzt möchte ich mal jemand anderen sehen.” Ich glaube aber auch, dass das Publikum viel flexibler ist, als wir uns das vorstellen. Ich weiß zudem von vielen Menschen in Trier, die regelmäßig hier in die Oper gehen und ein Abo in der Philharmonie haben. Wenn das Trierer Theater ein reines Bespieltheater würde, wäre es allerdings notwendig, sich in der Programmgestaltung von Luxemburg abzusetzen und ein eigenes Profil zu entwickeln.

16vor: Wie geht es weiter in der Theaterdiskussion? 2015 benötigt das Theater einen neuen Intendanten. Oder vielleicht doch nicht?

Egger: Die Frage nach einem neuen Intendanten ist für mich nicht so wichtig wie die Planungssicherheit der Menschen, die im Theater arbeiten. Deswegen wäre es sinnvoll, wenn wir im Herbst oder spätestens bis Jahresende diese Diskussion, wie es weitergehen soll, abschließen können. Das Ergebnis ist vorentscheidend, wie eine neue Intendanz aussehen kann und ob es überhaupt eine gibt. Es wäre unklug, jetzt einen Intendanten zu suchen, den man dann in einen schwebenden Prozess hineinwirft. Diejenigen, die sich darauf bewerben, müssen wissen, was sie erwartet. Umgekehrt muss man überlegen, wen man braucht. Brauche ich einen Manager, der einen künstlerischen Zugang hat, oder brauche ich einen Künstler, der managen kann?

Die Dinge, die vom Gutachter auch in der bestehenden Struktur – wie die rechtliche Verselbständigung des Betriebs oder eine Marketingstelle – jetzt schon als vernünftig angesehen werden, möchte ich unabhängig von einer weiteren Entscheidung in die Wege leiten. Selbst wenn wir ein komplettes Ensemble-Theater behalten, bin ich der Meinung, dass wir über die Grundstruktur der Verwaltung im Theater noch mal nachdenken müssen. Einerseits hat man einen Intendanten, der das Haus nach außen vertritt, andererseits eine Verwaltung, die quasi selbständig daneben steht. Im Rahmen einer GmbH könnte ich mir ein solches Führungsmodell nicht vorstellen. Da müsste es einen Kopf geben, der die Gesamtverantwortung hat.

16vor: Wenn in fünf Jahren Ihre Amtszeit endet, wie wird dann die Kulturszene in Trier aussehen?

Egger: Ich hoffe, dass es mir gelingt, in den nächsten fünf Jahren zu zeigen, dass Kultur nicht im Abbau begriffen ist. Manches wird verlorengehen, anderes hinzukommen. Ich hoffe, alle Kulturinstitutionen mit einer guten Zukunftsperspektive ausstatten zu können. Es ist nur bedauerlich, dass wir immer diese elende finanzielle Schere im Kopf haben müssen. Ich wäre gerne zu Zeiten Dezernent gewesen, als die Möglichkeiten besser waren, zu gestalten. Wir dürfen nicht warten, bis nichts mehr geht, ehe wir etwas ändern.

Weiterer Artikel zum Thema: “Bekenntnisse zum Drei-Sparten-Haus“.

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6 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Eric Thielen schreibt:

    Ja, wat dann nu’, Herr Egger? Wie Sie wissen, schätze ich durchaus, wie Sie Probleme angehen – und auch beheben. Aber das hier ist mir zu viel Wischiwaschi. Zu viele Ausflüchte, zu viele Türen, die offen bleiben sollen, zu viele Nischen des Rückzugs.

    Als Ludwigshafener sollten Sie wissen, dass man die Rhein-Neckar-Region mit mehr als 2,5 Millionen Menschen und Großstädten wie MA, LU, HD, KA (um nur einige zu nennen) mit ihrem überbordenden Kulturangebot mit der Diaspora von Eifel und Hunsrück nicht vergleichen kann.

    Das Trierer Theater ist kultureller Fixpunkt für eine ganze Region – und als solcher muss es mit Ensemble und drei Sparten auch erhalten bleiben. Die Auswirkungen einer Schließung oder die Herabstufung zum Bespieltheater sind überhaupt nicht abzusehen – für die hiesige kulturelle Landschaft kämen solche Maßnahmen einer Katastrophe gleich. Die Signale, die Sie hier aussenden, verehrter Herr Egger, sind die falschen.

    Doch wie meist auf der Ebene der Verwaltung bleibt das Denken eindimensional – vornehmlich in eine Richtung. Und wie immer wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Die alles beherrschende Frage ist: Wie können wir Geld einsparen?

    Das aber ist der vollkommen falsche Ansatz. Die Frage muss lauten: Wie können wir mehr Geld einnehmen? So herum wird ein Schuh daraus.

    Im Schlepptau der Primär-Frage ergeben sich weitere Aufgabenstellungen: Wie können wir das Theater zukunftsfähig machen; wie erreichen wir, dass mehr Menschen kommen – und auch wiederkommen? Wo sind die Ressourcen, die wir anzapfen können? Wo ist das Potenzial?

    Nein, statt dessen wird der negative Ansatz gewählt. Sparen, sparen, sparen statt einnehmen, einnehmen, einnehmen.

    Konkret: Mit dem Investor ECE steht ein Großunternehmen vor der Trierer Tür, das laut Medienberichten bis zu 250 Millionen (vielleicht auch mehr?) in Trier investieren will. Ein Unternehmen, das auf Profit angelegt ist, liebäugelt nicht damit, nach Trier zu gehen, sofern damit nicht eine Profit-Erwartung verbunden ist.

  2. Eric Thielen schreibt:

    Wer eine solche Summe investieren will, dem kommt es auf ein paar Millionen mehr nicht an. Zehn Prozent der Investitionssumme für den Neubau des Trierer Theaters – damit ließe sich klotzen. Wo ist das Problem, wenn wir alle in Zukunft ins ECE-Theater gehen? Für mich wäre es keines, sofern dadurch die hervorragende künstlerische Qualität des Theaters erhalten oder sogar noch ausgebaut werden kann.

    Synergieeffekte würden sich einstellen. Die abstoßende Europahalle wäre endlich Geschichte. Der Neubau des Theaters könnte sich als zweiter großer Veranstaltungsort neben der Arena etablieren. Ein Theater, das auch auch für andere Großereignisse genutzt wird – und somit alleine durch seine Räumlichkeiten Geld einnimmt. Analog zu den Fußball-Arenen in der Republik, in denen eben nicht nur Fußball gespielt wird…

    Sicher wäre das mit einem erhöhten organisatorischen Aufwand verbunden. Die Spielpause des Theaters (zwei oder drei kleine statt einer großen?) müsste anders gestaltet werden, Koordination und Abstimmung wäre erforderlich. Und weil das so ist, muss das Trierer Theater zunächst aus der Verantwortung der Verwaltung heraus. Deren eindimensionale Denken bremst. Bremsen aber kann das Theater nun wahrlich nicht gebrauchen.

    Der Zuspruch ist da. Beispiel: Für “Dantons Tod” waren erst für die achte Aufführung Karten für die erste Reihe zu bekommen, obwohl ich gleich am ersten Tag nach der Sommerpause schon frühmorgens an der Theaterkasse stand.

    Was sagt mir das als Kunde? Es ginge viel mehr, als momentan geht. Aber nicht auf durchgesessenen Plüschsesseln – fast ohne jeden Service, ohne Zusatzangebote. Soll heißen: Es gibt – ähnlich wie im Sport – eine Klientel, die bereit ist, weit mehr zu bezahlen – sofern die Leistungen auch entsprechend über die reine Aufführung hinausgehen.

  3. Eric Thielen schreibt:

    Der Nebeneffekt wäre, dass jene, die sich Kultur nur schwer oder gar nicht leisten können, zu niedrigeren Preisen als aktuell ins Theater gehen könnten. Was ist gegen die Bitburger-Loge, gegen die Coca Cola-Loge oder gegen die Schloss Wachenheim-Loge in einem Theater einzuwenden? Nichts! Auf der anderen Seite ließen sich preiswerte Plätze einrichten (man denke bitte daran, dass Theater zum Beispiel in Österreich auch Stehplätze haben, wo ich für zwei Euro eine ganze Oper sehen kann) – ein Theater, das alle zusammenführt.

    Dafür aber braucht das Theater einen Neubau, der modernen Anforderungen entspricht. Und der sollte sich doch mit Hilfe eine Investors wie beispielsweise ECE realisieren lassen – sofern die engstirnige Trierer Denkweise dies nicht verhindert. Wie leider so oft in den letzten Jahrzehnten…

    Schließlich muss sich das Theater selbst weit mehr den modernen Möglichkeiten öffnen. Und hier springt Prof. Haselbach als Gutachter deutlich zu kurz. Marketing ist in der modernen Medien-Welt keine Krankheit, sondern zwingend notwendig. Wer nicht wirbt, der stirbt.

    Sollte das Theater einen Neubau erhalten – und bitte, Herr Egger, investieren Sie nicht weiter in das Fass ohne Boden am Augustinerhof (das ist so, als kippten Sie ein Eimerchen Wasser in die Sahara, um es grünen zu lassen) -, so würde sich ein zielgerichtetes Marketing in kurzer Zeit bezahlt machen.

    Nur ein paar Ansätze:

    – Theater-Radio
    – Live-Streams im Internet von den Aufführungen, damit sich viel mehr Menschen in der Region von der künstlerischen Qualität des Trierer Theaters überzeugen können
    – Theater-Zeitung – online oder im Druck
    – Steigerung des Bekanntheitsgrades einzelner Ensemble-Mitglieder
    – Verkauf einzelner Produktionen
    – Und, und, und – die Liste ließe sich (fast) beliebig fortsetzen

    Zu befürchten ist allerdings, dass all diese Möglichkeiten, Chancen und damit die Zukunft durch Verwaltung und Politik verspielt werden. Dabei wäre die Rettung des Theaters wahrlich kein Hexenwerk.

  4. V.Clemens schreibt:

    Herr Thielen, Sie glauben doch nicht wirklich, das ECE wirklich 250 Mio investieren wollen?

  5. Luda Liebe schreibt:

    “Wir dürfen nicht warten, bis nichts mehr geht, ehe wir etwas ändern.” Eine Erkenntnis des Dezernenten, die meiner Erfahrung nach jedoch nicht dazu führen wird, dass sich künftig an dieser allgemein üblichen Haltung etwas ändert.

    Wenn es um Kultur und Kunst geht, gehört das in der Politik in der Regel zu den Streich-Bereichen. Denn dafür sind keine Massen zu bewegen, die Politiker insbesondere vor einer Wahl zum Einlenken bewegen. Unantastbar erscheinen dagegen politische Prestige-Projektet, wie zum Beispiel der Nürburgring, in dem vom Land RP in großen Dimensionen Geld in einem Milliardengrab versenkt wird.

    Zurück zum Theater Trier: JA, die Stadt hat mit dem Ensemble-Theater ein Alleinstellungsmerkmal im Umkreis von 100 km. DAS zu Nutzen und das Theater auf finanziell planbare Säulen zu stellen, sollte oberste Aufgabe der Politik sein. WENN DIE ES DENN WIRKLICH-WIRKLICH WILL und nicht nur als Lippenbekenntnis formuliert immer mit dem Hinweis, dass dafür kein Geld da ist.

    Es existiert bereits eine TUFA-Zukunftswerkstatt “Kulturpolitische Leitlinien der Stadt Trier.” Wie wäre es mit einer ZUKUNFTSWERKSTATT THEATER TRIER, in der die kulturell interessierten und engagierten Bürger der Stadt, überregionale Freunde des Theaters Trier, interdisziplinäre Kreative, Fachleute und Politiker GEMEINSAM ein Bild entwickeln für ein ZUKUNFTSFÄHIGES Haus in einer Stadt mit einer 211 jährigen Theatertradition.

  6. Magnus Fendt schreibt:

    @Clemens
    Ich habe diese Zahl auch gelesen, ich glaube sogar hier.
    Eine interessante Idee Herr Thielen, aber ich glaube bei der Stadt ist man auf dem Ohr ziemlich taub.

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