In die finstere Nacht (Jim Thompson)

Jim Thompson ist ein Autor, der mit seinen rabenschwarzen Krimis bei Fans einen unglaublichen Kultstatus genießt. Die spannenden Romane mit ihren psychologisch komplexen Charakteren, die Thompson immer wieder Unvorstellbares durchmachen lässt, dienten Hollywood bereits für mehrere Verfilmungen. Besonders in den 70er Jahren entstanden eine Reihe großartiger Krimis, unter anderem mit dem wunderbaren Steve McQueen in der Hauptrolle. “In die finstere Nacht” ist nicht minder fantastisch, da auch dieses Buch erneut mit spektakulären Entwicklungen daherkommt. Leser des “Buchtipps der Woche” können das Werk gewinnen. Die Mayersche Interbook und 16vor verlosen jede Woche zwei Exemplare des vorgestellten Buches. Dazu muss die Frage am Ende des Artikels richtig beantwortet werden.

Carl Bigelow ist ein Profikiller. In den 50er Jahren ist er zum gefürchtetsten und begehrtesten Auftragsmörder aufgestiegen. Sein Erfolgsgeheimnis ist denkbar simpel: Er gibt sich stets unscheinbar und sucht die Nähe seiner Opfer. Die Tatsache, dass er nur knapp 1,55 Meter groß ist und aussieht wie ein schüchterner Junge, der keiner Fliege etwas zu Leide tun kann, kommt ihm natürlich sehr entgegen. Carl hat jedoch ein großes Problem, er ist nämlich todkrank. So soll sein nächster Auftrag gleichzeitig sein letzter sein. Bei dem potentiellen Opfer handelt es sich um einen Kronzeugen in einem Gerichtsverfahren um illegale Wettgeschäfte. Um sich ihm zu nähern und in der kleinen Stadt, in der das Opfer ein Hotel betreibt, Fuß zu fassen, nimmt Carl einen Job als Bäckergehilfe an und gibt sich als College-Student aus. Arbeit, Privatleben, neue Wohnung – nichts wird dem Zufall überlassen. Doch mit der Zeit droht der Auftrag immer mehr aus dem Ruder zu laufen. Carl weiß bald nicht mehr, wem er vertrauen kann, insbesondere sein zwielichtiger Auftraggeber wird ihm auf Dauer sehr suspekt. Ist das Ganze etwa ein abgekatertes Spiel?

Die Geschichte könnte man als einen klassischen Noir-Krimi bezeichnen. Doch was ihn so besonders macht, ist Thompsons Liebe für ausgefeilte, kaputte Charaktere. Selten bekommt man in einem Krimi so tiefe Einblicke in die menschliche Psyche geboten. Carl ist umgeben von facettenreichen Figuren, die, mögen sie noch so eine kleine Rolle ausfüllen, perfekt ausgearbeitet sind, ein Profil haben und sich glaubwürdig in die Geschichte einfügen. Da wären zum Beispiel der alkoholkranke Kronzeuge, der auf eine tragische Vergangenheit zurückblickt, dessen körperlich behinderte Gehilfin, die sich mit Carl anfreundet und mit ihm bald eine Art Hassliebe führt, Carls spießiger Mitbewohner, und natürlich Carl selbst, der im Hinblick auf seine unheilbare Krankheit mit vielen inneren Dämonen zu kämpfen hat.

“In die finstere Nacht” ist Psycho-Thriller, Noir-Krimi und nicht zuletzt eine wahnwitzige Studie seelischer Abgründe. Alles in einem eine spannende Geschichte mit unglaublichen Charakteren, von denen man nicht weiß, ob sie nun mehr Ecken oder Kanten haben. Teilweise erinnert der Roman an einen Film der Coen-Brüder: tiefgehend und voller Menschlichkeit, aber auch äußerst brutal, verrückt und gerade was den Schluss betrifft, absolut verstörend. Definitiv kein 08/15-Krimi.

Paul-Eduard Rück

Thompson, Jim: In die finstere Nacht. München, Heyne Verlag. 2012. Euro 9,99

Gewinnfrage: Mit welchem bekannten Schauspieler wurde in den 70ern einer von vielen Thompson-Romanen verfilmt?

Die Antwort senden Sie bitte bis Montag (11. Februar) an gewinnspiel[at]16vor.de. Die Gewinner werden in der nächsten Woche schriftlich benachrichtigt. Die Bücher können in der Mayerschen Interbook abgeholt werden.

Print Friendly

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Bitte erst die Rechenaufgabe lösen! * Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

Unterstützen

In Evernote merken