“Wir brauchen Vermisst-Berater!”
Der Journalist und Schriftsteller Peter Jamin beschäftigt sich seit rund 15 Jahren mit Vermissten. Im Frühjahr erschien im Verlag Deutsche Polizeiliteratur (VDP) sein neues Buch “Vermisst – und manchmal Mord”. Der Düsseldorfer Autor liefert darin eine Bestandsaufnahme der Situation von Vermissten und deren Angehörigen, und bietet zugleich einen Ratgeber für Betroffene, ihre Helfer und für die Mitarbeiter der Polizei. Im Gespräch mit 16vor.de äußert sich Jamin zum Fall Tanja Gräff, den Hilfsaktionen von Studierenden und Freunden sowie zur Rolle der Medien. Außerdem erneuert er seine Forderung nach speziell geschulten Vermisst-Beratern in den Städte- und Gemeindeverwaltungen.
16vor.de:Herr Jamin, seit mittlerweile elf Tagen ist Tanja Gräff nun schon vermisst. Sie haben rund 2.000 Vermissten-Fälle untersucht und auch viele Angehörige beraten. Wie gehen die betroffenen Familien mit einer derartigen Situation um?
Peter Jamin: Am Anfang steht natürlich ein Schock, ein Bangen und Hoffen, das dann in ein emotionales und organisatorisches Chaos führt. Mit einer solchen Situation kann im Grunde genommen keiner umgehen. Schließlich rechnet ja auch niemand mit so etwas und ist deshalb auch nicht auf eine solche Situation vorbereitet.
16vor.de: Im Fall der vermissten Studentin zeigt sich eine enorme Anteilnahme in der Region Trier. Bereits wenige Tage nach ihrem Verschwinden formierte sich ein groß angelegter Unterstützerkreis. Wie können denn Freunde und Bekannte in solch einer Situation am besten helfen?
Jamin: Das Wichtigste ist, Öffentlichkeit herzustellen und immer und überall präsent zu sein. Das Interesse der Medien muss aufrecht erhalten bleiben! Ich habe auch den Eindruck, dass gerade das starke Engagement von Tanjas Kommilitonen dazu geführt hat, dass ihr Verschwinden derart stark in den Medien, auch bundesweit, thematisiert wird. Sie müssen sich ja vorstellen, dass die weitaus meisten Vermissten-Fälle ohne Öffentlichkeit stattfinden. Dass es bei dieser jungen Frau völlig anders ist, ist insofern ein wahnsinniges Glück im Unglück.
“Es gibt für Journalisten ethische Grenzen!”
16vor.de: Es gab in den vergangenen Tagen aber auch deutliche Kritik an der Berichterstattung einzelner Medien. Insbesondere Falschmeldungen im Verlauf eines Polizeieinsatzes und das Spekulieren in Live-Sendungen haben nicht wenige empört. Wie sollten sich denn die Medien aus Ihrer Sicht verhalten?
Jamin: Zunächst: Ich halte Behördenkritik und engagierten, aufklärenden Journalismus für sehr wichtig, und man kann sich bei seiner Berichterstattung auch nicht ausschließlich auf die Informationen der Polizei verlassen. Dort arbeiten auch nur Menschen, und die machen, wie Sie und ich, auch mal Fehler. Das heißt natürlich nicht, dass man Lügengeschichten verbreiten darf oder beispielsweise vorschnell von einer Leiche berichtet, die es gar nicht gibt. So etwas ist unverantwortlich! Es gibt für Journalisten ethische Grenzen.
16vor.de: Wie schätzen Sie denn den Fall Tanja aus ihrer Erfahrung ein?
Jamin: Ich kann diesen konkreten Fall absolut nicht beurteilen. Ich kann und will nur soviel sagen: Man muss jetzt in mehrere Richtungen denken und beispielsweise immer auch im Blick haben, dass die Vermisste vor ihrem Verschwinden Probleme gehabt haben könnte, von denen niemand etwas wusste oder auch nur ahnte. Hinter den meisten Vermisstenfällen verbirgt sich ein Riesenspektrum von unterschiedlichsten Problemen, von denen oft selbst nahe stehende Menschen keine Ahnung hatten. Allerdings ist auch ein Gewaltdelikt nicht auszuschließen.
“Man kann der Polizei nicht die Sozialarbeit überlassen”
16vor.de: Sie fordern seit vielen Jahren mehr Hilfe für Angehörige von Vermissten. So fordern Sie Vermisst-Berater. Was könnten diese denn konkret in einer solchen Situation ausrichten?
Jamin: Es geht darum, dass die Angehörigen mit ihrer Situation nicht alleine gelassen werden. Die Polizei leistet in Einzelfällen am Anfang so etwas wie erste Hilfe, doch die meisten Angehörigen bleiben sich selbst und ihrem Schicksal überlassen. Man kann der Polizei auch nicht die Sozialarbeit überlassen, denn dafür sind Polizisten in aller Regel nicht ausgebildet. Angehörige sind auch Opfer, und es muss darum gehen, Sie so zu stabilisieren, dass Sie Ihren Alltag wieder halbwegs regeln können.
16vor.de: Wobei in einer solchen Situation ein Alltagsleben schier unmöglich scheint.
Jamin: Das ist richtig, und als Angehöriger schafft man in der Regel auch nicht die Rückkehr in den Alltag, solange die Person vermisst bleibt. Aber diese Menschen benötigen konkrete organisatorische Hilfen und psychologischen Beistand. “Haben wir etwas falsch gemacht?” oder “Haben wir versagt?” – das sind Fragen, die sich fast alle Angehörigen in einer solchen Situation stellen.
16vor.de: Wer sollte denn Ihrer Meinung nach Vermisst-Berater stellen?
Jamin: Das ist ganz klar eine Aufgabe der Kommunen. Damit aber kein falscher Eindruck entsteht: Ich fordere nicht, dass neue Stellen geschaffen werden. Ich wäre schon froh, wenn in einer Verwaltung ein, zwei Mitarbeiter zuständig wären und sich mit dieser Aufgabe auseinandersetzen würden. Bislang haben wir es mit einem kollektiven Versagen von Politik und Behörden in Bund, Ländern und Kommunen zu tun. Bei jährlich 500.000 Angehörigen von Vermissten ist das Desinteresse der deutschen Sozialpolitik erschreckend.
von Marcus Stölb



17. Juni 2007 (17:19 Uhr)
Schlicht weg meine Meinung gesagt: Blödsinn.
Als wir uns so um den Vorgang mühten sagte plötzlich ein lieber Mensch zu mir der auch an vielen anderen Aktionen beteiligt war: jetzt fehlt eigendlich nur noch Hr. Egg”.
Damit meinte die Person Prof. Dr. Egg, ein Kriminalist der meiner meinung gerade dann auftaucht, meist dann mit den dollsten Äußerungen wenn alles längst vorbei ist. So denke ich an Natascha Kampusch. Oh je was haben die Leute und die Fachleute Natascha analysiert. Was haben diese Leute alles gesagt wobei die meisten Analysen schlicht falsch waren UND übersehen hatten sie das Natascha eine heftige Erkältung hatte. Die Symptome dazu hatten diese Leute einfach falsch ausgelegt.
Wir warten so zusagen noch auf Hr. Egg der sicher sich noch ins Rampenlicht bringen wird.
Was also sollen wir noch mit Berater? Blödsinn … und mal abgesehen davon, pro Stadt müßten ganze Massen an Berater eingesetzt werden denn viele viele Menschen verschwinden, jeden Tag.
19. Juni 2007 (00:17 Uhr)
Ich denke Opfer-Berater fehlen in Deutschland.
Ich denke es ist ein ganz schweres Schicksal wenn man einen Menschen vermisst
und einfach keine Erkenntnisse hat was mit ihm geschehen ist.
Ich finde diese Fälle haben eine andere Quallität als andere Probleme in denen
massig Beratung angeboten und auch aufgedrückt wird.
Gerade für die Zeit in der die Person vermisst wird sollten die Eltern und Angehörige und Freunde betreut werden.
So können Sie dann wieder einem halbwegs normalen Leben nachgehen.
Die einzige Möglichkeit, die Vermissten(Opfer) Berater überflüssig machen würde wäre meiner Meinung nach eine Gesellschaft, die sich in die Probleme anderer einfühlen kann und auch die Kraft hat sich sehr lange zu engagieren.
Ich denke die meinsten Menschen geben nach den ersten Wochen die Hilfe auf und sagen sich: Ich habe genug getan! Desswegen muss der Staat diesen Engpass füllen, oder eine NGO.
Aber Vermisste haben anscheinend keine Lobby.
22. Juni 2007 (11:26 Uhr)
..nachgetragen:
es ist doch eher wie beim Zahnweh. Man hat Zahnweh, geht zum Arzt der zieht den Zahn raus. Morgen dann das selbe Spiel. Aber das man mal hingeht und sagt z.B. iss weniger süsse Sachen dann bleiben auch die Zähne heil.
So ist es auch in der “bösen” Welt. Was gibt es nicht alles an verbrechen. jeden tag kommen unzählige Meldungen und eine mag schrecklicher sein als die andere.
Das Übel beim Schopf packen.
…schaut mal auf eine sehr liebe Bekannte von uns, die Anne Wille. Vor Jahren verschwand ihr Kind; es wurde mißbraucht und ermordet aufgefunden, der Täter wurde gestellt usw. ABER schaut mal durch welche Hölle Anne gelaufen ist und KEIN Berater war da bzw. die üblichen “Routineberater” wie Polizeipsych. waren weg usw usw. Was hatte Anne für ein krieg nach dem Krieg.
24. November 2008 (19:36 Uhr)
Hallo Herr Martini!
Man hatte ihnen wie mir auch eine Krankheit vorgeworfen in diesem Fall.
Gestörte Persönlichkeit so in etwa die Worte.
Wenn sie es nicht glauben wollen so schauen sie nach dem Raychel Blog.
Dort stehen über 8500 Kommenatre zum Fall Tanja Graeff.
Auch dieses Öffentliche Forum ist sehr interessant.
http://www.findet.tanjagraeff.de
Sie sind mir alle mal lieber als die Hofberichterstatter aus dem T.V Haus.
Eigene Fragen fallen diesen nicht ein.
Im Vergleich zu dem Sender hier der da kam mit der ” SACHVERHALTSDARSTELLUNG ”
des so genanntem letztem Zeugen der Tanja Graeff gesehen haben will.
L.G
Peter