Stiller Protest an der Porta

Protest von “Greenpeace Trier” an der Porta Nigra. Foto: Christian JörickeDie bundesweite Klima-Aktion “Licht aus“, bei der in Trier am Samstag um 20 Uhr für zehn Minuten die Beleuchtung der Porta Nigra abgeschaltet wurde, nutzte “Greenpeace Trier” um gegen die geplante Beteiligung der Stadtwerke am Neubau eines Kohlekraftwerks in Hamm zu protestieren. Mitglieder der Gruppe ließen sich in der Porta einsperren und breiteten, als das Licht wieder anging, ein Transparent aus. Darauf forderten sie den Stadtrat auf, die Beteiligung zu verhindern.

TRIER. Die Simeonstraße ist in der Vorweihnachtszeit so hell erleuchtet, dass man auf dem Weg zur Porta Nigra erst sehr spät erkennen kann, ob diese noch angestrahlt wird oder nicht. Doch tatsächlich haben die Stadtwerke gegen 20 Uhr das Licht abgestellt. Die Klimaschutz-Kooperation “Rettet unsere Erde” von BILD, “Google”, “Pro 7″, “BUND”, “Greenpeace” und “WWF” rief deutschlandweit zu der Aktion „Licht aus! Für unser Klima.“ auf, bei der von 20 Uhr bis 20.05 Uhr im ganzen Land die Lichter ausgeschaltet werden sollten. Unter anderem sollte das ein Zeichen an den gerade stattfindenden Weltklimagipfel auf Bali sein, sich für bessere Klimaschutzmaßnahmen einzusetzen. Über den Sinn und Unsinn dieser Aktion und über die fragwürdige Kooperation der Umweltverbände ausgerechnet mit dem Schmutzblatt BILD wurde im Vorfeld bereits vielfach berichtet (z.B. in der taz, die eine eigene Aktion initiierte).

Die Beleuchtung bei der Porta bleibt sogar doppelt so lange aus, wie empfohlen. Allerdings nur aus technischen Gründen. Erst um 20.10 Uhr gehen die Strahler wieder an und werden langsam heller. Doch auch schon im Dunkeln konnte man sehen, dass sich in dem römischen Stadttor etwas tut. Mehrere Menschen haben an der Südseite ein zusammengerolltes Banner angebracht. Als das Licht wieder an ist, werden die Riemen gelöst, das Transparent beginnt, sich zu entrollen, – und bleibt auf dem ersten Gesims liegen. Nur mühsam und erst nach ein paar Minuten kann es mit einer Stange zur vollen Entfaltung gebracht werden. “Klimaschutz jetzt – Kein Stadtratbeschluss für Kohlekraft!” lässt sich nun darauf lesen und die paar Dutzend Zuschauer, die entweder zu “Greenpeace Trier” gehören oder von der Aktion wussten, applaudieren ein bisschen und verlassen dann den Platz, den in den folgenden Stunden wegen des Schmuddelwetters nur wenige Passanten überqueren werden. Viele Schaulustige hat die Trierer Umwelt-Gruppe eh nicht erwartet, da das Projekt nicht öffentlich gemacht wurde. Vier “Greenpeace”-Mitglieder ließen sich dafür in der Porta einsperren. “Wir wollten den Klimaschutztag nutzen, um deutlich zu machen, dass wir den Einstieg in das Steinkohlekraftwerk nicht für sinnvoll halten”, sagt der Gruppenkoordinator Björn Bottler. Außerdem sei es für Trier als eine von 1400 Mitgliedsstädten des Internationalen Klimabündnisses widersinnig, in ein Kraftwerk zu investieren, das im Jahr über neun Millionen Tonnen Kohlendioxid freisetze.

Um 20.20 Uhr erscheint die Polizei. Damit haben die Öko-Aktivisten gerechnet. Ein Streifenwagen und eine Zivilstreife halten am Anfang der Simeonstraße vor einer Kneipe, wo zwei Polizisten dann auch hinein gehen und nach ein paar Minuten mit einer – wie sich später herausstellen wird – verwirrten Frau wieder herauskommen und wegfahren. Wegen des Transparents waren die Ordnungshüter nicht gekommen.

Nun steht die Gruppe vor einem Problem. Ein bisschen hoffte man nämlich, dass die Polizei die Öffnung der Porta veranlassen würde, so dass die eingesperrten Umweltschützer wieder hinaus gekonnt hätten. Doch es gibt noch zwei weitere Möglichkeiten. Entweder dort übernachten oder an der Fassade abseilen. Um Mitternacht entscheiden sich die letzten Porta-Besucher wohl angesichts der klimatischen Verhältnisse für die zweite Alternative. Das Banner wird eingepackt und man verlässt das Bauwerk mit Leitern und Klettergurten. “Wir sind sehr zufrieden mit der Aktion”, so Bottler. “Das Banner konnte länger hängen bleiben, als geplant war.”

von Christian Jöricke

10 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Alexander Tils schreibt:

    “Schmutzblatt BILD”?

    Ich schätze die BILD keineswegs, aber eine Pauschalisierung und Bezeichnung eines Printartikels in einem Artikel als Schmutzblatt, hätte ich jedoch eher in der Springerpresse selbst erwartet.

    Anm. d. Red.: Eigentlich sollte da zuerst “Wichs-, Fick- und Gaunerblatt” stehen.

  2. J. Nusser schreibt:

    Nicht nur die an sich schon zweifelhafte Wahl des Präsenz für die Wiedergabe einer Geschichte, die sich offensichtlich in de Vergangenheit zugetragen hat, sondern auch der Wechsel zwischen den verschiedenen Zeitformen (3. Absatz, 4. Satz “konnte”), überzeugen nicht. Begriffe wie “eh” und “Schumddelwetter” haben in einer seriösen Berichterstattung nichts verloren. Was zudem eine wie sich später herausstellte verwirrte Frau mit dem Thema “Stiller Protest an der Porta” zu tun hat, will mir nicht einleuchten. In der Hoffnung, dass sich solche Kleinigkeiten nicht häufen, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen, J.

  3. Karlheinz F. schreibt:

    Egal ob “Schmutzblatt Bild” geschrieben wurde oder “Wichs-, Fick- und Gaunerblatt”. Da der Satz nicht nach einem Zitat klingt muss man sich schon fragen ob 16vor sich nicht lieber von solchen Autoren distanzieren will, die so etwas tippen. Ich tue, dass jetzt hiermit, da mir das viel zu flach wird.

    V.a. die Anmerkung auf den 1. Leserbrief, die wohl als Entschuldigung verstanden werden sollte, ist eine peinliche Offenbarung des 16vor Autors. Oder gar der ganzen Redaktion? Seriöser Journalismus bedient sich anderer Formen.

  4. Andreas schreibt:

    Warum die Aufregung über die o.a. Bezeichnung? Eine Einstellung der Publikation des angesprochenen Blattes wäre wirklich mal eine sinnvolle Umweltschutz- und Klimamassnahme.

  5. RST schreibt:

    Eine Postille, die Volksverdummung im Interesse ihres größten Anzeigenauftraggebers, der privaten Versicherungswirtschaft, betreibt, den unangefochtenen Spitzenplatz an Rügen durch den Presserat innehält und sich nicht entblödet, auf Seite 1 dem Papst eine “Volks-Bibel” zu überreichen, während auf Seite 3 “schluckgeile Omas” ihre Dienste anbieten, als “Schmutzblatt” zu bezeichnen, ist eine fast noch verschämte Benennung.

  6. Christian Bettinger schreibt:

    Lese ich das richtig, dass gegen die Greenpeace-Aktivisten nicht vorgegangen wurde? Ich bin zwar kein Jurist, aber ist das nicht Hausfriedensbruch o.ä.? Meinetwegen sollen diese Menschen ihre Meinung kundtun, aber nicht in einer gesetzeswidrigen Weise wie hier.

  7. MH schreibt:

    Warum unterstützt 16vor eine strafbare Handlung? Immerhin wusste der Schreiber offensichtlich von der Aktion, denn sonst hätte er kein Foto machen können und so ausführlich darüber berichten können.

    Anm. d. Red.: 16vor war wegen der “Licht aus”-Aktion zugegen und konnte sich die Informationen über die “Greenpeace”-Aktion dann natürlich vor Ort besorgen.

  8. N.Y. Shin schreibt:

    “Offenbarung” eines freien Redaktionsmitglieds (für Karlheinz):
    Bei Beiträgen meines Kollegen Jöricke wird turnusgemäß gemault. Daraufhin wird dann “der seriöse Journalismus” in Stellung gebracht. Was will uns diese leere Hülse sagen? Gelegentlich sollte man die ach so seriöse, aalglatte Journalistensprache in Floskel-Berufs- und Schutzbekleidung auch mal wie eine Seifenblase platzen lassen dürfen. Nicht alles, was seriös formuliert ist, transportiert eine gehaltvolle Aussage. Ich hätte wahrscheinlich nie “Wichs-, Fick- und Gaunerblatt” geschrieben; aber ja, als Attribut für BILD ist dies wohl mehr als prägnant, ergo: eine seriöse Aussage! Gut dosiert und richtig platziert, stellt sich ein bisschen Pöbelei allmählich als effektives Mittel heraus, den “seriösen Leser” aus seinen stereotypisierten Leseroutinen zu rütteln. Ein Format wie 16vor, das weder versucht, wie gewisse WFG-Blätter Pseudo-Seriösität zu bedienen, noch jämmerlich das Format einer FAZ auf Lokalebene zu pressen sucht, kann und muss sich einen Jöricke leisten, damit Redakteurinnen wie ich nicht mit volkserzieherischem Eifer die gut gesetzte Pointe versauen!

  9. peter stablo schreibt:

    – zum einen ist es zu begrüßen, daß viele gesellschaftliche kräfte sich für den klimaschutz engagieren, auch symbolsprache sowie derartige handlungen sind wichtig — zum anderen wird diese res publica immer mehr benutzt zur befriedigung von spezifischen wirtschaftsinteressen, sei es, um das eigene image aufzupolieren, sei es, verkaufszahlen von was auch immer zu steigern— ob das der sache nachhaltig dient, ist zweifelhaft.
    die wortwahl von christian jöricke spielt nun wirklich eine untergeordnete rolle in diesem kontext, genauso wie die frage nach dem hausfriedensbruch, den zu beurteieln liegt im ermessen von bsa.

  10. P. Kalauer schreibt:

    Lest bitte diesen Eintrag im Bildblog und wiedersprecht, dass es sich bei der auflagenstärksten europäischen Tageszeitung um ein „Schmutzblatt“ bzw. ein „Wichs-, Fick- und Gaunerblatt“ handelt. Das ist nur ein sehr prägnantes Beispiel von vielen, die der Bildblog tagtäglich recherchiert. Die Diskussion darüber, ob das Vokabular von Herrn Jöricke („Schmutzblatt“) angemessen ist, finde ich lächerlich, wenn man die Macht und das Vokabular der sensationsgeilen Polemiker, die sich Bildreporter nennen, betrachtet. Dreckige Recherchemethoden und Erpressung scheinen da an der Tagesordnung zu sein. Von inszenierten Fotos und Schleichwerbung will ich gar nicht sprechen. Hinzu kommt noch die Anstiftung von normalen Menschen, die als Volkspaparazzi herumrennen sollen, um das Privatleben von A-Z-Promis zu entwürdigen, für das man sich im Prinzip eh nicht zu interessieren hat.Die Verbindung von Print und Qualität, die beim ehrwürdigen Wort „Printartikel“ durchklingt, ist auch nur eine Meinung, die vor allem die Printverlage selbst vertreten und in die Öffentlichkeit tragen. So schließt z.B. die internetfeindliche Süddeutsche, die ich auf jeden Fall als Qualitätsmedium einstufe, ihr Forum außerhalb der Redaktionszeiten, weil sie mit dem unkontrollierbarem Leserpöbel konfrontiert wird, den sie nicht eindämmen kann. Heißt das, dass Partizipation aller (Demokratischer Meinungsaustausch) im Qualitätsmediensystem nicht funktioniert? Müssen wir Angst davor haben, alle Meinungen zu prüfen, weil manche eventuell politisch unkorrekt sind? Auch die Prozesse der FAZ und der SZ gegen den Perlentaucher steigern nicht gerade das Ansehen der „Qualitätsmedien” in ihrem elitären und volksfreien Elfenbeinturm.Ob die Aktion “Licht aus” wirklich sinnvoll war, lässt sich doch erst beurteilen, wenn man im Nachhinein betrachtet, ob bzw. wie viele Menschen sich aufgrund der Aktion z.B. Energiesparbirnen in die Wohnung hängen oder ihren Fernseher ausschalten, statt den Standby-Modus an zu lassen. Symbolische Aktionen sind jedenfalls nötig, um der Gesellschaft zu demonstrieren, dass Handeln notwendig wird. Ohne solche Aktionen sind die meisten Menschen, die sich auf die Bild als Qualitätsmedium verlassen, nicht fähig selbst zu agieren. Leute, die freien Gewissens sagen können „Ich will wirklich Energie sparen”, sollten dann im fortgeschrittenen Energiesparmodus weitermachen, wie ihn die taz vorgeschlagen hat. Nachhaltig betrachtet könnte das sogar ein günstigeres Leben bedeuten.

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