Bedenkliche Konzentration

Ein “Gewinn für die ganze Innenstadt und auch für die hier ansässigen Einzelhändler” werde die Trier-Galerie, prophezeite OB Klaus Jensen im März. Für einige Buchhandlungen droht das Shoppingcenter indes zum Verlustgeschäft zu werden. Denn mit Thalia und Weltbild wird die Passage der Branche gleich zwei weitere Läden bescheren. Von einer “bedenklichen Konzentration” ist nun die Rede, und davon, dass es zu einem “Verdrängungswettbewerb” kommen könnte. Georg Stephanus, dessen gleichnamige Buchhandlung gleich gegenüber der Trier-Galerie liegt, sieht den zusätzlichen Konkurrenten gelassen entgegen. Dabei wird vor allem Thalia eine agressive Expansionsstrategie nachgesagt, und das Unternehmen widerspricht entschieden Gerüchten, der Standort in der Grabenstraße könnte alsbald aufgegeben werden.

TRIER. Wenn Regine Ebel auf die Trier-Galerie zu sprechen kommt, verdüstert sich ihre Stimmung. Von einer “Sortimentstiefe, die bald gegen Null geht” ist dann die Rede, “weniger Titel mit noch höherer Drehzahl werden dann die Regale füllen”, erwartet die Buchhändlerin; kleine Verlage hätten es künftig noch schwerer, ihr Programm an den Kunden zu bringen. Auch für sie selbst werde es nicht leichter, glaubt Regine Ebel, die seit sechs Jahren ihre Buchhandlung Île de Ré in der Brückenstraße betreibt. In ihrem kleinen Ladenlokal werden bibliophile Zeitgenossen schon mal eher fündig als bei der vielfach größeren Konkurrenz.

Von der Brückenstraße bis zur Fleischstraße sind es nur wenige Fußminuten, doch zwischen der Île de Ré und der Trier-Galerie liegen Welten. Regine Ebels Buchhandlung würde in die Trier-Galerie in etwa so gut passen wie eine Louis-Vuitton-Dependance ins Alleencenter am Hauptbahnhof. Nicht, dass ihre Stammkunden wegbleiben, fürchtet die Buchhändlerin, sondern dass sich die Kundenströme innerhalb der Innenstadt verlagern. Die ohnehin rare Laufkundschaft würde sich dann noch seltener in ihren Laden “verlaufen”.

Ab Mitte kommenden Monats wird es in Trier gleich zwei zusätzliche Buchläden geben: Die zur Douglas-Holding zählende Thalia-Kette eröffnet in der neuen Passage auf rund 500 Quadratmetern ihre zweite Filiale in der Moselstadt; mit der Weltbild-Kette tritt zudem ein weiterer Branchenriese auf den lokalen Markt, dem es an einem bislang mit Sicherheit nicht mangelte: Konkurrenz. Zählt man die Buchsortimente der drei Kaufhäuser mit, dann finden sich schon heute in einem Umkreis von maximal zehn Fußminuten ein Dutzend Buchhandlungen.

Interbook vs. Thalia?

Thomas Brausch, Geschäftsführer der vor wenigen Monaten von der Mayerschen aufgekauften Interbook, spricht von einer “bedenklichen Konzentration”. Zwar sei man als “Platzhirsch” (O-Ton Brausch) guten Mutes, mit dem “entsprechenden Angebot und der Kompetenz unserer Mitarbeiter” den neuen Konkurrenten Paroli bieten zu können, doch rechne er mit einem “Verdrängungswettbewerb”. Vor wenigen Monaten klang Brausch noch optimistischer: “Wir sehen dem sehr gelassen entgegen”, erklärte er Anfang April gegenüber 16vor. Anders als OB Jensen glaubt er nicht, dass sich die Passage zu einem “Gewinn” für die Stadt entwickeln wird: “Die werden scheitern!”, ist er überzeugt; eine Passage ohne verbindenden Charakter zwischen zwei Einkaufsstraßen könne nicht funktionieren, das habe er schon in anderen Städten gesehen.

Kollege Georg Stephanus ist da völlig gegensätzlicher Meinung, und auch er beruft sich auf Erfahrungen in anderen Städten: “Das wird funktionieren”, erwartet der geschäftsführende Mitinhaber der gleichnamigen Buchhandlung. Der 44-Jährige erwartet allerdings eine spürbare Verlagerung der Kundenströme innerhalb der Innenstadt, und von dieser will er profitieren. Denn der Hauptein- und -ausgang der Passage liegt unmittelbar gegenüber seiner Buchhandlung. Die Galerie-Kundschaft, die noch den Weg aus der Galerie hinaus bis in die Fleischstraße findet, wird also unmittelbar auf den 300 Quadratmeter großen Laden stoßen. 130 Jahre existiert das Familienunternehmen nun schon, und Georg Stephanus ist überzeugt, dass die neuen Mitbewerber seiner Firma nicht den Garaus machen werden – auch wenn nicht wenige in der Branche damit rechnen, dass genau dies eintreten wird.

Doch es könnte auch zu einem Duell der Großen kommen, zwischen der Aachener Kette Mayersche, die sich Anfang April mit Interbook die erste Buchhandlung außerhalb Nordrhein-Westfalens zulegte, und Thalia aus Hagen. Dazu passt, dass entgegen anders lautenden und sehr hartnäckigen Gerüchten letztere an ihrem Standort in der Grabenstraße festhalten will: “Unsere bestehende Filiale in der Grabenstraße bleibt in jedem Fall bestehen”, versicherte das Unternehmen auf Anfrage. Thalia ist in der Branche gefürchtet wegen seiner agressiven Expansionsstrategie, mit rund 280 Filialen in drei Ländern erzielt das Unternehmen inzwischen mehr als 420 Millionen Euro Umsatz. Und mit insgesamt 1.500 Quadratmetern Verkaufsfläche wird Thalia in Trier nah an Interbook heranrücken, dessen Buchkaufhaus am Kornmarkt etwa 1.800 Verkaufsfläche vorzuweisen hat.

Weltbild neu auf dem Trierer Markt

Gemessen an Interbook und Stephanus liegt “de Bücherladen” in vermeintlich sicherer Entfernung zur Galerie. Doch Peter Zender, einer der drei geschäftsführenden Inhaber, hätte auf die Passage samt deren Mieter gerne verzichtet: “Ich brauch’ sie nicht”, sagt Zender lakonisch. Ob die Galerie seinem Geschäft dauerhaft zusetzen wird, sei noch schwer abzuschätzen. Doch die ersten drei Monate bis zum Weihnachtsgeschäft würden wohl “verhagelt”, erwartet er – “allein schon wegen des Neugierdefaktors”. Zender rechnet außerdem damit, dass die untere Simeonstraße unter der Passage leiden wird, da sich die Kundenströme verlagern würden.

Inwiefern die Verlagsgruppe Weltbild mit ihrem neuen Laden in der Galerie den Trierer Markt aufmischen wird, ist noch offen. Auf 200 Quadratmetern Verkaufsfläche werden die Augsburger neben Büchern und DVD auch Geschenkeartikel anbieten. “Überall dort, wo viele Weltbild-Katalogkunden leben, liegt eine guter Standort für eine Weltbild Filiale”, begründet Eva Großkinsky das Trierer Debüt ihres Unternehmens. Mit einem “zeitgemäßen Programm zu günstigen Preisen” wende man sich “vor allem an junge Familien und das Boulevardpublikum”, so Großkinsky weiter. Weltbild werde die Angebotsvielfalt bereichern, ist sie überzeugt. Einiges spricht dafür, dass das Angebot auf dem Trierer Buchmarkt langsam aber sicher die Nachfrage übersteigt.

von Marcus Stölb

16 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Andreas Daus schreibt:

    Was in der neuen Galerie überschreitet beim Angebot eigentlich nicht schon die Nachfrage für Trier? Vielleicht das hundertste Damenbekleidungsgeschäft,oder die x-te Buchhandlung in Trier? Man schaue sich doch schon die Fußgängerzone an. Das besondere Augenmerk liegt hier auf der Graben-/Brotstraße. Dort wechseln sich doch nur noch Schuh- und Damenbekleidungsgeschäfte ab. Nicht zu vergessen die Markenlabels wie Esprit etc.. So langsam verliert man als Mann die Lust in Trier einkaufen zu gehen. Die Trier Galerie wird sich beweisen müssen mit ihrem Sortimentsmix. Denn ansonsten wird sie irgendwann so leer stehen wie die jahrzehntelang gepriesene Treverispassage. Ich hatte mir zu Beginn der Planungen mehr erwartet von diesem Großprojekt. Doch die Ernüchterung kam schnell. Hoffentlich werden die Betreiber genauestens überwachen ob dieser Sortimentsmix überhaupt noch für Trier notwendig ist und gegebenenfalls neue Mieter suchen, die das Angebot für Trier wirklich bereichern.
    Dennoch kann man vor der Eröffnung einem Vorurteil vehement entgegentreten. Nein, nicht nur bundesweit agierende Großkonzerne sind als Mieter in der neuen Galerie zu verzeichnen, sondern auch einige Trierer Größen der Geschäftswelt. Jene jedoch sind in Trier noch nie als vorbildliche Unternehmer aufgefallen.
    Wer diese Größen noch nicht zufällig ständig auf dem Baugelände gesehen hat, der soll sich bei der Eröffnung überraschen lassen. Ich kann dem Trierer Einzelhandel nur wünschen, das sie sich ein Profil schafft, was Kunden wieder in die Stadt lockt. Denn wenn man nicht aufpasst steht man nachher ohne Kunden da. Andere Städte (z.B. Koblenz) haben diese leidvolle Erfahrung schon machen dürfen und teilweise bis zum heutigen Tag kein einheitliches Konzept für den Einzelhandel gefunden.

  2. interessierter schreibt:

    hallo, interessant. Aber was wünschen Sie sich denn dann in der Galerie?

    Ich wünsche mir einen Starbucks und einen P&C. Und einen H&M mit Kinderklamotten.

  3. Marlies schreibt:

    Ich finde es sehr traurig, dass das hübsche Trier immer charakterloser wird. Selbst Schuhfetischistinnen im Kaufrausch können diese Innenstadt nicht wirklich inspirierend finden, oder? Was läuft hier eigentlich schief, dass sich keine Nischennachfragen entwickeln? Weshalb kann eine Stadt, deren Universität etliche Sprach- und Literaturfächer sowie Sozialwissenschaften bis zu Orchideenfächern beherbergt, keine Nischenkultur im Buchhandel oder auch andernorts hervorbringen oder erhalten? Je weniger die letzten Läden, die versuchen, dem Gesicht der Stadt ein Profil zu verleihen, frequentiert werden, desto schneller nimmt der gesichtslose Markt mit seinen Kaffee- und Buchketten überhand. Wahrscheinlich ist es zu großen Teilen auch gerade das universitäre Klientel, dass nur noch den Internetmarkt fördert und sich nebenbei über das kulturelle Angebot Triers beschwert. Weiterhin zu fragen wäre, inwiefern die Universitätsbibliothek mit ihren Einkäufen den Einzelhandel in seiner kleinen Vielfalt unterstützen kann. Gerade kleine Buchläden haben bisher mehr als nur Konsumkultur repräsentiert, gehören zu jeder gescheiten Universitätsstadt dazu und sollten unterstützt werden. Stephanus im Treff ist nun wirklich ein Katzensprung von der Uni entfernt. Und wem in unserer kleinen Stadt Trier das “Île de Ré” in der Brückenstr. noch zu weit entfernt liegt, sollte sich mal einen Schrittzähler anschaffen, bevor der körperliche Totalzerfall eintritt.

    Wer zudem wissen will, welche Politik er mit Thalia und Amazon unterstützt, sollte zum Beispiel mal den Artikel über eine kleine inzwischen leider ad acta gelegte Don-Quixote-Episode lesen: “Diogenes traut sich was gegen Amazon” von Hannes Hintermeier, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2004, Nr. 125 / Seite 49 auf http://www.faz.net.

  4. Marlies schreibt:

    hier der Link zur kostenlosen Ansicht des Artikels http://www.faz.net/s/Rub1DA1FB848C1E44858CB87A0FE6AD1B68/Doc~E9D6A543D350B4D108A01D94E48C1A776~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  5. Michael Peh schreibt:

    Sorry, aber gerade dieser uniforme Einheitsbrei wie Starbucks, MCDonalds, H&M, Benetton und wie sie alle heißen, die sich wie Kraken in jeder Fußgängerzone und Einkaufs- und Shoppingcentern breit machen brauchen wir wohl als allerletztes…

  6. mattheisen müller schreibt:

    Nicht nur die immer weiter fortschreitende Uniformierung ist das Problem, auch die Abhängigkeit, in die man sich begibt. Wenn die großen Ketten eines Tages merken, daß doch kein Geschäft zu machen ist, gehen sie und hinterlassen eine Wüste….
    Allerdings sei dies auch ein Appell an die Lokalpolitik, nicht immer gleich dem erstbesten “Investor”, der das Blaue vom Himmel verpricht (Arbeitsplätze! Aufschwung! Attraktivitätsstseigerung!usw.) alle Tore zu öffnen, sondern auch einmal Bedingungen zu stellen. Der Investor hat (und das ist ja auch durchaus legitim!) das Interese, ein gutes Geschäft zu machen, das Wohl der Stadt interessiert ihn nur soweit, wie es ihm nützt.
    Aber letztlich müssen auch wir Kunden uns an die eigene Nase fassen: Wenn wir die Angebote nicht nachfragen würden, dann würden auch keine Großketten auftreten…

  7. R. Müller schreibt:

    Aus der Überschrift “Bedenkliche Konzentration” sowie aus dem Inhalt des Artikels und mancher Leserbriefe lese ich den Wunsch heraus, ein Konnzept für die Trier-Galerie zu finden, das allen gerecht wird.

    Aber machen wir uns nicht vor: Das neue Shoppingcenter ist ein von privaten Investoren finanziertes Objekt, dessen Ziel es ist, Rendite abzuwerfen. Und um dieses Ziel zu erreichen, werden die Ladeninhaber der Trier-Galerie ein Sortiment anbieten müssen, das auf Nachfrage trifft. Wir brauchen uns daher keine Sorgen machen, das neue Einkaufszentrum könne ein Flop werden.

    Sollte die Trier-Galerie ein Erfolg werden, wird der Druck auf die anderen Geschäfte in der Innenstadt wachsen, ihrerseits für ein attraktiveres Angebot zu sorgen. Dies aber ist Wettbewerb, also jene Veranstaltung, die dafür sogt, dass wir in Wohstand leben und es uns gut geht.

    Natürlich gibt es in Trier zu wenig Nischengeschäfte, außerdem fehlt es an Programmkinos und an kultureller Vielfalt überhaupt. Aber ist dies ein Problem fehlenden Angebotes? Mitnichten, es fehlt schlicht und einfach die Nachfrage. In der Marktwirtschaft bekommt der Konsument eben das was er verdient (bzw. nachfragt).

  8. Tobias schreibt:

    Ich kann R.Müller nur zustimmen. Der gesamte Einzelhandel ist doch ein Spiegel der Nachfrage. Natürlich sind individuelle Innenstädte mit inhabergeführten Geschäften super zum Bummeln und für die Entdeckungen am Wegesrand, aber letztlich lassen wir uns alle allzu oft in der Kürze der Zeit von den “etablierten” Ketten verleiten. Aber vielleicht mal wieder ein Buch im Handel statt im Internet zu kaufen kann ja auch schon ein kleiner Schritt sein, den Handel vor Ort nicht weiter zu schwächen.

    Interessant zu Wissen beim Thema Weltbild: Der Verlag ist ja mit seiner Marke Joker´s schon längst in der Grabenstraße vertreten, interessanter ist die Gesellschafterzusammensetzung. So zählt die Diözese Trier neben weiteren 13 katholische Diözesen zu den Eigentümern des Verlages – war also nur noch eine Frage der Zeit, bis Weltbild uns schöner Trier erreicht ;-)

  9. Buch schreibt:

    Das Thema mit Weltbild ist ja wirklich interessant. Nicht zu vergessen ist, dass Weltbild zur DBH Finanzholding gehört, deren Eigentümer die Weltbildgruppe (100 % katholische Kirche) und die Buchhandlung Hugendubel ist.
    Zur DBH gehören u.a. Weiland, Jockers, Wohltatsche, Schmörl und v. Seefeld, Buchhabel, Jokers und andere über Beteilungen. Ja Trier, die schöne heile Welt ist vorbei, jetzt hat Trier den Einheitsbrei!
    Nicht zu vergessen: thalia ist nur die Nummer 2, die DBH ist die Nummer 1.

  10. Roger Schug / Unternehmensberatung Heike Meffert schreibt:

    Interessant scheint mir die Frage, was Investor und Stadt zu der Annahme verleitet hat, dass das Zentrum zu einem Gewinn bringenden Unternehmen und zudem noch zu einem Gewinn für die Stadt und den hier ansässigen Einzelhandel werden könne. Meine nicht zu leugnende Skepsis möchte ich natürlich auch anhand einiger Überlegungen begründen. In der Gegenwart erleben wir Insolvenzen großer Handelsketten infolge eines schelchten generellen Konsumklimas sowie maßlos steigender Kosten. Die Kaufkraft in der Stadt Trier und auch im Umland gehören entsprechend der aktuellen Studien von INSM und GFK zu den niedrigsten in Deutschland. Insofern erscheint mir durchaus eine gewisse Skepsis angebracht, dass nicht nur ein Überangebot im hier im Forum vorwiegend besprochenen Buchhandel sondern ein generelles Überangebot an Konsumgütern entstehen könnte; sprich der aufzuteilende monetäre Kuchen tatsächlich zu einem kritischen Faktor werden kann.

  11. Andreas Romig schreibt:

    Ich finde es schlimm, wenn Bürgermeister begeisterte Totengräber ihrer Städte werden.Was ist das besondere einer Stadt, für einen als Bürger und als Besucher?
    Tragen Shoppingcenter zum USP einer Stadt bei oder zum internationalen Ketten-Einheitsbrei?

  12. Anne schreibt:

    Diese Diskussion ist tatsächlich höchst spannend.
    Wird die Trierer City durch die Trier Galerie attraktiver? Handelt es sich eher um eine „Revitalisierung“ oder „Kannibalisierung“ der Innenstadt, oder aber sind die Auswirkungen gar nicht so groß? Mit diesen Fragen sind derzeit viele Städte konfrontiert und es wird in diesem Zusammenhang auch viel spekuliert.

    Es ist eine ziemlich seltene Chance diese Aspekte vor und nach der Eröffnung eines Shopping Centers untersuchen zu können. In Trier wird diese Möglichkeit momentan genutzt, indem die Verlagerungen der Passantenströme sowie das Verhalten und die Wahrnehmung der Innenstadtbesucher vor und nach der Eröffnung der Galerie untersucht werden. Vielleicht kann mit der Arbeit ja zumindest für Trier gezeigt werden, welche Auswirkungen das Shopping Center auf das Verhalten und die Wahrnehmung der Besucher hat.

  13. Roland Struwe schreibt:

    Was war zuerst da? Das Huhn oder das Ei? Diese Frage lässt sich auch auf Angebot und Nachfrage übertragen. Lockt die Innenstadt mit interessanten Angeboten, wird sich auch eine Nachfrage dafür finden. Dafür muss die Nachfrage nicht bereits im Vorfeld vorhanden sein. Dass es aber in vielen Nischen bereits jetzt eine Nachfrage gibt, die durch das Angebot in Trier nicht gedeckt, sieht man häufig. Deutlich wird dabei v.a. ein generelles Problem der Stadt Trier. Sowohl Politik als auch Wirtschaft sehen das Profil der Stadt einzig und allein durch den Tourismus geprägt. Dass die Stadt 20.000 Studenten hat – das entspricht 1/5 der Einwohnerzahl Triers – und sich auf den Ortschildern “Universitätsstadt” schimpft, scheint bei fast allen Überlegungen zur (nachhaltigen) Stadtentwicklung vergessen zu werden. Macht den Studenten interessante Angebote und sie kommen auch vom Berg runter und werden die Stadt zusätzlich beleben (wirtschaftlich gesprochen würde dies auch Aufschwung und Arbeitsplätze bedeuten). Um auch einen konkreten Vorschlag zu machen: Wie wäre es mit mehr Bistros? Eine günstige und schnellere Alternative zum Restaurant, zugleich aber kein Fastfood. Diese Nische besetzen nur wenige Gastronomen in der Stadt – und das obwohl Bistros beiden Profilen der Stadt entsprechen würden: Trier ist Touristen- und Studentenstadt!

  14. Malte Beyer schreibt:

    Wer sich mal eine schöne Einkaufsstadt mit ungefähr gleicher Größe wie Trier ansehen möchte, in deren verwinkelten Innenstadtstraßen solche Monster kaum Platz haben, fahre mal nach Maastricht. Da zeigt sich, wohin sich Trier auch entwickeln könnte, nämlich in eine Stadt mit einem vielfältigeren und deswegen interessanteren Einkaufsangebot. Also: Mehr Neustraße und weniger Alleencenter.
    Und Maastricht zeigt, dass dies irgendwie geht.

  15. M. Gröger schreibt:

    Wie heißt es so schön? “Der Kunde ist König!” Besitzen wir denn keine Wahlfreiheit mehr? Können wir nicht mehr selbst entscheiden, wo wir einkaufen, nur weil ein neues, größeres und vielleicht billigers Geschäft existiert?

    Wenn ich früher noch ab und zu beim alten Thalia einkaufte, werde ich das jetzt nicht mehr tun. Ab zu Stephanus. Und was in der Galerie sonst noch an Neuem bzw. Altem drin ist weiß ich garnicht, und will ich auch nicht wissen. Ich werde dieses Gebäude nie betreten, meinen höchst bescheidenen Teil dazu beitragen frühere Geschäfte zu unterstützen und hoffentlich zusehen können, wie das Ding ein Millionen-Grab wird… dann kann mans ja in ein Parkhaus umwandeln, damit der Einzelhandel glücklich ist. Auch wenn ich eigentlich keine Parkhäuser mag

  16. Edgar May schreibt:

    Nun ist sie da, die neue Galerie. Und ich denke, die Konkurrenz hätte für die Buchhändler schlimmer ausfallen können. Vorn liegen die Bestseller, die in jeder Buchhandlung vorn liegen und uns sagen wollen, was wir zu lesen haben.

    Dahinter liegen die Bücher, die nicht mehr der Preisbindung unterliegen.

    Das ist weder neu noch einfallsreich.

    Überhaupt finde ich das Wort einfallsreich im Zusammenhang mit der Galerie völlig unangebracht. Da war die Saarbrücker Galerie sicher einfallsreicher und trotzdem ist sie seit Monaten komplett geschlossen.

    Sogar ein Eröffnungs-Schnäppchen konnte ich für mich nicht ausfindig machen.

    Und in der Gastronomie hatte meine Nase keine Lust zu verweilen. Jedoch steht die drangvolle Enge dort im starken Kontrast zu den gähnenden Fluren.

    Ansonsten habe ich nichts gegen Einkaufen unter Dach: Ist toll bei schlechtem Wetter und später auch bei Sonne, wenn das Ozonloch uns erreicht hat.

    Nun, es ist ja noch eine halbe Baustelle – kann ja alles noch kommen.

    Nach dem Weihnachtsgeschäft schlägt dann wohl die Stunde der Wahrheit.

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