Pokalschreck für eine Stunde

Hertha BSC Berlin spielte am Freitagabend im Moselstadion gegen Eintracht Trier. Ein Gegenbesuch im Rahmen des DFB-Pokals wird es nicht mehr geben. Die Eintracht unterlag in der 1. Runde gegen den Bundesligisten mit 1:3 und ist damit aus dem Wettbewerb ausgeschieden, dessen Finale in der Hauptstadt ausgetragen wird. Die Enttäuschung nach dem Spiel hielt sich jedoch in Grenzen. Der SVE bot größtenteils tollen Fußball mit herrlichen Kombinationen. Die drei Klassen höher spielenden Berliner waren den Trieren nur insofern überlegen, als sie in der zweiten Halbzeit deren Spielaufbau stärker störten und ihre wenigen Torchancen besser nutzten.

TRIER. Vielleicht lag es an dem kräftigen Gewitter am späten Nachmittag, dass sich einige Schönwetterfans kurzfristig gegen einen Stadionbesuch entschieden. Gerade mal 5830 Zuschauer wollten die Begegnung zwischen Eintracht Trier und Hertha BSC Berlin vor Ort sehen. Vielleicht hatten aber auch manche noch das letzte DFB-Pokalspiel im vergangenen Jahr in Erinnerung, bei dem Trier von Schalke 04 eine 9:0-Klatsche bekam. Am Freitagabend sollte (fast) alles anders werden.

Zunächst schien es so wie gegen Schalke zu laufen. Trier versteckte sich nicht in den Anfangsminuten, hatte sogar die erste gute Chance des Spiels, als Christian Müller von der linken Seite in den Strafraum der Berliner flankt, Lars Schäfer aber nicht mehr an den Ball kommt, doch dann geht die Hertha aus heiterem Himmel in Führung. Cicero spielt in die Gasse auf Marko Pantelic, der den Ball lässig an Pero Miletic vorbei ins rechte Eck schiebt (8.).

Der frühe Gegentreffer beeindruckt jedoch weder die Eintracht-Fans noch die Spieler. Nach einer Viertelstunde gelingt es dem SVE, die Partie – die auf Seiten der Berliner vor allem über Pantelic und Patrick Ebert läuft – zu kontrollieren. Die Eintracht baut das Spiel vor allem über die linke Seite auf. Andy Rakic, der links in der Viererkette spielt, Kapitän Thorsten Witek und Müller zeigen herrliche, schnelle Kombinationen, die immer wieder zu guten Torchancen führen. Aber auch mit Soloaktionen kann das Team von Werner Weiß glänzen. Knapp 6000 Zuschauern steht der Mund auf, als Wittek im Berliner Strafraum vier Gegenspieler ausdribbelt. Er legt den Ball ab auf Kevin Lacroix, der jedoch nur das Außennetz trifft (21.). Der SVE ist inzwischen die bessere Mannschaft. Allerdings lassen die Berliner dem Regionalligisten auch viel Platz.

Besonders gefährlich sind die Trierer bei Eckstößen, von denen sie in der ersten Halbzeit knapp ein Dutzend bekommen. Schließlich ist es auch so eine Standardsituation, die zum Ausgleichstreffer führt. Michael Dingels schießt den Ball scharf in Höhe des Elfmeterpunktes, wo Lacroix am Höchsten steigt und einköpft (27.).

In der letzten Viertelstunde der ersten Halbzeit schaltet Trier einen Gang runter und nimmt etwas das Tempo aus dem bis dahin rasanten und rassigen Spiel. Die Trierer Zuschauer sind in der Pause voll des Lobes für ihre Mannschaft. So etwas habe man lange nicht mehr gesehen, heißt es, wo man auch hinhört. So schön, so schön.

Die erste gute Torchance in der zweiten Hälfte hat wieder die Eintracht. Rakic – bester Spieler an diesem Abend – passt auf Wittek, Wittek legt quer auf Gustav Schulz, der aus 16 Metern in Richtung langes Eck abzieht. Jaroslav Drobny im Tor der Berliner kann den Ball mit den Fingerspitzen gerade noch ins Aus lenken. Schulz versucht es in dieser Halbzeit häufiger mit Fernschüssen, allerdings ohne Erfolg.

So überraschend wie das erste Tor der Hertha, fällt auch das zweite. Raffael passt in den Lauf des an der Strafraumgrenze gestarteten Fabian Lustenberger, der wenige Meter vor dem Tor keine Mühe hat, Miletic zu überwinden (60.). Der Torwart hätte hier vielleicht früher aus dem Kasten kommen müssen, machte aber insgesamt ein gutes Spiel und klärte manche Eins-gegen-Eins-Situation.

Die SVE-Fans feuern ihre Mannschaft unvermindert an. Das sehr faire Spiel ist zwar nicht mehr so ansehnlich wie in den ersten 45 Minuten, dafür geht es immer noch hoch und runter. Konditionell hält die Eintracht gut mit. In der 81. Minute fällt jedoch die Entscheidung für Berlin. Der eingewechselte Maximilian Nicu flankt in den Trierer Strafraum, und Patrick Ebert köpft zum 3:1-Endstand ein.

Die Eintracht hat ein tolles Spiel geboten, sich wacker geschlagen und es dem Bundesligisten schwer gemacht, wie Hertha-Trainer Lucien Favre später in der Pressekonferenz sagt. Als Werner Weiß sein Statement abgibt, wird nach wenigen Worten bereits applaudiert. Es sei zwar traurig über das Ausscheiden, aber seine Mannschaft habe hervorragenden Fußball gespielt. “Die Art und Weise, wie wir gespielt haben, stimmt mich positiv.”

Eintracht Trier:
Miletic – Dingels, Cinar, Lacroix, Rakic – Schäfer, Hartung (Krause, 64.), Schulz, Wittek (Schottes, 85.), Müller – Hentschke (Risser, 73.)

Hertha BSC Berlin:
Drobny – von Bergen, Chahed, Kaka, Stein – Cicero, Ebert, Lustenberger (Hartmann, 70.) – Pantelic (Chermiti, 84.), Raffael, Piszczek (Nicu, 76.)

Schiedsrichter: Guido Winkmann (Kerken)

Tore: 0:1 (Pantelic, 8.), 1:1 (Lacroix, 27.), 1:2 (Lustenberger, 60.), 1:3 (Ebert, 81.)

von Christian Jöricke

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