“produktion” in finanzieller Schieflage

Ein Bild aus besseren Tagen: Am 11. Oktober 2006 wurde die "produktion" eröffnet. Foto: Christian Jöricke.Der “produktion e.V.” ist in eine bedenkliche finanzielle Schieflage geraten. Ein externer Sanierungsberater bemüht sich momentan darum, das im Palais Walderdorff am Domfreihof angesiedelte soziokulturelle Zentrum vor der Insolvenz zu bewahren. Es bestünden gute Chancen, die Existenz des Vereins zu sichern, erklärte er gegenüber 16vor. Offenbar mangelte es der “produktion” an einem ordentlichen Controlling. Doch auch die Eröffnung der Großraumdiskothek A1 in Trier-West soll der Einrichtung arg zugesetzt haben.

TRIER. Am Freitag steht der “Panic Club” auf dem Programm, eine “Kultparty mit dem feinsten Indie & Alternative” verheißt die vereinseigene Website. Panik können die Macher des “produktion e.V.” derzeit in etwa so gut gebrauchen wie weitere Gläubiger. Der Verein ist in eine finanzielle Schieflage geraten, von Schulden in sechsstelliger Höhe ist die Rede.

“Finanziell sieht es nicht sehr rosig aus”, bestätigte Dirk Fahrland. Der Jurist wurde von der Vereinsführung als eine Art Sanierungsberater engagiert. Fahrland soll ausloten, unter welchen Bedingungen die im Oktober 2006 im Palais Walderdorff eröffnete “produktion” über die kommenden Wochen und Monate hinaus existieren kann. “Ich bin ganz guter Dinge, dass wir in naher Zukunft eine Lösung finden werden”, erklärte er am Dienstag auf Nachfrage gegenüber 16vor. Wie diese aussehen soll, verrät er noch nicht. Die Verhandlungen dauerten noch an, erklärtes Ziel sei es, eine Insolvenz abzuwenden.

Der Verein ging vor etwas mehr als zwei Jahren aus der Abteilung Kultur und Kommunikation des Palais e.V. hervor, dessen Ursprünge wiederum im Ende der 1970er Jahre gegründeten Drei-Tonnen-Club (“Tönnchen”) lagen.  Mit Formaten wie dem Poetry Slam oder dem Comedy Slam, der “Night of the Profs” oder auch Vortragsreihen wie  “Keine Ignoranz!” und Lesungen hatte das Team um Kerstin Rubas und Peter Stablo den Verein innerhalb kurzer Zeit etabliert. Um solche soziokulturellen Angebote oder auch das “Kaffée P” finanzieren zu können, muss allerdings das Geschäft im Discokeller laufen.

Doch das brach in den vergangenen Monaten regelrecht ein. Dem Vernehmen nach gingen die Besucherzahlen nach der Eröffnung der Großraum-Zappelbude A 1 in Trier-West um rund zwei Drittel (!) zurück. Dramatische Rückgänge bei den Umsätzen im Getränkeverkauf waren die Folge. Auch das große Sommerfest aller drei Trierer Hochschulen im vergangenen Jahr im Messepark endete für die “produktion” in einem Verlustgeschäft.

Laut Fahrland leistete das A 1 zwar “einen Beitrag”, die Situation der “produktion” weiter zu verschärfen, doch lägen die Probleme nicht allein im neuen Mitbewerber begründet. Im Gegenteil: “Es hat kein ordentliches Finanzcontrolling gegeben”, erklärt der Sanierungsberater, der den Verein derzeit nach außen vertritt und weitgehend die Geschäftsführung übernommen hat. Trotz neuer Konkurrenz und hausgemachter Krise ist der Jurist dennoch überzeugt, dass die Einrichtung gerettet werden kann. So soll auch das “Kaffée P”, dessen Mischung aus breitem Zeitungsangebot zur Gratislektüre und fair gehandeltem Kaffee zu zivilen Preisen der Einrichtung zwar eine Stammkundschaft, aber kaum Einnahmen bescherte, wieder öffnen.

An einer erfolgreichen Sanierung der “produktion” dürfte nicht zuletzt das Rathaus interessiert sein. Schließlich hat der Verein seine Räume im Palais Walderdorff von der Stadt gemietet, die wiederum Miete an die Nikolaus-Koch-Stiftung zahlen muss.

von Marcus Stölb

19 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Marianne schreibt:

    Hallo.

    Ich finde es schade, dass es der Produktion offenbar schlecht geht.
    Angebote wie z.B. der ComedySlam sind für mich immer eine willkommene Abwechslung gewesen (und werden es hoffentlich weiterhin sein!) und darüber hinaus gab es immer wieder andere kulturelle, besuchenswerte Highlights.

    Jeder, der irgendwie wirtschaftlich tätig ist (gerade im Moment) weiß, wie schwer es manchmal sein kann, nicht in eine finanzielle Schieflage zu geraten. Natürlich hätte die Geschäftsführung vielleicht einiges abwenden können, aber habe ich das richtig verstanden, dass sich die kulturellen Angebote bzw. der Verein selbst aus den Einnahmen des Getränkeverkaufs finanzieren? Dann ist es doch nicht verwunderlich, dass durch diese angesprochene Konkurrenz einiges der herrschenden Situation bedingt worden ist. Ich persönlich habe den A1 Musikpark noch nicht besucht (dafür bin ich wohl auch zu alt), aber deren Homepage zufolge handelt es sich dabei wohl um eine Disco in der Machart des alten Riverside.

    Ich hoffe einfach mal ganz stark und glaube daran, dass die Produktion überlebt. Gibt es für solche Vereine nicht auch Förderungen von der Stadt?
    Vielleicht sollten wir alle die Produktion unterstützen und einfach hingehen – ich kann z.B. den ComedySlam nur empfehlen !

    Liebe Grüße!
    Marianne

  2. milltute schreibt:

    Die Produktion wird weiter hin bestehen. Daran glaube ich ;)

  3. Trierer schreibt:

    Traurig, traurig… Erst “inwestiert” die Stadt Trier und genehmigteine kommerzielle Großraumdisco und dann kümmert sie sich nicht um die Folgen ihres Tuns! Man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass bald im innerstädtischen Triere Nachtleben die Bürgersteige hochgeklappt werden… Vielen Dank Herr Jensen!!!

    Aber dafür freuen sich die Drogenverticker über Kundschaft! Im Palais/Produktion kann man wenigstens drogenlos feiern!

    Greetz vom Trierer

  4. rocker schreibt:

    eigentlich stellt man sich die produktion, zumindest wenn man bei der ein oder anderen party ewig draußen in der kälte anstehn muss als ziemliche goldgrube vor. das problem scheinen echt die kostenintensiven-getränkearmen veranstaltungen im kulturbereich zu sein. da jeweils ne kracherparty rein und das ding würd laufen. aber will man dass. muss sich die stadt halt entscheiden, ob sie den reinen hüpf-sauf-bunker am domfreihof haben will oder einen kulturmix – da müsst sie dann halt tiefer in die tasche greifen.
    wie’S mit dem A1 als konkurrenz weitergeht wird sich ja zeigen, hatte mir eigentlich erhofft dass es wie’s alte Riv fungiert und nur den “siff” aus den vorstädten aus trier fernhält, mal sehen wann’s den status erreicht hat…

  5. Knatter schreibt:

    Die Kracherparties gibts doch da! Ich freu mich auf den Panic Club am Freitag, der ist immer gut und auch immer voll!! Naja, vielleicht reicht da eine Veranstaltung im Monat nicht, um den ganzen Karren mitzuziehen.
    Haut rein!

  6. B.Becker schreibt:

    Ich selbst habe bis vor 15 Monaten in Trier studiert und arbeite nun in Berlin. Wenn ich Zeit habe verbringe ich immer mal verlängerte Wochenende in Trier.
    Die Veränderung der Ausgehsituation seit A 1 fiel mir frappierend auf. Selbst Silvester wirkte innerorts vieles leerer dank des neuen Unkulturzentrums in Trier West…
    Weiterhin fand und finde ich es absolut faszinierend, wieviel an großstätdischer Kultur die produktion in den vergangenen zwei Jahren in Trier etablierte.
    Viele Künstler, auch aus Berlin, junge Künstler , welche vorher gerade mal den Namen der ältesten Stadt kannten , schätzen die Arbeit und das Engangement von Kerstin Rubas und Peter Stablo sehr.
    Die Produktion gilt gleichermaßen als Sprungbrett für viele Nachwuchstalente, ähnlich der Scheinbar in Berlin.
    Selbstredend schweben sich selbst tragende Soziokulturzentren immer in kritischen finanziellen Sphären. Beipiele gibts derer viele in unsrerer Republik.
    Leider ist es oft so, daß in kleineren bzw mittleren Städten wie Trier Prophet/Innen einer jungen modernen Kultur nur bedingt wahrgenommen werdem.
    Das das A 1 bei dem gigatischen ländlichen Umfeld Triers einen großen Erfolg haben wuerde war leider abzusehen….

  7. augur schreibt:

    In Freiburg haben der Musikkeller “Crash“ und die Gaststätte „E-Werk“ immer Zuschüsse (Bewirtungskosten?) von der Stadt bekommen. In Zeiten knapper Kassen könnte das natürlich schwierig sein, aber ein Versuch mit einem Schreiben an die Fraktionen wäre ja eine Perspektive.

  8. Steiner schreibt:

    Ab und an mal ein Commedyslam oder dgl. ist für mich noch nicht das, was ein soziokulturelles Zentrum ausmacht. Es war doch von Anfang an offenkundig, dass hier lediglich “Kultur” angeboten wird, damit man den kommerziellen Partybetrieb unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit noch gewinnbringender veranstalten kann. Die meisten Menschen in Trier nehmen die Produktion doch als nichts anderes als eine kommerzielle Disco wahr, die mit ihren unzähligen geschmacklosen Plakaten á la “1€-Saufparty” und ähnlichem (“Niko-Party”, “80er-Party”,”90er-Party”, “Samstag-Nacht-Party” u.dgl.) das Stadtbild verschandelt. Demnach sollte es doch nicht verwundern, wenn durch eine weitere, spektakulärere, größer aufgezogene kommerzielle Disco das Publikum abwandert.

  9. Jörg schreibt:

    @ Steiner:
    Daß es da wenig Kultur gibt stimmt nicht!
    Du scheinst selbst noch nicht da drin gewesen zu sein. Es gibt in den Räumen sehr viel mehr als “ab und an mal einen Comedyslam”. Ich selbst habe meine Bilder schon im Lesecafé ausgestellt. Da sind dauernd Ausstellungen. Und es gibt auch noch den Poetryslam und Theaterstücke, außerdem Kooperationen mit dem Theater Trier und noch viel mehr. Besonders begeistert war ich von der Zusammenarbeit mit öffentlichen Behörden zu dem Thema “keine Ignoranz” – das wurde im Bericht oben angesprochen und es handelt sich dabei um den Versuch, jungen Menschen das Thema Zivilcourage näher zu bringen. Wenn das keine kulturelle Arbeit ist was denn dann? Und wenn ich das mal anmerken darf: Nirgendwo sonst in trier kann man so einfach und unkompliziert mit Kultur in Verbindung treten und wird gleichzeitig noch so nett behandelt!!! Glaub mir das habe ich schon alles erlebt…
    Wenn dieser Verein kommerzielle Absichten hätte würde die Stadt ihm doch sicher nicht gestatten das in ihren Räumlichkeiten zu betreiben – Das Vereinsrecht gibt da doch klare Vorgaben und keine bzw. nur minimale Gewinne sind erlaubt.
    Und daß da Werbung gemacht wird um Menschen in den Laden zu ziehen damit Vereinszwecke erfüllt werden können, ist denke ich, normal und legitim.
    Ich finds eher schad, daß der Verein sich anscheinend wirklich ganz allein um seine Kohle kümmern muß und dadurch nicht noch mehr gemeinnützige Sachen gemacht werden können!

    Jörg

    ps
    Klingt fast so, als wäre die Produktion Komkurrenz für dich…

  10. Johannes schreibt:

    Schade, dass eine altehrwürdige Trierer Institution wie das Palais – oder jetzt die Produktion – ums Überleben kämpfen muss!!! Was wäre das Trierer Nachtleben in der Vergangenheit ohne das Palais gewesen!?! Wer von uns, der in den 90ern und den frühen 00ern der Pubertät entsprungen ist, hat dort nicht schon tolle Stunden beim Partymachen verbracht!?! Auch daran sollten die Stadtoberen mal denken, wenn sie diese Großraum-Zappelbude im Westen der Stadt genehmigen und damit andere Läden – wie die Produktion – zum Tode verurteilen!!! Deshalb rufe ich die Trierer Jugend – und auch die nicht mehr ganz so junge Jugend wie meinereins – auf, bleibt Eurem alten Laden treu, trinkt ein Bier in der und auf die Produktion!!!

  11. Pille schreibt:

    Hallo Steiner!!! Sprichst bestimmt fließend Italienisch ;-p

  12. Klaus schreibt:

    Es wäre sehr schade, wenn zukünftig Veranstaltungen wie der Comedy Slam und der Poetry Slam nicht mehr stattfinden würden. Wenn’s hilft, wäre ich auch gerne bereit höhere Eintrittspreise zu bezahlen.

  13. Marcus schreibt:

    Kultur findet nicht nur auf Bühnen und Leinwänden statt … das haben außer einigen Kommentatoren eben auch die Betreiber wohl nie so richtig verstanden, sonst hätte man nicht nur versucht, “die Kultur” durch ein aus der untersten Schublade gekramtes Diskothekenprogramm zu subventionieren, sondern auch konsequenter Musikkulturen zu pflegen.

    Die für einen so großen Laden wie die Produktion ungemein schwierige Aufgabe, für den Diskothekenbetrieb eigene Formate zu kreieren und zu etablieren, die über die Beliebigkeit hiesiger Radiosender hinausgehen und dennoch wirtschaftlich arbeiten, wurde leider nicht erfüllt. Mitunter auch, weil man manch hinreichende Bedingung zu erfüllen ignoriert hat, um dem Publikum nachhallende kulturelle Erlebnisse jenseits von “Bühne und Leinwand” zu verschaffen.

    Da hilft auch das angemahnte Finanzcontrolling allein nicht. Konsequent angewandte Betriebswirtschaft findet man in der Form des Musikpark-Franchise A1.

    Sehr schade für die Trierer, die damit vielleicht bald noch einen weiteren Grund zu maulen haben, dass nix los sei, um nun noch konsequenter kulturelle Angebote zu ignorieren.

    Dass allerdings die Stadt in großem Stil einspringt, ist wirklich keine Option. Denn da dürften zurecht auch noch ganz andere die Hand aufhalten.

  14. Thomas schreibt:

    @Marcus:
    Deine “unterste Schublade” findest Du doch wohl eher im A1 oder im Forum!Aber über Musikgeschmack lässt sich ja bestens streiten…
    Weiß nicht, ob Du Kinder hast!?! Aber falls ja, würdest Du diese nicht lieber mit ruhigerem Gewissen in die Produktion lassen, wo man nicht an jeder Ecke Drogen und Pillen kaufen kann und man noch was vom Jugendschutz hält? Sowas spiegelt auch eine soziale Verantwortung wieder, die auch die Stadt berücksichtigen sollte.

  15. Marcus schreibt:

    @Thomas:
    Ich habe das leider nicht deutlich genug formuliert: Die Fremdveranstaltungen
    lasse ich aus der untersten Schubalde heraus, denn die haben mit ihren Nischenkulturen mitunter in der Produktion einen Platz zur Entfaltung gefunden, was der Produktion auch positiv anzurechnen ist.
    Bei den Eigenformaten regiert allerdings ein willenloser Stilmischmasch wie z.B. “dance classics, elektro, deutschhiphop, rock, minimal, indie” (von der Homepage). Inwieweit man sich damit vom A1 abhebt, kann ich nicht beurteilen, denn dort war ich noch nie (weshalb ich mich auch zu spekulativ klingenden Aussagen bzgl. “Drogenhölle” nicht äußern kann).

  16. Jojo schreibt:

    Kehrseite der Medaille:

    Als “sozio-kultureller Verein” hat meiner Meinung nach durch das Mismanagement und die verlogene Informationspolitik seitens der Produktion gegenüber ihrer Gläubigern ihre Daseinsberichtigung verloren. Die halbe Belegschaft wird vertöstet und mit falschen Versprechungen abgespeist, dabei stehen wohl irre beträge an Gehältern aus. Für Studenten soll der Verein sein? Naja, ausnutzen kann man sie, als ginge es bei dem “Verein” um Kultur. Es ist wohl eher eine Beschäftigungstherapie für einen gewissen Personenkreis, der auf das Geld denn aus anderen Veranstaltungen angewiesen ist und dabei das Vertrauen und die Gutmütigkeit der Mitarbeiter ausnutzt und mit Füßen tritt.

  17. Sabine T. schreibt:

    Ob der “Jojo” wohl am Nicht-mehr-Dasein der Produktion ein persönliches Interesse hat!?! Ob er vielleicht eine eigene kommerzielle Disco vertritt!?!
    Diese Verlogenheit lässt einem das Frühstück wieder hochkommen…

  18. Joachim Lohr schreibt:

    Tja, Sabine… Da liegst du wohl nicht so falsch! Was dieser “Jojo” da von sich gibt, ist ja wohl ziemlich eindeutig gekennzeichnet durch den Versuch, Dreck zu werfen! Möchte mal wissen, ob seine eigenen Hände denn so sauber sind wie er sich gibt!?!
    Der soll doch seinen richtigen Namen nennen, damit jeder weiß, was er damit bezweckt!!!

  19. Charly schreibt:

    Nur zur Information: Das Tönnchen wurde nicht erst Ende 1970, sondern schon 1966 gegründet. Der damalige Ort waren zwei der drei Gewölbekeller im zweiten Untergeschosses des Bürgervereins.

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