“Hier kann Mehdorn sein Meisterstück machen”
Auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster wird Bahnchef Hartmut Mehdorn am morgigen Freitag Trier besuchen. In einem Gastbeitrag für 16vor benennt der Verkehrswissenschaftler Professor Heiner Monheim die Defizite in der regionalen Infrastruktur und zeigt auf, was sich ändern müsste, damit in der Moselstadt und im Umland die Schiene wieder zum Zug kommt. Monheim verlangt eine “breit verankerte Flächenbahn” sowie einen grenzüberschreitenden Masterplan Schiene. Gerade in der Region Trier könne sich Mehdorn als “großer Europäer und Stratege” beweisen, ist der Professor überzeugt.
“Schön, dass sich der Bahnchef endlich mal in die Südwest- Ecke bewegt. Was mag er an Ideen, Projekten, Finanzplänen im Gepäck haben? Man muss befürchten, dass er uns keine schöne Bescherung mitbringt, trotz des gerade eben stattgefundenen Weihnachtsfests. Denn die Südwestecke hat bei der Bahn keine hohe Priorität. Jede Menge stillgelegte Strecken ringsum. Jede Menge runtergekommene Bahnhöfe auch längs der noch betriebenen Strecken. Oft mit einer ursprünglich bemerkenswert ambitionierten Architektur aus besseren Bahnzeiten, wie auf der Mosel- und der Eifelstrecke.
Mehdorns Ambitionen liegen woanders. Gern weiht er Hochgeschwindigkeitsstrecken ein – mit grandiosem Feuerwerk wie vorletztes Jahr beim Start der neuen TGV/ICE Verbindungen zwischen Frankfurt, Stuttgart und Paris. Gern weiht er seine Großprojekte wie den Berliner Hauptbahnhof ein. Gern engagiert er sich in den großen Zentren wie bei Stuttgart 21, wo der historische Hauptbahnhof für Unsummen bebuddelt werden soll. Gern träumt er von schnellen Güterzügen nach Russland und China. Dafür braucht er Geld und dafür wollte er partout an die Börse.
Das ist das Gegenteil einer breit verankerten Flächenbahn, die sich die Deutschen in ihrer Bahnblütezeit mal geleistet haben. Die damals sehr erfolgreich war, im Personen- wie im Güterverkehr. Auch und gerade in der Region Trier. Denn Trier war ein wichtiger Bahnknoten, hier kreuzten sich wichtige Bahnstrecken: ins Saarland, nach Metz über die Obermosel, nach Luxemburg, nach Köln durch die Eifel, nach Koblenz längs der Mosel (früher sogar beiderseits des Flusses) und in den Hunsrück durch das Ruwertal. Diese Bahn war regional verankert, wurde von der Wirtschaft ernst genommen – und von den Bürgern auch. Sie war der Stolz aller Politiker. Tempi passati! Heute klaffen große Lücken im Netz, gibt es viele Probleme mit der Bahn, ihrem Modernisierungsrückstau und ihrer europäischen Vernetzung. Hier im im Südwesten kann man exemplarisch besichtigen, was die chronischen Versäumnisse deutscher Bahnpolitik so alles angerichtet haben.
In den 1990er Jahren konnte man hoffen, die Durststrecke sei vorbei. Rheinland Pfalz war damals das fortschrittlichste deutsche Bahnland, mit vielen erfolgreichen Reaktivierungen, vorbildlichen Bahnhofsprogrammen, einem beachtlichen Rheinlandpfalz- Takt und einer Kommunikations- und Marketingoffensive. Neue S- Bahnzüge, Regionalbahnzüge und deutsche sowie luxemburgische Doppelstockzüge wurden angeschafft. Die meisten Nahverkehrszüge rund um Trier wurden intelligent durchgebunden und endeten nicht mehr im Knoten Trier. All das war ein Silberstreifen am Bahnhorizont. Dieser Schwung ist leider erlahmt, vor allem in unserer Region. Die weiteren dringend notwendigen Infrastrukturmaßnahmen, um die vielen Langsamfahrstellen (z.B. Konzer Brücke) zu beseitigen, die Engpässe mit langen Wartezeiten bei Zugbegegnungen abzubauen (z.B. Eifelstrecke), die maroden Schienenstrecken zu modernisieren (z.B. Eifelquerbahn zwischen Mayen und Gerolstein), die fehlenden Haltepunkte zu realisieren, wo die Züge vorbeifahren, obwohl dort neue Wohn- und Gewerbeflächen entstanden sind (in und rund um Trier 24 potentielle Standorte für neue Haltepunkte, wurden verzögert und gestrichen.
Die regionale Güterbahn ist tot
Im regionalen Güterverkehr hat sich die Güterbahn in Eifel und Hünsrück weitgehend verabschiedet, obwohl auf den Straßen jede Menge grenzüberschreitender regionaler LKW- Verkehr unterwegs ist. Das schert den Bahnchef wenig. Ihm ist die Verbindung nach Russland und China viel wichtiger, wo er mit viel Tam Tam dem transkontinentalen Schiffsverkehr über die Weltmeere Konkurrenz machen will. Und in Deutschland, in den Regionen, abseits der Hauptkorridore? Da soll alles über die Straße laufen?
Die Zeichen der Zeit erfordern ganz andere Schwerpunktsetzungen: Klimapolitik braucht eine Bahnoffensive, die vor allem lokal und regional verankert ist. Und eine solche Investitionsoffensive pro Bahn hilft auch der Konjunkturpolitik. Viele kleine Projekte sind wesentlich arbeitsmarktwirksamer als ein paar Großprojekte. Und sie helfen der Verkehrsentwicklung viel besser. Denn im Verkehr dominieren die kurzen und mittleren Entfernungen. Genau die ignoriert der Bahnvorstand mit vielen seiner Entscheidungen. Da machen ihm die kleinen Regionalbahnen vor, wie man offensiv die Märkte beackert. Aber denen fehlt die Basis, neue Netze und Bahnhöfe zu bauen, das Netz ist eben immer noch vor allem das Netz der DB, die aus ihrem Netz viel zu wenig macht.
Jetzt, nachdem die Börsenpläne auf Eis liegen (hoffentlich für immer), muss sich der Konzern strategisch neu ausrichten. Und dazu braucht es eine verkehrspolitische Debatte über die Zukunft der Bahn. Generell und natürlich auch in unserer Großregion.
Leider hat die Region in Form ihrer Parlamentarier sich in der Vergangenheit nicht wirklich konsequent für die Schiene engagiert. Viel zu viele Bürgermeister und Landräte haben vor allem die Straße im Sinn, kämpfen viel engagierter für neue Autobahnen und Bundesstraßen, gigantische Straßenbrücken (z.B. Hochmoselübergang, Igelaufstieg) und immer neue Ortsumgehungen. Unsere “Akzeptanzstudie” aus dem Jahr 2004 (Monheim, Schroll: Akzeptanz innovativer ÖPNV Konzepte bei politischen Akteuren, Trier, 2005) hat erschreckende Ergebnisse gebracht. Die Mehrheit der im Verkehr politisch verantwortlichen Akteure misstraut dem öffentlichen Verkehr und der Bahn, hat sie längst abgeschrieben. Im Ruwertal musste eine touristisch und für den Güterverkehr sehr entwicklungsfähige alte Bahnstrecke weichen, weil die Bahnübergänge die autofixierten Politiker störten. Jetzt wurde daraus ein Radweg, der auch leicht neben die Bahn gepasst hätte. Das gleiche Problem in Prüm. Viele Bahnstillegungen waren eben auch politisch gewollt. In Trier hat der Stadtrat lange die Umsetzung des seit 1984 vorliegenden Regionalbahnkonzepts mit den 24 neuen Haltepunkten blockiert. Alles keine kommunalen und regionalen Ruhmestaten zur Förderung der Schiene.
So entsteht ein Teufelskreis: Mehdorn und seine Vorstände ignorieren (abgesehen von einigen respektablen Vorzeigebeispielen) die riesige Bedeutung der regionalen Personen- und Güterbahnpotentiale, machen der privaten Schienenkonkurrenz das Leben schwer, konzentrieren sich auf die Ballungsräume und Hauptkorridore. Und die Politik hat die Bahn sowieso abgeschrieben. So baden es dann die Fahrgäste aus, viele wechseln frustriert zur Straße und dann wird nach weiterem Straßenausbau geschrieen.
Ein Masterplan Schiene Saar-Lor- Lux fehlt
Wenn es doch endlich einen offensiven Masterplan Schiene gäbe, als grenzüberschreitendes Konzept für die europäische Saar-Lor- Lux- Region, mit mindestens vier S- Bahnnetzen für die Oberzentren, ca. 30 Regionalbahnnetzen für die Mittelszentren, einem Städteschnellverkehr zwischen den Oberzentren und einem Integralen Taktfahrplan, der optimale Anschlüsse in den Zentren sicherstellt. Was hilft die Hochgeschwindigkeit, wenn im restlichen Netz alle Zeit der Welt verbummelt wird? In der klima- und verkehrspolitischen Großwetterlage wäre eine Bahnoffensive dringend erforderlich, auf die sich Herr Mehdorn und die zuständigen Politiker verständigen, mit vielen kleinen Projekten und mehr Tempo bei der Umsetzung, also nicht wie bei dem leidigen Dauerbrenner Konzer Brücke, von dem zum x-ten mal behauptet wird, nun gehe es aber wirklich los mit der Engpassbeseitigung. Wann wird die direkte, schnelle Verbindung nach Metz auf der Obermosel im Regelbetrieb mit Taktverkehr befahren (im Obermoseltunnel wird gerade ein neuer künstlicher Engpass geplant, weil man nicht beide Gleise modernisieren will)? Wann wird die Netzlücke zwischen Saarstrecke und Luxemburg geschlossen? Wann wird ein angemessen attraktiver Euro- Taktverkehr zwischen den vier Oberzentren eingeführt? Wann werden die nötigen grenzüberschreitenden Saar- Lor- Lux- Buslinien als System entwickelt, mit einem richtigen Paukenschlag und nicht wie bisher mal hier ein bisschen und da ein bisschen?
In früheren Zeiten mussten Schüler, die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten, nachsitzen. Muss auch Mehdorn nachsitzen? Zusammen mit den vielen Bürgermeistern und Landräten, die alle sowieso nicht mehr an die Schiene glauben, jedenfalls nicht an die regionale Schiene? Hier in der Region kann der Bahnchef sein Meisterstück machen, hier kann er sich als großer Europäer und Stratege beweisen, mit einem beispielhaften Programmpaket, das exemplarisch zeigt, was man in allen deutschen Euregios und auch in allen anderen deutschen Regionen tun müsste, damit die Bahnen (also die vielen nicht bundeseigenen Bahnen mit eingeschlossen) gemeinsam helfen, aus der Klimakatastrophe und der Peak Oil Problematik gut rauszukommen: mit einer attraktiven Flächenbahn.”
Mehr zum Thema Zukunft der Bahn: Monheim + Nagorni (2004): Die Zukunft der Bahn zwischen Bürgernähe und Börsengang. Karlsruhe (12.50 €) oder Monheim (2008): Die Rolle von Großprojekten in der Verkehrspolitik sowie Monheim (2008): Innovationen für ein effizientes Verkehrssystem, beide in: Monheim + Zöpel: Raum für Zukunft. Zur Innovationsfähigkeit von Stadtentwicklungs- und Verkehrspolitik. Essen (25.00€), beide bestellbar bei Raumentwicklung, Uni Trier, Fax. 06512013982, Tel. 06512014551. Die im Beitrag erwähnte Akzeptanzstudie kann ebenfalls zum Preis von 45 € dort bestellt werden.
von 16vor





8. Januar 2009 (17:26 Uhr)
Sehr engagiert. Ich kann allem nur zustimmen.
8. Januar 2009 (17:41 Uhr)
Der Beitrag von Professor Monheim reizt zu vielen Kommentaren, denn er spannt einen weiten Bogen.
In vielem kann man ihm nur zustimmen. Andererseits muss man sich fragen, wie man den Steuerzahler und die Steuerzahlerin überzeugt, den auch bei einem erfolgreichen notwendigen Betriebskostenzuschuss zu finanzieren. Denn bislang ist nicht nachgewiesen, dass eine attraktive Flächenbahn kostendeckend fahren wird.
Auch in Trier kann man leicht die erforderlichen Zuschüsse zum Bau eines Regionalbahnhaltepunkts gegen die Erneuerung von Straßen, Schulen, Kindergärten usw. ausspielen.
Was hingegen die Forderungen nach einer Verbesserungen der Verkehre im SaarLorLux-Raum angeht, so scheint bei diesem Beitrag doch eine sehr abstrakte, von den tatsächlichen verkehrlichen Bedürfnissen losgelöste Sicht durch.
Besteht etwa wirklich ein Bedürfnis nach einem Taktfahrplan zwischen Trier und Metz entlang der Obermosel? Denkt Prof. Monheim nicht zu sehr auf der Basis einer Landkarte und weniger auf der Grundlage von bestehenden Verkehrsströmen und realistischerweise zu erwartenenden Verkehrsströmen?
Ist auf der Eifelquerbahn wirklich genug Aufkommen zu erwarten, um einen stündlichen Bahnbetrieb halbwegs zu rechtfertigen?
Dasselbe gilt für seine Forderung nach grenzüberschreitenden SaarLorLux-Buslinien. Wer sich einmal zwischen 16 und 18 Uhr am Luxemburger Kirchberg an eine Bushaltestelle stellt, wird überrascht sein, welche Orte auf deutscher Seite mit einem direkten Bus verbunden sind. Das sind geradezu traumhafte Verhältnisse, die man so in Deutschland kaum findet. Hier hätte der Beitrag etwas mehr an der Realität entlang geschrieben werden können. Er ist – der Ausdruck ist zwar ausgelutscht, aber passt es m.E. – sehr aus einem Elfenbeinturm geschrieben. Denn auch bezgl. von Busverkehren in SaarLorLux gilt: Es muss ein verkehrlicher Bedarf vorliegen.
Gewiss kann man hier und da noch etwas verbessern, den Takt verdichten etc. Insgesamt stellt sich das Busangebot doch ganz zufriedenstellend dar. Selbstredend gilt das nicht für das Bahnangebot.
Und ob der direkte Bus vom Luxemburger Hbf. nach Saarbrücken wirklich durch RE-Verbindungen, die unter Umgehung von Trier von Wasserbillig über Konz direkt ins Saarland fahren, ersetzt werden sollte, wie manche sich vorstellen, das sollte klug überlegt werden.
Gewiss gibt es eine Menge zu tun, und Lokalpolitiker entlang der Hunsrückstrecke von Hermeskeil nach Morbach sind zu loben, dass sie sich derart für die Strecke einsetzen, selbst wenn der zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete sie zum Gegenteil ermahnt.
Bei der Ruwertalbahn war das leider nicht möglich. Genausowenig übrigens bei der Verbindung von Wittlich-Wengerohr (sogenannter ‘Hauptbahnhof’) zur Stadt Wittlich, die eine fabelhafte Verlängerung der Regionalbahn von Trier erlaubt hätte.
8. Januar 2009 (22:38 Uhr)
Wir haben in Diplomarbeiten die Pendlerverflechtungen in der Großregion (incl. Einkaufs- und Freizeitverkehre) untersuchen lassen, da sind beachtlich mehr Potenziale für den ÖV. Und die werden wachsen, wenn der nächste Ölpreisschub kommt, die PKW- Maut europaweit eingeführt wird und wir CO2 Abgaben zahlen müssen. Die Zeiten des billigen Autoverkehrs gehen zu Ende. Da muß dann jeder froh sein, wenn es einen funktionierenden ÖV in den Regionen gibt. Der Umweg von der Saarstrecke über Trier (erst rein, umsteigen, dann wieder raus) macht diese Verbindung auf der Schiene nicht gerade attraktiv. Anderswo schmeißen wir bei der Hochgeschwindigkeit Milliarden für Minuten zum Fenster raus. Und wo ein paar Streckenergänzungen (“Abkürzungen”) und gute Anschlußsicherung dagegen viel großere Zeiten einsparen würden, da macht man die Augen zu. Etwa bei der Verbindung zwischen den beiden Oberzentren Aachen und Trier, die extrem umwegig und langsam ist, nur weil es bei Kall (nach Heimbach zur Ruhrtalstrecke) bzw. Euskirchen (mit der Bördebahn nach Düren) zwei ärgerliche Netzlücken gibt. dafür muß man dann mit dem Zug ca. 150 km Umweg fahren. Aber die Autobahn muß partout auf kürzstem Wege ausgebaut werden.
Es bleibt dabei, wir brauchen eine neue Verkehrspolitik, die regional verankert ist und der Prof. Monheim hat immerhin ein paar Hundert Projekte in seiner Ministerienzeit in NRW umgesetzt, als ambitionierter Praktiker (z.B. die Bahn Kaarst- Mettman, die City- Bahn Köln- Gummersbach, die Ruhrtalbahn und die Stolberger und Eschweiler Talbahn oder die Ostwestfalenbahn und viele innovative Stadtbusnetze, die alle sehr erfolgreich sind. Ich würde hier in der Region gern auch was umsetzen, aber da haben wir eine Menge Politiker und Administratoren, die sich mit dem bescheidenen Status quo abgefunden haben.
Das muß man immer wieder anmahnen und hohe Ziele setzen, damit was in Bewegung kommt. Der VRT hat ja auch gut 25 Jahre gebraucht, weil in unserer Region der Fortschritt im ÖPNV eine Schnecke ist.
Schade
Heiner Monheim
9. Januar 2009 (12:30 Uhr)
“Unsere “Akzeptanzstudie” aus dem Jahr 2004 (Monheim, Schroll: Akzeptanz innovativer ÖPNV Konzepte bei politischen Akteuren, Trier, 2005) hat erschreckende Ergebnisse gebracht.”
Damit ist im Bezug auf Trier eigentlich (fast) alles gesagt. Wer keine Hilfe WILL, dem ist auch nicht zu helfen.
Ein – zumindest in der Region – sehr stark mitentscheidender Gesichtspunkt wäre den ansonsten ja recht umfangreichen obenstehenden Ausführungen wohl (leider) noch hinzuzufügen: Das rückständige Statusdenken in Sachen Automobil. Das wird hier wohl sehr schwer aus den Köpfen heraus zu bekommen sein und noch lange Zeit vernünftigen verkehrspolitischen Entscheidungen im Wege stehen.
9. Januar 2009 (20:05 Uhr)
Statutsdenken? Tja nicht verwundertlich, dass heute vor der IHK auffällig große Autos mit Berlinern und Mainzern Kennzeichen gesichtet wurden ;-/
10. Januar 2009 (15:41 Uhr)
Ein Graffiti an einem heruntergekommenen, ehemals prächtigen Bahnhofsgebäude in der schwäbischen Provinz, gesehen vor etwa 2 Jahren:
“Wir Schwabbacher* fordern die sofortige standrechtliche Erschießung Mehdorns!”
Da war wohl jemand wirklich sauer…
*Ortsname erfunden, wie das Dorf wirklich heißt, ist mir entfallen.
13. Januar 2009 (18:55 Uhr)
@ Stephan Jäger:
Wie komme ich wohl an die von Ihnen genannte Studie?
19. Januar 2009 (00:39 Uhr)
Malte Beyer scheint etwas übervorsichtig, was den Kostenaufwand für den ÖV angeht. Man muß ja nur einen kleinen Prozentsatz des Autoverkehrs auf die Schiene verlagern, um eine Bahnlinie mit ausreichend Fahrgästen zu füllen. Strecken wie die nach Metz werden für den Güterverkehr ohnehin vorgehalten; warum nicht den stündlichen Nahverkehrszug nach Perl bis Metz durchbinden?
Im Trierer Raum herrschen sicher extrem verzogene Vorstellungen von der (Un-)Rentabilität des ÖV. Man muß nur über die Grenze nach Luxemburg schauen, das ja in Siedlungsstruktur und Bevölkerungsdichte der Eifel sehr ähnlich ist: Trotzdem ist man dort für wenig Fahrgeld mit Bahn und Bus mobil, und auch andere Infrastruktur – von öffentlichen Toiletten über Lebensmittelgeschäfte und Postämter bis hin zu Dorfbüchereien – gehören in Luxemburg zur Grundversorgung der Bevölkerung.
Im übrigen darf man nicht nur beim ÖV über die Kosten sprechen und gleichzeitig zig- und hundertfach höhere Ausgaben für den Bau von Autobahnen für selbstverständlich nehmen!
Schön wäre es, wenn man auch in der Eifel und im Hunsrück wahrzunehmen begänne, daß die Jahrzehnte des billigen Benzins und ungebremsten Autowahns ihrem Ende zugehen, und daß man für jedes bißchen Eisenbahn-Infrastruktur, das dem Zerstörungswahn entgangen ist, dankbar sein wird. Die Trierer werden sich eines Tages am Kopfe kratzen und fragen, warum sie eigentlich die halbe Stadt abgerissen und mit Parkhäusern zugebaut und ihr einst schönes Umland zubetoniert haben.