Spätstart verärgert Studierende
Seit heute verkehren wieder die Uni-Linien “13″ und “16″ zwischen der Talstadt und der Tarforster Höhe. Drei Tage zu spät, finden viele Hochschüler, begannen die Lehrveranstaltungen doch bereits am vergangenen Montag. Nun wettert der Allgemeine Studierenden Ausschuss (AStA) gegen die Stadtwerke: diese seien ihren vertraglichen Verpflichtungen im Rahmen des Semestertickets nicht nachgekommen.
TRIER. Die Verwirrung war groß, verkünden doch die Busfahrpläne, dass die Uni-Linien während der Vorlesungszeit der Universität verkehren. Die Lehrveranstaltungen begannen am Montag, doch beim Warten auf die “13″ oder “16″ standen sich viele Hochschüler die Beine in den Bauch. Der Grund: Die Busse verkehrten bis gestern nicht, das Warten war also vergebens. Erst mit dem heutigen Tag, an dem auch der Schulunterricht wieder beginnt, sind die Uni-Linien wieder unterwegs.
Der verspätete Start beruhte offenbar auf einer Fehlinformation: Bei den SWT-Verkehrsbetrieben war man davon ausgegangen, dass die vorlesungsfreie Zeit an der Universität zeitgleich mit den Schulferien enden würde. Bis zum heutigen 8. Januar sollte der Bedarf von der Talstadt auf die Tarforster Höhe mit den Linien 6 über Olewig und 3 sowie 83 über Kürenz gedeckt werden. Doch das reichte angesichts mehrerer Tausend Studierender nicht aus. Er habe mit einer Gruppe von rund 30 Kommilitonen zu Fuß zur Uni gehen müssen, nachdem gleich zwei Busse der Linie 6, die im 20-Minuten-Takt verkehrt, wegen Überfüllung an ihm vorbeigefahren seien, berichtet Florian Krause.
Krause, Sprecher des AStA der Universität, ist nicht gut zu sprechen auf die Stadtwerke. Denn auf Nachfrage habe ein Mitarbeiter des Unternehmens ihm mitgeteilt, dass die Panne auf eine Fehlinformation durch den Studierendenausschuss zurückgeht beziehungsweise das falsche Datum des Vorlesungsbeginns aus dem Internet entnommen worden sei. “Diese Erklärung ist mehr als verwunderlich, da der AStA gar nicht der Vertragspartner der Stadtwerke für das Busangebot/Semesterticket ist und deshalb auch äußerst ärgerlich, weil sie den Ruf des AStA bei den Studierenden grundlos beschädigt”, kritisiert Krause und kontert: “Der Fehler liegt in dieser Sache klar in der Informationsbeschaffung der Stadtwerke!” Die hätten nun “eine Woche nicht die volle Leistung erbracht (…). Wie soll nun Ausgleich geschaffen werden für die ja über die im Vertrag des Semestertickets zugesicherten Busfahrten?, fragt Krause.
Semesterticket bringt 3,3 Millionen Euro jährlich
Für das Kalenderjahr 2008 flossen exakt 3.316.932 Euro als Semesterticketvergütung an die Stadtwerke. Vertragspartner der Verkehrsbetriebe ist das Studierendenwerk. Dessen Geschäftsführer Andreas Wagner zeigte sich am Mittwoch gegenüber 16vor ebenfalls “wenig erfreut” über die Panne, von der die Verkehrsbetriebe indes schon seit dem 18. Dezember gewusst hätten. Seinerzeit habe man die SWT über den Fehler informiert. Wagner zeigte Verständnis für die Verärgerung vieler Studierender, gab aber zugleich zu bedenken, dass die Verkehrsbetriebe gerade in den vergangenen Monaten zahlreiche Anstrengungen unternommen hätten, um durch Zusatzbusse den gestiegenen Bedarf zwischen Campus und Talstadt zu decken. Dass die SWT hierfür kein zusätzliches Geld vom Studierendenwerk beziehungsweise den Studierenden verlangten, dürfe nicht vergessen werden, so Wagner.
Bei den Stadtwerken hielt man sich gestern auf Anfrage bedeckt. Eine Sprecherin des Unternehmens bat zwar darum, “den Vorfall zu entschuldigen”, doch zugleich fügte sie hinzu: “Wir haben aus dem Vorfall Konsequenzen für die Zusammenarbeit mit sämtlichen Ansprechpartnern an der Universität gezogen”. Welche das sein sollen, ließ sie offen. Zudem verwies sie darauf, dass die Verkehrsbetriebe seit Montag “ganztägig auf den Linien3, 6 und 86 Verstärkungsbusse eingesetzt” haben. An Vorlesungstagen verkehren stündlich bis zu 22 Busse zwischen Uni und City. Zudem werden zur Deckung von Nachfragespitzen fast 20 Zusatzwagen täglich eingesetzt. Dennoch wird es in den Stadtbussen oft eng, obwohl noch immer Hunderte Studierende trotz des Semestertickets für ihren Weg zur Uni das Auto nutzen.
Eine nennenswerte Verbesserung der Situation in den Bussen sowie auf den Straßen in Olewig und Kürenz brächte wohl nur ein für Trier neuartiges Verkehrsmittel wie der seit vielen Jahren diskutierte Spurbus. Um das Projekt ist es in den vergangenen Jahren ruhig geworden. Dennoch stellte Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani (CDU) am Mittwoch gegenüber 16vor erneut klar, dass sie eine Spurbus-Lösung im Grundsatz befürworte. Der so genannte Petrisberg-Aufstieg sei “eine der wichtigsten Maßnahmen in der Verkehrsinfrastruktur, die wird in den nächsten Jahren angehen sollten”.
Zum Thema Anbindung der Tarforster Höhe an die Talstadt:
“Der Spurbus ist ohne Alternative” und Bodenlos zum Petrisberg?
von Marcus Stölb



8. Januar 2009 (03:01 Uhr)
“… gab aber zugleich zu bedenken, dass die Verkehrsbetriebe gerade in den vergangenen Monaten zahlreiche Anstrengungen unternommen hätten, um durch Zusatzbusse den gestiegenen Bedarf zwischen Campus und Talstadt zu decken. Dass die SWT hierfür kein zusätzliches Geld vom Studierendenwerk beziehungsweise den Studierenden verlangten, dürfe nicht vergessen werden, so Wagner.”
Wieso auch sollte dafür zusätzliches Geld verlangt werden? Es stellt sich eher die Frage wieso ohne Zusatzbusse der Verkehrsfluss nicht ausreichend gedeckelt werden kann. Das ist doch eher ein Manko als ein netter Zug. Jeder Student mehr bringt den SWT auch mehr Einnahmen, sorgt aber natürlich auf für mehr Transportlast. “Last” ist wohl leider auch das Attribut das man hier in der Stadt Studenten zuordnet. Schade.
Die Idee mehr dem Spurbus mag ja nett sein, aber bis es zu einer Umsetzung kommen könnte wird es noch einige Oberbürgermeisterwahlen geben.
Wieso kann man in Koblenz für eine Bundesgartenschau mal schnell eine urbane Seilbahn bauen und nach dem Gartenfestival einfach wieder abbauen währenddessen hier in Trier, wo solche ein Verkehrsmittel sogar langfristig eingesetzt werden soll das alles angeblich zu teuer ist und überhaupt?
Ich bin irgendwie froh, dass ich kein (lästiger) Student mehr bin. Und auch nicht in Trier “aufm Berg” studieren musste. Wohne zwar selbst auf dem Petrisberg, aber wenn ich morgens zur Arbeit fahre ist da noch keine Peakhour und wenn ich abends von der Arbeit aus Luxembourg zurück komme ist die schon vorbei.
Dennoch finde ich dieses Gezetere hier einfach nur peinlich. Zur Zeit habe ich Urlaub und wollte als NormaloBürger auch mal mit dem Bus nach Hause fahren. Keine Chance mit Einkaufstüten einzusteigen. Ich nahm ein Taxi. Dies verdeutlicht wohl leider die Krux hier in unserer Stadt. Schade.
8. Januar 2009 (09:34 Uhr)
“…die Panne, von der die Verkehrsbetriebe indes schon seit dem 18. Dezember gewusst hätten.”
Ach? Die SWT will den Fehler dem Asta in die Schuhe schieben, na klar, eigene Dummheit zuzugeben fällt nunmal schwer. Der eigentliche Vertragspartner, das Studierendenwerk, sagt aber, der Fehler sei seit drei Wochen zu beheben gewesen. Was wurde daraufhin denn gemacht? Flexibel im Sinne der fast 20.000 (!!!) über eine Zwangsabgabe gut zahlenden Kunden gehandelt? Nein. Eine Kürzung der Gelder wegen Nichterfüllung der vertraglichen Leistungen wäre da nur konsequent. Da riecht es schon nach Klüngelei und Filz, wenn das Studierendenwerk darauf verzichtet.
Viele Studierende sehen, gerade aufgrund des grundsätzlich schlechten Service der SWT (Freundlichkeit, Sauberkeit, etc) und der vergleichsweise dürftigen über Trier hinausgehenden ÖPNV-Anbindungen, das Semesterticket sehr kritisch. Alle Studierende müssen zahlen, beinahe ein Fünftel der Trierer Einwohner. Das Angebot wird aber nicht entsprechend auf diesen Kundenschwerpunkt ausgerichtet, vom Service für und der Anerkennung der Bedeutung der Studierenden für den Bereich Verkehr der SWT mal ganz abgesehen.
Wann schafft es die SWT aus dieser langen Reihe der schlechten Nachrichten auszubrechen – oder ist meine Hoffnung doch zu naiv?
8. Januar 2009 (11:52 Uhr)
Die Stadtwerke betonen es doch in ihrer Werbung, die sie in den Bussen aushängen:
“Wir verbinden Menschen und Orte.”
Und meinen damit wohl das tägliche Gruppenkuscheln auf dem Weg zur Uni…
8. Januar 2009 (16:15 Uhr)
so ist es nunmal…
Es ist generell schon eine Absurde sache, den Linienbus 16 als “Studentenbus” zu schimpfen… denn wenn Semesterferien sind, kommt man vom Trimmelter Berg/Hof nur noch alle 20 Minuten in die Stadt. Das ist keinesfalls zeitgemäß.
Und noch was:
Was sollen denn die Studenten sagen, welche auf dem Schneidershof studieren… Dort fahren die Stadtwerke hinter einem, Entschuldigung für den Ausdruck, “Bauernbuss” hinterher. Natürlich muss der Busfahrer des Landbusses (Trierweiler/Sirzenich) die Studenten immer wieder “anbrüllen”, sie sollen doch bitte mit dem SWT-Bus fahren… Klar, Leute, die im Industriegebiet Sirzenich arbeiten, wollen auch dort hin…
Aber wieso fährt dann für um 8 Uhr ein Bus an die FH (SWT) aber im Laufe des Morgens ist tote Hose…
Die SWT hat so viele Freunde…
Nur weiter so…
8. Januar 2009 (18:05 Uhr)
In der letzten Semesterwoche im Jahr 2007 wollte ich mit dem ASTA-Nachtbus nachhause fahren vom Tarforster Plateau! Laut Fahrplan sollte dieser vom ASTA in Auftrag gegebene Bus auch fahren. Tat er aber nicht, weil der ASTA es verpennt hatte, Vorlesungszeit und Weihnachtsferien auf dem Fahrplan ordentlich zu unterscheiden!
Mein Geld, welches ich für das TAxi blechen musste habe ich bis heute nicht gesehen!
Also nicht immer nur den Fehler bei anderen suchen und es totdiskutieren, denn man macht selber auch welche!
12. Januar 2009 (10:27 Uhr)
Stimmt, der AStA macht auch Fehler. Es ist aber ein Unterschied, ob eine Organisation, die von meistens Anfang 20jährigen, ehrenamtlich engagierten und häufig völlig überarbeiteten jungen Menschen geführt wird, diese begeht, oder ein Verkehrsunternehmen, deren Mitarbeiter Stundenlöhne haben, von denen AStA Mitglieder nicht mal träumen und die einfach professionell arbeiten sollten.
20. Januar 2009 (15:04 Uhr)
Für mich ist dies unter anderem eine weiter Episode in der Diskussion um die Aktzeptanz der Studenten in der Stadt Trier allgemein. Aber besonders bei der Geschäftsführung des SWT sowie deren Mitarbeiter (hier meine ich vor allem einige der Busfahrer) scheinen die Prioritäten, wie schon in den Beiträgen zuvor beschrieben, ganz woanders zu liegen als eine dauerhaft zufriedenstellende Dienstleistung für die gezahlten Beträge zu erbringen.
Im Klartext: mir ist es persönlich schon oft genug passiert, dass ich vor allem in meiner Rolle als Student “wie der letzte Dreck behandelt wurde” – und da ging es wohl nicht nur mir so.
Einige Beispiele:
- während im hinteren Teil des Buses, wie so oft, pöbelnde und unverschämt laute Jugendliche diverse Flaschen an Alkohohl bei sich haben und auch konsumieren, wird man selbst, recht weit vorne sitzend, angeblafft, weil man an seiner Sprudelflasche nippt…
- nicht nur, dass die wenigsten (oder sagen wir mal: viele) Fahrer warten, wenn man von hinten angelaufen kommt um den Bus zu erwischen (unter dem Argument, man müsse ja auch den Fahrplan anhalten, könnte ich dies zur Not ja auch noch verstehen – komisch nur, dass es in anderen Städten und auch im Ausland oft anders aussieht). Nein, in den letzten Monat habe ich dabei einmal erlebt, dass mir ein Fahrer den Vogel zeigte, als er losfuhr. Ein anderesmal wurde mir die Tür vor der Nase zu gemacht und ein “Scheiß Studenten” entgegen geraunzt!
- letzte Woche dann der letzte Vorfall und schließlich auch auslösend für diesen Beitrag: gerade aus einem Laden kommend sehe ich meinen Bus anhalten. Ich sprinte hin, steige ein und suche meine Tunika. Als ich sie in den ersten 5 Sekunden nicht gefunden hatte, wurde mir in einer höchst arroganten und belehrenden Art und Weise mitgeteilt, ich solle doch gefälligst die Karte suchen BEVOR ich in den Bus einsteige. Auf meine Entgegnung, dass mir das nicht möglich war da ich gerade aus dem Laden kam (wobei ich wette dass der Fahrer das auch gesehen hatte), meinte der Busfahrer nur: “Dat is egal, dann wartet man halt auf den nächsten Bus!” Auf diese Frechheit hin bin ich dann ausgestiegen und mich umgehend in die Geschäftstelle Treviris beschweren gegangen – wobei man mich recht anteilnahmslos anhörte und dann sagte: “Wird weitergeleitet”.
Was ich damit vermitteln will ist einfach die Tatsache, dass ich mich als Student vor allem in der Frage um die Bussituation ja schon fast diskriminiert sehen muss. Dass man dann, wie dem Bericht vorher zu entnehmen, die Schuld dann auch noch auf den AStA lenkt, passt doch wie die Faust aufs Auge.
Ich weiß, es ist ein Totschlagargument, aber manchmal würde ich den diversen Sprüchen gerne nur entgegnen: “Stellt Sie sich mal vor, es gäbe KEINE Studenten die 3.316.932 Euro pro Jahr an das SWT zahlen würden…wo wären Sie dann?”