Liebes Dschungelcamp,

nein, du machst es einem wirklich nicht leicht, dich nicht zu mögen. Platt wie eine Flunder, immer haarscharf unter der Gürtellinie und immer mit einer menschenverachtenden Lebensschadenfreude, dass es jeden Gutmenschen vor Wut an die Decke treibt: Das muss man schon aus reiner Renitenz irgendwie klasse finden.

Michael KernbachLeider reicht das alleine nicht wirklich, um dieses primitive Pleitepromidinner zu einer subversiven Gesellschaftskritik umzudeuteln, wie es von der Querdenk-Guerilla von FR bis Spiegel online jährlich in bester Regelmäßigkeit versucht wird.

Das liegt vor allem an dem, was einem im Dschungelcamp so serviert wird: Vogel-Penisstückchen, Tierhoden, ein paar Maden – also ehrlich, wer so was eklig findet, der hält Hausmacher Leberwurst wohl für zu Creme geschlagene Schweinefiletspitzen und sollte seinem Stamm-Chinesen nicht unbedingt bei der Arbeit zuschauen.

Aber selbst die dagegen eher keimfrei wirkende australische Würmerkost würde ihren voyeuristischen Dienst tun, wenn man nur die richtigen Leute auf das Grün bekäme. Würde Roland Koch versus Schäfer-Gümbel im Dreck fressen antreten, Uli Hoeneß und Angela Merkel die Campeltern geben, Sarah Connor und Barbara Schöneberger sich als Urwaldziegen die Augen auskratzen, und man jeden Tag Stefan Raab oder Josef Ackermann für eine Prüfung wählen können, ich glaube, das wäre das endgültige TV-Nirvana. Niemand schaute jemals wieder irgendeinen anderen Käse im Fernsehen an.

Leider haben unsere Spitzenleute aus Politik und Gesellschaft nicht das ausreichende Niveau, sich auf so ein Niveau herabzulassen, weshalb wir armen Bürger mit Typen wie dem Ex-Eisläufer Norbert Who?, der Tochter von Ralph Siegel (der himself schon nur eine B-Besetzung wäre) und einem Mann unsere Zeit verbringen, der nur deshalb mitmachen darf, weil sein Nachname Schwanz ist.

Also ehrlich: Das muss doch keiner sehen. Wenn jemand es braucht, sich am Elend ihm völlig unbekannter Menschen zu ergötzen, kann er doch in einem Übernachtungsheim eine Webcam einbauen. Oder in einer Arche zu Mittag essen. Weil das aber politisch wieder total unkorrekt wäre, führt das dazu , dass nun eine Schauspielerattrappe wie Günther Kaufmann, damit er in Zukunft nicht in der Arche essen muss, im Fernsehen freiwillig gegen Geld Sachen isst, die ihm in der Arche so niemand zumuten würde. Verstehe einer diese Welt!

WerbungIrgendwie jedenfalls ist dieses spannende Konzept ohne echte VIPs ein Griff ins Plumpsklo. Wenn aber die Akquise von A-Promis auf Bundesebene so schwierig ist, lässt sich der Spaß doch auch bestimmt auf ein regionales Format herunterbrechen. Für das unterhaltungsorientierte Lokalfernsehen wäre ein “Dschungelcamp – Das Örtliche” doch durchaus ein hitquotenverdächtiger Hyperhammer!

“Ich bin ein Fupp – holt mich hier raus!”, biete ich mal so als Arbeitstitel. Und das Basiscamp, das schlagen wir in der Pellinger Grillhütte auf. Unsere zehn Promis lassen wir per Internet-Voting auswählen, ein paar mögliche Kandidaten hier schon mal frei Haus: Paul Linz, Helmut Schroer, Ronald Frank, Christian Jöricke, Manfred Maximini, dazu in ihrer gewohnten Rolle als reine Quotenfrau Simone Kaes-Torchiani. Die Liste ist nach eigenem Geschmack erweiterbar. Die Moderation übernimmt Dieter Lintz, der alleine locker Dirk Bach und Sonja Zietlow aufwiegt.

Im Vergleich zum RTL-Camp gibt es bei FUPP-TV folgende Änderungen: Statt Reis mit Bohnen besteht die tägliche Basismahlzeit aus Viez und Krumpernschnietscher. Und UNSERE Prüfungen sind an wahrer Ekligkeit durch nichts zu überbieten. In der “Speisekammer des Schreckens” warten zehn kalte Wurstklopse vom “Drei-Finger-Joe” – mit Soße, ohne Brötchen. In der “Bar des Erbrechens” servieren Schrottis aus dem “Luxemburger Eck” handwarme, abgestandene Karlsberg-Pils (0,5 l), die dann auf ex gekippt werden müssen. Und bei der Schatzsuche müssen unsere Probanden versuchen, beim AH-Training des TuS Pellingen dessen Stubbivorrat  zu klauen.

Vielleicht wäre so was ja auch mal ein echtes Tool für einen spannenden Kommunalwahlkampf. Besser lernen wir unsere Bürgervertreter doch nicht mehr kennen als ungewaschen im Fernsehsommercamp. Da kriegen Begriffe wie “Parteifilz”, “Laus im Pelz” oder “Made im Speck” doch gleich einen anderen Sound! Kakerlake statt Plakate, oder, wie heißt es doch so schön: Der frühe Vogel fängt den Wurm.

unbarmherzlichst,
Michael Kernbach

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5 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Friedhelm Busch schreibt:

    Ich hatte gehofft, dass wenigstens 16vor so einen Mist wie das Dschungelcamp einfach ignoriert! Und ich könnte mir selbst in den Hintern treten weil ich auch noch einen Leserbrief zu dem Thema schreibe.

    Gruß Friedhelm

  2. Stephan Jäger schreibt:

    Mir ist ja – als Base Camp für FuppTV – als erstes dieser malerische Innenhof mit Einfahrt neben der französischen Bäckerei in der Franz-Georg Straße eingefallen.

  3. immer essen schreibt:

    Was soll es denn in der Pellinger Grillhütte zu trinken geben?? Irgendwie wäre ich gern dabei.

  4. Daniela schreibt:

    Solche Gedanken habe ich auch gehegt als ich gehört hab, dass “Dschungelcamp” in die nächste Runde geht. Das Niveau des Fernsehens sinkt zunehmend..

  5. Martina Golznig schreibt:

    24.1.2009

    Eigentlich gehört der Film das Dschungelcamp ja verboten.Aber wenn ich eine zur Dschungelkönigin machen würde,wäre es Loriel.

    Mit lieben Grüssen Martina Golznig

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