Bob, der Folkmeister
Als Gitarrist der Band “Candy Apple Grey” und vor allen Dingen als Songwriter ist Uwe “Bob” Heil eine feste Größe in der Trierer Rockmusikerszene. So bedienten sich schon die Kollegen von den “Shanes” oder von “Tunessy” im Fundus des Folkrockers. Jetzt hat der Bob Dylan- und Bruce Springsteen-Fan sein erstes Soloalbum “Hold On” heraus gebracht, das heute Abend ab 20.30 Uhr im Exhaus vorgestellt wird.
TRIER. Der Spitzname Bob und der kehlige, leicht nölige Gesangsstil lassen es vermuten: Uwe Heil mag Bob Dylan. Und Bruce Springsteen, die zweite US-amerikanische Singer/Songwriter-Ikone, wenn man Neil Young mal weg lässt und von Conor Oberst, Ryan Adams oder “Iron&Wine” nichts hören will.
Seit 15 Jahren tritt Uwe Heil mit Gitarre und Harp mit diversen Bands oder solo auf und immer mal wieder greifen Kollegen auf seine eingängigen Songs zurück, die auch ohne Band mit Lagerfeuergitarre und Mundharmonika funktionieren.
“Handgemacht” oder “ehrlich” wird solche Musik vom “Ich finde, Chris de Burgh rockt”-Musikjournalisten mit Kuschelrock-CD-Sammlung meistens genannt und gemeint ist wahrscheinlich, dass diese Musik im Notfall auch ohne Elektrizität gespielt werden kann und auf schnörkellose Arrangements ohne Experimente vertraut.
Damit liegt man bei Uwe Heil richtig, mit Chris de Burgh allerdings weniger, dafür sorgen unprätentiös rockende Gitarren, Retro-Drumming und Songs, die stilistisch zwischen Westcoastrock und Folk pendeln.
Schon seit vielen Jahren war ein Album mit eigenem Songmaterial das Ziel von Bob Heil – ein Urlaub in den Vereinigten Staaten mit Besuchen bei den Navajos und Comanchen gab den entscheidenden Impuls, und so bilden die USA als Kopfkino mit Endlos-Highways, Ford Mustangs, Güterzügen, verlorener Liebe und einsamen Vorstadt-Cowboys den roten Faden, der sich durch die Bookletgestaltung und Songtexte zieht.
Mit seiner eigens für die CD gegründeten Band, bestehend aus alten Bekannten der Trierer Musikszene, ist ihm ein Mainstreamrock-Album im besten Sinne gelungen – wer Bruce Springsteen mag, auch mal Rocklandradio hört und elektronische Musik doof findet, ist bei “Hold on” an der richtigen Adresse und darf sich auf Songs freuen, die sich nicht so leicht aus dem Sattel werfen lassen und denen die Begeisterung anzuhören ist, endlich mit Band die eigenen Songs einspielen zu dürfen.
Es gibt die Anekdote eines ehemaligen WG-Mitbewohners, der gegen 6 Uhr von Schrammelgitarreklängen geweckt wurde und hoch erzürnt auf der Suche nach der früh morgendlichen Lärmbelästigung in das Zimmer von Uwe Heil stürmte, aber beim Anblick des zerzausten, von stiller Konzentration ergriffenen, mit geschlossenen Augen, Mundharmonika und Gitarre einen Bob Dylan-Song spielenden Musikanten die Tür leise wieder schloss und auf Zehenspitzen davon schlich. Vielleicht ist es auch das, was man mit Ehrlichkeit verwechselt, die Hingabe an die Musik, die man liebt. Uwe Heil hat sie auf jeden Fall.
Die CD gibt es zu kaufen im Musikhaus Neumetzler oder über die Webseite www.uwe-heil.de.
von Uwe Reinhard





25. Januar 2009 (11:28 Uhr)
Vorsicht, ich kann vor dieser CD nur warnen – wegen Ungezieferbefall!
Hab’ sie ein paar Mal gehört und jetzt habe ich Ohrwürmer!
27. Januar 2009 (23:08 Uhr)
Gut beschrieben – wer rockige, aber melodiöse Sachen mag, Musik, die man gut nebenbei laufen lässt, aber eben auch mitsingen/-pfeifen/-wippen kann oder irgendwann muss, der hat mit dieser CD ein quasi biologisches Produkt aus heimischer Produktion, in echter Handarbeit mit viel Liebe zum Detail. Ich weiß, dass soviel Lob dick aufgetragen wirkt – aber sorry, ich find die Scheibe einfach richtig klasse! Wer es nicht glaubt soll vor dem Kauf einfach reinhören und sich selbst ein Bild machen.