Jahrzehnte unter der Erde

TRIER. Hans Waal, der unter anderem Namen für den stern schreibt, liest am Donnerstag um 19 Uhr im A-Gebäude der Uni aus seiner Nazi-Satire “Die Nachhut”.

“Die Nachhut” unterscheidet sich sowohl im Ton als auch durch ihren ungewöhnlichen Plot erheblich von der üblichen “Bewältigungsliteratur”. Waal lässt in seinem Roman vier alterschwache SS-Gespenster aus einem vergessenen Bunker bei Berlin kriechen. Auf dem Marsch in die vermeintliche Reichshauptstadt stoßen sie nicht nur auf moderne Widergänger, die sie aufgrund kurz geschorener Haare zunächst für Russen halten, sondern vor allem auf ein aufgeregtes Medien-Deutschland der totalen Vergangenheitsbewältigung, voller Wunderwaffen und Zeichen für den Endsieg.

Kurzum: Aus dem, was seine vier alten Nazis nach jahrzehntelanger Pflichterfüllung unter Tage nun oberhalb an verschämter Begeisterung und Ignoranz erleben, zeichnet Hans Waal ein ebenso groteskes wie gesellschaftskritisches Bild vom Umgang mit unserer Vergangenheit – aber auch davon, wie diese Vergangenheit immer noch mit uns umgeht.

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