Mit Wetten verzockt?

Sechs Niederlagen (links), sechs Siege (rechts) und drei Unentschieden gab es bisher unter Baslers Regie. Archiv-Fotos: Daniel PredigerNach durchwachsener Hinrunde mit zartem Aufwärtstrend gen Ende, geht Eintracht Trier optimistisch in die zweite Saisonhälfte, die in zwei Wochen beginnt. Verstärkung gibt es im Mittelfeld und im Tor. Zudem präsentierte man einen umstrittenen Sponsor. Das sportliche Ziel lautet: So schnell wie möglich den Klassenerhalt sichern.

Ein Beitrag von hunderttausend.deTRIER. “digibet” heißt der neue Geldgeber der Eintracht. Das Unternehmen, dass Sportwetten im Internet anbietet, will den Verein ab der kommenden Saison mit einem sechsstelligen Betrag fördern. Der Kontakt kam über Eintracht-Coach Mario Basler zustande, der als Werbeträger für die in Gibraltar ansässige Firma tätig ist. So konnte man vor einigen Jahren die “Basler Wette” abschließen und so mit Super-Mario um die Wette wetten.

Der Haken an der Sache: Wettanbietern ist es nicht erlaubt, in deutschen Fußballstadien zu werben. Mehrere Profivereine bissen sich an dieser Regelung bereits die Zähne aus und mussten auf Sponsorengelder der Wettanbieter verzichten. Welchen Nutzen der neue Partner der Eintracht aus der Partnerschaft ziehen kann, bleibt somit unklar.

Die Lotto-Stiftung Rheinland-Pfalz kündigte unter Berufung auf den neuen Eintracht-Partner ihren Rückzug an. Frank Zwanziger, der Geschäftsführer der Stiftung, bezeichnet “digibet” als “illegalen Wettanbieter”. Das sieht die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) genauso. Ein so lautendes Schreiben der ADD an Eintracht Trier liegt Lotto in Kopie vor. 20.000 Euro gehen den Trierern mit dem alten Partner allein für die Rückrunde verloren. Mit jährlich 50.000 Euro förderte die Stiftung den Verein bisher.

“Wir haben die Eintracht auch in sehr schweren Zeiten gerne unterstützt”, sagt Zwanziger und erinnert an den Abstieg aus der zweiten Liga im Jahr 2005. Im darauffolgenden Jahr habe man den Verein immer noch wie einen Zweitligisten behandelt. “Klar ist man dann enttäuscht, wenn die Partnerschaft so zu Ende geht.” Vom neuen Geldgeber erfuhr Zwanziger aus der Presse, obwohl er erst letzte Woche mit Verantwortlichen des Vereins in Kontakt stand. Damit ist es jetzt erst mal vorbei: “Wir haben die Kommunikation mit Eintracht Trier eingestellt”, so Zwanziger.

Die Entscheidung für den neuen und gegen den alten Sponsor lenkt ab vom Sportlichen. Auch dort ist in der Winterpause einiges in Bewegung. Mit Marcus Anfang ist ein erfahrener Mittelfeldspieler nach Trier gekommen. Anfang brachte es auf 27 Erstligaspiele für Düsseldorf, Kaiserslautern und Duisburg. Der 34-Jährige soll für mehr Stabilität im Mittelfeld sorgen und könnte die vakante Position des Führungsspielers in der Mannschaft einnehmen. Die Chancen dafür stehen gut. “Markus ist ein erfahrener Spieler”, gibt sich Basler optimistisch. In seinem Schatten könnte sich zum Beispiel Thomas Kempny in Ruhe entwickeln. Der 20-Jährige aus der eigenen Jugend bekam vor kurzem einen Profivertrag und machte neben Anfang eine gute Figur im letzten Testspiel gegen den Landesligisten ATSV Wattenheim.

Das Potenzial, zu einer echten Verstärkung zu werden, hat Stürmer Sahr Senesie. Er kam zwar bereits im November nach Trier, brachte es danach aber nur auf drei Einsätze. Wie wertvoll er für das Team sein kann, zeigte er gleich bei seinem Debüt gegen Dortmund II: Mit einem sehenswerten Treffer sorgte er für den Sieg. Nach der Winterpause wird sich zeigen, ob er mit einer guten Vorbereitung zu einer dauerhaften Stütze werden kann.

Sorgen bereiteten dem Trainer bis vor kurzem noch die Torwartfrage. Ulli Schneider und Pero Miletic, die in der Hinrunde zwischen Pfosten standen, sind verletzt. Beide werden zum Rückrundenstart fehlen. Am letzten Tag der Wechselperiode verpflichteten die Eintracht-Verantwortlichen Assen Alexov vom Oberligisten SV Niederauerbach, der bei einem einwöchigen Probetraining überzeugen konnte. Basler bescheinigt dem 21-Jährigen “Perspektive” und kann sich ein Engagement des Deutsch-Bulgaren auch über den Sommer hinaus vorstellen.

WerbungDie Vorzeichen für den Rückrundenstart stehen also gar nicht so schlecht. Mit fünf Punkten Vorsprung hat sich die Eintracht vor der Winterpause etwas Luft verschafft im Abstiegskampf. Dennoch geht der Blick weiterhin nach unten. Es gehe darum, so schnell wie möglich die nötigen Punkte zu sammeln, um den Abstieg zu vermeiden, sagen Anfang und Basler übereinstimmend.

Dazu müssen die Akteure allerdings eine andere Einstellung an den Tag legen als in der zweiten Hälfte im Testspiel gegen Wattenheim vor acht Tagen. Nach einer guten ersten Halbzeit mit drei sehenswerten Treffern von Eintracht-Leistungsträger Gustav Schulz, ließen die Spieler im zweiten Abschnitt die nötige Laufbereitschaft vermissen. 4:2 lautete der Endstand. Basler ließ seine Spieler deshalb nach dem Spiel einige Extra-Runden drehen. “Wer im Spiel nicht läuft, muss es danach machen”, sagt der Trainer. Ein typischer Basler-Satz.

Spätestens zum Rückrundenstart wird sich zeigen, ob die Laufarbeit Früchte trägt. Am 21. Februar tritt die Eintracht an beim SC Verl. Eine Woche zuvor spielt man im Rheinlandpokal-Achtelfinale in Godendorf gegen die Bezirksligakicker von der SG Ralingen. Vorher stehen zwei weitere Testspiele auf dem Programm in Darmstadt (7. Februar) und zu Hause gegen den bosnischen Erstligist Zeljeznicar Sarajevo mit Trainer Demir Hotic (11. Februar).

Christian Palm

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. BigMäc schreibt:

    *lol* mit Wetten verzockt !?

    Wenn man sich mal anguckt wieviel Rummel diese Meldung schon in den Medien geschlagen hat, dann wurde jetzt schon mehr Werbung für digibet gemacht, als eine Bandenwerbung im Stadion erreichen würde. Ein geschickter Coup und ein voller Werbeerfolg für digibet und Eintracht Trier würde ich also eher sagen :D

  2. Jürgen schreibt:

    @ Big Mäc

    kurzfristig ist der Name Eintracht Trier wohl sehr häufig auch in der überregionalöen Presse zu lessen, aber 1. bringt dies keine Einnahmen und 2. ist Lotto Rheinland-Pfalz seit Jahren ein zuverlässiger Partner. Ich bezweifele, dass digiBet in 10 Jahren noch irgendeine Rolle spielt und spätestens dann werden der Eintracht die Fördergelder von Lotto fehlen.

    Ein typisches Beispiel für die fehlende langfristige Planung des Vorstands. Ich hoffe aus vollstem Herzen, dass das Experiment Basler, der ja wohl für den Vertrag mit digiBet verantwortlich ist, funktioniert, aber falls nicht, dann tschüss Regionalliga, und Hallo VFL Trier zum Lokalderby in der Kreisklasse.

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