Werbung für den amerikanischen Roman
Auf verschiedene Arten kann das Interesse für ein bestimmtes Buch geweckt werden. Entweder man findet den Klappentext ansprechend oder eine Kurzkritik auf dem Umschlag. Häufig wird man auch auf ein Werk aufmerksam, weil Freunde oder Kollegen es empfohlen haben. Oder man hat im Fernsehen davon gehört oder darüber gelesen. Eine weitere Möglichkeit bot jetzt das Zentrum für Amerikastudien der Universität in Zusammenarbeit mit der Stadtbibliothek an. Der Literaturkritiker Hubert Spiegel stellte auf Einladung der beiden Einrichtungen die drei seiner Meinung nach besten amerikanischen Romane des vergangenen Jahres vor und diskutierte darüber im Anschluss mit den Organisatoren und dem Publikum.
TRIER. Was können wir durch die Romane über eine andere Kultur lernen? Was macht ihre Qualität aus, und warum wurden gerade diese drei Werke ausgewählt? Diese von Professor Gerd Hurm, dem Leiter des Zentrums für Amerikastudien, aufgeworfenen Fragen nach dem interkulturellen und dem ästhetischen Aspekt der Veranstaltung sollen bis zum Ende beantwortet werden. “Was wir uns vorgenommen haben, ist nicht wenig”, konstatiert Hubert Spiegel, der acht Jahre lang Literaturchef der Frankfurter Allgemeinen war und seit vergangenem Herbst als Deutschlandkorrespondent des Feuilletons dieser Zeitung arbeitet. Die Aufgabe ist zudem anspruchsvoll, weil es ein sehr heterogenes Publikum anzusprechen gilt. Zu den knapp 200 Besuchern im Lesesaal der Stadtbibliothek gehören sowohl Schüler als auch Literaturprofessoren.
Spiegel stellt im ”1. Trierer Literaturgespräch zu aktueller amerikanischer Literatur” zunächst die Werke anhand einer knappen Inhaltsangabe und einer Kurzinterpretation vor. Ausgewählt hat der renommierte Kritiker den Anti-Kriegsroman ”Ein gerader Rauch” (“Tree of Smoke”) von Denis Johnson, den westernartigen Drogenthriller “Kein Land für alte Männer” (“No Country for Old Men”) von Cormac McCarthy und den gesellschaftsanalytischen Kriminalroman “Reue” (“A Person of Interest”) von Susan Choi. 20 Minuten hat er für die Beschreibung jedes einzelnen Buches Zeit, und dem erfahrenen Journalisten gelingt es ausgezeichnet, durch die Fokussierung auf das Wesentliche und durch eine nachvollziehbare Argumentation Interesse für die jeweilige Handlung, das jeweilige Thema und die jeweilige Eigenart der Romane zu wecken.
Weil die Veranstaltung ein Gespräch und kein Monolog sein soll, sitzen neben Spiegel Professor Michael Embach, Leiter der Stadtbibliothek, Dr. Martin Genetsch, Lehrer am Auguste-Viktoria-Gymnasium, und Professor Gerd Hurm vom Zentrum für Amerikastudien. Ihre Aufgabe ist es, mit eigenen Eindrücken und Interpretationen ein Gespräch beziehungsweise eine Diskussion über die Bücher zu entfachen. Auch wenn in dieser Phase nur zwei bis drei Punkte angesprochen werden, bekommt der Zuhörer schon einen kleinen Eindruck unterschiedlicher Verstehensweisen. Spiegel teilt nämlich einige der Beobachtungen der Gesprächspartner nicht.
Die Diskussionsteilnehmer geben sich Mühe, wohl auch wegen der Kürze der einzelnen Buchpräsentationen, sich nicht in Details zu verlieren. Schließlich soll die Veranstaltung auch für die Gäste verständlich sein, die die Werke nicht gelesen oder keine Literaturwissenschaft studiert haben. So wird kurz auf die Qualität der deutschen Übersetzungen eingegangen, es werden Bezüge zu den Romanen untereinander hergestellt und Gemeinsamkeiten der zur gleichen Zeit veröffentlichten Bücher zu definieren versucht. “Alle haben eine spezifische Perspektive auf den amerikanischen Traum”, fasst Spiegel zusammen. Hurm sieht in den Romanen den Ausdruck “eingeschränkter Handlungsmöglichkeit in den vergangenen Jahren”. Vorausgegangen war eine Frage in der nach anderthalb Stunden eröffneten Publikumsdiskussion, was man über Amerika erfahre, wenn man alle drei Werke gelesen habe.
Ob sich an dem “kulturpessimistischen Weltbild” und der “Ausweglosigkeit, in der sich viele Intellektuelle sahen” (Hurm), in den ersten Monaten der Post-Bush-Zeit etwas ändern wird, wird man vielleicht im nächsten Jahr schon feststellen können. Im Februar 2010 wollen die Veranstalter wieder die drei besten amerikanischen Romane des vorangegangenen Jahres präsentieren.


