Kollektiver Blackout

Zur Wiedergutmachung war das Team von Yves Defraigne nach Paderborn gereist. Eine 25-Punkte-Schlappe im Pokalspiel Ende November wollte man vergessen machen, doch dann kam irgendwie alles ganz anders. Gegen den Tabellennachbarn aus Ostwestfalen erlebte die Mannschaft schon wieder einen kollektiven Blackout.

PADERBORN. Es gibt Tage, da weiß man als Profisportler schon nach fünf Minuten: Ich wäre besser im Bett geblieben! Einen solchen Tag erwischte die TBB am Samstagabend bei der 96:63-Demontage beim Tabellennachbarn aus Paderborn. Während bei den Hausherren alles passte, stimmte bei der TBB wenig bis nichts. Weder defensiv noch offensiv.

Nach eben jenen berüchtigten fünf Minuten stand es im ausverkauften Sportzentrum am Maspernplatz 20:12, Paderborn hatte fünf Dreipunktwürfe versucht – und alle getroffen. TBB-Coach Yves Defraigne blieb nichts anderes übrig, als seine erste Auszeit zu nehmen. Offensiv sah es bis zu diesem Zeitpunkt für die TBB gar nicht so schlecht aus, nur die Verteidigung verdiente ihren Namen nicht. Die Auszeit von Defraigne verpuffte jedoch. Paderborn traf weiter und nach dem ersten Viertel war der Rückstand schon auf elf Zähler angewachsen.

Das gute Dutzend der mitgereisten Trierer Fans mühte sich, gegen die vor ihnen platzierte Sambagruppe akustisch anzukommen, doch das Unterfangen war genauso hoffnungslos wie das kopflose Anrennen der TBB gegen die bissigen Paderborner. Der Rückstand pendelte sich bei fünfzehn Zählern ein (43.28, 16. Minute).

Kurz vor der Halbzeitpause hatte Trier dennoch die Chance, nach einem kleinen Lauf, den Rückstand wieder unter zehn Punkte zu drücken. Chris Copeland wurde jedoch beim Dreipunktewurf klar gefoult und der fällige Pfiff blieb aus. Stattdessen kassierte Defraigne für den berechtigen und nicht einmal vehementen Protest ein Technisches Foul.

So lagen die Trierer zur Halbzeit mit dreizehn Punkten hinten (48:35). Normalerweise kein Ruhekissen, doch die TBB konnte das Spiel nicht mehr drehen. Norman Richardson und Brian Brown versuchten vergeblich, Verantwortung zu übernehmen, aber lediglich Derek Raivio und Maksym Shtein waren in der zweiten Hälfte offensiv ein Faktor.

Ganz anders auf der Gegenseite. Durch die vielen offenen Würfe, die man Paderborn bis dahin schon zugestanden hatte, trafen die Ostwestfalen auch einige schwierige Würfe gegen den Mann und/oder mit Ablauf der Shotclock. Das war aber nicht das Problem: Die Trierer Defensive ließ sich immer wieder durch einfachste Pick-and-Roll-Spielzüge narren, die Lücken nutzten vor allem Marius Nolte und Nathan Peavy dankend aus.

Mit 68:51 ging es ins Schlussviertel. Das Minimalziel, wenigstens den direkten Vergleich für sich zu entscheiden, lag noch in Reichweite. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Ballverluste, Offensivfouls und Einzelaktionen mit der Brechstange reihten sich aneinander, das Team zerfiel vollkommen in seine Einzelteile.

Alleine, dass Maksym Shtein ohne Not einen Dreipunktewurf versuchte, war Ausdruck für die Ratlosigkeit und Verzweiflung bei der TBB. Dass dieser Ball dann gerade nur noch das Netz berührte, war symptomatisch für den gesamten Abend. Dreißig Sekunden später kassierte Jamal Shuler dann auch noch ein Unsportliches Foul, als er mit Esterkamp zu Boden ging und der Paderborner beim Aufstehen über Shulers Fuß stolperte. Es lief alles gegen die Trierer.

WerbungFür die Baskets begann das Schaulaufen. Von mehr als dreitausend Zuschauern gefeiert, gaben sie bis zur Schlusssirene Vollgas und schraubten den Vorsprung am Ende auf 33 Zähler. Paderborns Coach Doug Spradley hatte seine Mannschaft vorzüglich eingestellt, die Rekordkulisse tat ihr Übriges. Ein verdienter Sieg für die Ostwestfalen, die sich damit in der Tabelle an der TBB vorbei schoben.

TBB-Headcoach Yves Defraigne gratulierte Paderborn zur gezeigten Leistung, war jedoch in erster Linie von seinem Team enttäuscht. “Meine Mannschaft war heute überhaupt nicht im Spiel. Da war kein Teamplay zu erkennen, viel zu viele Einzelaktionen. So kann man kein Spiel gewinnen.” Enttäuschend auf Trierer Seite vor allem die Leistungsträger der vergangenen Wochen. George Evans (3) sah gegen Ensminger kein Land, “Ellenbogen Ense” durfte allerdings auch schalten und walten, wie er wollte, während Evans vom schwachen Schiedsrichter-Gespann weitaus kritischer beäugt wurde. Norman Richardson (8) versuchte viel, ihm gelang jedoch wenig, und Jamal Shuler (0) war vom Wurfpech verfolgt, griff sich aber sieben Rebounds und lieferte fünf Assists. Derek Raivio (21) und Chris Copeland (14) waren beste Trierer Korbschützen. Maksym Shtein (7) und Brian Brown (9) spielten solide. Kosta Karamatskos und Maik Zirbes durften auch noch ran, konnten sich aber nicht in die Scorerliste eintragen. Die angeschlagenen Christian Hoffmann und Tyrone Riley wurden nicht eingesetzt.

Für die TBB geht es am nächsten Wochenende (Samstag, 20 Uhr) gegen den Aufsteiger aus Nördlingen. Das Hinspiel konnte man mit 74:68 gewinnen, doch auch im Rückspiel ist ein Sieg Pflicht, will man nicht nach unten durchgereicht werden. Den unmissverständlichen Schuss vor den Bug hat die Mannschaft bekommen, jetzt muss im nächsten Spiel das Ruder herumgerissen werden.

Punkteverteilung (STARTER):

Trier: RAIVIO (21), COPELAND (14), Brown (9), RICHARDSON (8), Shtein (7), EVANS (3), SHULER (1), Karamatskos, Zirbes (0), Hoffmann, Riley (n.e.)

Paderborn: Felton (18), PEAVY (17), ESTERKAMP (15), NOLTE (13), WRIGHT (12), MCALLISTER, ENSMINGER (10), Oehle (1), Garris, Gajda, Terwilliger (0)

Spielstationen: 8:5 (2.), 17:9 (5.), 23:17 (7.), 32:21 (10.), 38:22 (12.), 38:28 (15.), 45:33 (17.), 48:35 (20.), 52:37 (22.), 57:42 (24.), 58:46 (26.), 64:46 (27.), 68:51 (30.), 74:56 (32.), 86:56 (37.), 88:60 (38.), 96:63.

Zuschauer: 3048 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Schreiner, Brand, Michael

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1 Leserbrief | RSS-Abo

  1. oje schreibt:

    Herr Salm!

    Schonmal gemerkt? Niederlage=Schirikritik bei Ihnen. Immer dasselbe. :(

    Anm. d. Autors: Liebe/r Frau/Herr oje, das ist so nicht richtig. Wenn Sie sich den Beitrag durchlesen, werden Sie genau zwei Bemerkungen in Richtung Schiedsrichter finden. Der Grund für die Niederlage wird jedoch nicht bei den Unparteiischen gesucht, sondern die desaströse Leistung wird klar benannt.

    Das ändert jedoch auch nichts an der Tatsache, dass die Leistung des Schiedsrichtergespanns – mal wieder – schwach war. Sie hätten recht, wenn Sie feststellten, dass in meinen Artikeln des Öfteren Schiedsrichterkritik geübt wird. Dazu stehe ich.

    Der deutsche Basketball hat ein massives Schiedsrichterproblem und dem kann nur durch öffentliche Kritik begegnet werden. Dass alles andere nichts bringt, hat der deutsche Basketball in den vergangenen Jahren schmerzlich erfahren müssen.

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