Die Kleinen formieren sich

Rot und Gelb, die Stadtfarben von Trier. Ansonsten passen Liberale und Linke auch in der Moselstadt nicht wirklich zusammen. Die Veranstaltungen hätten unterschiedlicher kaum sein können, doch Linke und Liberale verbinden ja ohnehin wenig Gemeinsamkeiten. Am Wochenende bestimmten die beiden Parteien ihre Teams für die bevorstehende Kommunalwahl. Damit wird die Ausgangslage für den 7. Juni klarer, denn lediglich bei den Grünen herrscht noch Ungewissheit über die personelle Aufstellung für die Stadtratswahl. Dass die Linke ausgerechnet ihren verkehrspolitischen Fachmann abstrafte, könnte der aktuell drittstärksten Kraft im Trierer Stadtrat jedoch zupass kommen. Die Liberalen überraschten unterdessen mit einigen neuen Gesichtern.

TRIER. “Wer in Trier-West noch nicht Mitglied der Linken ist, den kann ich einfach nicht verstehen!” Sagt Linde Andersen. Die 63-Jährige ist Mitglied der Linken und Kandidatin für die kommende Stadtratswahl. Im Stadtteil Trier-West/Pallien hatten zum Stichtag 30. Juni 2008 exakt 6.854 Menschen ihren Hauptwohnsitz, geschätzte 99,99 Prozent von ihnen gehörten nicht der Partei Die Linke an. Linde Andersen wird sie in den kommenden Monaten zu überzeugen suchen, und wenn sich die Weststädter schon nicht für einen Parteieintritt erwärmen lassen, dann sollen sie der Linken zumindest ihre Stimme geben.

Verbeek unangefochten

Einiges spricht dafür, dass Andersens Partei im Westteil der Stadt ein höheres Wählerpotenzial hat als, sagen wir, unterm Wolfsberg oder auf dem Petrisberg. Doch weil repräsentative Umfragen fehlen und die Linke erstmals antritt, lässt sich über den Ausgang der Kommunalwahl am 7. Juni nur spekulieren. Immerhin herrscht seit vergangenem Freitag aber Klarheit darüber, mit welchen Kandidaten die Partei in den Stadtrat einziehen will. Allen voran Dr. Johannes Verbeek soll es richten, Philosophie-Lehrer am AVG und Nummer Eins der Liste. Verbeek erhielt 13 von 13 gültigen Stimmen. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen der Student Marc-Bernhard Gleißner und Parteivize Katrin Werner. Der 20 Jahre alte Auszubildende Konstantin Kanty tritt auf Platz 4 an, Linde Andersen geht als fünfte ins Rennen.

Die ersten fünf der Linke-Liste: Johannes Verbeek, Linde Andersen, Katrin Werner, Konstantin Kanty und Marc-Bernhard Gleißner. Foto: Marcus StölbZwar wurden immerhin 21 Stadtratskandidaten aufgestellt, doch irgendwie drängte sich im Verlauf der Versammlung der Eindruck auf, dass bei der Linken eigentlich jeder kandidieren darf, der im Vorfeld sein Interesse bekundet hat. Mit einer Ausnahme: Dr. Karl-Georg Schroll sollte  nach dem Willen der Parteiführung nicht auf der Vorschlagsliste erscheinen. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil Schroll noch vor wenigen Monaten als eine der profilierteren Köpfe der Trierer Linken galt. Als promovierter Verkehrswissenschaftler bringt er zudem Fachkompetenz mit.

Schroll abgestraft

Schroll selbst hatte denn auch erwartet, dass ihn seine Partei auf einen der ersten drei Listenplätze setzen würde. Doch dem war nicht so, weshalb er sich während der Versammlung auf Platz 21 setzen ließ. Schroll fiel im ersten Wahlgang durch, gerade mal vier Genossen stimmten für, sieben gegen ihn. Man hätte nun erwarten können, dass er die eigentlich nahe liegende Konsequenz ziehen würde. Doch Schroll gab nicht auf und trat stattdessen ein zweites Mal an. Das Ergebnis: 5 Ja- standen nun 8-Nein-Stimmen gegenüber. Weil laut Satzung aber 25 Prozent als “einfache Mehrheit” gelten, kandidiert Schroll nun auf Platz 21. Über die Gründe für die Abstrafung gehen die Darstellungen auseinander. Verbeek und Werner werfen ihm mangelndes Engagement vor, Schroll spricht von “persönlichen Animositäten”; er habe sich sehr wohl in die Arbeit der Partei eingebracht, und zwar von Berlin aus, wo er bis vor kurzem verkehrspolitischer Referent der Linke-Bundestagsfraktion war.

Strebt in den Stadtrat und soll für die Liberalen Trier-Mitte gewinnen: Monika Indig. Foto: Marcus StölbDass auch bei den Liberalen nicht jeder mit jedem kann, zeigte sich am Samstagnachmittag. Ins Bürgerhaus Trier-Nord hatte die FDP eingeladen, neben der Stadtratsliste galt es, auch die Kandidaten für Ortsbeiräte und Ortsvorsteher zu benennen. Eine beachtliche Liste hatte Parteivize Dr. Karl-Josef Gilles im Auftrag des Vorstands zusammengestellt, seit Monaten warb er in unzähligen Telefonaten, Mails und persönlichen Gesprächen um Kandidaten. Durchaus mit Erfolg, doch manchen in den eigenen Reihen scheint Ex-Christdemokrat Gilles noch immer nicht grün zu sein: Bei seiner Wahl auf Listenplatz 2 kassierte er zwar 24 Ja-Stimmen, doch sechs Liberale verweigerten dem Historiker und Filscher Ortsvorsteher ihre Unterstützung.

Monika Indig kandidiert in Mitte

Einen wie Gilles wirft das nicht um, zumal sich die Liste der Liberalen durchaus sehen lassen kann. Neben Spitzenkandidat Thomas Egger und Schatzmeisterin Silke Reinert, deren prominente Platzierung sich schon frühzeitig abzeichnete, finden sich auf den aussichtsreichen Plätzen auch einige neue Gesichter. Beispielsweise das von Monika Indig: Die gelernte Krankenschwester eröffnete im vergangenen Jahr eine Praxis für Shiatsu. Für die FDP tritt die 50-Jährige auf Platz 6 an und wird zudem für das Amt der Ortsvorsteherin von Trier-Mitte/Gartenfeld kandidieren. Auf den Plätzen 4 und 5 gehen der Chef der Trierer Jungliberalen, Tobias Schneider, sowie der Polizeibeamte Felix Brand ins Rennen. Letzterer wird sich auch um das Amt des Ortsvorstehers von Heiligkreuz bewerben. Der Historiker und Politikwissenschaftler  Joachim Gilles startet vom siebten Rang und eigentlich wäre ihm auf Platz 8 Ex-Parteischatzmeister Klaus Wirtz gefolgt. Doch Wirtz, der am Samstag nicht anwesend war, fiel sang- und klanglos durch.

Mit Top-Ergebnis ins Rennen geschickt: Stadtratskandidat Oliver Müller-Hammerschmidt bewirbt sich auch um das Amt des Ortsvorstehers von Feyen-Weismark. Foto: Marcus StölbFür einen kurzen Moment sah man bei Egger und Gilles nun ratlose Mienen. Mit Dr. Paul Becker, der kurzerhand um einen Platz nach vorne gerückt wurde, löste die Parteiführung das Problem. Doch weil viele der Zugkraft eines mittlerweile 80-Jährigen, der zudem auch noch als Ortsvorsteherkandidat in Olewig antreten soll, nicht trauen, kassierte auch Becker ein eher dürftiges Ergebnis. Anders als Kollege Wolfgang Schaab, der auf Platz 10 für den Stadtrat kandidiert und nach dem Willen seiner Partei Tarforster Stadtteilchef werden soll; Schaab erhielt mit 28 Ja-Stimmen ein sehr gutes Ergebnis, das von dem vor ihm platzierten Oliver Müller-Hammerschmidt noch getoppt wurde: Der diplomierte Betriebs- und Verwaltungsfachwirt, der beim Europäischen Rechnungshof in Luxemburg arbeitet, könnte einer der kommenden Männer der Trierer Liberalen sein. 29 Freidemokraten stimmten für den 36 Jahre alten Familienvater. Müller-Hammerschmidt wird sich zudem in Feyen-Weismark um das Amt des Ortsvorstehers bewerben.

Fünf wollen Ortsvorsteher von Kürenz werden

Unterdessen wird die Bewerberlage in Kürenz langsam aber sicher unübersichtlich. In dem rund 8.000 Einwohner zählenden Stadtteil werden am 7. Juni mindestens fünf Bewerber um das Amt des Ortsvorstehers ringen, an einer Stichwahl dürfte kein Weg mehr vorbeiführen. Amtsinhaber Karl Lübeck (UBM) werden Bernd Michels (CDU), Stephan Wonnebauer (SPD), ein Kandidat der Linken, der aller Voraussicht nach Johannes Verbeek heißen wird, und Martin Heuskel (FDP) herausfordern. Heuskel gehörte sieben Jahre lang der Jungen Union an, im Januar wechselte er zu den Liberalen. Seine Chancen, in Kürenz auch nur in die Stichwahl zu gelangen, dürften gen Null tendieren.

Noch ein Doppelbewerber: Felix Brand will für die FDP in den Stadtrat und kandidiert für das Amt des Ortsvorstehers von Heiligkreuz. Foto: Marcus StölbOb auch Bündnis 90/Die Grünen den künftigen Ortsvorsteher von Kürenz stellen wollen, ist noch unklar. Denn was die Personalplanung anbelangt, präsentiert sich die derzeit drittstärkste politische Kraft im Stadtrat nicht eben als Vorreiter. Am 16. Februar will die Partei ihre Liste aufstellen, und wer diese anführen wird, scheint noch offen. Ratsmitglied Gerd Dahm werden ebenso Ambitionen nachgesagt wie Reiner Marz. Doch letzterer ist parteiintern umstritten, zumal nach seinem wenig glücklichen Agieren im Vorfeld der Neuwahl des Kreisvorstands. Immerhin: Dass die Linke mit Karl-Georg Schroll einen versierten Verkehrspolitiker, dessen Ansichten sich nahezu unverändert auch ins Programm der Grünen übertragen ließen, auf den hintersten Listenplatz verbannten, dürfte Dahm und Co zupass kommen.

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2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Malte Beyer schreibt:

    Wenn man sich die Bewerbersituation anschaut, gewinnt man den Eindruck, das Amt des Kürenzer Ortsvorstehers avanciere zum schönsten Amt nach dem Papst. Ich freue mich, dass der Stadtteil, in dem ich wohne, soviel Anziehungskraft für politische Akteure hat…

    Als Mitglied einer konkurrierenden Partei beobachte ich zudem mit gewissem Amusement die Animositäten und Eifersüchteleien bei den sogenannten ‘Linken’. Immerhin ein Ausweis demokratischer Qualitäten. Bei der alten SED hätte es da nicht gegeben. Bei den K-Gruppen wohl auch nicht. Carmen Everts sollte noch ein wenig weiter über das Thema promovieren, bevor sie die Hessen-SPD erneut ins Unglück stürzt.

    Malte Beyer, stellvertretender Vorsitzender der SPD Kürenz

  2. Schneider schreibt:

    Ach wie schön ist Kommunalpolitik, gerade bei den kleinen Parteien. Wer hat noch nicht wer will noch mal? Hier scheint ja jeder einen Posten für den Stadtrat und/oder als Ortsvorsteher zu bekommen. Bei den Linken kann man durchaus mal nachfragen wie wichtig es den Kandidaten ist en den Stadtrat zu kommen, wenn sie es noch nicht mal schaffen zur eigenen Wahl zu kommen. Armes Trier West wenn sich an dem Prozentsatz von 99,99% nicht Mitglieder etwas ändern sollte ;-). Wie es scheint stehen bei den Kleinen wirkliche Themen nicht gerade im Focus.
    Was mich aber echt umhaut ist die Tatsache, dass sogar Typen schaffen die sich erst von der CDU nominieren lassen, dann wohl mit der Platzierung nicht zufrieden sind und schnell die Partei wechseln um nun von der FPD als Ortsvorsteher und für den Stadtrat aufgestellt zu werden. Es ist nicht nur ein Schritt der auf sehr wenig Rückgrat schließen lässt, hier geht es echt nur und sehr offensichtlich alleinig um Posten. Schade das die Liberalen dabei mitmachen. Falls es nicht ausreicht kann diese Person ja auch noch schnell zu den Grünen wechseln, die haben Ihre Liste ja noch nicht aufgestellt evtl. kann man hier noch mehr rausholen.
    Schade das es keine Fahrradfahrerpartei gibt, hier könnte bestimmt auch jeder mitmachen, aber wenigstens wüsste man etwas mehr zum politischen Inhalt.
    Gute Nacht Trier!

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