Kennen Sie Trier?

Alle unter einem Dach: Die drei Triers waren noch nie in einer Ausstellung vereint - und schon gar nicht in Trier. Foto: EKAWeder verwandt, noch verschwägert: Die Europäische Kunstakademie zeigt Werke dreier Künstler mit internationalem Ruf, die nicht nur zu den talentiertesten Köpfen ihrer Generation zählen, sondern auch den selben, seltenen hübschen Nachnamen tragen. Die Ausstellung “Nachname: Trier”, die heute um 19.30 Uhr in der Kunsthalle der EKA eröffnet wird, beweist, dass der Name der Moselmetropole durchaus ein Garant für Kreativität und Avantgarde sein kann.

TRIER. Dr. Gabriele Lohberg realisiert mit der Ausstellung zu den Künstlern Lars von Trier, Hann Trier und Walter Trier eine bereits vor Jahren entstandene Idee. “Mein Doktorvater war niemand Geringeres als der Kunsthistoriker Eduard Trier”, erklärt die Leiterin der Kunstakademie gegenüber 16vor. “Was liegt da näher, als sich einmal genauer mit Künstlern zu beschäftigen, die die Moselstadt als Nachname tragen.”

Stein des Anstoßes sei die Tatsache gewesen, dass ihr Doktorvater der Bruder des bereits 1999 verstorbenen informellen Malers Hann Trier ist, mit dem sich Lohberg im Vorfeld der Ausstellung befasste. Der abstrakte Künstler, der an den ersten drei “documentas” teilnahm, sorgte als Mitglied der nach dem 2. Weltkrieg gegründeten “Donnerstagsgesellschaft” für eine Reaktivierung des künstlerischen Lebens im Rheinland. Er versuchte, in seinen Werken das Prinzip von Tempo und Beschleunigung in eine eigene Formsprache zu übertragen.

Während sich Frau Lohberg mit dem Leben und der Kunst Hann Triers auseinandersetzte, standen ihr für die Vorstellung der beiden anderen Künstler zwei kompetente Kollegen zur Seite. “Im Falle Lars von Trier dachte ich gleich an Ralf Kotschka”, so die EKA-Chefin. Kotschka, unter anderem Mitbegründer des Kurzfilmfestivals “40UferFilme”, beschäftigt sich schon seit Jahren mit den Arbeiten des Dogma-Regisseurs. Der 2000 in Cannes mit der goldenen Palme für das Musical-Melodram “Dancer in the Dark” gekrönte Däne gilt als wohl bekanntester und umstrittenster Filmemacher seines Landes.

Für den dritten Künstler, den Illustrator Walter Trier, war Germanistikprofessor Gerhard Schaub zuständig, der 2004 zum Thema “Emil und die Detektive. Neue Sachlichkeit in Kästners Kinderbuch” seine Abschiedsvorlesung an der Trierer Uni hielt. Die Verbindung zum Zeichner ist schnell hergestellt: Walter Trier, einer der meistbeschäftigten Vertreter seiner Zunft im Berlin der Zwanzigerjahre, illustrierte zahlreiche Kästner-Bücher.

WerbungDie Illustrationen zählen zu den Schmuckstücken der insgesamt 80 Exponate umfassenden Ausstellung. “Die Besucher können sich über einige sensationelle Leihgaben freuen”, erklärt Lohberg. “Der Dressler Verlag hat uns unter anderem die Originalgouachen zu ‘Emil und die Detektive’ überlassen.” Die Gemälde Hann Triers sowie Plakate, Filmausschnitte und Stills der Werke von Lars von Trier runden den intermedialen Charakter der Schau ab.

Die als Namen verwendeten Ortsbezeichnungen sind oft ein Beleg für die Verbindung von Namensträger und Stadt. Da alle gezeigten Künstler sich ihres echten Namens bedienen – der dänische Regisseur fügte nachträglich bloß ein adeliges “von” ein – kann davon ausgegangen werden, dass ein historischer Bezug zu Trier nicht auszuschließen ist.

Der Ausstellungskatalog gibt Aufschluss darüber, in welcher Verbindung die drei Triers (es sind schließlich keine Trierer) zur Moselstadt stehen, und welcher der Künstler Trier auch mal kennen lernte. Ziel der Ausstellung sei mehr als eine reine Werksdarstellung. “Wir möchten die Besucher nicht nur zu einem veränderten Blick auf die hiesige Kultur anregen”, sagt Lohberg, “sondern auch die Frage aufwerfen, ob die Kunst nur außerhalb dieser Stadt entstehen kann.”

Die Ausstellung ist bis zum 29. März in der Europäischen Kunstakademie zu sehen (Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr). Im Rahmenprogramm finden zwei Filmabende statt: Am Samstag, 7. März, wird um 20 Uhr “The Element of Crime”, am darauffolgenden Samstag (14. März) der preisgekrönte Film “Dancer in the Dark” gezeigt. Der Eintritt zu den Vorführungen und zur Ausstellung ist frei.

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