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“Es gibt keine Karl-Marx-Universität Trier!”

Nichts spricht dafür, das Karl Marx' Konterfei dereinst auch das Cover des offiziellen Vorlesungsverzeichnisses zieren könnte. Foto: Marcus StölbAm 17. Dezember vergangenen Jahres beschloss eine Mehrheit des Studierendenparlaments der Universität, die Hochschule nach Karl Marx zu benennen. Von diesem rechtlich völlig bedeutungslosen Beschluss hätte bislang wohl nicht einmal der Uni-Präsident erfahren, hätte nicht die Junge Union Professor Peter Schwenkmezger in einem offenen Brief dazu aufgefordert, dem Treiben von StuPa und AStA Einhalt zu gebieten. Was folgte waren ein halbes Dutzend Stellungnahmen und ein kurzzeitiges Rauschen im Blätterwald, von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bis zum Neuen Deutschland. Schwenkmezger äußerte sich am Montag erstmals zu dem an ihn gerichteten Brief und erklärte die Diskussion für völlig überflüssig.

TRIER. Arnd Morkel muss es wissen. Der Politikwissenschaftler war von 1975 bis 1987 erster Präsident der Universität Trier, die bis zum 31. Dezember 1974 noch als Doppeluniversität Trier-Kaiserslautern firmierte. Morkel hat ein Buch über die Historie der neu gegründeten Hochschule geschrieben, besonderer Sympathien für Karl Marx ist der emeritierte Professor unverdächtig. Wirklich aufregen über den Beschluss von Studierendenparlament kann er sich nicht, doch wäre Morkel noch im Amt, er wüsste, wie er mit StuPa und AStA verfahren würde: “Wenn ich von denen Post bekäme und im Briefkopf stünde ‘Karl-Marx-Universität’, dann würde ich das Schreiben ungelesen zurückschicken”, erklärt Morkel im Gespräch mit 16vor und fügt hinzu: “Denn es gibt keine Karl-Marx-Universität Trier”.

Die gab es nie und wird es wohl auch nie geben, weshalb der Streit um einen Namen, den es offiziell gar nicht gibt, auch einigermaßen grotesk anmutet. Im Dezember 2008 fasste das StuPa mit Mehrheit einen Beschluss, künftig nur noch die Bezeichnung Karl-Marx-Universität Trier zu verwenden. Schriftzug samt Konterfei des berühmten Sohns der Stadt finden sich aber schon seit längerem auf Briefpapier und Flyern des AStA, und als im Herbst Hunderte Studierende gegen die katastrophale Raumnot auf dem Tarforster Campus demonstrierten, da verabschiedeten sie auch eine Resolution des AStA der “Karl-Marx-Universität Trier”. Das Thema ist also nicht neu.

AStA und StuPa wehren sich

Das hat die Junge Union auch nicht behauptet, als sie sich Anfang vergangener Woche in einem Schreiben an den Uni-Präsidenten, den AStA und die Presse wandte um auf den ihrer Meinung nach “unverständlichen und inakzeptablen” Vorgang hinzuweisen. “Zynismus” und “historisches Unwissen” attestierte der christdemokratische Nachwuchs der Mehrheit des StuPa und dem AStA, diese hätten sich in die Tradition einer “undemokratischen Dikatur” (sic!) gestellt. Es bestehe die ernsthafte Gefahr, dass “sowohl die Öffentlichkeit und schlimmsten Falles zukünftige Arbeitgeber annehmen müssen, an der Universität werde eine kommunistische Diktatur glorifiziert”, schrieb JU-Vize Stefan Brüggemann dem Uni-Präsidenten.

Der war jedoch die gesamte vergangene Woche unterwegs, und noch bevor sich Schwenkmezger gestern zu dem an ihn gerichteten Brief äußerte, reagierten der AStA und eine Reihe politischer Hochschulgruppierungen. Auf fünf Seiten samt Fußnoten in zum Teil englischer Sprache konterten Stupa-Präsidentin Diana Feld und AStA-Sprecher Florian Kaiser die Vorwürfe der Jungen Union: “Eine Gleichsetzung von Marx und Marxismus oder gar unter diesem Label begangene Verbrechen ist schlichtweg unkorrekt”, es existierten “vielmehr eine Vielzahl von ‘Marxismen’. Und überhaupt: “Folgte man dem Argumentationsmuster der Jungen Union, böten sich viele andere Namensgeber zur Kritik an, welche später in verfälschten Kontexten und in Zwangsideologisierungen verwendet wurden”. Feld und Kaiser führten die Beispiele Goethe, Darwin, Schiller und Nietzsche “im Kontext der NS-Verbrechensherrschaft” an.

Auch die alte Universität trug keinen Namen

Auch die Juso-Hochschulgruppe nahm den Ball auf und verlangte von der Jungen Union, diese solle “die demokratische Entscheidung des Studierendenparlaments respektieren und sich der Sach- und vor allem Stadtpolitik widmen”. Die Gruppe CampusGrün/Die Orangen warf der JU vor, diese habe bislang ja auch noch nie Bedenken gegen eine Karl-Marx-Straße oder das Karl-Marx-Haus geäußert. Die Linke Liste kritisierte ebenfalls die “Jugendabteilung der hiesigen Christdemokratie”, doch sei “die eiligst zusammengeschusterte Entgegnung der diesjährigen studentischen Vertretung” noch “unerfreulicher und unappetitlicher”. Wörtlich heißt es über die AStA-Stellungnahme: “Dieses begriffslose Raunen soll uns weismachen, dass der Stifter der wissenschaftlichen Weltanschauung, die bekanntlich unter der Bezeichnung Marxismus firmiert, nicht mehr als ein netter alter Mann mit Rauschebart gewesen sei, der sich als philantropischer Bürgerrechtler problemlos in eine Traditionslinie einfügen ließe, deren vorläufiger Höhepunkt das fröhliche Wunderkerzenlaufen rund um die Nikolaikirche im Jahre 89 wäre”.

Gemessen an den zum Teil vielseitigen Statements der Hochschulgruppen, gab sich der Uni-Präsident am Montag eher wortkarg:”In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen lebt die Diskussion um den Namen der Universität Trier auf. Anlass für die jetzige Diskussion ist eine Entscheidung des Parlaments der Studierenden der Universität Trier vom Dezember letzten Jahres, die mir offiziell bis jetzt nicht mitgeteilt worden ist. Wie ich bereits mehrere Male festgestellt habe, ist der Name der Universität im Hochschulgesetz gesetzlich geregelt. Ich sehe keinerlei Veranlassung den Namen ‘Universität Trier’ zu ändern”, ließ Peter Schwenkmezger über die Pressestelle der Hochschule verlauten. Gegenüber 16vor bekräftigte der Präsident, dass die Uni seiner Meinung nach keinen Namensgeber benötige. Weder Marx noch Friedrich Spee, Caspar Olevian oder Oswald von Nell-Breuning böten sich wirklich an. Außerdem führe die Mehrzahl der deutschen Universitäten keinen besonderen Namen. Und wenn doch, wie im Falle von Bonn, Tübingen, Freiburg, Münster oder Mainz, werde dieser allenfalls auf dem Briefpapier genutzt. Ex-Uni-Präsident Morkel äußerte sich ähnlich. Er verwies zudem darauf, dass auch die alte Universität, die 1798 von französischen Besatzungstruppen geschlossen wurde, keinen Namen trug.

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21 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Ex-Studi schreibt:

    Alleine schon der Geldknappheit wegen sollte man sich die Umbenennung sparen. Es würde zig-Tausende Euro kosten.

  2. Adrian Koder schreibt:

    Man kann zur Karl Marx Uni stehen wie man möchte, aber:
    Endlich mal ein guter Beitrag zu dem Thema. Alle kommen zu Wort, die Stellungnahmen werden ausgetauscht und dass so gar in einem Artikel.

  3. Philipp schreibt:

    “Morkel im Gespräch mit 16vor und fügt hinzu: “Denn es gibt keine Karl-Marx-Universität Trier”.
    Die gab es nie und wird es wohl auch nie geben, weshalb der Streit um einen Namen, den es offiziell gar nicht gibt, auch einigermaßen grotesk anmutet.”

    Richtig! So sehe ich es auch! Liebe Junge Union, habt ihr sonst nix zu tun als euch mit solchen Nebensächlichkeiten wie einem SPITZnamen au befassen? Die Zeit hättet ihr mal lieber aufgewendet, um für eine bessere Raumverteilung einzutreten!

  4. Thomas Werthmann schreibt:

    Die Diskussion ist ÜBERFLÜSSIG.
    Die Mehrheit des StuPa hat sich eben für den Namen ausgesprochen – ob einem das gefällt oder nicht.
    Das hat erstmal auch nur direkte Auswirkungen auf StuPa und AstA und kaum eine Firma/Personalchef in Deutschland wird wohl den “Inoffiziellen” Namen der Uni kennen. Selbst wenn wird wohl kein Personalchef davon ausgehen das jeder Student der Uni Trier/Karl-Marx Uni Trier ein Kommunist ist.
    Und die Stadt JU hat sich nicht in Hochschulpolitik einzumischen.
    Wenn sie gegen den Namen ist dann sollte die JU ihre Parteinahe HSG RCDS im Wahlkampf mehr unterstützen – denn mit 2 Sitzen sind diese nicht grade Übermäßig stark Vertreten.
    Mal abgesehen davon das sich Frau Feld von der RCDS (und StuPa Präsidentin) auch gegen die Einmischung der JU ausspricht (obwohl sie bei dieser Mitglied ist)
    Die JU versucht hier nur in die Medien zu kommen und sich zu profilieren – was ihr ja auch gelungen ist. Positiv zu sehen ist dies nicht.

  5. Metallkopf schreibt:

    Naja, es werden immerhin seit Jahren Kapuzis mit dem “inoffiziellen” Logo verkauft. Aber wieso muss es denn immer Marxens Kalle sein? Wie wäre es denn mit “Kaiser-Bokassa-Universität Trier”? Oder einer Umbenennung des Studihauses in “Mao-Zedong-Gedenkhalle”?

    Es mag sicherlich wesentlich Wichtigeres geben, als linken Ideologen ihre propagandistische Spielwiese zu mähen, aber ein Geschmäckle ist schon dabei, wenn man als Studierendenschaft unreflektiert mit solcherlei ideologischem Pulver hantiert. Diese quasireligiöse Verehrung politisch fragwürdiger Ideologie hat etwas abschreckendes. Vielleicht erklärt sich ja auch so, dass der AStA sich über Wahlen legitimiert, deren Akzeptanz durch eine schwindende Wahlbeteiligung nahelegt, dass es sich bei der “Mehrheit” im Studierendenparlament lediglich um eine enorm lautstarke Minderheit aller Studierenden handeln dürfte.

  6. Klartexter schreibt:

    “deren vorläufiger Höhepunkt das fröhliche Wunderkerzenlaufen rund um die Nikolaikirche im Jahre 89 wäre”, schreibt die “Linke Liste” in ihrer Stellungnahme.
    Wenn man die Ereignisse der Wendezeit Revue passieren läßt, dann ist es ganz klar, daß die friedliche Revolution und die deutsche Wiedervereinigung ganz maßgeblich zustande gekommen sind, weil viele Bürgerinnen und Bürger der DDR in den Demonstrationen Flagge gezeigt haben. Die Freiheitsbezeugungen um die Nikolaikirche und an anderen Orten waren gefährliche Aktionen, und jeder, der daran teilgenommen hat, lief Gefahr, von der Stasi festgenommen oder im Extremfall sogar von einem russischen Panzer überrollt zu werden.

    Wenn die “Linke Liste” diese mutigen Aktionen als “fröhliches Wunderkerzenlaufen” bezeichnet, dann kriege ich das Kotzen. Ein Besuch der Stasi-Haftanstalt Hohenschönhausen würde euch gut tun!

  7. Frank Jöricke schreibt:

    Willkommen in Absurdistan: “Auf fünf Seiten samt Fußnoten in zum Teil englischer Sprache konterten Stupa-Präsidentin Diana Feld und AStA-Sprecher Florian Kaiser die Vorwürfe.”

    Man muss sich diesen Irrsinn mal vor Augen halten: Zwei junge Menschen, die sicher wenig Freizeit haben (denn das Studium ist ja auch nicht mehr das Party-Überbrückungsprogramm, das es mal war), haben nichts Besseres zu tun, als diese kostbare Zeit damit zu verplempern, ein seitenlanges Traktat zu verfassen.

    Ist dieses Traktat wenigstens Ausdruck von jugendlicher Rebellion, Aufruhr und Widerstandsgeist? Nicht einmal das. Wer das wissenschaftlich korrekte Zitieren so tief verinnerlicht hat, ist für die Revolution verloren. Der baut nicht an Barrikaden im Straßenkampf, sondern an seiner akademischen Karriere.

    Ich bin mir ziemlich sicher, der alte Marx hätte für seine AStA-Jungfans nur Spott übrig gehabt. Denn erstens brauchte er für seine Kampfschriften keine Fußnoten, und zweitens nutzte er seine Freizeit für interessantere Tätigkeiten – sein Dienstmädchen hätte darüber Näheres zu berichten gewusst.

  8. Exiltrierer schreibt:

    “Die Diskussion ist ÜBERFLÜSSIG.
    Die Mehrheit des StuPa hat sich eben für den Namen ausgesprochen – ob einem das gefällt oder nicht.”

    StuPa? Ich wette 50% der Studis wissen nicht mal was das ist. Nur weil der Zentralrat der DDR irgendwas entschied hat das ja auch nicht geheissen, dass alle Bürger dahinter standen. “Demokratisch” legitimiert war der nach damaliger Ansicht natürlich auch.

    Wieso sollten eigentlich die aktuellen Studenten berechtigt sein den Namen überhaupt zu ändern? Ich war von meinem Studienbeginn 1990 bis 1998 mit dem Abschluss meiner Dissertation an der Uni Trier. Jetzt zahle ich jedes Jahr so viel Steuern, dass davon sicherlich fast zumindest eine Assitentenstelle finanziert werden könnte. Habe ich jetzt also wirklich weniger Anspruch auf die Benennung als aktuell immatrikulierte Studis, die hier gerade mal 3 Jahre studieren und es ihnen dann oft sowieso egal ist?
    Es sollte beim jetztigen offiziellen Namen Universität Trier bleiben. Sonst wird nächstes Jahr im StuPa erneut mal wieder abgestimmt und aus der dann “Karl-Marx-Universität” wird dann die “Helmut Kohl Universität”, die “*Sponsorenname* Universität” oder gar die “Brittney Spears Uni Trier”…

  9. Hyperboreas schreibt:

    Eins verstehe ich immer noch nicht: warum bitte braucht der Asta einen eigenen Namen für die Uni? Was ist so schlecht an “Universität Trier”? Und warum muß es die “Karl-Marx-Uni” sein? Was bitte will der Asta damit zu verstehen geben? Was ist die Botschaft, die hier übermittelt werden soll?

  10. Jörg Halstein schreibt:

    Im großen Business-Netzwerk XING finden sich immerhin 14 Alumni der Karl-Marx-Universität Trier… http://www.halstein.de/gemischtwaren/karl-marx-uni-trier-xing.png ;-)

  11. Neudabei schreibt:

    @Hyperboreas: Die Botschaft ist doch klar: Der Asta und die Mehrheit des STUPAS sind politisch “links” angesiedelt, das muss natürlich auch durch einen entsprechenden Namen nach Außen sichtbar gemacht werden. Man sieht dies auch an den poltischen Veranstaltungen einzelner Referate, wo diverse Themen objektiv und mit Vertretern ALLER politischer Ausrichtungen disskutiert werden.

    Leider brauchen manche Menschen immer noch feste Ideologien und einfache Weltbilder und deshalb muss es eben die Karl-Marx-Uni sein, denn der Kommunismus ist im Gegesnatz zum Kapitalismus (als Steigbügelhalter des Konservatismus, Faschismus, Nationalismus….)die einzig wahre Weltanschauung.

  12. Michael Angele schreibt:

    Ich würde nicht fragen warum die JU Trier ihre Zeit mit Namensdebatten verschwendet anstatt sich um die Raumverteilung zu kümmern um sie im nächsten Atemzug auf zu fordern, sich aus der Hochschulpolitik rauszuhalten. Da ist doch sonst ein gewisser Widerspruch erkennbar, oder?
    Wäre nicht eher die Frage gerechtfertigt, warum der AStA und das StuPa sich mit Namensdebatten beschäftigen anstatt sich um wahre Hochschulpolitik, zum Beispiel die widrigen Studienbedingungen, zu kümmern?! Damit würde man den Studenten und damit denen, die beide Gremien ja vertreten sollen, wohl eher gedient.
    Hyperboreas hat total recht. Warum braucht der AStA überhaupt einen eigenen Namen für die Uni? Muss er sich des wohl berühmtesten Trierers im Briefkopf bedienen, um Geltung zu finden? Oder soll da doch etwa eine gewisse Botschaft übermittelt werden…?

  13. Maurizio Becker schreibt:

    Es geht bei diesem Namens”streit” ja nun um nichts anderes als reine Effekthascherei.

    Wer die Damen und Herren vom Asta halbwegs kennt, weiß, dass es sich dabei um Karrieristen handelt, die sich alle schon als Bundeskanzler/innen in spe betrachten, kein einziges wirkliches Problem im Sinne der Studenten lösen können/wollen und vom realen Leben nicht die geringste Ahnung haben, weil sie entweder wohlstandsertränkt sind oder aber einfach gänzlich unreif. Ihre “Arbeit” ist also ausschließlich egoistisch motiviert. Das System “Asta” von Jusos, Julis, JU und Co. bringt schließlich nicht umsonst Leute wie Roland Koch hervor, DEN Prototyp des infantilen Ausgestoßenen, der nur durch seine “Arbeit” als Politiker vorhandene Minderwertigkeitskomplexe überwinden kann.

    Das System “Asta” wurde einst von Leuten erkämpft, die ihr lokales Handeln immer bedingungslos mit der großen Linie verbunden haben, einen radikalen gesellschaftlichen Systemwechsel herbeizuführen. Diese Perspektive bietet keine der Hochschulgruppen, auch nicht die sog. “Linke Liste”, die auch nix besseres zu tun hat, als sich eifrig in diese mehr als kindischen Scharmützel einzumischen und dabei noch so nebenbei eine staatskapitalistische Diktatur zu verherrlichen. Allesamt stellen sie sich nur allzu gerne in den Dienst der kapitalistischen Abrichtungsmachinerie zur wirtschaftlichen Verwertbarkeit (neudeutsch “Universität” genannt) und halten sich mit dümmlichen Kindereien auf, statt wirklich Remmidemmi zu machen und was zu verändern. Und dann wundern die sich noch, dass sie nur noch von durchschnittlich 10 Prozent der Studis legitimiert werden…

    Mein Vorschlag: bitte das Studhaus stürmen, die Atsa-Fuzis verjagen und die Macht der Studentenvertretung komplett an das Studierendenwerk abgeben. Von der Erfahrung, dem Engagement und der Kreativität eines Andreas Wagner könnten sich diese selbstherrlichen Hochschul”politiker” noch so einiges abgucken.

  14. Rouven schreibt:

    Wie immer man auch zum Namen der Uni stehen mag, einen Wechsel für nötig hält oder nicht, letztlich scheint mit hier billige Effekthascherei im Vordergrund zu stehen. Geändert werden wird der Name sowieso nicht, inoffiziell kann die Uni von mir aus gerne so heißen. Dass JU und RCDS wenig anderes zu tun haben, als sich mit solchen Kinkerlitzchen auseinanderzusetzen, hat sich auch schon im letzten Stupa-Wahlkampf gezeigt. Ich erinnere an die “Ciao-Guevara”-Plakate und Flyer der RCDS, auf denen “entlarvt” wurde, was Guevara für ein Verbrecher war. Auf meine Frage, was diese zwar polemische, im Kern aber berechtige Kritik denn mit der Hochschulpolitik zu tun habe, antworteten mir zwei RCDS-Mitglieder sinngemäß: “Ja..also, wir finden, das muss man einfach mal sagen”.
    Kein Wunder, dass sich keiner an den StuPa-Wahlen beteiligt.

    Und noch etwas, liebe Kritiker des Karl-Marx-Namens: Ich kann von Marx halten was ich will, aber bitte, setzt nicht immer direkt Marx mit diversen autoritären Regimen gleich. Damit verdeutlicht ihr lediglich, dass ihr nicht mal ansatzweise versteht, über was ihr euch aufregt.

  15. Rüdiger Rauls schreibt:

    Naja, liebe CDUler samt Anhang, die Ihr Euch in Eurem Namen auf das Christentum beruft! Schlecht aufgepasst in der Schule oder immer gepennt im Geschichstunterricht oder einfach weggehört, wenn Geschichte Unliebsames an den Tag brachte? Bedenkt man, wie die Christen im Laufe ihrer Geschichte und Herrschaft gewütet haben, sollte man doch lieber bescheiden bleiben. Euer Religionsstifter hat mal ein schönes Gleichnis gebracht von dem Splitter im Auge des Gegenübers und dem Balken im eigenen.
    Oder gibt es bei Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völker ein Verfallsdatum, so wie beim Joghurt? Gilt auch hier die immer deutlicher um sich greifende Sichtweise, dass der Wert des Menschenlebens abhängig ist von der religiösen, politischen oder nationalen Herkunft der Opfer? So wie heute des einen Freiheitskämpfer des anderen Terrorist ist?

  16. Metallkopf schreibt:

    Bravo Herr Rauls! Encore!

    Ich komme kaum zum Tippen, vor lauter Klatschen.

    Das ist jetzt natürlich die Krönung aller Argumentation! Mal ehrlich: Wenn man solche Edelsteine der Argumentation liest, da bekommt man als Freund der gepflegten Dialektik spontan eine… aber ich schweife ab.

    Das das noch keinem anderen aufgefallen ist, dass man am Besten von Unfug ablenkt, indem man irgendwo anderen Unfug findet, den man dem Kritiker des ursprünglichen Unfugs an die Backe nageln kann. Heißa! Tu quoque als Absolution der Anenzephalie!

  17. Jens schreibt:

    Ist doch schön, daß der AStA die Bindestrich-Regeln der deutschen Rechtschreibung kennt. Woanders wäre daraus “Karl Marx Universitaet” geworden.

  18. Rüdiger Rauls schreibt:

    Sehr geehrte/r Frau/Herr Metallkopf
    Sie haben vollkommen Recht. Die Umbenennungswünsche der Trierer Uni in Karl-Marx-U. machen keinen Sinn. An den erbärmichen Lehr- und Lernbedingungen gemessen, macht es keinen Unterschied, wie die Uni heißt. Wichtiger gewesen wäre und dem Geiste von K.M. sicherlich näher, von seiten der Studentenvertreter die Auseinandersetzung darum zu führen, wie die Bedingungen verbessert werden können, als mit der Forderung der Namensänderung einen Nebenschauplatz politischer Diskussion zu eröffnen. Und hätten Sie und die CDU-Gliederungen und deren Anhänger so argumentiert, wäre an der Erwiderung nichts auszusetzen gewesen. Aber das gerade tun weder Sie noch jene.
    Sie als auch jene pflegen den persönlichen Angriff, nicht die sachliche politische Diskussion. Denn auf die von mir aufgeworfene Frage haben sie keine sachliche Antwort geben können. Und die Frage lautet: Wenn man Marx für die Verbrechen verantwortlich macht, die der Sozialismus in seinem Namen begangen hat, muss man dann nicht auch Christus verantwortlich machen für die Verbrechen, die in seinem Namen begangen wurden. Und wenn nicht, dann sollte man da auch Argumente vorbringen, worin der Unterschied bestehen könnte, statt mit Verunglimpfung zu reagieren, wie Sie und jene es tun.
    Gerade in den heutigen Zeiten, in denen unsere Welt dermaßen in Unordnung geraten ist und immer unklarer wird, was Recht und Unrecht ist, ist eine solche Diskussion zu wichtig, als dass sie mit solchen Retourkutschen und Plattheiten bedient werden sollte.
    Es war keine Häme von meiner Seite, als ich diejenigen, die sich gerne solcher Vorwürfe gegen politisch Andersdenkende bedienen, darauf hinwies, angesichts der eigenen Geschichte bescheiden zu sein. Denn auch Frau Merkel war als Jugendfunktionärin einmal vom System der DDR überzeugt. Und weder Franz-Josef Strauß noch Helmut Kohl, beide Mitglieder der C-Parteien, hatten keine Probleme damit, sich mit den Spitzen der DDR an einen Tisch zu setzen, besonders wenn es um einträgliche Geschäfte ging. Ganz abgesehen von all den zweifelhaften Gestalten von Chile bis Georgien, mit denen man Umgang hatte der guten Geschäfte und der Durchsetzung politischer Interessen und Ziele wegen. Dabei schien es nicht zu stören, dass Pinochets Chile und das heute Georgien nicht gerade Spitzenplätze in der Liste der Menschenrechtsorganisationen einnahmen und einnehmen. Es gäbe der Beispiele mehr, um das Alleinvertretungsrecht der C-Parteien und ihrer Anhänger in Sachen Menschenrechte in Frage zu stellen.
    Aber gerade darum soll es ja eben nicht gehen. Nicht um die Aufrechnung, wessen Anhänger und Vordenker mehr Verbrechen auf dem Kerbholz oder veranlasst haben, und wer deshalb mehr oder weniger berechtigt ist, es dem jeweils anderen vorzuwerfen. Es gibt meines Wissen keine Organisation oder Nation, die im Laufe ihrer Geschichte nicht die Menschenrechte verletzt hätte, die einen mehr, die anderen weniger. Auch das ist Ansichtssache derer, die nicht Opfer geworden sind. Die Opfer sehn es ohnehin ganz anders. Aber wer es wirklich ernst meint mit dem Kampf für die Menschenrechte, der sollte dort für ihre Verwirklichung kämpfen, wo er Einfluss auf ihre Einhaltung hat. Und das ist im eigenen Land.
    Und dort wo er keinen Einfluss hat, im Ausland, sollte auch kein Unterschied gelten zwischen den Menschenrechtsverletzungen der Russen in Georgien und denen der Amerikaner in Afghanistan, zwischen denen der Taliban im Swat-Tal und denen der Israelis im Gazastreifen.
    Aber offensichtlich besteht in vielen Köpfen dieser Unterschied dennoch, wobei das Mitleid mit den Opfern nicht unwesentlich davon abhängt, wessen Opfer sie geworden sind.

  19. Thomas Schulte schreibt:

    @ Rüdiger Rauls:

    Sie mögen über Jesus Christus denken, was sie mögen, ihn mit einem Verbrecher wie Karl Marx, dessen Lehre unsägliches Leid über Millionen von Menschen gebracht hat, zu vergleichen, erscheint mir absolut lächerlich!! Und dennoch, wenn man diese Konstellation voraussetzt, besteht immer noch der Unterschied, dass die JU die hiesige Univeritas nicht in “Jesus-Christus-Universität” umbennen möchte!
    P.S.: Wer im Gaza-Streifen ein Verbrecher ist und Menchenrechte verletzt, sollten Sie sich auch noch einmal durch den Kopf gehen lassen!!

  20. nachdenker schreibt:

    @thomas schulte: kleindenker….was hat karl marx für eine verantwortung am missbrauch seines werkes?

  21. Richard Patten schreibt:

    In Düsseldorf gab es auch Probleme mit der Namensgebung. Heinrich Heine war nicht erwünscht. Nach langem Tauziehen heißt sie nun doch endlich Heinrich-Heine-Universität.
    Dass die junge Union den Namen nicht haben möchte, kann ich verstehen. Vielleicht akzeptiert sie den Namen “Sprechblasen-Angie”. Daran dürfte die JU aber nun wirklich nichts auszusetzen haben.

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