Liebe Studentenunruhen,

mit Begeisterung verfolge ich den künstlich aufflammenden Streit um die Umbenennung der Hochschule Trier in die “Du weißt schon wer”-Universität. Unsere schöne Akademie, gebrandmarkt mit dem Namen dessen, der nicht genannt werden darf?!

Michael KernbachRein äußerlich betrachtet, erstmal keine so schlechte Idee, versprüht die Architektur der Lehranstalt doch den Charme eines realsozialistischen Prunkbaus. Wächst da also nicht zusammen, was zusammen gehört? Jedenfalls schön, dass es immer noch junge Leute gibt, die sich um so was kümmern. Nicht nur, weil dies das beruhigende Signal versendet, dass es offenbar keine schlimmeren Probleme in der Region gibt, um die man sich sorgen könnte. Auch als Jungbrunnen für angegreiste Achtundsechziger ist dieser Streit um Karls Bart schlicht weg nicht zu schlagen. Da erwachen sogar die Speerspitzen tot geglaubter Systemkriegerheere, die Junge Union vs. AStA/StuPa, zu neuem Leben, und traktieren sich mit Weltanschaulichkeiten, dass einem schon beim Zuhören Seitenscheitel und Koteletten wachsen.

Geil! Let the sunshine in! Weil in Trier bekannterweise viele gesellschaftliche Entwicklungen erst ungezählte Jahre später angekommen, könnte es sich bei dem Streit auch um eine Art “Tarforster Frühling” handeln. Wer weiß, morgen verhindern Studenten gar die Auslieferung des Volksfreunds und veranstalten ein Sit-in auf dem Kornmarkt, und zwar ausnahmsweise nicht, wie sonst, auf den Sesseln der dortigen Sit-in-Anbieter der Straßencafes.

Und dies alles gerade jetzt, wo sich nach dem Sozialismus auch noch das andere wertfreie Wertessystem in Wohlgefallen auflöst. Da ist eine, offenbar durch ein Zeitloch gefallene Retrodiskussion um den Marxbrother als Titelheld der Trierer Uni auf einmal nicht nur drollig, sondern sogar hochaktuell! Schließlich könnte man unter dem Schild einer Karl-Marx-Universität höchst kredibel nach einer neuen Weltordnung forschen. Wird ja gerade was passendes gesucht.

WerbungDie Kollegen von der Junion sollten sich da auch nicht so unentspannt zeigen: Wer dem ollen Marx den Marxismus in die Schuhe schiebt, darf sich nicht beschweren, wenn man dasselbe mit den Kreuzzügen beim Jesuskind macht. Aber okay, aus Gründen der Ausgewogenheit könnte man die Hochschule auch “Marx-Luxemburg-Akademie” nennen, vielleicht sponsort dann die Deutsche Bank einen Joseph-Ackermann-Hörsaal und Jean Claude Junker wird gemeinsam mit Oskar Lafontaine Ehrenpräsident.

Eine Überwindung krassester ideologischer Gegensätze scheint möglich, das Jahrhundert des Wassermanns bricht an. Und das dank der Umbenennung eines Plattenbaus auf der Tarforster Höhe, where the streets have no name.

Give peace a chance
Michael Kernbach

Print Friendly

von

12 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Weltgeist schreibt:

    Mannomann Michael Kernbach… Bist du ätzend! Da finde ich gar keine Worte…

  2. bambam schreibt:

    Daumen hoch!
    :- )

  3. Klartexter schreibt:

    Das scheint ein durchgängiges Problem zu sein: Die überaus hohe Attraktivität professioneller Sit-in-Anbieter nicht nur am Kornmarkt, sondern an vielen Standorten der Stadt…

  4. Su ass et schreibt:

    Tag gerettet!

  5. Stephan Jäger schreibt:

    Wieso suchen? Die neue Weltordnung ist doch längst gefunden:

    Das Gemeinschafts-finanzierte Privateigentum.

    Frei nach dem Sprichwort “Was dein ist, ist auch mein, was mein ist, geht dich einen Schei**dreck an”.

  6. biene schreibt:

    schön, dass der name das einzige problem ist, das die uni hat…

  7. Rouven schreibt:

    “Marx-Luxemburg-Universität”

    Ein fehlgeschlagener Versuch geistiger Spritzigkeit?
    Ein lustiges Wortspiel?
    Ein heimliches Bekenntnis zum Sozialismus?
    Ein Beweis der Unwissenheit des Autors?

    Wie auch immer, für mich die einzig interessante Passage dieses sonst eher schwachen Artikels…

  8. Typ schreibt:

    In etwa so kann man diese Stadt beschreiben.

  9. Metallkopf schreibt:

    Und die Marx-Luxemburg-Universität streichen wir nicht rosa, sondern braun… :D

  10. Karl Ringier schreibt:

    Ich kann es nur immer wieder betonen: Die Studenten dort in Trier sind alles weichgespülte Waschlappen, die es in ihrem Kuscheldasein niemals mit den Kommilitonen aus Osteuropa und Asien aufnehmen können.

    “Lasst Euch überfahren …”

  11. Thomas Schulte schreibt:

    Da habe ich an dieser Stelle schon bedeutend bessere Artikel gelesen…naja…generell stellt sich mir die Frage:
    Mit welchem Recht benutzt der AStA auf seinen Auslagen, Plakaten, Türschildern und sogar auf der offiziellen Netzseite der Universität einen Namen, der keiner ist??
    Das ist mir völlig unverständlich!
    Meines Wissens hat Peter Hartz in Trier einen Ehrendoktortitel erhalten, vielleicht nennen wir die Uni auch einfach Hartz-4-Uni, wäre genau so bescheuert!!

  12. Exilfranke schreibt:

    Schlägt ja langsam überregionale Wellen, diese Provinzposse: http://www.sueddeutsche.de/,ra7m1/jobkarriere/950/462566/text/

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken