“Fischers Matthes” enthüllt
TRIER. Mathias Joseph Fischer ist wohl der einzige Trierer, über dessen Suizid man sich auch nach mehr als 130 Jahren noch amüsiert. Jetzt hängt “Fischers Maathes” in der Fußgängerzone.
An der Fassade seines Geburtshauses in der Brotstraße 26 wurde am Dienstagabend eine Gedenktafel angebracht, auf dass diese gestern Vormittag im Rahmen einer recht amüsanten Feierstunde enthüllt werden konnte. Entworfen hat die bronzene Tafel der Olewiger Bildhauer Franz Schönberger, der auch die neue Jenny-von-Westphalen-Tafel in der Neustraße (an der Volksbank) geschaffen hat (wir berichteten). Es sei für ihn faszinierend, sich vorzustellen, wie “Fischers Maathes” und der nur geringfügig bekanntere Karl Marx sich des Öfteren in der Innenstadt begegneten oder letzterer sich auf dem Weg zur Schule im Laden von Fischers Vater mit Schreibmaterial eindeckte, erzählte Schönberger, bevor er zur Enthüllung seines Werks schritt.
“Besser duth gelaacht, als wie freckt geärjert” steht auf der Tafel unter den Lebensdaten des Trierer Originals. Dass sich gestern unter den gut 80 bis 100 Festgästen, darunter sehr viel Kommunalpolitprominenz, jemand tot gelacht hätte, ist nicht überliefert. Doch die Initiatoren des Gedenkens, Helmut Haag, Hanspitt Weiler und Walter Liederschmitt, sorgten mit Liedern und Reimen für ausgelassene Unterhaltung und viel Gelächter, und natürlich durften Klassiker wie folgender nicht fehlen: Maathes wird in der Schule gefragt: “Mathias Fischer, was machst du wenn die Welt untergeht und du bist ganz alleine?” Darauf Maathes: “Oh, Här Lehrer, dat micht mir neist aus. Dao giehn eich nao Olewig – dao haon eich en Tant!”
Die “Interessengemeinschaft Fischers Maathes” ist glücklich über das Werk Schönbergers, und noch glücklicher wären die drei Initiatoren, wenn ausreichend Spenden für die von ihnen vorfinanzierte Tafel eingehen.
Mehr über “Fischers Maathes” und die Möglichkeit, für die Gedenktafel zu spenden, erfahren Sie auf dieser Website.
von Marcus Stölb





2. April 2009 (07:10 Uhr)
Gedicht zur Anbringung der GEDENKTAFEL FISCHERS MAATHES
im 130. Todesjahr am Geburtshaus Brotstrasse 26 (Huthaus GEORG)
Millijune Leit sönn onnerwegs
trampeln Ihr Peedcher täglich stets,
hei durch de Bruutstraoss längs daoher
maol frohen Herzens on maol schwer
hetzen durch ons schien aal Stadt,
die jeden jao ganz gären haat.
Erst heut dao merkt mer, et gött waohr,
et öss vor hunnertdreißig Jaohr,
verstorwen uff’m Breite’stein
sich uffgehang, aom Saail, allein,
mucksmäusjenstill, dodsterwenssicher,
dä Kaufmann Matthias Joseph Fischer.
Mir wollen seiner heut Gedenken,
unn dem Maathes ebbes schenken.
Dat Haus worin hä waor geboren,
ha mir lao uns auserkoren,
dat jeden, dä vorbei hei laatscht,
on och gär e Pörzje’ baatscht,
erinnert gött, an datt wat waor,
den äringst Trierer Heimat-Star.
Muttis mött em Könnerwaren
Sangesbrieder aus Zalaawen,
Power-Shopper aus em Ländchi,
Opas möt Enkelcher aom Händchi,
Touristenmengen aus Fernost,
Nicken Dir zu unn fönnen Trost,
erönnern sich an Deine Zeit,
und sönn dazu dann stets bereit
Trierer Mundaort gut ze pflejen,
dat öß Kultur, fier uns e Sejen.
Gieht aanen vorbei, daon denkt en:
dä Maathes, wie schien, lao hänkt en!
„Besser duuht gelaacht, als wie freckt
geärjert!“
Helmut Haag, 1.April.2009