Produktion gefährdet
Dem Produktion e.V. droht offenbar das Aus. Wie die Stadt bestätigte, hat sie dem Verein das Mietverhältnis für die Räumlichkeiten im Palais Walderdorff gekündigt. Der Grund: Zwischenzeitlich haben sich Mietschulden aus dem kompletten vergangenen Jahr angehäuft, die Mietzahlungen für die Monate März und April 2009 blieben völlig aus. “Wir haben versucht zu helfen”, erklärte Roman Schleimer gegenüber 16vor, doch nun habe es keine Alternative mehr zu einer außerordentlichen Kündigung gegeben. Produktions-Chef Peter Stablo kontert: Die Stadt provoziere mit ihrer Kündigung, dass nun sämtliche Gläubiger leer ausgingen.
TRIER. Am 20. März öffnete das Café P im Palais Walderdorff wieder seine Pforten – “pünktlich zum Frühlingsbeginn”, wie es in der dazugehörigen Pressemitteilung hieß. Man konnte darin einen Hoffnungsschimmer sehen, dass der in eine bedrohliche finanzielle Schieflage geratene Verein doch noch die Kurve bekommen hat. Doch dem war und ist offenbar nicht so, im Gegenteil: Laut Peter Stablo, in Personalunion Geschäftsführer des soziokulturellen Zentrums und Vorsitzender des Vereins, führt für den Produktion e.V. an einem Insolvenzplanverfahren kein Weg mehr vorbei. Stablo bestätigte auch, dass sich die Schulden des Vereins inzwischen auf rund 300.000 Euro summieren.
Anfang Januar hatte 16vor erstmals über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Produktion e.V. berichtet, damals gab man sich noch optimistisch, den Verein retten zu können. “Ich bin ganz guter Dinge, dass wir in naher Zukunft eine Lösung finden werden”, erklärte ein als Sanierungsberater beauftragter Jurist. Zwei, maximal drei Wochen später sollte ein neues Konzept und ein Investor präsentiert werden, so die damalige Prognose. Daraufhin wurde es nach außen hin ruhig um die Sanierungsbemühungen, und der besagte Jurist durfte sich plötzlich nicht mehr gegenüber Medien äußern. Stablo behauptet, es gebe sowohl ein Konzept als auch einen potenziellen Investor, der bereit sei, das Catering zu übernehmen und viel Geld zu investieren. Dieser habe aber zur Bedingung gemacht, dass der Verein weiterhin Mieter von Keller und Café P bleibe.
Die Produktion e.V. logiert im Palais Walderdorff, das sich im Besitz der Nikolaus-Koch-Stiftung befindet. Die Stadt hat dort in großem Umfang Flächen von der Stiftung angemietet und diese wiederum untervermietet, unter anderem etwas mehr als 500 Quadratmeter an den Verein, der vor zweieinhalb Jahren aus dem Palais e.V. hervorging. Mit der Stiftung vereinbarte die Stadt Ende der 1990er Jahre ein Dauernutzungsrecht, doch im Nutzungsvertrag heißt es, dass in den angemieteten Räumen nur soziale, gesellschaftliche und kulturelle Einrichtungen unterkommen dürfen. Ein rein kommerzielles Konzept würde sich im Fetenkeller deshalb kaum realisieren lassen, doch zugleich dürfte es für die Verwaltung auch sehr schwer werden, einen dem Nutzungskonzept entsprechenden Nachmieter zu finden. Bereits bei der Vermietung des nördlichen Seitenflügels des Palais hatte die Stadt Schwierigkeiten, Mieter zu finden.
Seit dem vergangenen Jahr häuften sich Mietschulden an, kamen Stablo und sein Team ihren Verpflichtungen nicht mehr nach. Laut Roman Schleimer, Leiter des Kulturbüros der Stadt, wurden auch keine Nebenkosten gezahlt. Auf Druck der Verwaltung gingen dann immerhin die Mieten für Januar und Februar ein. Dann war erst einmal wieder Schluss. Nun wartet die Stadt unter anderem auf die Mieten für die Monate März und April. Schon rein rechtlich habe man jetzt handeln müssen, erklärt Roman Schleimer, schließlich zahle das Rathaus ja weiterhin die Mieten an die Nikolaus-Koch-Stiftung. Erhält sie im Gegenzug vom Verein kein Geld mehr, gehe das zu Lasten der Stadtkasse, also der Steuerzahler. Vor diesem Hintergrund zogen Oberbürgermeister und Kulturdezernent vergangene Woche die Notbremse: per Einschreiben ließen sie dem Palais e.V. außerordentlich zum 30. April dieses Jahres kündigen. Stablo erklärte am Donnerstag, mit der Kündigung des Mietverhältnisses provoziere die Stadt, dass nun sämtliche Gläubiger leer ausgingen.
von Marcus Stölb





9. April 2009 (13:19 Uhr)
Meinen Beitrag habe ich bereits bei volksfreund.de gepostet – allerdings denke ich, dass er auch hierher gehört:
Warum bezieht hierbei kein Dezernent der Stadt Stellung, sonden Roman Schleimer, der “nur” Amtsleiter des Kulturbüros ist? Ist er verantwortlich?
Einem meiner Vorredner ist Recht zu geben: Umsiedelung kultureller Veranstaltungen in die TuFa??? Die TuFa schafft es mit fast mittlerem sechsstelligem Etat leider nur sehr bedingt, interessant zu sein. Und das trotz 6-8 Angestellten und zusätzlicher Subventionierung für weitere Veranstaltungen, die nur sehr wenige Einwohner interessieren – das alles, mit Verlaub, wird auch vom Steuerzahler getragen. Die Intention ist also mehr als deutlich.
Würde die TuFa (und damit Herr Schleimer, wenn er hier schon Rede und Antwort steht) eigenverantwortlich arbeiten, ohne Stadt-Etat oder weitere Zuschüsse, wäre dieser Standort schon längst obsolet.
Nicht verwunderlich ist ebenfalls, dass der für die TuFa das Catering durchführende Gastronom rein zufällig der “Nachbar” der Produktion am Dom ist – Nachtigall,..
9. April 2009 (21:41 Uhr)
“der besagte Jurist durfte sich plötzlich nicht mehr gegenüber Medien äußern.”
Das kann ja wohl nicht Ihr Ernst sein! Es handelt sich hierbei um die Verschwiegenheitspflicht eines Rechtsanwaltes seinem Mandanten gegenüber. Oder wie würden Sie es finden, wenn Ihr Anwalt das Vertrauensverhältnis missbraucht und Betriebsinterna ausplaudert?
” Erhält sie im Gegenzug vom Verein kein Geld mehr, gehe das zu Lasten der Stadtkasse, also der Steuerzahler.”
Na Glückwunsch! Mit dieser ausserordentlichen Kündigung ist der Insolvenzplan (der Stadt war dieser übrigens bekannt) dann wohl hinfällig und somit wird keiner der Gläubiger Geld sehen. Wie die das wohl finden? Und Gläubiger ist dann hier auch der eben erwähnte Steuerzahler. Ob das in seinem Sinne ist, das die Stadt jetzt komplett auf sein Geld verzichtet?
(Anm. d. Red.: Besagter Anwalt war vom Vorsitzenden des Vereins, Peter Stablo, ausdrücklich als Ansprechpartner für die Medien genannt worden. Im Januar erteilte der Jurist auf Anfrage Auskunft über den damaligen Stand der Dinge (siehe unseren Bericht vom Januar). Auf eine erneute Nachfrage im März verwies der Anwalt dann gegenüber 16vor nicht etwa darauf, dass er seiner Verschwiegenheitspflicht seinem Mandanten gegenüber nachkommen müsse, wofür die Redaktion selbstverständlich Verständnis gehabt hätte, sondern dass er nichts mehr sagen dürfe und sich nicht einmal mehr sicher sei, ob er noch im Auftrag des Produktion e.V. tätig ist.)
10. April 2009 (10:21 Uhr)
Also ich finde es sehr Traurig sowas lesen zu müssen! Da wird ein Theater und eine Tufa unterstützt und eine Produktion links liegen gelassen! Es ist schade das dies meines Wissen nur passiert ist wegen eine Großraumdiskothek die alles zu nichte macht, denn beim Forum kann es auch nur noch eine Frage der Zeit sein bis sie die Segel streichen und dann ist in Triers Altstadt nichts mehr los, ich will nicht wissen was die Touristen darüber denken.
Naja vielleicht machen sich die Mitglieder des neuen Stadtrats mal Gedanken.
10. April 2009 (12:43 Uhr)
Peter Stablo sagt, der Verein komme ohne öffentliche Förderung aus, also solle die Stadt jetzt mal helfen, wenn es brennt.
Dazu frage ich Herrn Stablo:
1. Haben die Einnahmen die Kosten nicht decken können oder haben sich die Verantwortlichen einfach zu viel Geld “aus der Kasse geholt”?
2. Wie war es denn bis vor 2 Jahren? Gab es da auch keine öffentliche Förderung? Und warum hat man denn einen neuen (kommerziell orientierten) Verein gegründet?
Danke für die Info!
10. April 2009 (22:34 Uhr)
Ich kam nach Deutschland, weil ich dachte dieses Land wäre frei und geresht. Bin seit 16 Jahren hier und schon lange mit meiner deutschen Frau glücklich verheiratet. Ich habe als 24 jähriger oft das Palais am Dom besucht , da wo jetzt der Herr Laux den toni macht. Ich habe nitnekommen wie das Palais Walderdorff von der Stadt Trier damals verschenkt wurd für 1 Mark und ich denk das Problem hat da begonnen. Habe deutsche gute Freunde, die damals mir erklärt haben was da passiert. Weiß auch von einem grünen Stadtratsmitglied wievile Geld die Stadt in das Palais Walderdorff buttert. Weiß auch, dass die Stadt viel viel mehr bezahlt als veranschlagt ursprünglich aber nicht für Produktion. Trink mal immer wieder einen Kaffee im Kaffee der Produktion , denn die Leute die da arbeiten sind einfach echt nett und gute Menschen und ich mag den Dom, bin Christ aus Libanon, auch da im Kaffee hab ich Gespräch mitbekommen.
Lieber Herr Oberbürgermeister beliben Sie bei Ihrem Wort und machen Trier zu einer Stadt, in der nicht Geld das wichtigste ist, sonder die Menschen. Helfen Sie beim Erhalten von einem der wenigen Stücke an Menschlichket in Trierer Innenstadt.
Sonst nur noch Commerz. Das het Trier nicht verdient, Ihr habt so schöne Stadt und die Produktion muss da blaiben.
Und bitte auch Mitarbeiter der Stadt sagen nicht immer alles richtig.
Viele Ausländer haben Sie gewählt.
Wir wollen eine schön Stadt
11. April 2009 (12:07 Uhr)
Dass es der Produktion nicht gut geht war ja nun mehr als ein offenes Geheimnis und dass der Genickbruch jetzt durch das A1 gekommen ist. Yeap, kann sein.
Ich schätze Peter und sein Enganement in der kuturellen Verschönerung Trier’s, das ganze schein so unreal zu sein, wenn man überlegt wieviel noch vor einer Woche beim Master Comedy Slam los war.
Das ist aber nicht das Problem, dem Laden sind leider bei den normalen Veranstaltungen die Leute langsam weg geblieben. Das lag aber teilweise auch an der etwas unstrukturierten Konzeption. Es gab doch seit über einem Jahr keine klare Linie mehr. Mal abgesehen von Comedy- und Poetry Slam. Und wenn es erstmal negativ in der Stadt rumgeht, in der Produktion ist nichts mehr los dann probiere mal an diesem Ruf zu arbeiten. Unmöglich. Das Trierer Studenten- und Tanzpublikum ist ein verwöhntes Volk. Ich darf das sagen, da ich selber Student bin. Alles heult rum und geht nachher dann doch ins A1. Hau dich zu für 15 Euro und wenn du Glück hast, schleppst du noch was ab.
Es gibt sehr viele kleine Veranstaltungen, die sich hier sehen lassen können (Theater, Tufa, Ex-Haus nicht zu vergessen). Nur leider ist Kultur schon immer ein subverntioniertes Geschäft gewesen.
Ich hoffe dass Peter und Kerstin den Comedy und Poetry Slam am Leben halten können und sich hier Gönner finden.
Eigentlich bräuchte man noch mehr von diesen Idealisten und ein Herr Holkenbrink kann ruhig stolz auf seine Trierer Mitmenschen sein.
nur ein paar worte von einem idealistischem studenten
11. April 2009 (16:42 Uhr)
@Sascha
Naja, ob “Hau dich zu für 15 Euro und wenn du Glück hast, schleppst du noch was ab” das ist, was sich ein großer Teil des “verwöhnten Studenten- und Tanzpublikums” unter einem gelungenen Abend vorstellt, wage ich zu bezweifeln.
Ich denke, für einen nicht unerheblichen Teil dieser Leute ist das A1 nicht mehr und nicht weniger, als der “Grobpartikelfilter” vor der Stadt. Dieses tatsächlich etwas anspruchsvollere Publikum hätte man vielleicht etwas gezielter ansprechen müssen, anstatt verlorenen Pfründen nachzuweinen. Veranstaltungen, wie z.B. zweimal die Minimalsause haben gezeigt, dass der Laden trotz eines relativ hohen Eintrittspreises von 9 Euro, voll sein kann, wenn ein gewisses Niveau geboten- und das Ganze entsprechend beworben wird.
Schade um eine schöne Location!
11. April 2009 (18:04 Uhr)
@Stefan,
stimmt mit der Minimalsause, aber um so etwas zu tun brauchst du fettes Risikokapital, sei es in Puncto Werbung bzw. Puncto Bookimg , das jedemal bei der Sause in die Tausende geht. Und das genau haben wir nicht!
Unabhämgig davon, das die Sause ein Markenartikel ist.
11. April 2009 (20:38 Uhr)
Ein kurzer historischer Abriss: 1976 als Tönnchen aus dem Bürgerverein geflogen( wg. Bau Europa Parkhotel), neue Bleibe als 3-Tonnen-Club e.V. im Palais Walderdorff gefunden. War durchaus dem damaligen Sozialdezernenten Paul Kreutzer zu verdanken (der verstand noch was von seinem Job, gelle Herr Holkenbrink). Nach zwei Jahren eigenhändiger, ehrenamtlicher Renovierung vieler im Juni 1978 erste Veranstaltung. Seitdem ist jeder Jugendliche ab 14 in diesem “Laden” gut aufgehoben gewesen. Nach den Verkaufsplänen der Stadt in Palais e.V. umbenannt, zum Stockplatz umgezogen. Danach wieder ins Palais Walderdorff. Leider nicht in die alten Räume, aber na ja. In diesen mittlerweile 31 Jahren gab es jede Menge Situationen, die fast das Aus bedeutet hätten. Gründe waren häufig Konkurrenzen wie z.B. das Riverside. Aber immer wieder ist es gelungen, mit viel Engagement, Ideen persönlichen Risiken und auch aufgrund des Verständnisses mancher Lokalpolitiker das Schlimmste zu verhindern. Aus meiner Sicht immer aus dem Bedürfniss heraus, der Trierer Jugend eine Begegnungsstätte zu erhalten, die nicht am reinen Kommerz orientiert ist. Die in 31 Jahren mehr Sozialarbeit geleistet hat als das halbe Sozialamt der Stadt und so manchen Lebenslauf geprägt hat (auch den von Peter Stablo).
Eine Stadtverwaltung, die meint, es sich leisten zu können, eine solche Einrichtung mit einer solchen Tradition sterben zu lassen, ist meiner Meinung nach nicht mehr zurechnungsfähig.
Eine Frage muss aber auch gestellt werden: Wieso die Gründung eines eigenen Vereins und damit die Trennung vom Palais e.V.? Sollte da ein Risikofaktor “outgesouct” werden? Was tut der Palais e.V. für seine Tochter? Den Verantwortlichen möchte ich eins zu bedenken geben: wer seine Wurzeln verliert (oder selber kappt) wird leicht vom Wind umgepustet. Ich hätte eine solche Ent-solidarisierung nicht für möglich gehalten. o tempora. o mores…
12. April 2009 (14:28 Uhr)
@Exiltrierer, zum einem mutmaße ich wer Du bist und sag Frohe Ostern, nicht nur Dir besonders, sondern allen Menschen auf dieser Welt und nicht nur denen, die guten Willens sind..
Zum anderen, war die Umstrukturierung in 2006 erstmal folgerichtig.
13. April 2009 (00:03 Uhr)
Bei all den vielen guten Aktivitäten in der Jugendhilfe und der Jugendbetreuung und bei all den vielen Bemühungen, die Trierer Kulturlandschaft mit Kleinkunst reicher zu machen, ist es schon kurios, dass bei den verschiedenen Gläubigern, die der Produktion e.V. offenbar hat, ausgerechnet die Stadt hier als erste den Hahn zudreht. Nicht zuletzt darf man nicht vermuten, dass andere interessierte Mieter nun Schlange stehen werden für das Kellerlokal. Der Stadt entgehen so oder so keine Mieteinnahmen.
Für viele mäßig Interessierte und Informierte ist doch der Produktion e.V. so etwas wie der verlängerte Arm der Stadt, eine Konstruktion, um Jugendarbeit zu organisieren.
Eigenartig auch, dass bei einem solchen Leuchtturm des soziokulturellen Lebens in Trier, der verantwortliche Dezernent selbst keinen Kommentar abgibt.
13. April 2009 (17:04 Uhr)
@2Fragen..(gerade erst gesehen)
die Antworten hierzu befinden sich auf http://www.volksfreund.de/totallokal/trier/aktuell/Heute-in-der-Trierer-Zeitung-Produktion-Trier-Domfreihof-Mietvertrag-Kuendigung;art754,2039068
14. April 2009 (19:55 Uhr)
@Malte , Tja vielleicht liegt ja genau an diesem “soziokulturellen Leuchtturm Charakter” der Einrichtung, der ja schon des öftern die übersubventionierte Tufa überstrahlt hat …,-)
Vielleicht liegst ja auch daran, dass an jenem Orte , der produktion eben noch Ideen in den Köpfen schlummern, die den städtischen Soziokulturfeudalismus in Trier das Fürchten lehren könnten…. Finde es sehr schade um den Charkter des jetzgen Kafé P – war irgendwie so ehrlich….
Warum mal nen ernstgemeineter Vorschlag , warum vereinnahmt die “Stadt” an dieser Stelle das Konwhow, denn nicht konstruktiv ??