“16 VOR”-Leserumfrage: Männlich, Mitte 30 und treu
Anfang Februar führten wir über mehrere Tage eine Leserumfrage durch. Entwickelt und ausgewertet wurde sie von der Soziologin und 16vor-Mitarbeiterin Dr. Nicole Zillien, die spezialisiert ist auf Neue Medien und Medienwirkungsforschung. Die wichtigsten Ergebnisse und Erkenntnisse stellt sie im folgenden Beitrag vor.
TRIER. “Deutschlands häufigstes Wohnzimmer” besteht – so die Ergebnisse einer Studie der Werbeagentur Jung von Matt – im Wesentlichen aus einer hellen Wohnzimmerschrankwand inklusive “Grundig”-Fernseher, einer Polsterlandschaft in mediterranen Farben, einem Zimmerefeu in der Ecke, am Boden dunkelblauer Veloursteppich, Raufasertapete in mittlerer Körnung an der Wand. Um die Lebenswelt ihrer Zielgruppen “hautnah spüren können”, haben die Werber aus Hamburg das deutsche Durchschnittswohnzimmer nachgebaut und konferieren nun des Öfteren im sogenannten Wozikonfi.
Soweit sind wir von 16vor (noch) nicht gegangen, aber die Leserumfrage im Februar hat uns einen entscheidenden Schritt weiter gebracht. War – frei nach Oswalt Kolle – unser Leser bislang das unbekannte Wesen, so sind wir nun in enger Tuchfühlung mit der 16vor-Leserschaft. Unser Durchschnittsnutzer ist Trierer, berufstätig, männlich, Mitte 30, gut ausgebildet und verdient auch ganz gut. Was diese Durchschnittswerte nicht verraten, ist, dass die Nutzerschaft von 16vor insbesondere alters- und einkommensmäßig recht heterogen ist. Den Angestellten, die Studentin und den Pensionär verbindet jedoch eins: Sie gehören zu unseren Traumlesern. Die Umfrage zeigt, dass 16vor-Nutzer im Allgemeinen kritisch, aber konstruktiv, informiert, vielseitig interessiert, internetaffin, zufrieden mit uns und treu sind.
321 Leserinnen und Leser haben den Online-Fragebogen zur Bewertung des 16vor-Angebots komplett ausgefüllt. Über die Hälfte der Befragten gehört schon seit den Anfangstagen zu den Lesern, wobei 63 Prozent (fast) täglich auf die Seiten zugreifen. Knapp 70 Prozent der Befragten nutzen 16vor von zu Hause, gut ein Viertel vom Arbeitsplatz aus. Inhaltlich besteht das größte Interesse an lokalpolitischen Themen: Über 90 Prozent der Befragten interessieren sich für Beiträge zum politischen Geschehen in Trier, über die Hälfte gibt hier sogar ein sehr hohes Interesse an. Auch bei der offenen Frage danach, zu welchen Themen eine umfassendere Berichterstattung gewünscht wird, wurde auffallend oft die Stadtpolitik genannt, wobei Wirtschaft, Jugend, Verkehr und Umwelt besonders hervorgehoben wurden. Die 16vor-Rubriken “Stadt & Menschen” sowie “Kultur & Medien” stoßen ebenfalls generell auf ein sehr hohes Interesse, wobei sich die einen mehr und die anderen weniger Theaterberichterstattung wünschen. Die Rubrik “Schule & Campus” spricht im Allgemeinen gut die Hälfte der Befragten an, während sich für die Sportbeiträge nur ein Drittel der Leserschaft per se interessiert – hier können sich einige der Befragten eine Schwerpunktsetzung auf Randsportarten vorstellen.
Einigkeit besteht darüber, dass die Leserbriefe ein wichtiger Bestandteil von 16vor sind: Über 40 Prozent der Befragten haben schon einmal selbst einen 16vor-Artikel kommentiert, nur jeder Zehnte hält die Beiträge der Leser für wenig relevant. Umstritten ist jedoch, ob Leserbriefe nur noch unter Nennung von Vor- und Zuname freigeschaltet werden sollten: 48,5 Prozent sind dafür, 51,5 Prozent dagegen. Entsprechend kontrovers sind auch die offenen Angaben zum Thema: Auf der einen Seite wird befürchtet, dass durch die Anonymität der Leserbriefe der ein oder andere über die Stränge schlägt, Diskussionen ausarten oder Stimmungsmache erfolgt. Auf der anderen Seite wird betont, dass sich vielfach gerade durch anonyme Leserbeiträge neue inhaltliche Perspektiven auftun. Alles in allem wird die offene und interaktive Struktur des Internets jedenfalls geschätzt, wobei jedoch nur ein Drittel der 16vor-Nutzer eine Einbindung von Diskussionsforen befürworten würde.
Redaktionelle Kommentare zu Trierer Themen könnten hingegen, so gut 80 Prozent der Befragten, zukünftig häufiger Teil des 16vor-Angebots sein. Auch wenn – oder gerade weil – die befragten Leser im Schnitt als sehr interneterfahren bezeichnet werden können, wird nicht alles begrüßt, was technisch möglich ist: Dem Statement “16vor sollte verstärkt multimediale Elemente (z.B. Audionachrichten, Web-TV) einbinden” stimmten nur acht Prozent der Nutzer voll und ganz zu, fast 70 Prozent sind (eher) dagegen: “Weniger ist manchmal mehr”, so einer der Befragten. Technisch gesehen einen Schritt rückwärts soll es aber auch nicht gehen: Noch nicht einmal 30 Prozent der Befragten halten es für sinnvoll, 16vor auch in gedruckter Form zu publizieren. Mehrfach vorgeschlagen wurden jedoch ein monatliches Best-of-PDF und eine Versende-Option, die inzwischen installiert wurde. 96 Prozent der Befragten würden 16vor jedenfalls vermissen, wenn das Angebot eingestellt würde und 98 Prozent sind der Meinung: “16vor hat Zukunft”. Der Meinung sind wir auch.
von Nicole Zillien





24. April 2009 (08:11 Uhr)
Zitat:
“Umstritten ist jedoch, ob Leserbriefe nur noch unter Nennung von Vor- und Zuname freigeschaltet werden sollten: 48,5 Prozent sind dafür, 51,5 Prozent dagegen.”
Entscheidend ist ja nun nicht, ob es der tatsächlich wahre Name wäre, sondern eben immer ein einmaliger (Nick-)Name. Dazu wäre nur eines nötig: Registrierungspflicht – wie bei den meisten Foren. Weiterer Vorteil: die Arbeit des Freischaltens würde mindestens reduziert, wenn nicht sogar komplett überflüssig.
24. April 2009 (12:18 Uhr)
Wie mir diese zwangsinnovativen 08/15-Werbebeärs…, die chronisch glauben, sie hätten die Welt verstanden, und in ihren Ausbeutersteinbrüchen ebenso chronisch die “big family”-Nummer abziehen, auf die Eier gehen!
24. April 2009 (12:54 Uhr)
Fände ich auch gut. Dann kann man die postings wenigstens einem User zuordnen und ggf. auch genau identifizieren, falls er anfängt rumzusauen.
Das nicht jeder seine genaue Identifikation preisgeben möchte, muß man einem in heutigen Zeiten des Datenmißbrauchs, Jobunsicherheit etc. auch zugestehen…
24. April 2009 (14:50 Uhr)
ich möchte mich nicht für alles mögliche mit passwort registrieren, sondern frei und ungefiltert meine meinung äußern, auch ohne meinen namen aller öffentlichkeit nennen zu müssen
24. April 2009 (15:09 Uhr)
@nickname
die sache ist doch ganz einfach: wenn sie “frei und ungefiltert” ihre meinung äußern möchten, hindert sie niemand sie niemand daran. machen sie ihre eigene website auf – und fertig. da liegt dann alles in ihrer macht und in ihrer verantwortung. kein anmelden, kein aufwand ;-) und wenn sie es zulassen, können sie den rest der welt ja auch einladen, dort ebenfalls zu schreiben, wozu es lust und laune hat…
wie? sie wollen sie auch dort nach belieben äußern, wo andere menschen die verantwortung (nicht nur juristisch!) für ihre kund getanen ansichten haben? tja, dann wird es eben offensichtlich komplizierter. und ist da der aufwand, sich einmalig registrieren zu lassen so abnorm hoch? und so unverständlich? m.e. nicht. im gegenteil: es erhöht eher die qualität der beiträge sowie die verbundenheit der user mit einer site.
24. April 2009 (21:51 Uhr)
Hallo Hr. Landele. Wie Sie schon richtig anmerken: Ein ‘frei und ungefiltert’ kann es für jemanden, der fremde Inhalte auf seiner Seite zulässt, nicht geben (Mitstörerhaftung etc.). Dafür hat der Betreiber das Hausrecht und kann evtl. juristisch angreifbare Fremdinhalte unterbinden, Kommentare löschen.
Natürlich ist das mit Aufwand verbunden (wäre es mit festen Namen und einem Anmeldesystem jedoch auch) und ich finde, 16vor erledigt da seine Aufgabe als Gastgeber sehr gut. Auch, wenn ein zusätzlicher Klick auf ‘Anmeldung’ nicht viel Arbeit ist, so hat sich m.E. in z.B. der Blogszene gezeigt, daß dies viele davon abhält, sich dann auch tatsächlich einbringen. Ich finde, es wäre Schade um die so nicht geäußerten Meinungen und vllt. gegebenen Denkanstöße. Natürlich haben Sie Recht, daß eine Diskussion evtl. qualitativer stattfindet, wenn nur noch ein fest angemeldeter Diskussionsteilnehmerstamm kommentiert, jedoch sehe ich für 16vor nicht die Notwendigkeit zu einer Art Forum zu werden. Für den gelegentlichen Nutzer ist dies eher abschreckend (und ein Fehler, den viele Portale von Zeitungen vormachen).
Es könnte aber m.E. durchaus zweigleisig gefahren werden: Angemeldete Nutzer (vllt. sogar mit Icon, per OpenID, Berechtigung zu Trackbacks, …) und daneben (vllt. einfach farblich abgesetzt) die ‘normalen’ Nutzer.
Und wo ich schon bei Ideen für 16vor bin: Eine Sortierung nach Threads (bzw. Replies/Antworten) wäre m.E. für die Übersichtlichkeit der Kommentare sehr schön.