Hippler muss zurück (update)
TRIER/KAPSTADT. Die Deutsche Bischofskonferenz trennt sich von dem Trierer Bistumspriester und Autor des Buchs “Gott, Aids, Afrika”, Stefan Hippler. Bischof Ackermann spricht von einem “regulären Vorgang”.
Der Verwaltungsrat des Katholischen Auslandsrates hatte beschlossen, den zum 30. September auslaufenden Vertrag mit Hippler nicht zu verlängern. Zu den Gründen für die verweigerte Vertragsverlängerung wollte sich Matthias Kopp, Sprecher der Bischofskonferenz, nicht äußern: “Über Gründe geben wir bei Personalentscheidungen grundsätzlich keine Auskunft”.
Hippler, der für die deutsche Gemeinde in Kapstadt arbeitet und die Aids-Hilfsorganisation “Hope Cape Town” mitbegründetet, war in der Vergangenheit immer wieder durch kritische Äußerungen gegenüber dem Vatikan und dessen Umgang mit Aids aufgefallen. In seinem Buch “Gott, Aids, Afrika”, das er gemeinsam mit dem ZEIT-Journalisten Bartholomäus Grill verfasste, fordert er unter anderem eine Aids-Theologie. Das sorgte für einigen Wirbel innerhalb der Kirche. Eine bereits geplante Lesereise wurde Hippler von kirchlichen Stellen untersagt. In einem Interview mit 16vor äußerte der Priester im vergangenen Oktober dennoch die Erwartung, dass er seine Arbeit vor Ort in Kapstadt fortsetzen könne. Gegenüber der Sächsischen Zeitung erklärte er nun, er hoffe auf ein Gespräch mit dem neuen Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann.
Zu diesem wird es wohl kommen, doch Ackermann machte Hippler am Mittwoch wenig Hoffnung. In aller Regel würden deutsche Bistumspriester, die im Ausland arbeiten möchten, in Absprache zwischen dem Auslandssekretariat, dem Heimatbistum und dem aufnehmenden Bistum zunächst für einen drei- bis fünfjährigen Einsatz freigestellt. Eine einmalige Verlängerung sei nach einer Prüfung durch den Verwaltungsrat des Katholischen Auslandssekretariats möglich. Danach würden die Priester wieder in ihre Heimatbistümer zurückkehren. Ein Auslandseinsatz von über zwölf Jahren – wie im Fall von Pfarrer Hippler – sei bereits eine Ausnahme. Dass der zum 30. September 2009 auslaufende Vertrag von Pfarrer Hippler nicht verlängert wird, sei insofern “ein regulärer Vorgang” und so auch vom Katholischen Auslandssekretariat mit dem Bistum Trier besprochen worden, erklärte der Bischof.
Selbstverständlich werde es – um den künftigen Einsatz von Pfarrer Hippler zu klären – Gespräche zwischen den Verantwortlichen im Bistum und Pfarrer Hippler und auch von Bischof Dr. Stephan Ackermann mit Pfarrer Hippler geben. Zum Engagement von Pfarrer Hippler in Südafrika erklärte Ackermann: “Im Kampf gegen Aids sind wir alle gefordert. Für uns als Christinnen und Christen ergibt sich dieser Einsatz aus der Nachfolge Jesu und gehört zum Grundauftrag der Kirche”. Denn hierbei gehe es darum, ausgegrenzten, kranken und sterbenden Menschen beizustehen. Gefragt sei “konkretes Handeln zum Wohl der von der Epidemie Betroffenen. Das tut die katholische Kirche weltweit mit großem Einsatz”, so der Bischof, der ergänzte: “Und das hat – soweit ich das aus der Entfernung beurteilen kann – auch Pfarrer Hippler in Kapstadt mit großem Engagement getan”. Für diesen Einsatz sei er Hippler “sehr dankbar”. Das gelte “ungeachtet einiger Stellungnahmen von Pfarrer Hippler zu Fragen der Sexualethik, die nicht in Übereinstimmung stehen mit den lehramtlichen Äußerungen der Kirche”.
Stefan Hippler im Interview: “Auch der Papst hat eins bekommen”
von Marcus Stölb





28. Mai 2009 (14:20 Uhr)
Passt mal wieder:
Die Engagierten, die sich für eine Sache einsetzen, in der die katholische Kirche Position FÜR die notleidenden und bedürftigen Menschen beziehen sollte, werden kalt gestellt. Die Luschen bleiben und können in ihrem angeblichen ,,Christsein” die Zeit verschlafen.
28. Mai 2009 (15:00 Uhr)
@ Susanne Andres:
Mal davon abgesehen, dass Hippler nicht arbeitslos wird und Ihre Interpretation keine sachliche Grundlage hat:
Es gibt tausende Priester und Laien, die eine hervorragende Arbeit und Seelsorge auch für notleidende und Bedürftige im In- und Ausland leisten und durchaus kirchenkritisch sind. Wenn sie diese Kritik intern äussern, sich für Veränderungen stark machen aber dabei nicht die breite Öffentlichkeit suchen, sind sie deshalb keine Luschen.
Wieso sind eigentlich diejenigen, die die provokanten Bücher schreiben oder bewusst mehrfach gegen die Regeln ihres Arbeitgebers verstossen immer die Guten? Wie ist das eigentlich in der Wirtschaft, wenn man permanent gegen seinen Arbeitsvertrag verstößt? Warum werden immer die Bischöfe beschimpft, denen als Arbeitgeber gar nichts anderes übrig bleibt, als solche provokanten, bewussten Verstösse zu ahnden?
Dir katholische Kirche ist 2000 Jahre alt und sie macht es einem ganz gewiss nicht immer einfach. Aber sie ist eine Weltkirche, der man nicht gerecht wird, wenn man ihre Regeln und Handlungen nur auf Kleinkleckersdorf, Deutschland und Europa bezieht. Das wissen auch diese bejubelten Kirchenkritiker. Da kann ich mich manchmal nicht des Eindrucks erwehren, dass es mehr um die Pflege des eigenen Narzissmus geht als um die Sache.
Man kann sich heute schon sehr sicher sein: beschimpfe einfach mal so die Kirche oder die Politik und der frenetische Beifall ist dir sicher. Die leisen, differenzierten und versöhnlichen Töne nimmt man nicht zur Kenntnis. Wie will man da noch fruchtbar diskutieren?
28. Mai 2009 (17:40 Uhr)
@exiltrierer
na, ihre unterstellungen gegenüber herrn hippler sind aber auch nicht von schlechten eltern…
28. Mai 2009 (22:19 Uhr)
@Rainer Landele
so wars nicht gemeint. Hippler hat sicher in vielem recht. Ob er es auf diesem Weg transportieren muss, na ja. Was mich nervt, sind die Reaktionen: die “Revoluzzer” haben immer recht, die Kirche immer unrecht. Da muss der arme Ackermann sich gleich mal unterstellen lassen, dass er “Die Engagierten, die sich für eine Sache einsetzen, in der die katholische Kirche Position FÜR die notleidenden und bedürftigen Menschen beziehen sollte” kalt stellt. Seine Stellungnahme (s.o.) ist doch nun wirklich differenziert.
29. Mai 2009 (07:50 Uhr)
Welche Unterstellungen? Das Hippler längst widerlegte antikirchliche Propaganda betreibt? Dass er mit seinen Thesen die Arbeit tausender Laien und Priester desavouiert?
29. Mai 2009 (09:46 Uhr)
@exiltrierer
Danke für die Belehrungen Unterstellungen und Verallgemeinerungen!
Mit Pseudomym kann man sich immer gut weit herauslehnen.
Ich habe mich in den letzten 25 Jahre sehr intensiv mit der katholischen Kirche und vielen ihrer Vertreter auseinandergesetzt. Ich bin weder narzisstisch, noch beschimpfe ich die Kirche, im Gegenteil: ich bin seit langer Zeit um sie und ihre Glaubwürdigkeit in Sorge!
2. Juni 2009 (10:33 Uhr)
Ich kenne Stefan persoenlich und weiss das seine verstaubte Kirche sich nur eines unbequemen Pfarrers entledigt. Die Hohen Herren sitzen in geheizten Bueros und haben keine Ahnung was AIDS in Afrika anrichtet. Idealismus ist in der Firma Katholische Kirche nicht gefragt.
10. Juni 2009 (16:38 Uhr)
Es ist beschämend, mit welch beispielloser und menschenverachtender Ignoranz sich die hohen Kirchenherren mit dem Abruf des Priesters Stefan Hippler vom millionenfachen Elend (nicht nur) in Afrika einfach abwenden.
Ich frage: welchen Stellenwert hat Gottes Barmherzigkeit noch in dieser Kirche?
Und was wohl mag Jesus zu derartigem Menschenwerk sagen?
Jedoch, auch diese Herren werden sich vor Gott für ihr Tun zu verantworten haben; und das ohne wohlfeil formulierte Sprüche.
16. Juni 2009 (08:34 Uhr)
Wirklich unglaublich dass sich die katholische Kirche in der heutigen Zeit noch so etwas traut. Mit Kritikern der eigenen Institution so ignorant umzugehen und diese Sanktion auch noch öffentlich als normalen Vorgang darzustellen. Jeder der sein Buch gelesen hat wird sich sagen müssen… der Mann hat vollkommen recht. Und das wissen auch die höheren Würdenträger. Aber keiner traut sich dies auszusprechen. Wie arm ist diese Welt hinter den Kirchenmauern geblieben. Wer Stefan Hippler kennt und erlebt hat wird diese Abberufung als große Ungerechtigkeit empfinden. Ich hoffe dass er einen anderen Weg für sich finden kann.