Knapp an der Tragödie vorbei

Jana (Regine Buschmann, links) und Laura (Elisa Krickel, rechts) ahnen noch nichts von Joelles (Elisa Limbacher) Geheimnis. Foto: Christian JörickeDas Heimkind und hässliche Entlein Jana wird von den beiden Klassenschönheiten Laura und Joelle herausgeputzt und schließlich auf einem Schulfest zur “Party-Queen” gewählt. Bis dahin ist dies der Stoff, aus dem Musicals sind. Dann kommt es zu einem Missverständnis, das Joelle zu einem Suizidversuch treibt. Vera Ilieva weicht hier von der Vorlage ab und sorgt für ein Happy End. Die Opernsängerin und Gesangspädagogin inszenierte mit eigenen Schülern das Jugendmusical “Teddy’s Secret”, das im Studio des Stadttheaters zu sehen ist.

TRIER. Die brave, biedere Jana lebt im Heim, trägt Dirndl und einen “Niemand liebt mich”-Gesichtsausdruck. Die zickige, verwöhnte Laura hat reiche, einflussreiche Eltern, von denen sie aber wenig Liebe bekommt. Ganz im Gegensatz zu Joelle, deren Vater sie mehr liebte, als erlaubt ist. Und dann gibt es noch die gutherzige Putzfrau Martha, die mit eimerweise Binsenweisheiten für Moral in der Geschichte sorgt. Die Charaktere sind musicalgerecht mit einem dicken Edding gezeichnet. Allerdings richtet sich das Stück auch vor allem an Jugendliche.

Der Cliquenvorstand Laura (Elisa Krickel) und Joelle (Elisa Limbacher) nimmt sich Jana (Regine Buschmann) an, um das Mauerblümchen aufzubretzeln. Mit den neuen Klamotten ändert sich mehr als ihr Äußeres. Jana sieht jetzt nicht nur so aus wie ein Animiermädchen, sondern geriert sich auch so. Weniger überraschend als der rasche Charakterwandel ist ihre anschließende Wahl zur “Party-Queen” der Schule. Dort kommt es zu einem unfreiwilligen Kuss zwischen ihr und dem neuen Mitschüler und Jungromantiker Markus (David Ziegler), in den sich bereits Joelle verliebt hat. Diese missversteht NATÜRLICH den Kuss und beschließt, vom Schuldach zu springen. Mit dieser fragwürdigen Reaktion wird der Zuschauer in die Pause entlassen. Dass hinter Joelles Suizidversuch mehr steckt als der vermeintliche Vertrauensbruch, erfährt man in der zweiten Hälfte.

Sehr gedrängt wirkt die Handlung im ersten Teil. Innerhalb jeweils einer Szene entstehen Freundschaften und gehen auch wieder kaputt. Von einer Entwicklung kann man kaum sprechen. Vera Ilieva, die die Regie führte, kürzte das Original um eine halbe Stunde. Zum einen musste sie Szenen streichen, die für die kleine Bühne im Studio zu aufwändig sind, zum anderen dachte sie wohl auch an die Aufnahmefähigkeit der adoleszenten Zielgruppe. Wegen der Größe des Aufführungsortes halten sich auch die tänzerischen Bewegungen in Grenzen, was dem Stück nicht schadet, sondern die wenigen Einlagen noch betont.

Die Darsteller sind alles Laien, die bei Frau Ilieva Gesangsunterricht nehmen. “Laien und Musical? Kann das gutgehen?”, könnte jetzt angesichts vergangener Laienmusicaldarbietungen in Trier ein gar nicht so unberechtigter Einwand lauten. Und die Antwort darauf fällt eindeutig aus: Es kann! Die Hauptdarsteller (fast alle Hauptrollen sind doppelt besetzt und wechseln zu jeder Aufführung) bilden eine homogene, gut eingeübte Gruppe. Besonders hervorzuheben sind jedoch Regine Buschmann, die schon über einen ganz beachtlichen Sopran verfügt, und Christian König als Sonnyboy Tobias, der so lässig, sympathisch und natürlich spielt, das es eine Art hat.

“Teddy’s Secret” des österreichischen Autors Bernd Stromberger ist zum ersten Mal nördlich der Alpen zu sehen. Und Vera Ilieva ist eine gute Deutschlandpremiere gelungen.

Weitere Aufführungen: Sonntag, 14. Juni, und Sonntag, 28. Juni, jeweils um 20 Uhr.

von Christian Jöricke

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