Ohne Parolen politisch
Politische Unterhaltungskunst ohne Parolen boten die Comedian Harmonists Today mit ihrem szenischen Liederabend im Theater Trier. Die sensationelle Premiere des Gastspiels war weit mehr als ein erfolgreiches Revival der legendären Vorbilder aus den 20er und 30er Jahren. Mit virtuoser Musikalität, originellen Interpretationen und gelungenen szenischen Einschüben, die die politischen und historischen Vorgänge um das Auseinanderbrechen der weltberühmten Gruppe veranschaulichten und aktuelle Bezüge hervorriefen, bot das charmante Ensemble Unterhaltungskunst auf höchstem Niveau. Das hingerissene Publikum feierte die eleganten Herren im Anschluss an das Konzert mit Applaus im Stehen.
TRIER. Es ist die diktatorische Kulturpolitik der Nazis, die bereits 1935 das weltberühmte, deutsche Unterhaltungsensemble Comedian Harmonists zerschlägt. Die drei jüdischen Mitglieder des Sextetts fliehen bald darauf ins Ausland. Die Lieder und Songs der Gruppe mit dem unverwechselbaren Sound bleiben auf Platten erhalten.
Die Comedian Harmonists stehen dabei beispielhaft für den Exodus bedeutender Künstler aus dem Deutschland unter der Nazi-Diktatur. Verfolgung, Emigration und Mord haben in der deutschen Kultur einen Verlust an Authentizität hinterlassen, von dem sie sich – besonders auch in der Unterhaltungsbranche – bis heute kaum erholt hat.
Diesen Aspekt arbeiten die Comedian Harmonists Today indirekt heraus, indem sie Fakten sprechen lassen. Zwischen den Songs rezitieren sie aus Zeitungsberichten, Dokumenten und Briefen und machen so das Zeitgeschehen der 20er und 30er Jahre, die Zerstörungswut der Nazis und die Folgen für das Ensemble greifbar.
Aus dem Wiederauferstehen der Comedian Harmonists durch Gastspiele wie im Theater Trier spricht die Sehnsucht nach der abgebrochenen Tradition einer weltläufigen, deutschen Unterhaltungsmusik, nach witzigen Songs wie “Schöne Isabella von Kastillien”, “Der Onkel Bumba aus Kalumba tanzt nur Rumba” und “Mein kleiner, grüner Kaktus”. Es ist die Sehnsucht nach künstlerlischer Qualität und Authentizität der leichten Muse, nach einem unverwechselbaren Klang, nach Texten, die geistreich blödeln und an Herz gehen – und nach kreativen Interpreten von hoher Individualität.
Die Harmonie der unterschiedlichen Persönlichkeiten macht einen Auftritt wie den der Comedian Harmonists – gestern und today – zu einem unverwechselbaren Erlebnis. Und es ist genau das humanistische Ideal der Harmonie der Vielgestaltigkeit, das immer wieder von Nazi-Adepten bekämpft wird. Die Unterhaltungkunst der Comedian Harmonists Today (Alexander Franzen, Friedemann Hecht, Jörg Daniel Heinzmann, Thorsten Hennig, Johannes Schwärzky und Thomas Winter) setzt dagegen ihr überzeugendes künstlerisches Statement. Ihre Kunst ist – ganz ohne Parolen – politisch.
Auch das Trierer Publikum entschied sich klar. Es votierte für Geist, Humor, Menschlichkeit und Können. Von der Leichtigkeit und der künstlerlischen Qualität des Liederabends restlos begeistert erwirkte es drei Zugaben. Die sechs weißbefrackten Herren beschlossen die Zeitreise mit einer individuellen Version von NDW-Hits der 80er Jahre.
Einen Gastspielabend der Comedian Harmonists Today sollte man für den 13., 19. oder 21. Juni (jeweils 20 Uhr) fest einplanen. Dazu ein, zwei Pausendrinks im wunderbaren Theatergarten und der Sommer wird einfach nur schön.
von Christa Blasius





4. Juni 2009 (13:22 Uhr)
Liebe Frau Blasius!
Ihrem Artikel über den Auftritt der Comesian Harmonists today kann ich nur aus vollem Herzen beipflichten. Auch mir hat der Theaterabend ausgesprochen gut gefallen.Auch der politische Zeitbezug stimmte mich im Hinblick auf die anstehenden Kommunal-u.Europawahlen nachdenklich.Wehret den (oft schleichenden) Anfängen.Ich wünsche den Künstlern für ihre weiteren Auftritte ein” volles Haus” und den Trierern einen ” sauberen ” Wahlausgang .