“Halleluja” statt “Olé olé”

Da half auch kein beten: Für eine Mannschaft war immer spätestens nach einem Elfmeterschießen Schluss. Foto: privatEs gibt Verbindungen, die man auf Anhieb nicht unbedingt herstellen würde. Die Kombination “Religion und Fußball” gehört zweifellos dazu. Doch weit gefehlt. Am vergangenen Wochenende stellten acht ehrenamtliche Theologiestudenten aus Trier auf dem Trainingsgelände des Moselstadions die 15. Auflage des internationalen Theologen-Fußballturniers “TheoCup” auf die Beine, das damit erstmals in Deutschlands ältester Stadt über die Bühne ging. 24 Teams aus nahezu allen Teilen der Republik sowie aus dem benachbarten Ausland trafen bei diesem rundum gelungenen Spektakel aufeinander, das den Spaß am Spiel auslebte und zugleich für die Notwendigkeit solidarischen Miteinanders einzutreten vermochte.

TRIER. Petrus scheint es an diesem Wochenende nicht allzu gut zu meinen mit seinem angehenden Bodenpersonal. An beiden Wettkampftagen regnet es zeitweise in Strömen, auch das Thermometer klettert nicht wirklich auf frühsommerliches Niveau. Unbeeindruckt davon zeigen sich allerdings die Hobbykicker auf dem Platz. Von Beginn an besticht die Atmosphäre beim “TheoCup” durch eine wohldosierte Mischung aus Leidenschaft und Unbekümmertheit; nur äußerst selten müssen die Schiedsrichter aufgrund übermotivierter Einsätze die gelbe Karte aus der Brusttasche kramen. Auch viele Frauen mischen eifrig mit, denn immerhin zählen die vom vermeintlich schwachen Geschlecht erzielten Tore hier doppelt. Positive Diskriminierung gehört also zum Konzept dieses Turniers, was durchaus bemerkenswert erscheint innerhalb einer Religionsgemeinschaft, die mit den Rechten der Frauen – konservativ formuliert – bisweilen ein wenig hadert.

Dass hier tatsächlich keineswegs ein typisches Fußballturnier zu sehen ist, offenbart sich jedem Beobachter spätestens mit Beginn der Achtelfinalbegegnungen. Zum bevorzugten Anfeuerungsruf der Spieler untereinander avanciert nun nämlich die göttliche Lobpreisung “Halleluja”. Insbesondere in jenen der zahlreichen Spiele, die im Elfmeterschießen münden, erfreut sich dieser Hilferuf gen Himmel vor Penaltys eines teilweise sehr inflationären Gebrauchs. Andererseits dröhnt aus den Lautsprechern unter anderem der äußerst säkulare Song “The Bad Touch” der US-Band “Bloodhound Gang”, ein unzweideutiger Appell gegen jegliche Verklemmtheit zugunsten der totalen sexuellen Freizügigkeit. Einigen wenigen Zuschauern ist hier die Befremdung deutlich anzusehen angesichts solch progressiver Tendenzen der nachwachsenden Theologengeneration. Damit scheint sich jedoch zugleich der Eindruck zu bestätigen, dass an diesem Wochenende kaum verbissene Anhänger der Sexualethik des im Vatikan thronenden obersten katholischen Hirten auf Torejagd gehen.

David Eckstein, der dem Organisationsteam angehört und als laufstarker Allrounder gleich zwei der drei Trierer Mannschaften verstärkt, weist auf die Bedeutung eines ganz besonders wichtigen Turnieranlasses hin: “Neben der Möglichkeit, in nettem Ambiente der Faszination des Fußballs zu frönen, stand für uns auch der karitative Charakter im Vordergrund”. Jeder eingenommene Cent, der die anfallenden Kosten übersteige, komme vollständig dem “Club der guten Hoffnung” zugute. Diese gemeinsame Initiative katholischer und evangelischer Hilfsorganisationen unterstützt vorrangig Gewaltpräventions- und Resozialisierungsprojekte in Südafrika, das im kommenden Jahr die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten wird.

So gewinnt das Geschehen auf dem Kunstrasenplatz des Moselstadions seinen solidarischen Sinn, auch wenn im Viertelfinale bereits die beiden verbliebenen Gastgeberteams die Segel streichen müssen. “Inter Heiland” unterliegt zunächst den Mainzern, während “AC Heiland” kurz darauf denkbar knapp an den haushohen Turnierfavoriten aus Belgrad scheitert. Das Karnevalsduell im Halbfinale zwischen Köln und Mainz können erstere mit 2:0 für sich entscheiden, während das zweite Match eine faustdicke Überraschung bereit hält: für die orthodoxe Truppe aus Belgrad, die sich bis dahin mit imposantem, semiprofessionell anmutendem Kombinationsspiel locker in die Runde der letzten Vier durchgetankt hat, sind die robusten Wiener eine Nummer zu groß. “Das ist echt der Hammer, die haben sich im letzten Jahr fast zu Null zum Turniersieg gespielt”, staunt auch Meike Franké. Die charmante Mitorganisatorin hat im Rahmenprogramm alle Hände voll zu tun und legt wie ihre sieben Mitstreiter und Mitstreiterinnen mit Erfolg einen unermüdlichen Einsatz an den Tag, um die Gastfreundschaft der Theologischen Fakultät Trier zu unterstreichen.

Die "Cardinal Heartbreakers" aus Köln feiern den Einzug ins Finale. Foto: privatDas einzige Störfeuer kommt am Sonntagmittag von außen. Obwohl die “TheoCup”-Organisatoren das Spielfeld höchst offiziell gebucht haben, echauffieren sich die Verantwortlichen der um 13 Uhr auf dem Nachbarplatz auflaufenden Eintracht-Juniorenmannschaft über die angeblich zu lauten Lautsprecherdurchsagen der Theologen. Die Forderung, dass auf deren Platz die Schiedsrichter-Pfeife nicht mehr benutzt werden dürfe, bildet schließlich den ärgerlichen Höhepunkt jener Beschwerdeaktion des sich unnötig mokierenden Vereins, die allerdings dank der Vermittlung durch die anwesenden Referees nicht weiter berücksichtigt werden muss.

So kann das “Spiel der Spiele” zwischen den “Cardinal Heartbreakers” und Wien doch noch steigen. In diesem spannenden Finale ist den Teams der unbedingte Siegeswille deutlich anzumerken, beide neutralisieren sich gegenseitig durch ihre kampfbetonte Spielweise über weite Strecken. Den einzigen Treffer innerhalb der regulären Spielzeit darf sich der Kapitän der Kölner Kicker auf die Fahnen schreiben, der einem hinter dem Tor platzierten Zuschauer mit einem strammen Distanzschuss den Regenschirm aus der Hand donnert. Damit muss wieder einmal das Elfmeterschießen entscheiden. Die größere Nervenstärke zeigen hier die Rheinländer, die das Duell vom Punkt gegen die Österreicher klar mit 4:1 gewinnen. Als wahre Gewinner werden in der anschließenden Siegerehrung jedoch zurecht sämtliche teilnehmenden Teams gefeiert. Konnten sie doch allesamt beweisen, dass sich Spaß am Mannschaftssport und soziales Engagement unter Umständen wunderbar miteinander vereinbaren lassen.

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4 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Pit schreibt:

    Den Anwohnern gegenüber waren die dauernden Lautsprecherdurchsagen eine absolute Frechheit, und das den ganzen Sonntag über. Sieht so christliche Nächstenliebe aus?

  2. capitano schreibt:

    …komisch, dass sich Anwohner eines Stadions über Lautsprecherdurchsagen aufregen. Wie und wo soll man denn sonst so ein Turnier durchführen? Typisch, dass da direkt die Nächstenliebe-Keule geschwungen wird…

  3. Jo schreibt:

    Am Sonntag fanden auf dem Platz mindestens 2 Großveranstaltungen statt, neben dem TheoCup auch noch eine Leichtathletik Veranstaltung. Zudem finden alle 2 Wochen Regionalligaspiele im Moselstadion statt.
    Wieso dann plötzlich die Theologiestudierenden wieder an allem schuld sein sollen, erschließt sich wohl nur wenigen.

    Liebe Leute kommt doch einfach raus und macht mit, feuert die Spieler an, esst nen Würstchen und genießt die Stimmung. Das macht auch viel mehr Spaß als “drüber meckern”.

  4. Sebastian dos Santos schreibt:

    So weit ich mich erinnern kann, fand die ganze Veranstaltung auf dem Gelände des ortsansässigen Sv Eintracht Trier statt!
    Wie oft wird es da wohl etwas lauter? Und vielmehr interessiert mich auch: weiss ich das wirklich nicht bevor ich dahinziehe?
    Traurig!

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