Ausländer sind jetzt Deutsche
TRIER. Oberbürgermeister Klaus Jensen (SPD) hat am Donnerstag in einer Feierstunde mehr als 60 bislang ausländischen Mitbürgern die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen.
Der Stadtchef nannte die Einbürgerung einen “wunderbaren Anlass”, er sei “sehr glücklich”, dass sich derart viele Menschen dazu entschlossen hätten, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Der OB erinnerte daran, dass die neuen Deutschen nun eine Reihe zusätzlicher Rechte, aber auch Pflichten genießen. Jensen verwies unter anderem auf die Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union und das Wahlrecht. Letzteres sei für ihn selbst jedoch auch eine “moralische Pflicht”, erklärte der Oberbürgermeister, der die neu Eingebürgerten dazu aufrief, im Herbst bei der Bundestagswahl von ihrem Wahlrecht gebrauch zu machen.
Jensen betonte in seiner Ansprache im Großen Rathaussaal, dass die Neu-Deutschen auch die Pflicht hätten, die in den Grundrechten formulierten Werte wie Toleranz und die Würde des Menschen zu achten und diese im täglichen Leben zu berücksichtigen. Ausdrücklich ermunterte er dazu, den Kontakt zu den Nachbarn zu suchen und sich um eine Integration in die Gesellschaft zu bemühen. Integration funktioniere aber nur, wenn sich beide Seiten aufeinander zu bewegten und die Begegnung wollten, ermunterte er alle Trierer dazu, eventuelle Hemmschwellen zu überwinden und sich auf die neuen Deutschen einzulassen.
Insgesamt zählt die Moselstadt nun 63 zusätzliche deutsche Staatsbürger, die zuvor eine von 26 unterschiedlichen Nationalitäten besaßen. Obwohl einige von ihnen in Trier oder anderen deutschen Städten geboren wurden, galten sie vor dem Gesetz bislang als Ausländer. Unter den neu Eingebürgerten sind Menschen, die aus dem Sudan, Sri Lanka, Kuba, der Ukraine, Polen, Brasilien oder Iran nach Deutschland gekommen sind Nach der Rede Jensens legten sie ein feierliches Bekenntnis zum Grundgesetz ab. Anschließend überreichte der OB die Ernennungsurkunden sowie je ein Exemplar des Grundgesetzes, bevor ein Instrumentalensemble des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums die Nationalhymne spielte. Nur mit dem Singen wollte es, trotz eigens ausgeteilter Liedzettel, noch nicht so recht klappen – weder bei den Alt- noch bei den Neu-Deutschen.
von Marcus Stölb




