Trotz Zweifel ab 2010 wieder Antikenfestspiele
Dr. Ulrich Dempfle (CDU) ist sich nicht sicher, “ob die unendliche Geschichte schon jetzt ein glückliches Ende gefunden” habe. “Der Weg ist noch lang”, sagte Aaron Braun (Bündnis 90/Die Grünen) und merkte an, dass viele organisatorische Fragen noch offen seien. “Erhebliche Bedenken, was die Finanzierung und den Zeitplan betrifft”, äußerte Dr. Hermann Kleber (UBM). Trotz zum Teil großer Zweifel in fast allen Fraktionen, hat der Stadtrat am Dienstagabend mit einer Gegenstimme und drei Enthaltungen für die Durchführung der Antikenfestspiele im nächsten Jahr auf der Grundlage des neuen Konzeptes gestimmt.
TRIER. Nach der Abstimmung im Rathaus über die Zukunft der Antikenfestspiele gönnte sich der Intendant des Theaters und künstlerische Leiter der Festspiele Gerhard Weber in Ruhe ein Weizenbier in der benachbarten Kneipe. In den nächsten Wochen wird es für ihn wahrscheinlich nicht mehr viele Gelegenheiten zur Entspannung geben. Denn durch den Beschluss des Stadtrates ist das Theater nun zu schnellem Handeln gezwungen. Zunächst müssen die bereits laufenden Verhandlungen mit Regisseuren und Solisten für die Operninszenierung (Arrigo Boitos “Nerone”) abgeschlossen und ein Sponsorenkonzept entwickelt werden, damit wie geplant spätestens im September die Vermarktung beginnen kann. “Wir haben einen irren Druck in den nächsten Wochen”, so Weber.
Durch die künstlerische Neuausrichtung hin zu “wiederentdeckten Meisterwerken” mit – mehr oder weniger – antiken Stoffen “besteht die Chance, dass sich das Festival ein Alleinstellungsmerkmal sichert”, sagte der Christdemokrat Dr. Ulrich Dempfle im Namen seiner Fraktion. “Aber es kann auch passieren, dass die Trierer Besucher anfangs verschreckt werden.” Dennoch sei man dagegen, das Festival noch einmal zu verschieben, da das Risiko nicht kleiner werde. Es könne im Gegenteil in Vergessenheit geraten.
Auch der kulturpolitische Sprecher der Grünen Aaron Braun sieht nach eigenen Angaben ein größeres Risiko in der Absage als in der Durchführung. Obwohl die Finanzierung und das Marketing noch offen seien, sei man überzeugt, dass mit diesem Konzept der Aufbruch 2010 beginnen könne. “Wir wollen diese Antikenfestspiele.”
Die will auch die UBM. “Es ist das bestmögliche, was man unter den gegebenen Umständen machen kann”, so Dr. Hermann Kleber. Begeisterung klingt anders. “Wir haben erhebliche Bedenken, was die Finanzierung und den Zeitplan betrifft.” Zudem habe man Zweifel, ob die geplanten Ausbaustufen erreicht werden können. Schließlich liege noch kein Sponsorenkonzept vor, und ob die baulichen Rahmenbedingungen geschaffen werden könnten – die Errichtung einer Hangtribüne, adäquater sanitärer Anlagen und einer Überdachung für das Orchester und für die Zuschauer – sei auch noch ungewiss. Der Bebauungsplan ist laut Konzept in Arbeit.
Alle Fraktionen begrüßten, dass das Amphitheater als Aufführungsort festgelegt und die Veranstaltung in den Juli verlegt wurde. Viel Lob gab es von Waltraud Jammers (SPD) und Dr. Stefanie Lejeune (FDP). “Ich halte das Konzept für überzeugend”, sagte Frau Lejeune. “Ich verkenne aber natürlich nicht, dass es steht und fällt mit der finanziellen Ausstattung in den kommenden Jahren.” Und hier sei nicht nur die Stadt Trier in der Pflicht, sondern vor allem auch das Land. “Wenn man keine Mühe hat, für Fußballstadien und Rennstrecken die Millionen nur so auf den Tisch zu legen, dann muss man sich auch die Frage gefallen lassen, welchen Wert denn die Kultur hat.”
Für die Antikenfestspiele 2010 lässt sich das genau beziffern: 1,035 Millionen Euro sind für das Festival veranschlagt. Durch Zuschüsse der Stadt und des Landes, durch Spenden und Sponsorengelder und durch Zuschauereinahmen soll dieser Betrag erreicht werden. Der Stadtrat hat trotz einiger Zweifel mit seinem Beschluss ausgedrückt, dass er die Neukonzeption schon ab nächstem Jahr für erfolgsversprechend hält. Wie schon in den vergangenen Ratssitzungen fiel immer wieder der warnende Satz: “Wir dürfen nicht weitere Zeit verstreichen lassen!” Warum eigentlich nicht?





3. Juli 2009 (10:01 Uhr)
Hoffentlich wird bei der Planung und Terminierung auch bedacht, dass nächstes Jahr wieder eine Fußball Weltmeisterschaft ist. Der Hype um das runde Leder ist ja in den letzten Jahren nicht gerade weniger geworden und es gibt durchaus genügend Kulturinteressierte, die aber auch gerne die Weltmeisterschaft verfolgen werden.
Daher wäre eine Aussetzung bis 2011 vielleicht doch sinnvoller gewesen. Die Macher hätten dadurch mehr Planungszeit gehabt und eine Kollission mit dem Fußball wäre auch ausgeschlossen gewesen.
Die Termine der Weltmeisterschaft findet man heute schon hier:
http://de.fifa.com/mm/document/tournament/preliminarydraw/64/42/24/2010fwc_matchschedule_1103.pdf
4. Juli 2009 (00:03 Uhr)
@wie immer
SEHR GUT. Das war exakt mein Gedanke, als ich das Zeitfenster, Juli 2010, gelesen habe.
Da ist den Herren mal wieder alles zuzutrauen. Wenn ich so die Vergangenheit in Bezug auf Parallelveranstaltungen (Rallye-WM, irgendwas mit Römer etc )
reflektiere, ein Schelm wer da böses denkt.
aber betrachten wir das ganze mal von der anderen Seite.
Wenn man(n) zu Überschneidungen, wie oben, tendieren sollte, hätte man(n) anschliessend wenigstens wieder das gute alte Argument, dass sich die Veranstaltungen gegenseitig die Menschen weggenommen hätten und es deswegen zu solch defizitären Angelegenheiten wurden….
als wenn wir diese Argumentation nicht eh schon aus der Vergangenheit kennen würden.
Nun gut, ich hatte an anderer Stelle schon einmmal meine Bedenken dahingehend geäussert, dass ich einfach nicht nachvollziehen kann, dass eine Stadt wie Trier, die ständig darauf rumreitet die älteste Stadt Deutschlands zu sein, weil ja ganz früher die Römer hier waren und sich erlaubt haben ein Roma Secunda zu errichten, nicht im Stande ist, Spektakel aus dem Boden zu stampfen, bei denen die Touristen in solchen Scharen eintreffen und für Einnahmequellen sorgen, dass einem nur noch schwindelig werden kann……
Vielleicht funzt es ja so langsam mal, nur leider nicht parallel zu einer WM, auch wenn sie aus deutscher Fussballersicht kein weiterer Sommertraum werden wird.
warten wir mal ab, was die Herrschaften so auf dem Tableau haben, in 2010.
ein erholsames Wochenende
S. Wiltschek