Liebe Sommerpause,

was machen Fußfallfans und Politiker am liebsten, wenn in der Mitte des Jahres der Wettkampf ruht? Sie spekulieren über das Personal. Kein Wunder, dass das den Neomonarchen aus dem Reich von König Fußball irgendwie viel unterhaltsamer gelingt. Und auch viel bessere Ergebnisse bringt.

Michael KernbachNehmen wir das Beispiel Kommunalwahl. Übersetzt man deren Ergebnis ins mehrheitsfähige Deutsch der Sportjournalisten, dann brachte die Spielzeit 2004 bis 2009 in der 3. Politik-Liga ein recht mageres Resultat. Wieder kamen so wenig Zuschauer zum Endspiel an die Urnenkampfbahn wie in der Vorsaison. Die Leistung der Teams in den letzten Spielminuten war auch nicht gerade eine Werbung für den Wahl-Sport.

Nach so einer dürren Wettkampf-Runde mit wenig Höhepunkten dreht sich im Fußball sofort das Personalkarussell in Höchstgeschwindigkeit. Spieler, Trainer, Manager verlassen Clubs und schließen sich anderen Vereinen an. Das Präsidium sucht auch im Ausland nach Verstärkung. Das füllt nicht nur die Sportseiten der im Sommer dünnen Tagesgazetten, sondern erhöht die Spannung und Vorfreude auf die kommende Spielzeit. Da fragt man sich doch unwillkürlich: Warum macht man das nicht auch in der Politik? Die könnte doch weiß Gott mehr Fans vertragen! Und ich sach mal, der nötige politische Spagat für den Wechsel von einer demokratischen Partei zur nächsten ist oft viel kleiner als der, den Uli Hoeness vor der Verpflichtung von Jürgen Klinsmann machen musste.

Dann käme Bewegung ins Rathaus-Heim. Im Lokalteil gäbe es endlich mal spannende Meldungen wie diese zu lesen: “Headcoach Albrecht verläßt den Tabellenführer CDU. Gerüchten zufolge, soll er sich der UBM anschließen. Ziel ist ein zweistelliger Platz in der Stabdiagrammtabelle zum Saisonende 2014″. Das liest man doch gleich zweimal.

Eine offene Transferliste, ein gesunder Mix aus jungen, hungrigen und erfahrenen Politikspielern, FDP-Ultras, Polit-Legionären und Ausleihgeschäfte in der laufenden Saison: so was mögen die Bürger einfach. Vom DFB lernen heißt siegen lernen, und vielleicht könnte man nach einer gewissen Zeit und einer entschieden gewachsenen Popularität des Politiksports die Ratssitzung in die Arena verlegen. Mit Fanblocks, Freischmidt- oder Heinrich-Trikots, Videowall und Probeabstimmungen in der Halbzeit. Politikverdrossenheit ade!

WerbungWenn man schon gerade dabei ist: Überhaupt würde der Vereins-Politik ein sportliches Lifting gut zu Gesicht stehen. Neben regelmäßigen politischen Laktatwerten und Grundgesetz-, Ausdauer- und Umfrage-Fitnesstests fehlen unseren politischen Profiteams seit langem Scoutingabteilungen. Die sind im Fußballgeschäft ja schon ewig gang und gäbe. Dann wäre endlich Schluss mit den vielen Verlegenheitsbesetzungen in Schlüsselpositionen. Gerade jetzt wäre ein Talentscout mit gut geführtem Notizbuch ein echter Segen für jedes Trierer Rathausteam, das einen Führungsspieler im Regionalkader auf der Schaltposition eines Dezernenten platzieren will.

Machen wir doch das Denkexperiment am Beispiel des Kulturdezernats. Da steht der bisherige Stammspieler Holkenbrink, nicht zuletzt nach der letzten harten Finalniederlage gegen die Jensen Dreyers, vor dem Karriereende. Der von ihm geführte Kulturkader, der in der jüngeren Vergangenheit durch seine veraltete und viel zu defensive Spielweise selten punkten konnte, könnte eine Blutauffrischung gut vertragen. Eine komplett neue Kulturkultur sozusagen rund um einen Schlüsselspieler herum, der noch jung ist und Entwicklungspotenzial mitbringt, andererseits aber auch schon viele nationale Titel gewonnen hat. Einer, der trierischen Stallgeruch besitzt und trotzdem die weite Welt kennt, dabei vielleicht sogar bis Köln gekommen ist! Der medial weltweit (etwa für 16vor) seine Visitenkarte hinterlassen hat. Dessen verlässlich wechselnde Meinungen man mehr als zur Genüge kennt. Ein Kultur-Klinsmann, ein “Jo, eisch kann dat”-Kandidat! Aber, gibt es einen solchen Spieler überhaupt? Mario Basler soll schon abgelehnt haben. Christian Jöricke weigert sich als Gladbach-Fan, “Köln” auch nur in den Mund zu nehmen. Ich selbst möchte das nicht kommentieren. Nur um Gerüchten vorzubeugen: Ja, ich war in Trier. Aber es war ein rein privater Besuch im Rathaus und bei der Besoldungsstelle. Offiziell hat bisher kein Verein angefragt. Außerdem habe ich ja auch noch Vertrag und Präsident Stölb steht unverrückbar hinter mir.

Madrid oder Mailand, Hauptsache Italien!

Mit sportlichen Grüßen

Michael Kernbach (10), Ergänzungsspieler

Print Friendly

von

2 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. norbert damm schreibt:

    Wen oder was soll M. Kernbach ergänzen?

  2. norbert damm schreibt:

    Tote Hose(n).

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken