Natus attackiert wieder
TRIER-NORD. In der Diskussion um die geplante Sanierung der Loebstraße attackiert Wolfgang Natus erneut die Stadtspitze: “Trier entwickelt sich zur wirtschaftsfeindlichsten Stadt in Rheinland-Pfalz”.
Für kommenden Dienstag hat die Interessengemeinschaft zu einer Pressekonferenz eingeladen. Dort werde man “eine ausführliche gutachterliche Stellungnahme” präsentieren, welche ” zu dem Schluss kommt, dass die möglichen Alternativen vom Baudezernat der Stadt Trier offensichtlich nicht geprüft wurden, obwohl sie gefahrloser und kostengünstiger sind”. Der geplante Ausbau, an dem das Baudezernat trotz eingehender Verhandlungen “stur festhält, würde durch die Straßenverschmälerung erhebliche Eingriffe in den Bestand der Unternehmen vollziehen, ein tägliches Verkehrschaos provozieren und einen Radweg voller Gefahren für die Radfahrer” bedeuten, wettert Natus, der auch IHK-Ehrenpräsident ist. Obendrein würden laut IG exakt 267 Parkplätze der anliegenden Unternehmen wegfallen, welche aber “dringend für Mitarbeiter und Besucher benötigt” würden. Nach Darstellung des Baudezernats würden dem Ausbau der Straße hingegen 126 Stellplätze zum Opfer fallen.
Um den seit etlichen Jahren geplanten Ausbau und die Sanierung der völlig maroden Loebstraße tobt seit Monaten eine heftige Auseinandersetzung zwischen Rathaus und Stadtrat auf der ein und der von Natus angeführten Interessengemeinschaft auf der anderen Seite. Eine Mehrheit des zuständigen Dezernatsausschusses hatte im Januar dafür plädiert, an den Planungen festzuhalten. Werde die Maßnahme umgesetzt, entwickle sich Trier “zur wirtschaftsfeindlichsten Stadt in Rheinland-Pfalz”, behauptet Natus.
Zum selben Thema: “Außerordentlich wirtschaftsfeindlich”
von Marcus Stölb





10. Juli 2009 (16:00 Uhr)
Im Osten sind die Straßen breit, die Arbeitskräfte devot und billig und die Kommunalpolitiker vielleicht ebenfalls (so, wie in Trier in der guten alten Zeit).
Au revoir, Monsieur Natus!
10. Juli 2009 (23:40 Uhr)
Entzieht die IHK eigentlich auch Ehrentitel, wenn sich die geehrten nachträglich als unfähig erweisen und dem gesellschaftlichen Interessen in den Weg stellen?
11. Juli 2009 (08:30 Uhr)
Obwohl ich ansonsten selten bis nie mit Herrn Natus konform gehe, möchte ich erneut betonen, dass ein innerörtlicher Zweirichtungsradweg zwischen Fahrbahn und Parkplatzzufahrten an einer stark frequentierten Straße eine Todesfalle für Radfahrer ist. Das ist Fakt und keine Frage der Weltanschauung.
11. Juli 2009 (13:36 Uhr)
@Shanon Sarah
Das ist sicher richtig. Aber, was tun?
Jeder der die Loebstraße kennt, weiß, dass beispielsweise Richtungsradwege neben der Fahrbahn von den ansässigen Betrieben hemmungslos (und vom Ordnungsamt geduldet) als LKW Ladezone missbraucht werden würden.
11. Juli 2009 (14:47 Uhr)
@Stephan
Entweder im Falle eines Falles die Ordnungshüter zwecks Verwarnungserteilung herbeirufen, oder ganz einfach auf der Fahrbahn weiterfahren. So ein LKW auf einem Radweg oder Schutzstreifen ist nämlich ein ebenso wirksames Hindernis wie lustige Stoppschilder im Internet: Da kann man problemlos dran vorbeifahren.
In der Tat sehe ich in einem selbstbewussten, kompetenten, umsichtigen – und natürlich möglichst regelkonformen – Verhalten auf dem Fahrrad den besten Ansatz, von sich selbst aus alles mögliche zu tun, um Gefahrensituationen gar nicht erst eintreten zu lassen. Das allerdings lässt sich nur erreichen, wenn Radfahrer flächendeckend ihren angestammten Verkehrsraum, nämlich die Fahrbahn, nutzen.
Wohlgemerkt: Ich habe überhaupt nichts gegen Radfernwege außerhalb geschlossener Ortschaften, und ich gondele auch nicht auf Bundesstraßen rum, sowas macht überhaupt keinen Spaß. Im innerstädtischen Bereich sind benutzungspflichtige Radwege aber nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. Und wenn bei Straßenbauprojekten die Förderung von der Anlage von gesonderten, möglicherweise benutzungspflichtigen Radverkehrsanlagen abhängig gemacht wird, geschieht dies aus der Autofahrerperspektive und ist wahlweise entweder böswillig, kurzsichtig oder beschränkt.
12. Juli 2009 (11:01 Uhr)
@Sahron
“im Falle eines Falles die Ordnungshüter zwecks Verwarnungserteilung herbeirufen”
An sich die logische Idee. Alleine, in Trier bezweifele ich, dass sie überhaupt kommen würden. Ich habe hier noch zum ersten Male die Verteidigung des Raumes für den Radverkehr durch die Ordnungskräfte zu erleben.
Man braucht sich doch nur z.B. den (benutzungspflichtigen!) Radweg längs der neuen Zurmaiener Straße ortsauswärts zwischen der Einmündung alte Zurmaiener Straße und Kreuzung Zeughausstraße anzuschauen. Abgesehen von zustandsmäßiger Unbefahrbarkeit ist dieser IMMER AUF VOLLER LÄNGE zugeparkt, ohne dass etwas dagegen getan würde.
Hier habe ich übrigens auch einmal den Versuch gewagt. Ich habe mich vorbeigeschlängelt, bis der Erste komplett mitten auf dem Weg stand. Dann bin ich “selbstbewusst” auf die Fahrbahn ausgewichen. Obwohl ich so etwas ähnliches, wie eine Lücke abgewartet habe, hätte dieser Versuch beinahe unter einem LKW geendet.
Ich bin weißgott kein zimperlicher Radfahrer. Als Solcher hat man in Trier ohnehin keine Überlebenschance. Aber das mit dem Erobern des “angestammten Verkehrsraumes Fahrbahn” halte ich in Trier Stadt für relativ graue Theorie. Das klappt selbst überland auf dem Rennrad deutlich besser.
12. Juli 2009 (18:22 Uhr)
@Stephan
Wir sprechen hier aber nicht von der Zurmaiener, sondern von der Loebstraße. Und da kann es nicht angehen, wenn die für den Radverkehr schlechteste aller Varianten realisiert wird.
Die Moseluferstraßen und der Alleenring sind sowieso Kriegsgebiet. Überland auf dem Rennrad habe ich auch nur ganz selten Probleme, und wenn, dann fast immer mir den Spezialisten, die selbst bei vollkommen freier Gegenfahrbahn mit 70 km/h Geschwindigkeitsunterschied und 10 cm “Sicherheitsabstand” überholen.
13. Juli 2009 (13:55 Uhr)
@Sharon
Dass es um die Loebstraße geht, ist mir schon klar. Die Zurmainer Straße sollte auch nur als Beispiel (eines von Vielen!) für den Umgang des Ordnungskräfte mit den Rechten (oder – wie in diesem Falle – sogar Pflichten) der Radfahrer dienen.
Ich kann mir kaum vorstellen, dass dies in der Loebstraße anders gehandhabt würde. Ich habe auch keine Patentlösung parat. Aber ein Radweg rechts, entlang der Fahrbahn Richtung Ruwer, würde von den ansässigen Betrieben als “freie Verfügungsfläche” genutzt werden und NIEMAND würde etwas dagegen unternehmen. Er wäre also so gut, wie überhaupt nichts. Das ist klar absehbar.