Wuher kimmt eijentlich “Peifjen”?
Haben Sie mal darüber nachgedacht, woher Redewendungen kommen? Warum es “blau machen”, “sich nicht ins Bockshorn jagen lassen” und “den Löffel abgeben” heißt? Die meisten Menschen machen sich wahrscheinlich wenig oder keine Gedanken über die Herkunft von so genannten Phraseologismen. Im Gegensatz zu der Nachwuchsforschergruppe “Historische Formelhafte Sprache und Traditionen des Formulierens” (HiFoS) der Universität Trier. Die stellt jetzt zusammen mit zwei anderen Trierer Forschungseinrichtungen Beispiele ihrer Aktivitäten in dem Buch “geistesblitze – Deutsche Sprache” vor.
TRIER. Die geistes- und kulturwissenschaftlichen Forschungsverbünde der Universität Trier schickten sich vor zwei Jahren an, ihre Arbeit einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. In der Reihe “geistesblitze in der Stadt” hielten Mitarbeiter der Einrichtungen sprachwissenschaftliche Kurzvorträge an dafür ungewöhnlichen Orten wie einer Apotheke oder einer Frauenarztpraxis. Die Referate wurden aufgezeichnet, so dass im vergangenen Jahr eine DVD zu dem Projekt erschien. Nach “geistesblitze – der Film” gibt es nun 49 Beiträge der Institutionen auch in Buchform.
Wer den nach dem ersten Wort nicht mehr mundgerechten Untertitel des quadratischen Büchleins hinter sich gebracht hat, der hat die einzige wissenschaftssprachliche Hürde schon genommen. Die “Kostproben aus den Forschungen des ‘Historisch-Kulturwissenschaftlichen Forschungszentrums Trier’, des ‘Kompetenzzentrums für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften’ und der Nachwuchsforschergruppe ‘Historische Formelhafte Sprache und Traditionen des Formulierens’ an der Universität Trier” sind leichter verdaulich, als diese Beschreibung vermuten lässt.
Von Natalia Filatkina beispielsweise erfährt man gut verständlich, woher die Redewendung “Den Löffel abgeben” kommt. “In ‘den Löffel abgeben’ steht der Löffel für die lebensnotwendige Tätigkeit des Essens. Ist man wegen der Abgabe des Löffels nicht mehr imstande, Nahrung aufzunehmen, bedeutet dies das Lebensende.” So ähnlich kann man dies auch im Duden “Redewendungen und sprichwörtliche Redensarten” nachlesen. Doch die Beiträge der Trierer Forscher sind trotz ihrer Kürze ausführlicher. So heißt es weiter: “Im Mittelalter hatte der selbstgeschnitzte Löffel einen hohen persönlichen Wert. Fiel er zu Boden, galt dies als Vorzeichen für den Tod.”
Während sich das HiFoS-Team mit solchen Phraseologismen in Texten vom 8. bis zum 18. Jahrhundert beschäftigt und damit die historischen Grundlagen fester Wendungen erforscht, digitalisiert das Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren Dialektwörterbücher. In “geistesblitze – Deutsche Sprache” erklären Mitarbeiter regionale Schimpfwörter. “Peifjen” zum Beispiel könnte laut Marco Brösch und der Herausgeberin Ruth Rosenberger auf den Kinderreichtum Trierer Familien anspielen. “Denn man sagt im Moselfränkischen ‘De hät Kenner wie de Urgelspfeifen’, also so viele unterschiedlich große Kinder wie die Pfeifen einer Kirchenorgel.”
Das Historisch-Kulturwissenschaftliche Forschungszentrum Trier ist gerade daran beteiligt, einen Atlas zu Familiennamen des Westmitteldeutschen, zu dem auch das Moselfränkische gehört, zu erarbeiten. Im “geistesblitze”-Buch, in dem jedem Artikel ein mehr oder weniger passendes Foto gegenübergestellt ist, wird die Herkunft einiger, vor allem in Trier häufig vorkommender Nachnamen erklärt. So ist der Evangelist Markus “Namenspatron der allermeisten, die Marx heißen. Durch das Zusammenziehen beim schnellen Sprechen entfiel im Laufe der Zeit die zweite Silbe des biblischen Rufnamens Markus, so dass Marx übrig blieb”. Der Familienname Laux hat eine ähnliche Herkunftsgeschichte. Hier sei nur so viel verraten, dass er nicht von Matthäus und auch nicht von Johannes herstammt.
“Linguistik kurzweilig an den Mann bringen”, nennt Claudine Moulin, Professorin für Ältere deutsche Philologie, das Ziel der Publikation, die gestern auf dem Mensa-Vorplatz vorgestellt wurde. Dies ist den Trierer Forschern abermals gut gelungen. Allgemeinverständlich anhand alltäglicher Beispiele Interesse für Sprache zu wecken.
Rosenberger, Ruth (Hg.). Geistesblitze – Deutsche Sprache. WVT, Trier. 2009




