Die Ähnlichkeit zwischen BAP und Bob

"Wir müssen um elf Uhr aufhören. Deshalb rede ich weniger und wir rocken mehr", kündigte Wolfgang Niedecken zu Beginn an und setzte das dann auch drei Stunden lang um. Foto: Christian JörickeBei der Sommernachtstraum-Tour 2009 gastierten am vergangenen Samstag die Kölschrocker BAP im Amphitheater. Dem Motto entsprechend sorgte das Wetter für eine laue Nacht, in der 2.600 Zuschauer drei Stunden lang 33 Jahre Kölner Musikgeschichte zelebrierten.

TRIER. “Songs sind wie Träume, die man wahr zu machen versucht. Sie sind wie fremde Länder, die man bereist…”, zitiert Niedecken nach den ersten zwei Liedern aus Bob Dylans Autobiographie “Chronicles”. Mit dem Opener “Nemm mich met”, der vom Publikum textsicher aufgegriffen wird, begibt sich selbiges mit der Band auf einen Trip durch über 30 Jahre Bandgeschichte und zu Liedern, die laut Niedecken größtenteils auf Reisen entstanden sind. Das “ständige Unterwegsseins” hatte er bereits im Interview mit 16vor als zentrale Lebenshaltung geschildert, die Mittelmäßigkeit ebenso verhindert wie kreativen Stillstand.

Mit dem Pauschalurteil “Sie sind noch ganz die Alten”, das so häufig im Zusammenhang mit jahrzehntelang erfolgreichen Rockbands zu lesen ist, wird man BAP also nicht gerecht. Sich selbst treu zu bleiben mit konsequent kölschen Texten und gleichzeitig musikalische Entwicklungen wagen, indem die neuen Bandmitglieder ihr Potenzial einfließen lassen können – darin liegt die Kunst erfolgreichen Fortbestehens.

Zwei weitere Konstanten werden schon vor Beginn des Konzertes deutlich: Equipment von Marshall und Fender nimmt den Bühnenraum ein und verspricht den gewohnt blues-rockigen Sound. Konstant ist auch die Treue des Publikums, dessen Durchschnittsalter geschätzte 50 Jahre beträgt. Der leicht ergraute Träger des T-Shirts mit dem Aufdruck “Der BAP-Sommer 2009 – 30 Jahre später” bestätigt den Verdacht, dass die Fans mit ihrer Band älter geworden sind und es trotz großer Plattenerfolge von BAP zumindest hierzulande mit dem Nachwuchs hapert.

Die Innovationen bringen es mit sich, dass einige altbekannte Stücke wie “Alexandra” oder “Kristallnaach” anders als sonst nicht schon am ersten Ton zu erkennen sind. Das mag man sentimental oder zurecht monieren. Fakt ist: Die neuen Arrangements, wie etwa der Reggae-Rhythmus beim “Wellenreiter”, verhindern, dass die Klassiker Staub ansetzen. Und so unterstützt auch der Gastauftritt der Violinistin Anne de Wolff die Entwicklungsfreude der Band. Bereits auf den Alben “Dreimal zehn Jahre”, “Aff und zo” und “Radio Pandora” ist ihre Virtuosität zu vernehmen, die sie auch bei Bands wie Rosenstolz, Such a Surge und Wir sind Helden, um nur einige zu nennen, unter Beweis stellte. Das gibt der Melancholie in “Novembermorje” einen strahlenden Klang und verleiht “Duude Bloome” zusammen mit der Steel-Gitarre den Sound eines Countrysongs. Auch gesanglich bereichert sie den Abend, des Kölschen hörbar mächtig.

[Galerie nicht gefunden]

Nach zwei Stunden erklingt mit “Deshalv spill mer he” das letzte Lied – der Fan weiß: Jetzt gilt es stimmlich und motorisch nicht schlapp zu machen; unter drei Stunden verlassen BAP nie die Bühne, und was die Altrocker auf dieser auch während der Zugaben leisten, darf im Zuschauerraum nicht unterboten werden.

Mit “Für ‘ne Moment” erinnert Niedecken, solo mit Gitarre und Mundharmonika, an die ersten Stunden von BAP und die Gründungsmitglieder. Und verblüfft mit der Interpretation von Bob Dylans “Hurricane”: Kaum singt Niedecken ausnahmsweise Englisch, erhält seine Stimme einen vollkommen anderen Ausdruck, der eine fast unheimliche Verwandtschaft zum Idol Dylan besitzt. Verwoben mit “Stell der vüür” werden BAP bei dieser Reminiszenz lautstark unterstützt, wie auch bei den anschließenden Titeln “Nix wie bisher” und “Verdamp lang her”. “Du kanns zaubre” lässt den Abend ausklingen, bevor mit “Für immer jung” ein Geburtstagsständchen für einen jungen Zuschauer erklingt, womit die Rekrutierung des Nachwuchses erfolgreich und mit ein paar Regentropfen von ganz oben gesegnet scheint.

Print Friendly

von

Schreiben Sie einen Leserbrief

Angabe Ihres tatsächlichen Namens erforderlich, sonst wird der Beitrag nicht veröffentlicht!

Bitte beachten Sie unsere Kommentarrichtlinien!

Noch Zeichen.

Unterstützen

In Evernote merken