Rudis Erben schießen Hannover ab
Wenn ein Viertligist auf einen Erstligisten trifft, sind die Spiele in der Regel eine klare Sache. So auch gestern Abend im DFB-Pokalspiel zwischen Eintracht Trier und Hannover 96. In diesem Fall war es allerdings eine klare Sache für den Außenseiter. In der zweiten Halbzeit spielte der SVE überlegen und verdiente sich mit einem 3:1-Sieg den Einzug in die nächste Runde. Erinnerungen an die Saison 1997/98 werden wach.
TRIER. Als Rudi Thömmes am Stadion ankommt, gießt es wie aus Kübeln. “Bei uns war das Wetter besser”, sagt Triers ehemaliger Kultstürmer, der in der Saison 1997/98 im Pokal gegen Dortmund und Schalke traf und damit erheblich zum Sieg gegen diese Mannschaften und dem Erreichen des Halbfinales beitrug. Trotz des Regens freut er sich auf das Spiel. Die Partie nimmt anschließend, bei auflockernder Bewölkung, zunächst den erwarteten Verlauf. Hannover spielt überlegen und kommt zu guten Chancen.
So nutzt Jan Rosenthal, Hannovers Bester, einen Stellungsfehler der Trierer Innenverteidigung zum 0:1 (40.). Bis zur Halbzeit spielt die Eintracht solide, kommt aber in der Offensive überhaupt nicht zum Zug. “Wir hatten zu viel Respekt”, sagt Torschütze Martin Wagner nach dem Spiel. Das änderte sich im zweiten Durchgang. Der SVE erarbeitete sich Chancen, während die Niedersachsen das Ergebnis im Schongang nach Hause bringen wollten.
Diesen Plan machte Neuzugang Wagner mit seinem Ausgleich zunichte. Nach einer sehenswerten Kombination über Risser und Schulz gelangt die Hereingabe über Umwege zum Linksfuß, der mit rechts ins untere Eck trifft (60.). Fortan spielte nur noch Trier. Trainer Mario Basler hatte mit Tim Eckstein eine weitere Offensivkraft eingewechselt – trotzdem traf ein Verteidiger zur Führung. Markus Anfang bringt einen langen Ball auf Wilko Risser. Risser legt quer auf Josef Cinar, der aus kurzer Distanz unbedrängt abschließen kann (65.). Als sich auf den Rängen der erste Jubel gelegt hat, ist ein fast ungläubiges Staunen ob der Leistung der eigenen Mannschaft zu spüren.
Dem Gäste-Trainer hingegen blieb an diesem Sonntag nichts erspart. Während er im VIP-Zelt auf den Beginn der Pressekonferenz wartete, flimmerte die Spielzusammenfassung des ZDF über die Bildschirme. “Hannover spielte schlampig”, musste sich Dieter Hecking von Reporterlegende Rolf Töpperwien anhören und fand anschließend selbst klare Worte für die Leistung seiner Mannschaft: “Wie die Mannschaft nach der Pause zusammengebrochen ist, ist für eine Bundesliga-Mannschaft unwürdig.”
Der Bundesligist kam zu keiner klaren Chance mehr. Im Gegenteil: In der Nachspielzeit erkämpfte sich Eckstein gegen aufgerückte Hannoveraner den Ball und bediente mit viel Übersicht Sahr Senesie. Ohne Mühe erhöhte der auf 3:1 und sorgte für Erklärungsnöte auf Seiten der Gäste. “Überfragt” sei er, wie seine Vorderleute dieses Spiel aus der Hand gegeben hatten, sagte Torwart Robert Enke konsterniert.
[Galerie nicht gefunden]Dabei gibt es einfache Gründe für den verdienten Trierer Sieg. “Kämpfen und wenig Fehler machen”, lautete Baslers Parole vor dem Spiel. Das setzten seine Mannen um. Vor allem die Neuzugänge überzeugten auf ganzer Linie. Torwart Kronholm hielt, was zu halten war, Wagner dürfte auf links zu einer festen Größe werden. In der Innenverteidigung sorgte Nicolas Fernandes für Stabilität. Das ganze Selbstvertrauen zeigte sich in der 68. Minute: Bei einem Gäste-Freistoß schnappte Triers Falle zu. Fast die halbe Gäste-Mannschaft stand im Abseits.
So gab es keinen Zweifel daran, dass Triers Sieg aufgrund der starken zweiten Halbzeit verdient war. “Wir haben an uns geglaubt und nach dem Ausgleich konsequent weitergespielt”, lobte Basler seine Mannschaft, warnte aber gleichzeitig vor zu viel Euphorie. Im ersten Ligaspiel gegen Schalke II am kommenden Freitag werde nur auflaufen, wer im Training konzentriert zur Sache gehe. Auch Torschütze Wagner weiß um die kommenden Pflichtaufgaben: “In der Regionalliga warten ganz andere Spiele auf uns”. Spiele mit weniger Euphorie und Gegnern, gegen die die Eintracht beweisen muss, dass sie das Spiel über 90 Minuten gestalten kann.
Am 22. oder 23. September geht es dann in die zweite Runde des DFB-Pokals. Während Basler keinen Wunschgegner nennt, hofft der sportliche Leiter Fritz Fuchs auf seinen ehemaligen Arbeitgeber Kaiserslautern. Dem stimmt Cinar zu. “Ich könnte aber auch mit den Bayern leben”, sagt er in Siegerlaune. Gegen wen auch immer es gehen wird – Rudi Thömmes wird sicher wieder den Weg ins Moselstadion finden und seinen Nachfolgern die Daumen drücken. Egal bei welchem Wetter.
Eintracht Trier: Kronholm – Dingels (58. Eckstein), Cinar, Fernandes, Rakic – Anfang, Lacroix, Gustav Schulz (85. Ay), Wagner – Senesie, Risser (87. Bauer)
Hannover 96: Enke – Cherundolo, Haggui, Christian Schulz, Rausch (84. Schmiedebach) – Balitsch – Rosenthal (75. Forssell), Rama (69. Krzynowek) – Bruggink – Stajner, Hanke
Tore: 0:1 Rosenthal (40.), 1:1 Wagner (60.), 2:1 Cinar (65.), 3:1 Senesie (91.)
Zuschauer: 6.000
Schiedsrichter: Markus Schmidt (Stuttgart)
von Christian Palm





3. August 2009 (07:48 Uhr)
Ich war im Stadion, leider nur für die erste Halbzeit, dann mußte ich zur Arbeit. Schade, daß ich die zweite Hälfte verpasst habe. In der ZDF Mediathek findet sich das Video zum Spiel inklusive der Freude in der Umkleidekabine. Sehenswert!
3. August 2009 (11:42 Uhr)
War auch im Stadion und für mich ist der neue Torwart eine Super Neuverpflichtung!! Sieht so aus als würde langsam die Arbeit von Fritz Fuchs und Mario Basler greifen, so wie sich die Eintracht in der Vorbereitung präsentierte macht das Lust auf mehr, auch falls das Ergebnis mal nicht stimmen sollte…
4. August 2009 (00:11 Uhr)
das spiel war der hammer! kann nur jedem fussballfan empfehlen: ab ins moselstadion zur eintracht!