Badeunfall: Mann verstorben

MERTESDORF. Ein 20-jähriger Mann ist am Sonntag nach einem Badeunfall tags zuvor im Schwimmbad Mertesdorf verstorben.

Zeugen hatten am Samstagnachmittag den leblosen Körper des jungen Mannes auf dem Grund des Schwimmerbeckens entdeckt und sofort die Bademeister zur Hilfe gerufen. Diese konnten den Mann aus dem Wasser bergen und reanimieren.

Am Sonntagmorgen verstarb der junge Mann, bei dem eine Vorerkrankung bestand, in einem Trierer Krankenhaus. Es liegen keine Hinweise auf Fremdverschulden vor, erklärte die Polizei am Mittag.

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9 Leserbriefe | RSS-Abo

  1. Bernd Jung schreibt:

    Von Helfern und Gaffern
    Über einen Unfall im Freibad Mertesdorf und eine schaulustige Menge

    Es ist Samstag Nachmittag im Mertesdorfer Freibad. Hunderte vergnügen
    sich im und um das kühlende Nass – als plötzlich der Alptraum eines
    jeden Bademeisters eintritt: ein Jugendlicher ist im Wasser kollabiert,
    muss aus dem Becken gezogen und anschließend reanimiert werden. Schnell
    finden sich einige Freiwillige, die die geschockten Freunde des
    Jugendlichen beiseite nehmen und trösten, die die Bademeister bei den
    Sofortmaßnahmen unterstützen. Auch war eine Ärztin sofort zur Stelle,
    die ihre eigenen Kinder nur rasch in die Obhut anderer Menschen geben
    konnte, um dann sofort dem Jugendlichen zu helfen. Viele Minuten lang
    wird der Jugendliche beatmet und der Bademeister versucht den
    Jugendlichen mit der Herz-Lungen-Massage wiederzubeleben.

    Der Notarzt ist immer noch nicht da – aber zahlreiche Kinder und auch
    Erwachsene nähern sich dem Geschehen bis auf wenige Meter und ergötzen
    sich an dem Spektakel. Vielfach sind Fragen nach der Ursache und
    bezüglich des Ablaufs zu hören – dass die Retter unter Stress stehen,
    das Leben des Jugendlichen alles andere als gerettet ist, hier es
    wirklich um Leben und Tod geht, das scheinen viele der Umstehenden gar
    nicht zu realisieren. Ganz im Gegenteil, müssen sich noch freiwillige
    Helfer, die den Platz des Geschehens soweit räumen wollen, dass die
    Retter endlich ungestört arbeiten können, sich noch anhören, was sie
    denn hier zu sagen hätten, dass sie doch gar nicht wüssten, wie der
    Notarzt zum Opfer gelangen würde. Man sieht also, wie ein junger Mensch
    um sein Leben kämpft – und beschwert sich darüber, dass einem die besten
    Sichtplätze genommen wird! Ganz dreist gehen einige Zuschauer einfach
    ins Wasser und schwimmen bis auf Höhe des Geschehens, um auch ja
    möglichst nah dabei zu sein. Sensationslust pur lässt jegliches
    Schamgefühl, jegliches Mitleid für den Jugendlichen hintanstehen. Was
    würde nur die jeweilige Person sagen, wenn sie selbst derart hilflos
    daläge und um sie herum die gaffende Meute herumstände – begierig zu
    sehen, ob derjenige überlebt oder vielleicht doch noch im großen Finale
    stirbt?

    Endlich kommen die Rettungssanitäter und der Notarzt. Auch sie benötigen
    noch etliche Minuten, um den Jugendlichen soweit zu stabilisieren, dass
    er transportfähig ist. Zwischenzeitlich wurden um den Verunfallten
    Tücher gespannt, damit die Privatsphäre des Jugendlichen gewährleistet
    wird – urplötzlich sank die Zahl der Spektanten. Es gab halt nichts
    Spannendes mehr zu sehen!

    Der Jugendliche wurde ins Krankenhaus gefahren – wie es ihm jetzt
    ergeht, ist dem Autor unbekannt. Die Bademeister sind erschöpft und
    geschlaucht – nach fast einer Stunde höchster Anspannung und gewaltiger
    Anstrengungen hätten sie sich nun eine Pause redlich verdient – aber
    Dienst ist Dienst und das Bad schließt erst um 19 Uhr. Entsprechend
    machen sie sich nach wenigen Minuten des Durchschnaufens und des Sacken
    Lassens der Ereignisse wieder an die Arbeit. Schließlich soll nicht noch
    ein Mensch verunfallen.

    Den Bademeistern wie auch den freiwilligen Helfern möchte ich meinen
    herzlichen Dank aussprechen. Dies ist gelebte Zivilcourage und ich
    hoffe, dass sie hierfür noch entsprechend gewürdigt und belohnt werden.

    Den zahlreichen erwachsenen Zuschauern, insbesondere denjenigen, die
    erst nach mehrfachen Bitten das Umfeld räumten, möchte ich aber die
    Frage stellen, warum sie nicht geholfen haben? Warum sie nicht die
    Kinder ferngehalten haben, die zunächst um den Ort des Geschehens
    herumtollten (merke: die Kinder trifft keine Schuld – durchaus aber die
    Erwachsenen!)? Warum sie unbedingt ihren Sichtplatz behalten wollten,
    auch auf die Gefahr hin, dass dann der Bademeister mit den dringend
    benötigten Gerätschaften um sie herum rennen musste – wo doch jede
    Sekunde zählte?

    Sensationslust sollte nicht über Vernunft obsiegen – dies sollte eine
    der Hauptlehren aus dem Geschehenen sein.

  2. Philipp schreibt:

    @ Bernd Jung
    Unfassbar… Ich lese das und kann schon die Meldung selbst kaum glauben und jetzt Ihre Schilderung… Wenn das so stimmt wie Sie es schreiben, dann kann ich nur sagen: ALLE Gaffer hinter Gitter wegen Behinderung der Hilfeleistung!!!

  3. bogus schreibt:

    Fremdschämen !

    Mein Beileid an die Familie.

  4. Marion schreibt:

    Sorry, bin ich blöde oder was ?
    Schön dass Herr Jung das so gut schildern kann, aber mir scheint, er war hier auch nur Zuschauer und hat nix getan. Oder ?
    Hört sich zumindest nicht so an als hätte er versucht da einzugreifen.

  5. Susanne Andres schreibt:

    @Bernd Jung
    Sie beschreiben hier an einem wirklich tragischen Einzelbeispiel ein gesellschaftliches Phänomen: Empathielosigkeit, Verantwortungslosigkeit, fehlendes Rückgrad. Solche Situationen kennen wir alle von der Autobahn; ,,unsere” Jugendlichen schicken sich per Mobiltelefon Fotos und Filme von Gewalt (aneinander, an Frauen, an Kindern, an Tieren), schauen sie ohne mit der Wimper zu zucken an, geben sie weiter, amüsieren sich … Tagtäglich werden kleine Kinder Zeugen von Todeskämfen, ob im TV oder am PC; es gibt kaum etwas, was Kinder und Jugendliche noch nicht gesehen haben; da gibt das ,,Lifeerlebnis” im Mertesdorfer Schwimmbad noch einen Kick obendrauf. Warum soll es da in und um Trier anders zugehen, als auf der ganzen anderen Welt? (Zum Glück gibts noch keine Badehose mit Handy-Tasche, sonst wäre sicherlich auch noch gefilmt und fotografiert worden und der Film würde schon unter Trierer SchülerInnen kursieren!)
    Die Mehrzahl unserer Kinder und Jugendlichen lernen durch Erwachsene, ob in Schule oder zu Hause alltäglich: duck dich, fall nicht auf, halt dich raus, stell dich gut und nicht: widersprich, schwimm gegen den Strom, zeig Rückgrad und Zivilcourage! Ja wohl, Erwachsene sind das, die diese ,,Werte” vermitteln und die aus unseren Jugendlichen MitläuferInnen machen, statt aufrechte und mitfühlende Menschen.
    Aus Empathie für Mensch und Tier trage ich keine Edelsteine, esse kein Fleisch, kaufe keine Billigprodukte u.v.a, denn am Ende aller Ketten stehen Lebewesen, die sich zu Tode geschuftet haben oder die zu Tode geschunden wurden, mit unser aller Wissen, aber ohne dass wir zugaffen können, weil es nicht mitten unter uns geschieht, sondern weit weg.

  6. Bernd Jung schreibt:

    Werte Marion,

    nein, Du bist nicht bloed, aber genaueres Lesen haette Dich schon auf die richtige Faehrte bringen koennen.

    Ich habe bewusst meine Position rausgenommen, um hier nichts nach Eigenlob riechen zu lassen.

    Ich war einer der “Helfer der zweiten Reihe”, sprich: ich habe mich darum gekuemmert, den Platz um das Opfer und seine Helfer freizuhalten, und habe mir zudem mit der dritten Bademeisterin die Kontrolle ueber die Becken geteilt (die anderen beiden Bademeister waren ja mit der Wiederbelebung des Opfers beschaeftigt und konnten daher nicht auch noch dieser Taetigkeit zeitgleich nachgehen).

    Mit freundlichen Gruessen

    Bernd Jung

  7. Eduard Koll schreibt:

    Werte Marion…
    Herr Jung beschreibt Tatsachen – ungeschönt.
    Und er hat auch genau in der wünschenswerten Art und Weise Hilfe geleistet.
    Danke!
    Bademeister

  8. Michael Misch schreibt:

    Ich bin durch Zufall auf Ihren Artikel gestoßen. Der junge Mann, er ist der Freund der Schwester meiner Freundin, war 20 Jahre alt und ist am vergangenen Sonntag gegen 9.20 h in einem Krankenhaus in Trier gestorben. Er hat noch die ganze Nacht um sein Leben gekämpft, aber sein Herz hat es nicht geschafft. Ich bin unsagbar traurig und merke, dass ich ihn nicht loslassen will. Deswegen schaute ich auch im Internet. Den Helfern möchte ich meinen Dank aussprechen, denn jeder Mensch ist froh, wenn er in der Notsituation einen Helfer hat.

  9. ZumGlückkeineTriererin schreibt:

    Die Gaffer beweisen wieder einmal mehr die unendliche Dummheit, die in vielen Teilen der (jungen) Trierer Bevölkerung sehr weit verbreitet ist.

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