Badeunfall: Mann verstorben
MERTESDORF. Ein 20-jähriger Mann ist am Sonntag nach einem Badeunfall tags zuvor im Schwimmbad Mertesdorf verstorben.
Zeugen hatten am Samstagnachmittag den leblosen Körper des jungen Mannes auf dem Grund des Schwimmerbeckens entdeckt und sofort die Bademeister zur Hilfe gerufen. Diese konnten den Mann aus dem Wasser bergen und reanimieren.
Am Sonntagmorgen verstarb der junge Mann, bei dem eine Vorerkrankung bestand, in einem Trierer Krankenhaus. Es liegen keine Hinweise auf Fremdverschulden vor, erklärte die Polizei am Mittag.
von 16vor





17. August 2009 (12:21 Uhr)
Von Helfern und Gaffern
Über einen Unfall im Freibad Mertesdorf und eine schaulustige Menge
Es ist Samstag Nachmittag im Mertesdorfer Freibad. Hunderte vergnügen
sich im und um das kühlende Nass – als plötzlich der Alptraum eines
jeden Bademeisters eintritt: ein Jugendlicher ist im Wasser kollabiert,
muss aus dem Becken gezogen und anschließend reanimiert werden. Schnell
finden sich einige Freiwillige, die die geschockten Freunde des
Jugendlichen beiseite nehmen und trösten, die die Bademeister bei den
Sofortmaßnahmen unterstützen. Auch war eine Ärztin sofort zur Stelle,
die ihre eigenen Kinder nur rasch in die Obhut anderer Menschen geben
konnte, um dann sofort dem Jugendlichen zu helfen. Viele Minuten lang
wird der Jugendliche beatmet und der Bademeister versucht den
Jugendlichen mit der Herz-Lungen-Massage wiederzubeleben.
Der Notarzt ist immer noch nicht da – aber zahlreiche Kinder und auch
Erwachsene nähern sich dem Geschehen bis auf wenige Meter und ergötzen
sich an dem Spektakel. Vielfach sind Fragen nach der Ursache und
bezüglich des Ablaufs zu hören – dass die Retter unter Stress stehen,
das Leben des Jugendlichen alles andere als gerettet ist, hier es
wirklich um Leben und Tod geht, das scheinen viele der Umstehenden gar
nicht zu realisieren. Ganz im Gegenteil, müssen sich noch freiwillige
Helfer, die den Platz des Geschehens soweit räumen wollen, dass die
Retter endlich ungestört arbeiten können, sich noch anhören, was sie
denn hier zu sagen hätten, dass sie doch gar nicht wüssten, wie der
Notarzt zum Opfer gelangen würde. Man sieht also, wie ein junger Mensch
um sein Leben kämpft – und beschwert sich darüber, dass einem die besten
Sichtplätze genommen wird! Ganz dreist gehen einige Zuschauer einfach
ins Wasser und schwimmen bis auf Höhe des Geschehens, um auch ja
möglichst nah dabei zu sein. Sensationslust pur lässt jegliches
Schamgefühl, jegliches Mitleid für den Jugendlichen hintanstehen. Was
würde nur die jeweilige Person sagen, wenn sie selbst derart hilflos
daläge und um sie herum die gaffende Meute herumstände – begierig zu
sehen, ob derjenige überlebt oder vielleicht doch noch im großen Finale
stirbt?
Endlich kommen die Rettungssanitäter und der Notarzt. Auch sie benötigen
noch etliche Minuten, um den Jugendlichen soweit zu stabilisieren, dass
er transportfähig ist. Zwischenzeitlich wurden um den Verunfallten
Tücher gespannt, damit die Privatsphäre des Jugendlichen gewährleistet
wird – urplötzlich sank die Zahl der Spektanten. Es gab halt nichts
Spannendes mehr zu sehen!
Der Jugendliche wurde ins Krankenhaus gefahren – wie es ihm jetzt
ergeht, ist dem Autor unbekannt. Die Bademeister sind erschöpft und
geschlaucht – nach fast einer Stunde höchster Anspannung und gewaltiger
Anstrengungen hätten sie sich nun eine Pause redlich verdient – aber
Dienst ist Dienst und das Bad schließt erst um 19 Uhr. Entsprechend
machen sie sich nach wenigen Minuten des Durchschnaufens und des Sacken
Lassens der Ereignisse wieder an die Arbeit. Schließlich soll nicht noch
ein Mensch verunfallen.
Den Bademeistern wie auch den freiwilligen Helfern möchte ich meinen
herzlichen Dank aussprechen. Dies ist gelebte Zivilcourage und ich
hoffe, dass sie hierfür noch entsprechend gewürdigt und belohnt werden.
Den zahlreichen erwachsenen Zuschauern, insbesondere denjenigen, die
erst nach mehrfachen Bitten das Umfeld räumten, möchte ich aber die
Frage stellen, warum sie nicht geholfen haben? Warum sie nicht die
Kinder ferngehalten haben, die zunächst um den Ort des Geschehens
herumtollten (merke: die Kinder trifft keine Schuld – durchaus aber die
Erwachsenen!)? Warum sie unbedingt ihren Sichtplatz behalten wollten,
auch auf die Gefahr hin, dass dann der Bademeister mit den dringend
benötigten Gerätschaften um sie herum rennen musste – wo doch jede
Sekunde zählte?
Sensationslust sollte nicht über Vernunft obsiegen – dies sollte eine
der Hauptlehren aus dem Geschehenen sein.
17. August 2009 (14:21 Uhr)
@ Bernd Jung
Unfassbar… Ich lese das und kann schon die Meldung selbst kaum glauben und jetzt Ihre Schilderung… Wenn das so stimmt wie Sie es schreiben, dann kann ich nur sagen: ALLE Gaffer hinter Gitter wegen Behinderung der Hilfeleistung!!!
17. August 2009 (17:07 Uhr)
Fremdschämen !
Mein Beileid an die Familie.
18. August 2009 (13:07 Uhr)
Sorry, bin ich blöde oder was ?
Schön dass Herr Jung das so gut schildern kann, aber mir scheint, er war hier auch nur Zuschauer und hat nix getan. Oder ?
Hört sich zumindest nicht so an als hätte er versucht da einzugreifen.
18. August 2009 (15:24 Uhr)
@Bernd Jung
Sie beschreiben hier an einem wirklich tragischen Einzelbeispiel ein gesellschaftliches Phänomen: Empathielosigkeit, Verantwortungslosigkeit, fehlendes Rückgrad. Solche Situationen kennen wir alle von der Autobahn; ,,unsere” Jugendlichen schicken sich per Mobiltelefon Fotos und Filme von Gewalt (aneinander, an Frauen, an Kindern, an Tieren), schauen sie ohne mit der Wimper zu zucken an, geben sie weiter, amüsieren sich … Tagtäglich werden kleine Kinder Zeugen von Todeskämfen, ob im TV oder am PC; es gibt kaum etwas, was Kinder und Jugendliche noch nicht gesehen haben; da gibt das ,,Lifeerlebnis” im Mertesdorfer Schwimmbad noch einen Kick obendrauf. Warum soll es da in und um Trier anders zugehen, als auf der ganzen anderen Welt? (Zum Glück gibts noch keine Badehose mit Handy-Tasche, sonst wäre sicherlich auch noch gefilmt und fotografiert worden und der Film würde schon unter Trierer SchülerInnen kursieren!)
Die Mehrzahl unserer Kinder und Jugendlichen lernen durch Erwachsene, ob in Schule oder zu Hause alltäglich: duck dich, fall nicht auf, halt dich raus, stell dich gut und nicht: widersprich, schwimm gegen den Strom, zeig Rückgrad und Zivilcourage! Ja wohl, Erwachsene sind das, die diese ,,Werte” vermitteln und die aus unseren Jugendlichen MitläuferInnen machen, statt aufrechte und mitfühlende Menschen.
Aus Empathie für Mensch und Tier trage ich keine Edelsteine, esse kein Fleisch, kaufe keine Billigprodukte u.v.a, denn am Ende aller Ketten stehen Lebewesen, die sich zu Tode geschuftet haben oder die zu Tode geschunden wurden, mit unser aller Wissen, aber ohne dass wir zugaffen können, weil es nicht mitten unter uns geschieht, sondern weit weg.
18. August 2009 (16:13 Uhr)
Werte Marion,
nein, Du bist nicht bloed, aber genaueres Lesen haette Dich schon auf die richtige Faehrte bringen koennen.
Ich habe bewusst meine Position rausgenommen, um hier nichts nach Eigenlob riechen zu lassen.
Ich war einer der “Helfer der zweiten Reihe”, sprich: ich habe mich darum gekuemmert, den Platz um das Opfer und seine Helfer freizuhalten, und habe mir zudem mit der dritten Bademeisterin die Kontrolle ueber die Becken geteilt (die anderen beiden Bademeister waren ja mit der Wiederbelebung des Opfers beschaeftigt und konnten daher nicht auch noch dieser Taetigkeit zeitgleich nachgehen).
Mit freundlichen Gruessen
Bernd Jung
18. August 2009 (22:05 Uhr)
Werte Marion…
Herr Jung beschreibt Tatsachen – ungeschönt.
Und er hat auch genau in der wünschenswerten Art und Weise Hilfe geleistet.
Danke!
Bademeister
19. August 2009 (14:31 Uhr)
Ich bin durch Zufall auf Ihren Artikel gestoßen. Der junge Mann, er ist der Freund der Schwester meiner Freundin, war 20 Jahre alt und ist am vergangenen Sonntag gegen 9.20 h in einem Krankenhaus in Trier gestorben. Er hat noch die ganze Nacht um sein Leben gekämpft, aber sein Herz hat es nicht geschafft. Ich bin unsagbar traurig und merke, dass ich ihn nicht loslassen will. Deswegen schaute ich auch im Internet. Den Helfern möchte ich meinen Dank aussprechen, denn jeder Mensch ist froh, wenn er in der Notsituation einen Helfer hat.
21. August 2009 (16:37 Uhr)
Die Gaffer beweisen wieder einmal mehr die unendliche Dummheit, die in vielen Teilen der (jungen) Trierer Bevölkerung sehr weit verbreitet ist.